Bewohner im Pflegeheim Brüssow (Quelle: rbb Fernsehen)
rbb Fernsehen
Video: Himmel und Erde | 02.02.2019 | Christiane Hög | Bild: rbb Fernsehen

Wer bezahlt das Pflegeheim? - Wenn die Rente nicht für die Pflege reicht

Ein Platz im Pflegeheim kostet auch mal mehrere Tausend Euro im Monat. Die Pflegeversicherung übernimmt zwar einen festen Anteil, doch die finanzielle Belastung der Heimbewohner ist groß. Von Christiane Hög

Über den langen Flur der 1. Etage rollt der Wagen mit frisch gewaschener Wäsche. Im Gemeinschaftsraum nehmen die ersten Bewohner an für den Nachmittagskaffee eingedeckten Tischen Platz. 60 Senioren werden im "Haus am See" in Brüssow (Uckermark) von der Stephanus-Stiftung versorgt. Das kleine Pflegeheim ist beliebt, es gibt Wartelisten.

Doch Pflege rund um die Uhr ist teuer. Schnell kommen pro Platz und Monat mehrere tausend Euro zusammen - für Pflege, Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und einen Ausbildungszuschlag, erklärt Heimleiter Matthias Jakob. Einen großen Teil der Kosten, den sogenannten Eigenanteil, müssen die Bewohner wie überall in stationären Pflegeeinrichtungen selbst tragen. Dafür reiche die Rente häufig nicht, sagt Jakob. "Gerade hier in unserer Region ist es so, dass wir viele Bewohner haben, die den Eigenanteil nicht von der Rente finanzieren können."

"Den Rest muss ich vom Ersparten nehmen"

Die Pflegeversicherung übernimmt je nach Pflegegrad immer nur einen festen Anteil der Kosten. Unabhängig vom Pflegeaufwand ist dadurch der Eigenanteil pro Bewohner annähernd gleich. Und annähernd gleich sind auch die Schwierigkeiten, dafür aufkommen zu können. Hier in der Uckermark haben viele in der Landwirtschaft gearbeitet, die Löhne waren nicht hoch. Scheidung zu DDR-Zeiten, Arbeitslosigkeit nach der Wende, Teilzeitjobs oder vorfristiger Ruhestand schmälern ebenfalls den Rentenbetrag.

Reicht die Rente nicht aus, muss - wenn überhaupt vorhanden - das Vermögen aufgebraucht werden und die Familie ist in der Pflicht. Doch Ehe- oder Lebenspartner sind häufig bereits selbst Rentner. Auch die 69-jährige Gisela Eikmeier muss zahlen, seit sie ihren schwer an Parkinson erkrankten Mann nicht mehr allein zuhause versorgen kann. "Mein Mann bekommt 800 Euro Rente, und ich muss jeden Monat an Eigenleistung 1.600 Euro dazu zahlen. Meine Rente reicht für mich, den Rest muss ich vom Ersparten nehmen." Giesela Elkmeier fragt sich, wie lange das Geld reicht und wann sie das Eigenheim verkaufen muss, um die Pflegeeinrichtung zu finanzieren. "Wir haben beide jeder 40 Jahre gearbeitet, und mehr Rente ist einfach nicht, das ist einfach so."

Die Kinder verdienen nicht genug

Melita Keil lebt seit fast zehn Jahren im "Haus am See". Täglich macht sie mit ihrem Rollator ihre Runde durch das Haus, sie ist Vorsitzende des Heimbeirates. Mit ihren 800 Euro Rente kann die 90-Jährige den erforderlichen Eigenanteil nicht begleichen. Das Zimmer von Melita Keil ist liebevoll dekoriert mit Fotos von ihren beiden Kindern, den Enkeln und dem ersten Urenkel. Eigentlich müssen auch Kinder für die Heimkosten ihrer Eltern mit aufkommen, aber ihre Kinder schaffen das nicht, sagt Melita Keil. "Das können sie nicht. Die haben ja auch nicht so viel. Mein Ältester, der ist jetzt schon Rentner mit seiner Frau, und meine Tochter, die verdient wenig, bei einem Call-Center ist das nicht so doll. Eine andere Arbeit hat sie dann nicht mehr gefunden."

Und so übernimmt das Sozialamt bei Melita Keil wie bei vielen anderen Bewohnern im "Haus am See" auch die Heimkosten.

Melita Keil (Quelle: rbb Fernsehen)
Melita Keil (90) war früher in der Landwirtschaft beschäftigt und hat nur eine kleine Rente | Bild: rbb Fernsehen

Ohne Azubis wäre es billiger

70 bis 80 Prozent aller anfallenden Kosten in der Pflege sind Personalkosten. Die 50 Mitarbeiter im "Haus am See" werden nach den Vertragsrichtlinien vom Diakonischen Werk bezahlt. Heime, die selbst ausbilden, dürfen ein Ausbildungsentgelt erheben, ohne Azubis würde es billiger. Regelmäßig werden die Kostensätze aller Pflegeheime überprüft und, auch mit Zustimmung der Sozialhilfeträger, entsprechend angepasst - Tendenz steigend, so Heimleiter Matthias Jakob. "Das ist im Rahmen der allgemeinen Tarifsteigerung üblich, das wird dann auf die Bewohner umgelegt. Es sei denn, die Zuschüsse der Pflegekasse steigen im gleichen Maße, dann würde das etwas kompensiert werden. In der Vergangenheit war das leider nicht der Fall."

Renate Regel (rechts) mit ihrer Mutter (Quelle: rbb Fernsehen)
Renate Regel (rechts) ging extra früher in den Ruhestand, um sich um ihre Mutter zu kümmern | Bild: rbb Fernsehen

Die Angehörigen fühlen sich mit den hohen Heimkosten allein gelassen. Ein Ausbildungszuschlag zu Lasten der Heimbewohner ist nicht in Ordnung, findet Gisela Eikmeier. "Was die Mitarbeiter hier leisten, ist schon enorm. Das ist einfach so. Aber dieser Ausbildungszuschlag – wo der Gesundheitsminister groß tönt, wir müssen Pflegekräfte ausbilden - aber das zu Lasten der Bewohner, der Heime, das ist doch nicht in Ordnung."

"Politiker reden viel"

Das sieht auch Renate Regel so. Sie sagt, Politiker reden nur viel über das was gemacht werden muss. Die 77-Jährige ging vorfristig in den Ruhestand und nahm Renteneinbußen in Kauf, um ihre Mutter zuhause zu pflegen. Den Heimaufenthalt bezahlt sie nun vom gemeinsam Ersparten. Selbst pflegebedürftig zu werden, daran will die agile Seniorin gar nicht denken. Eines steht fest - ihre Rente jedenfalls würde dann auch nicht reichen.

Sendung: Heimatjournal, 02.02.2019, 17:25 Uhr

Beitrag von Christiane Hög

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Ich stimme Ihnen voll zu und da wir zu Recht ständig über eine angemessene Bezahlung der Pflegekräfte diskutieren, wird Pflege auch nicht preiswerter.
    Ich zahle seit 43 Jahren Lohn bzw. Einkommenssteuer und hätte oft gerne Einfluss darauf, wofür ich zahle. M.E. sollten staatliche Zuschüsse wie z.B . für Kinderbetreung, Altenpflege etc. genenell einer Bedürftigkeitsüberprüfung unterliegen. Dann ist vllt. auch mehr für die da, die wirklich bedürftig sind.
    Wieso müssen Kindergarten, Kita, Schulessen hier generell für alle kostenlos sein , unabhängig vom Einkommen der Eltern. Und dann nicht mal genug Personal und Plätze für den gesamten Bedarf haben.
    Ein gesellschaftliches Problem verschärft die Lage zusätzlich. Geiz ist geil??? Wohl kaum. Je billiger die Leute einkaufen, desto mehr wird an Personal und der Bezahlung gespart. Und deshalb gibt es Niedriglöhne, Aufstocker, geringe Renten trotz jahrzehntelanger Berufstätigkeit und Altersarmut etc. Alles hausgemacht und politisch geduldet.

  2. 11.

    Hier mal etwas zum Thema „Sozialamt übernimmt“. Ihrer Unterhaltspflicht können Sie nicht entgehen

    https://www.mdr.de/mdr-um-4/leichter-leben/elternunterhalt-104.html

  3. 10.

    Das Problem dabei ist der Elternunterhalt!
    Und der Umgang damit (einzelner Sozialämter) in den Gemeinden.
    Hier wird seit Jahrzehnten sogar das Häuschen des Unterhaltspflichtigen Kindes veräußert, obgleich der Elternteil Selbstinstallation einer Immobilie lebt.
    Das das nun nicht mehr ganz streng ist, haben wie einzelnen Bürgern zu verdanken, die das bis zum BGH durchgestritten haben.
    Weiterer Punkt die Kosten:
    Pflegeimmobilienbetreiber werben mit 12% Rendite
    Bauen gerne etwas im 4 Sternebereich
    Mit Schwimmbassins und Fitnessräumen etc. die die alten Menschen garnicht nutzen können, Aber als werterhöhend bezahlen müssen. Und so weiter

  4. 8.

    Das Sozialamt muss aber nach möglichen Unterhaltspflichtigen suchen und diese zur Kasse bitten. Das belastet dann sowohl den Pflegebedürftigen (der will nicht, dass seine Kinder für ihn zahlen müssen) als auch den Unterhaltspflichtigen (da kann eine ganze Lebenplanung über den Haufen geworfen werden). Schauen Sie sich die Eigenmittelgrenzen an. Tipp an Unterhaltspflichtige: Wenn Pflegebedürftigkeit zb bei den Eltern droht lieber einen Kredit zb für eine selbstgenutze Immobilie aufnehmen. Das wird berücksichtigt.

  5. 7.

    Ganz ehrlich? Die Kosten für die Pflege sollten aus dem Steuertopf gezahlt werden. Die Trennung von KV und PV finde ich schon schlimm genug. Wenn man die KV von den Kosten entlasten will, dann muss es eben aus Steuern bezahlt werden. Die PV wird nie reichen und das den Menschen bzw, den Angehörigen das letzte Hemd auszuziehen finde ich erbärmlich. Und das sage ich als Mensch, der nicht besonders pro Sozialstaat ist. kranken und pflegebedürftigen Menschen sollte die Sorge um die finanzielle Seite genommen werden. Das ist Aufgabe der Allgemeinheit

  6. 6.

    Ich verstehe den Protest der anderen Kommentatoren nicht... Wenn das eigene Geld für den Heimplatz nicht ausreicht, dann übernimmt bei Bedarf das Sozialamt die fehlende Differenz. Das steht auch so im Artikel. Was ist also falsch daran? Natürlich wäre es toll, wenn jeder so viel verdienen würde, dass es später für eine angemessene Rente und Pflege reicht. Aber so lange das Sozialamt bei Bedürftigkeit einspringt und niemandem die notwendige Hilfe versagt wird, funktioniert doch unser Sozialstaat noch?!

  7. 5.

    0,83 Mitarbeiter auf ein Heimbewohner, das nenne ich Luxus auch der Preis pro Platz 3500,-Euro da knappst das Diakonische Werk sicherlich am Existenzminimum, also 210.000,- Euro Einnahme pro Monat und 2.250.000,- Euro im Jahr super Geschäftsmodell, da bist du im Alter die Beamten-Parasiten los und die nächsten reiben sich schon die Hände um deine Ersparnisse unter sich aufzuteilen, da ziehe ich den Hut vor jedem Rentner der sein Auto als letztes Mittel vor den Baum setzt.

  8. 4.

    ..stellt man zur Diskussion dass man die Alten den Kindergartenkindern gleichwertig behandelt, obwohl die einen die Zukunft und die anderen die Vergangenheit sind, also auch die Aufmerksamkeit auch für die Betreuenden....
    .. stellt man zur Diskussion, dass dort wo staatliche Gelder verteilt werden allerorts Begehrlichkeiten wecken , sei es bei allen Heimbetreibern, bei deren Erbauern, bei den Essen und Windellieferanten , bei Allen..
    stellt man zur Diskussion dass die Pflegekassen geizig seien sollen mit dem verwalteten Vermögen..
    Die Güte der Gesellschaft erkennt man tatsächlich erst im Umgang mit seinen Alten.

  9. 3.

    Wenn alle Bürger Deutschlands in die Gesundheits- ,Renten- und Pflegekassen einzahlen würden gäb es keine Probleme mehr,die zurückliegende Spaltung der Rentenkasse in eine auch für die Besseverdienenden hat schon zu vielen Problemen geführt.Auch die Extrastellung der Beamten die nicht zahlen müssen ist unverständlich,Wir sind ein Volk,leider nicht wenn es ums Geld geht.Solidargemeinschaft zählt nur wenn es um die Vergesellschaftung von Verlusten geht,wie beim Bankencrash vor einigen Jahren.

  10. 2.

    Ich denke, das endet irgendwann dann in Käfighaltung für Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, und das Geld nicht zum Leben reicht. Ich denke, es betrifft uns demnächst alle. Soviel Vorsorge kann man nicht betreiben und erst Recht nicht bezahlen.

  11. 1.

    Einfach nur Scheußlich, für das eigene Volk ist kein Geld übrig, aber der Rest der Welt wird von ,,unserer" Regierung reichlich beschenkt. Das darf nicht so weiter gehen, hier im Lande muss endlich was passieren.

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