Mobilfunkantenne auf einem Hausdach (Bild: imago/Christoph Hardt)
Video: Super.Markt | 18.03.2019 | Thomas Förster | Bild: imago/Christoph Hardt

Gesundheitsrisiko durch Handystrahlung - Forscher fordern Abbruch des 5G-Testlaufs in Berlin

Das 5G-Netz ermöglicht eine extrem schnelle Datenübertragung, verursacht aber mehr Strahlung als bisher. In Berlin testet die Telekom den Aufbau eines solchen Netzes. Forscher warnen vor Gesundheitsrisiken, der Staat sieht keinen Handlungsbedarf. Von Thomas Förster

Die Deutsche Telekom testet in Berlin seit einigen Monaten auf einem Versuchskorridor zwischen Schöneberg und Mitte den Aufbau eines 5G-Netzes. Mehr als 70 Antennen sind dafür schon installiert worden.

Mit 5G sind extrem schnelle Übertragungsgeschwindigkeiten möglich, der Transfer der Daten geschieht quasi in Echtzeit. Dies macht die Technik vor allem für die Industrie interessant, etwa für das autonome Fahren. Die Reichweite der Strahlen ist bei 5G allerdings geringer.

Aus diesem Grund müsste beim Ausbau sehr viel engmaschiger mit Sendemasten gearbeitet werden, als es heute der Fall ist. Die Strahlendosis wird daher massiv steigen – und man kann sich ihr kaum entziehen, auch wenn man selbst zum Beispiel ein strahlungsarmes Smartphone hat - oder gar keines.

Biochemiker: Mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitsschädlich

180 Wissenschaftler aus 36 Ländern haben daher in einem offenen Brief [externer Link] einen Ausbaustopp für 5G gefordert, "bis potenzielle Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt vollständig durch industrieunabhängige Wissenschaftler erforscht wurden".

Der Berliner Biochemiker Franz Adlkofer untersucht seit Jahren, wie sich Mobilfunkstrahlen auf die Gesundheit der Menschen auswirken – und hat den offenen Brief mit unterzeichnet. Schon 2004 veröffentlichte er zu dem Thema eine Studie im Auftrag der EU.

Was er zu Beginn der Forschung noch annahm – Handystrahlen seien harmlos – musste er schon bald revidieren. Er geht heute davon aus, dass die Mobilfunkstrahlung mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitsschädlich ist. Sie verursache nicht nur Krebs, sondern habe "viele, viele andere Wirkungen darüber hinaus", so Adlkofer gegenüber dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt. Und weiter: "Auch in Deutschland gibt es bedeutende Wissenschaftler, die sagen, was Industrie und Politik sich gegenwärtig mit der Einführung von 5G erlauben, ist hasardieren in höchstem Maße und absolut verantwortungslos."

Andere Studien: Keine Krebsauslöser

Zwei aktuelle Studien unterstützen Adlkofers These: Das italienische Institut Ramazzini hat Ratten ihr ganzes Leben lang Mobilfunkstrahlen ausgesetzt. Sie fanden bei den Tieren eine auffällige Häufung von Tumoren. Laut den Wissenschaftlern ist es der gleiche Tumortyp, der vermehrt auch bei Menschen auftritt, die mit Handys intensiv telefonieren. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen US-Forscher einer Bundesbehörde. Ihre Studie war mit zehn Jahren die längste und mit 30 Millionen Dollar die teuerste, die es jemals zu Mobilfunkstrahlen gab.

Andere Studien kommen wiederum zu dem Ergebnis, elektromagnetische Wellen hätten nicht genügend Energie, um DNA-Brüche und damit Krebs auszulösen. Unstrittig ist allerdings, dass Handystrahlen, ähnlich wie eine Mikrowelle, Wärme erzeugen - egal ob G2-, G4- oder G5-Strahlen. So lässt etwa ein Smartphone am Ohr die Körpertemperatur um bis zu 0,2 Grad steigen.

Bundesamt sieht Forschungsbedarf

Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht eine Schädigung durch Mobilfunkstrahlung als nicht erwiesen an. Die Behörde will allerdings nicht ausschließen, "dass eine intensive Handynutzung – Handy am Kopf – möglicherweise Langzeitwirkungen hat. Als Langzeitwirkung denkt man an Hirntumore, die eben erst nach Jahrzehnten möglicherweise auftreten und dieses Risiko können wir bisher nicht ausschließen."

Beim 5G-Ausbau sieht das Bundesamt keinen akuten Handlungsbedarf – lediglich Forschungsbedarf, so Gunde Ziegelberger gegenüber dem rbb: "Wie sich der neue Antennentyp auf die Exposition der Bevölkerung auswirkt, das werden wir auch in Forschungsvorhaben begleiten und beobachten."

Wenig Handhabe für Bevölkerung

Und was kann genau diese Bevölkerung tun? Sie hat derzeit wenig Handhabe, sich gegen die Strahlung in der eigenen Nachbarschaft zu wehren. Der Berliner Mieterverein erklärt, dass Mieter nur dann einen Mangel an der Mietsache geltend machen können, wenn die offiziellen Strahlungsgrenzwerte überschritten werden. Werden die nicht überschritten, haben Mieter weder einen Anspruch auf Minderung der Miete, noch können sie die Beseitigung der Anlage verlangen.

Am Dienstag bietet der Bund den Telekommunikationsanbietern 5G-Frequenzen in einer Auktion zum Kauf an. Die Auflagen, die mit einem Kauf für die Unternehmen verbunden sind – unter anderem ein rascher Ausbau bis 2022 für 98 Prozent der deutschen Haushalte - hatten die Mobilfunkbetreiber zuletzt juristisch angefochten. Vor Gericht wurden die Eilanträge von Telefónica, Vodafone und der Deutschen Telekom allerdings eine Woche vor der geplanten Auktion abgelehnt.

Sendung: Super.Markt, 18.03.2019, 20:15 Uhr

Beitrag von Thomas Förster, Redaktion Super.Markt

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Antwort auf [Dr. Kawasaki] vom 05.06.2019 um 14:19
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64 Kommentare

  1. 64.

    Hallo liebe Marina,
    du hast mein tiefstes Mitgefühl und ich verstehe Dich gut. Mein Kinderarzt hat schon vor 20 Jahren Vorträge über die Wirkung von Dect Telefonen und Handys gehalten. Aber leider wachen die meisten Menschen nicht auf. Ich würde an deiner Stelle umziehen, egal wie schwer es ist. Dein Körper ist auf jeden Fall wichtiger. Liebe Grüße Kassandra

  2. 63.

    Die Frage ist doch wozu 5G dienen soll. Letztlich einzig und allein dazu, noch mehr Aufgaben in noch kürzerer Zeit abzuwickeln. Ich fühle mich meistens überfordert. Ansonsten stehen dahinter einfach nur finanzielle Interessen.
    Alles muss sofort abrufbar sein. Jeder lebt abgetrennt vom anderen, weil er nur mit sich und seinen vielen Aufgaben beschäftigt ist. Ich nutze gerne das Internet, aber es wäre doch besser es nur zu nutzen wenn ich es brauche, und es ansonsten abschalten könnte.
    Da Du ja überhaupt keine Bedenken hast, könntest Du dich einer langjährigen Strahlung aussetzen , sozusagen als Forschungsobjekt.

  3. 62.

    An wem soll man sich wenden wenn die Strahlung von diesen 5G Mimo Antennen genau in deine Wohnung gehen? Und seit 6-8 Monaten man fühlt es stimmt etwas mit die Gesundheit? Müde trotz langem Schlaf, extreme Kopf- und Körperhitze am besonderen Stellen, Muskelschmerzen, Erschöpfung, seit neuem Hormongleichgewichtsstörung mit Melasma, und Schilddrüseproblem hat schlechter geworden und man sieht das vor einem Jahr viel Glücklicher und Gesunder war???
    20meter von der Wohnung sind 3 5g Antennen von Deutsche Telekom, und die Messung von EMF Messegerät ist zwischen 60 und 180 miliGaus!!! Der ganze Wand mit Fenster haben wir mit Allufolie gesichert und jetzt kann man nicht mehr die Sonne sehen weil wir möchten nicht in paar Jahren von Krebs sterben! Und 4 Baume im Garten sind seit Winter tot.
    Unglaublich das Deutsche Telekom hat das durch der Nacht, cca von einem Jahr nur am Nachbargebäude gegeben und Menschen hat niemand gefragt und wir sind durch den Nacht Testratten geworden!!!

  4. 61.

    180 Forscher? Klingt für mich so ähnlich wie 100 Lungenärzte. Wie richtig im Artikel steht: Handystrahlung kann aus physikalischen Gründen keine DNA schädigen und damit auch kein Krebs auslösen. Diese molekularen Grundlagen sind extrem lange und extrem gut erforscht und bekannt.

    Die Einzelfälle (2 Studien sind lächerlich wenig) kann man auf falsch positive Signifikanz zurückführen. Wenn man 100 Studien durchführt (es werden weit mehr gewesen sein!), findet man in 5 davon einen positiven Zusammenhang (Handystrahlung und Krebs), der tatsächlich nur durch Zufall zu erklären ist, also nichts mit der Strahlung zu tun hat. Ob ein Effekt resultiert (Krebs) oder nicht (nicht krebserregend) lässt sich immer nur mit Wahrscheinlichkeiten angeben (meist 95 % = "statistisch signifikant"). In 5 % der Fälle hat man sich also schlicht geirrt.

    Ich wünsche mir eine wissenschaftl. Bewertung durch einen Journalisten. Der ÖR hat mit dem youtube-Kanal "mailab" auch die nötigen Mittel dazu.

  5. 60.

    Elektromagnetische Strahlung schwächt sich mit dem Quadrat der Entfernung ab, das ist elementare Physik. Damit kann man sich leicht ausrechnen, dass das Handy am Ohr den Körper um mehr als das Tausendfache höher belastet, als ein nur 5 Meter entfernter Sendemast. Wer also meint, elektromagnetische Strahlung sei für den Körper gefährlich, nimmt einfach kein Handy in die Hand, nutzt kein Schnurlostelefon, kein Tablet mit WLan, keinen Funkkopfhörer, etc..
    Alle anderen Strahlungsquellen kann man dagegen wegen der Entfernung völlig vernachlässigen.
    Ihr habt es selbst in der Hand, vermeintlich gesünder zu leben! Also tut es und versucht nicht, anderen eure irrationalen Ängste aufzudrücken, indem ihr flächendeckende Verbote fordert.

  6. 59.

    Wie will man denn es denn ausgeschlossen haben, wenn man jetzt anfängt, uns als Versuchskaninchen zu missbrauchen, ob die Strahlung bzgl. Krebsauslösung unbedenklich ist? Wir haben heute schon eine Krebsrate, die noch nie dagewesen ist. Und hey Leute, selbst wenn ihr euer W-LAN ausschaltet, habt ihr immer noch die W-LANs von euren Nachbarn in der Wohnung. Und erst eure Smartphones! Wenn ihr angerufen werdet steigt die Strahlung um ein 50-faches. Und während ihr online rumdaddelt setzt ihr euch auch vielen Tausend mV aus!

  7. 58.

    Das stimmt allerdings mit dem ausschalten des WIFI. Ich habe ein Messgerät. Starke Strahlung hat es:
    - am Laptop mit eingeschaltetem WIFI
    - schnurloses Telefon, sowie auch Tastatur, Headphones, bleutooth
    - Smartphone mit eingeschaltetem Mobilnetz, oder das Händynetz beim Telephonieren.
    Damit fängt es an, neu zu verkabeln. Das ist doch OK.
    Wenn mann sagt, ich brauche den ganzen neuen Mist nicht, mir reicht es, ... damit fängt es doch an. Es fängt damit an anders zu leben und zu denken, nicht online (an der Leine bei Google, Facebook,... und Konsorten) nicht in deren Hosentasche, aber im Hier und Jetzt von Mensch zu Mensch. Es geht nicht um oder gegen 4, 5, 6, oder 7G, usw. Das sind doch nur die Scheinlösungen. Es geht darum das wir nicht länger Manipuliert werden wollen, das wir das Netz nur nützen wenn wir es wirklich brauchen, und Weiter diese grossen Firmen adé und tschusss sagen.
    Es freut die doch wenn wir nur gegen 5G sind. Damit ist vom wirklichen Problem abgelenkt, ....

  8. 57.

    Achso, na dann ist das bestimmt ganz ungefährlich. Ich mach mir absolut keine Sorgen mehr dank ihrem Kommentar. Oh, ich hab schon wieder Nasenbluten. Schöne Grüsse vom Berliner Testgelände.

  9. 56.

    Chef von Google träumt davon menschl. Bewusstsein mit künstl. Intelligenz zu ersetzen. Nötig für Steuerung:5G
    Nur: Wir sind Schöpfer, keine Roborter.

  10. 55.

    Glaube da wird wieder viel hochgekocht. Selbe Thematik gab es vor 8 Jahren schon mit 4G. Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht zumindest keine Gefahr:
    www.5g-anbieter.info/interviews/19/bundesamt-strahlenschutz.html

    Nur bei den Frequenzen über 20 GHz müsse man noch forschen

  11. 54.

    Es ist unfassbar, dass die Regierung den Ausbau von 5G über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheidet.

    Weiterhin wird vermutet, dass die Petition gegen den Ausbau von 5G, die am 04. April endete, manipuliert wurde.

    Das ist keine Demokratie mehr, wenn die Bevölkerung nicht mitreden und sich nicht wehren darf!
    unfassbar!

  12. 53.

    unsere Familie will auch kein 5 G und fordern, dass wir das selber frei entscheiden dürfen!

  13. 51.

    Wir sollten endlich aus der Vergangenheit lernen (z.B. Glyphosat, Stickoxid) und erst gesundheitliche Risiken neuer Technologien Industrie-unabhängig erforschen lassen und sie dann einsetzen, wenn sie sich als unbedenklich erweisen. Aber Halt, in der Zwischenzeit will die Industrie ja Geld verdienen...

  14. 50.

    Schön liebe Gunde Ziegelberger vom Bundesamt, dass nun ein großes Menschenexperiment stattfindet, wo beobachtet wird, wie sich der neue Antennentyp auf die Exposition der Bevölkerung auswirkt. Ich freue mich rattig!

  15. 49.

    Dann sollten die Leute erst mal in der Wohnung WLAN und ähnliches deaktivieren, da ist die Strahlendosis im direkten Umfeld noch viel stärker.

  16. 48.

    Mittlerweile haben die etwas kleveren Schweizerbürgern und Schweizerbürgerinnen 5G erstmal abgelehnt weil
    sie abwarten wie lnage es dauert bevor die Berliner durch 5G als ersten umvallen.
    Dann ist für sie 5G endgültig Scluss. Und überhaupt kein 6G.

  17. 47.

    Was soll ich mit 5G?
    Als nächstes 6G?
    Hört der Scheiss denn niemals auf?
    Könnt ja mal Prof. Dr. Dr. Enrico Edinger auf YouTube anschauen!
    Der hat Ahnung und ist weit weg von Spekulationen von Amateuren!

  18. 46.

    Im Moment laufe 5G mit ähnlichen Frequenzen wie 4G oder 3G, es handle sich also um bekannte und nicht um neuartige Signale. Deshalb seien bereits vorhandene Studien zu 3G und 4G für 5G ebenfalls aussagekräftig.

    Doch “mittel- bis längerfristig ist geplant, dass 5G höhere Frequenzen nutzen werde. Solche Wellen würden weniger tief in den Körper eindringen, gleichzeitig möglicherweise die Haut stärker belasten. Hier werde in den nächsten Monaten und Jahren noch geforscht", sagte ein Swisscom-Sprecher.
    Www.heise.de

  19. 45.

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Schweiz-Vorlaeufiges-Verbot-von-5G-Mobilfunkantennen-in-Genf-4398114.html?fbclid=IwAR2x8PrW4zl2X3ehG1WnnYInOJT_bTZYzaiNmmufqR2JpmEx790hZGuWXFI

    Ähnliche Frequenzen wie bei eingesetzter Mobilfunktechnik

    Zur aktuellen Gesundheitsdiskussion verweist Swisscom darauf, dass zwischen dem 5G, das momentan aufgebaut wird, und dem 5G, das mittel- bis längerfristig eingesetzt werden soll, unterschieden werden müsse. Im Moment laufe 5G mit ähnlichen Frequenzen wie 4G oder 3G, es handle sich also um bekannte und nicht um neuartige Signale. Deshalb seien bereits vorhandene Studien zu 3G und 4G für 5G ebenfalls aussagekräftig.

    Doch “mittel- bis längerfristig ist geplant, dass 5G höhere Frequenzen nutzen werde. Solche Wellen würden weniger tief in den Körper eindringen, gleichzeitig möglicherweise die Haut stärker belasten. Hier werde in den nächsten Monaten und Jahren noch geforscht", sagte ein Swisscom-Sprecher.

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