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Video: Abendschau | 03.03.2018 | Max Kell | Studiogespräch mit Frank Bsirske | Quelle: dpa

Gehaltssprung durch Tarifeinigung

Berliner Erzieher bekommen bis zu 580 Euro mehr im Monat

Ihre Streiks haben sich ausgezahlt: Berlins ErzieherInnen bekommen ab dem kommenden Jahr durch die Tarifeinigung das gleiche Gehalt wie ihre Kolleginnen in Brandenburg. Die Bezüge steigen um bis zu 580 Euro im Monat. Die Bildungssenatorin ist erleichtert.

Die Tarifeinigung im öffentlichen Dienst am späten Samstagabend bringt den Erzieherinnen und Erziehern in Berlin deutlich mehr Geld. Ab dem 1. Januar 2020 arbeiten sie zu den gleichen Gehaltsbedingungen wie ihre Kollegen in den anderen Bundesländern. "Das ist ein deutliches Zeichen der Anerkennung der gesellschaftlich wichtigen Arbeit, die Erzieherinnen sowie Sozialarbeiter und Sozialpädagogen leisten“, sagte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

In fast allen Bundesländern werden Erzieher nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvöD) bezahlt – Berlin hingegen entlohnte sie bislang nach dem Tarifvertrag für das Land (TV-L). Der sieht geringere Bezüge vor. Die Folge: Erzieher können derzeit in Brandenburg monatlich bis zu 344 Euro mehr verdienen als in Berlin. Diese Lohnlücke wird nun geschlossen.

Oben drauf kommt rückwirkend zum 1. Januar 2019 eine Gehalterhöhung von 3,2 Prozent und zum 1. Januar 2020 um weitere 3,2 Prozent. Die Folge:

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Die Details der Überleitung in die neue Tarifstruktur müssen laut GEW nun noch in sogenannten Redaktionsverhandlungen geklärt werden. Fragen und Antworten zur Tarifeinigung hat die GEW hier zusammengestellt.

Scheeres: Abschluss war "dringend erforderlich"

"Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass so viele Berliner Themen berücksichtigt werden konnten", sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD), der gleichzeitig Verhandlungsführer für die Länder war. 

Berlin habe sich für die Erziehungs- und Sozialberufe stark gemacht, betonte Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie. "Der Abschluss ist ein großer Schritt nach vorne." Die bessere Bezahlung im Sozial- und Erziehungsdienst sei "dringend erforderlich, um mehr Menschen für diese Berufe zu gewinnen".

Scheeres hatte sich die Forderung nach einer Gehaltsangleichung für Berliner Erzieher im vergangenen Frühjahr zu eigen gemacht - nachdem die GEW und die "Initiative Kitakrise" zu mehreren Großdemonstrationen aufgerufen hatten.

Die Sprecherin für Familie und Bildung der Berliner Grünen-Fraktion, Marianne Burkert-Eulitz kommentierte die Einigung auf Twitter fast euphorisch:

Abschluss wurde hart erkämpft

Auch im Zuge der laufenden Tarifauseinandersetzungen hatten die Erzieherinnen und Erzieher sich lautstark bemerkbar gemacht: Tausende von Ihnen hatten zwei Mal die Arbeit niedergelegt, um die Forderung "gleiches Geld für gleiche Arbeit" durchzusetzen. Wegen des Warnstreiks am vergangenen Dienstag waren laut GEW rund 140 Berliner Kitas geschlossen geblieben.

Trotz der Lohnerhöhungen werden längst nicht alle Berliner Erzieher künftig so gut bezahlt werden wie im Rest der Republik. Rund 80 Prozent der Berliner Erzieher sind nicht in einer landeseigenen Kita, sondern bei privaten Trägern oder Elterninitiativ-Kitas angestellt. Viele dieser Träger haben Haustarifverträge, die eine teils deutlich geringere Bezahlung vorsehen - das Land lässt das bislang zu.

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Erzieherinnen und Erzieher, die in einer privaten Kita arbeiten, sollten aber wissen: Das Land wird die Zuschüsse an private Kitas in genau demselben Maß erhöhen wie die Zuschüsse an die landeseigenen Betriebe. Auch private Kitas könnten ihren Erzieherinnen also künftig bis zu 580 Euro mehr im Monat zahlen.

Eine bessere Bezahlung der Erzieher gilt nicht nur für Scheeres, sondern auch für Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) als wichtiger Schlüssel, um den gravierenden Mangel an Kitaplätzen in der Hauptstadt zu beheben. Eine rbb-Recherche hatte vor rund einem Jahr gezeigt, das rund 1.000 Erzieher-Stellen in Berlin nicht besetzt werden konnten. Wäre das Personal da, hätten die Bezirke sofort rund 6000 zusätzliche Kitaplätze schaffen können - die Räume dafür waren vorhanden gewesen.

Sendung: Inforadio, 03.03.2019, 12 Uhr

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