Mit Plakaten und Transparenten demonstrierten Lehrer und Erzieher am 26.02.2019 in Berlin für mehr Gehalt. (Quelle: Kay Nietfeld / dpa)
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Gehaltssprung durch Tarifeinigung - Berliner Erzieher bekommen bis zu 580 Euro mehr im Monat

Ihre Streiks haben sich ausgezahlt: Berlins ErzieherInnen bekommen ab dem kommenden Jahr durch die Tarifeinigung das gleiche Gehalt wie ihre Kolleginnen in Brandenburg. Die Bezüge steigen um bis zu 580 Euro im Monat. Die Bildungssenatorin ist erleichtert.

Die Tarifeinigung im öffentlichen Dienst am späten Samstagabend bringt den Erzieherinnen und Erziehern in Berlin deutlich mehr Geld. Ab dem 1. Januar 2020 arbeiten sie zu den gleichen Gehaltsbedingungen wie ihre Kollegen in den anderen Bundesländern. "Das ist ein deutliches Zeichen der Anerkennung der gesellschaftlich wichtigen Arbeit, die Erzieherinnen sowie Sozialarbeiter und Sozialpädagogen leisten“, sagte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

In fast allen Bundesländern werden Erzieher nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvöD) bezahlt – Berlin hingegen entlohnte sie bislang nach dem Tarifvertrag für das Land (TV-L). Der sieht geringere Bezüge vor. Die Folge: Erzieher können derzeit in Brandenburg monatlich bis zu 344 Euro mehr verdienen als in Berlin. Diese Lohnlücke wird nun geschlossen.

Oben drauf kommt rückwirkend zum 1. Januar 2019 eine Gehalterhöhung von 3,2 Prozent und zum 1. Januar 2020 um weitere 3,2 Prozent. Die Folge:

  • Wer als Erzieher in Berlin frisch in den Beruf einsteigt, (Stufe 1) für den steigt der Monatslohn zum 1.1.2020 im Vergleich zu heute um rund 200 Euro auf rund 2860 Euro brutto.
  • Wer mehr als acht Jahre Berufserfahrung hat und in Stufe 4 eingruppiert ist, für den steigt der Monatslohn um rund 370 Euro auf 3530 Euro brutto.
  • Wer mehr als 16 Jahre Berufserfahrung hat und in der höchste Gehaltsstufe 6 eingruppiert ist, für den steigt der Monatslohn um rund 580 Euro auf 3940 Euro brutto.

Die Details der Überleitung in die neue Tarifstruktur müssen laut GEW nun noch in sogenannten Redaktionsverhandlungen geklärt werden. Fragen und Antworten zur Tarifeinigung hat die GEW hier zusammengestellt.

Scheeres: Abschluss war "dringend erforderlich"

"Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass so viele Berliner Themen berücksichtigt werden konnten", sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD), der gleichzeitig Verhandlungsführer für die Länder war. 

Berlin habe sich für die Erziehungs- und Sozialberufe stark gemacht, betonte Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie. "Der Abschluss ist ein großer Schritt nach vorne." Die bessere Bezahlung im Sozial- und Erziehungsdienst sei "dringend erforderlich, um mehr Menschen für diese Berufe zu gewinnen".

Scheeres hatte sich die Forderung nach einer Gehaltsangleichung für Berliner Erzieher im vergangenen Frühjahr zu eigen gemacht - nachdem die GEW und die "Initiative Kitakrise" zu mehreren Großdemonstrationen aufgerufen hatten.

Die Sprecherin für Familie und Bildung der Berliner Grünen-Fraktion, Marianne Burkert-Eulitz kommentierte die Einigung auf Twitter fast euphorisch:

Abschluss wurde hart erkämpft

Auch im Zuge der laufenden Tarifauseinandersetzungen hatten die Erzieherinnen und Erzieher sich lautstark bemerkbar gemacht: Tausende von Ihnen hatten zwei Mal die Arbeit niedergelegt, um die Forderung "gleiches Geld für gleiche Arbeit" durchzusetzen. Wegen des Warnstreiks am vergangenen Dienstag waren laut GEW rund 140 Berliner Kitas geschlossen geblieben.

Trotz der Lohnerhöhungen werden längst nicht alle Berliner Erzieher künftig so gut bezahlt werden wie im Rest der Republik. Rund 80 Prozent der Berliner Erzieher sind nicht in einer landeseigenen Kita, sondern bei privaten Trägern oder Elterninitiativ-Kitas angestellt. Viele dieser Träger haben Haustarifverträge, die eine teils deutlich geringere Bezahlung vorsehen - das Land lässt das bislang zu.

Attraktivere Arbeitsbedingungen: Schlüssel, um Kitaplatzmangel zu beheben

Erzieherinnen und Erzieher, die in einer privaten Kita arbeiten, sollten aber wissen: Das Land wird die Zuschüsse an private Kitas in genau demselben Maß erhöhen wie die Zuschüsse an die landeseigenen Betriebe. Auch private Kitas könnten ihren Erzieherinnen also künftig bis zu 580 Euro mehr im Monat zahlen.

Eine bessere Bezahlung der Erzieher gilt nicht nur für Scheeres, sondern auch für Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) als wichtiger Schlüssel, um den gravierenden Mangel an Kitaplätzen in der Hauptstadt zu beheben. Eine rbb-Recherche hatte vor rund einem Jahr gezeigt, das rund 1.000 Erzieher-Stellen in Berlin nicht besetzt werden konnten. Wäre das Personal da, hätten die Bezirke sofort rund 6000 zusätzliche Kitaplätze schaffen können - die Räume dafür waren vorhanden gewesen.

Sendung: Inforadio, 03.03.2019, 12 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Danielle] vom 09.05.2019 um 14:13
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24 Kommentare

  1. 24.

    Hallo, bin bei einem privaten Träger. Bis jetzt nichts erhalten und keiner hat Ahnung wann überhapt. Ich vermute das War ein Fake.

  2. 23.

    Hmm..also wenn die privaten Träger auch die neuen Zuschüsse bekommen, wo liegt denn dann das Problem? Die Erzieherinnen der privaten Einrichtungen müssen nun eben diese Zuschüsse für ihren Gehaltszettel einfordern! Es steht nicht da, das sie leer ausgehen müssen. Nur bekommen sie es nicht selbstverständlich auf dem Silbertablett serviert, sondern müssen eben (mühsamer weise) die Gelder einfordern, bevor es die Inhaber der privaten selber tun!

  3. 22.

    Na, das ist ja schön zu sehen, wie dieser Senat, dessen Parteien sich ja zu nicht unerheblichen Teilen aus Lehrern und Co. zusammensetzt, de eigene Klientel fördert. Erst Grundschullehrer mit + 500 €, dann Lehrer an "Brennpunkt"schulen mit +300 € obendrauf, jetzt die Erzieher. Ich gönne es ihnen!
    Aber warum warten Berlins Feuerwehrmänner seit inzwischen einem Jahr auf ihre lächerliche Erhöhung von 6 € im Monat?!?
    Wenn man dann noch bedenkt, daß Feuerwehrleute mit eine A7 in den Beruf einsteigen, Lehrer aber mit A12, dann fällt einem wirklich nichts mehr ein!
    Gut, Feuerwehrleute können nicht mal so schnell eben in Brandenburg arbeiten, weil es da nur sehr begrenzt Berufsfeuerwehren gibt. Trotzdem rennen sie weg bzw. kommen gar nicht erst.

    Und sie streiken eben nicht. Demonstrieren nur immer am Roten Rathaus. Auch morgen wieder.

    Vielleicht sollten sie es einfach mal tun. Der Beruf scheint ja so unwichtig zu sein, daß bestimmt keiner was merkt!

  4. 20.

    Na bin ich ja mal gespannt, ob sich das langfristig auch auf die Sozialarbeiter und Sozialpädagogen auswirkt, die teilweise (mit einem Studium!) weniger als Erzieher verdienen!

  5. 19.

    Und ich dachte schon die Moderation hat sich wieder gebessert. Wohl doch nicht.

  6. 18.

    Der öffentliche Dienst wird aus Steuereinnahmen der Kommunen, Länder und vor allem des Bundes finanziert. Wenn Steuern hinterzogen und vermieden werden fehlen diese Gelder im Haushalt und somit dem Gemeinwesen.
    Mal bitte über die Höhe der Steuervermeidung und Hinterziehung informieren. Hier geht es um erhebliche Summen.

  7. 17.

    Genau das ist das Problem in Berlin laut der GEW-Broschüre "Tariflohn für alle" sind ca. 20 % der Erzieher in Berlin bei öffentlichen Trägern beschäftigt. Somit blieben hier ca. 80 % der Erzieher außen vor. Das steht so auch in dem RBB-Artikel. Diese Ungerechtigkeit ist meiner Meinung nach aber nur wenigen ("Außenstehenden") bekannt.

  8. 16.

    " Durch Steuervermeidung und Steuerhinterziehung gehen dem deutschen Gemeinwesen jedes Jahr hohe zweistellige Milliardensummen verloren. Hier muss die Politik nicht immer nur ankündigen sondern endlich für prozentual gerechte Besteuerung sorgen.mehr..." Was soll das denn zu dem Thema? Und bitte mal überlegen, was Sie da kritisieren. Jede Spende an einen gemeinnützigen Verein senkt zb auch die Steuerlast. Es ist nicht alles schwarz/weiss

  9. 15.

    Hurra ! Ich gönne den ErziehernInnen in den Kitas und Schulen jeden Cent den sie nun mehr bekommen, DAS haben sich die KollegenInnen wohlverdient. Trotz dem kann sich die Politik nicht darauf ausruhen, denn trotz dieser Zuschüsse sind wir in Berlin immer noch nicht wettbewerbsfähig gegenüber anderen Bundesländern. Außerdem gebe ich zu bedenken, das die tausenden von Erziehern, die bei freien Trägern und in der Jugendhilfe arbeiten mal wieder leer ausgehen. Auf diesem Gebiet brauchen wir DRINGEND eine Anhebung der Gehälter, sonst wird der Bereich Jugendhilfe spätestens 2020 kollabieren. Die Arbeitsbedingungen in den Kinderheimen sind jetzt schon unerträglich. Frau Scheeres ist verpflichtet sich auch um diese Menschen, die fern der Medienpräsenz arbeiten, zu kümmern !

  10. 14.

    Die Erzieherinnen und Erzieher können unter realistischen Bedingungen zufrieden sein. Die Spitzenerhöhungen erhalten nur wenige Personen, diese zahlen auch erheblich mehr Lohnsteuer und Sozialabgaben.
    Jetzt bleibt zu hoffen dass sich auch viele private Träger (wenigstens halbwegs) an den neuen Tarifen orientieren.

    Allen Bürgern muss mehr bewusst werden wie wichtig uns Erziehung, Gesundheit, Pflege und Sicherheit sind.
    Diese Leistungen werden mit zu hohen Abgaben belegt.
    In diesem Land gibt es utopische Billionenvermögen. Es muss viel mehr in den Blickpunkt gerückt werden wie sich große Konzerne mit Milliardengewinnen, Multimillionäre, Milliardäre, Millionenerben und Großaktionäre an den Kosten für das Gemeinwesen beteiligen. Durch Steuervermeidung und Steuerhinterziehung gehen dem deutschen Gemeinwesen jedes Jahr hohe zweistellige Milliardensummen verloren. Hier muss die Politik nicht immer nur ankündigen sondern endlich für prozentual gerechte Besteuerung sorgen.

  11. 13.

    Niemand hindert Sie an einer Anzeige, also nur zu! Thema Betrug: wo genau liegt jetzt Ihr erlittener Schaden, so konkret?

  12. 12.

    Aber wo ist die Logik! Jetzt wird die deutsche Sprache durch "Gender-Entwicklungen" natürlich weiter entwickelt, so war es doch schon immer! Es kamen französische Einflüsse dazu, oder auch slawische, später englische! Erst bestätigen Sie eine natürliche Entwicklung, dann lehnen Sie die weitere natürliche Entwicklung ab, ergibt doch gar kein Sinn?

  13. 11.

    Die meisten großen "Reiche" sind durch Kriegskosten, Veränderung der Umwelt oder durch Überbevölkerung untergegangen!

  14. 10.

    Sowas kann sich nur eine Gesellschaft leisten, die denkt keine anderen Probleme zu haben. Bisher ist noch jedes große Reich an Größenwahn gestorben. Aber: Machen Sie doch einfach nicht mit, so wie ich. Ich werde niemals Mitarbeiterinnen sagen und über diverse Nebensächlichkeiten im Promillebereich mache ich mir eh keine Gedanken. Nebensächlich eben.

  15. 9.

    Eigentlich müsse man alle Verdi /Beamtenbund und die öffentliche hand wegen Falschdarstelllung und Betrug anzeigen.
    Auf diesem vom RBB angezeigten Niveau bis zu 580 EUR pro Monat macht Refinanzierung durch ESt und SolZ wird duch Quellensteuer einbehalten, nennt sich Lohnsteuerabzug.

    Es ist von Verdi alles unerhrlich und - wie immer seit einingen Jahren in diesem Land - Betrug. DIe Aufgabe der Gewerkschaften ist zu hinterfragen. Das traut sich aber keiner zu benennen und die Klüngelei und Schieberei tatsächlich zu benennen.

  16. 7.

    Dieses zwanghafte Gender-Wahn, der mit Biegen und Brechen unsere jahrhundertelang "natürlich" gewachsene Sprache, innerhalb kurzer Zeit umbrechen möchte, geht mir - als Frau - gehörig auf die Nerven!

  17. 6.

    Warum wird die Angleichung der Berliner Erzieher an den TVöD noch 1 Jahr auf die lange Bank geschoben? Um wirklich ein Zeichen zu setzen sollte es heißen: Angleichung SOFORT! Aber vielleicht sehen die Verdi Mitglieder das ja ähnlich und lehnen dieses 33 Monate Konstrukt ab. Über die Freude von Frau Scheeres kann ich mich nur wundern oder hatte sie nicht im Chor mit Frau Giffey eine Angleichung der Erzieher an das Gehalt von Grundschullehrern gefordert? Aber, was schert mich mein Geschwätz von gestern...

  18. 5.

    Herzlichen Glückwunsch!!! Das ist mal ein - schon lange überfälliger - guter Abschluss. Die Kolleg*innen können sich nun wenigstens die steigenden Mieten leisten ;) Hoffentlich können jetzt bald die vielen offenen Stellen besetzt werden. Danke auch an alle Eltern, die mitgekämpft haben.

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