Der Fahrer eines Tanklasters eines Heizöllieferanten (Quelle: dpa/GAETAN BALLY)
Audio: Inforadio | 20.03.2019 | Stefan Kunze | Bild: dpa/KEYSTONE

Vier Haftbefehle vollstreckt - Heizöl-Bande soll 100 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben

Den Zollfahndern in Berlin und Brandenburg ist offenbar ein schwerer Schlag gegen eine Bande von Steuerbetrügern gelungen. Jahrelang sollen diese deutsches Heizöl nach Polen gefahren haben. Dort wurde es entfärbt und - viel teurer - als Diesel weiterverkauft.

Rund 140 Ermittler des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg haben am Mittwoch im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft vier Haftbefehle vollstreckt und 20 Objekte durchsucht, vor allem in Berlin. Hintergrund ist der Verdacht auf Hinterziehung von Energie- und Umsatzsteuern in großem Stil.

Vier Beschuldigte im Alter von 48 bis 59 Jahren konnten verhaftet werden. Die Ermittler haben über 50.000 Euro und weitere Beweismittel sichergestellt. Zudem sind wegen des mutmaßlichen Steuerschadens auch Vermögenswerte beschlagnahmt worden.

Gemeinsamer Erfolg deutscher und polnischer Ermittler

Hintergrund seien Ermittlungen deutscher und polnischer Strafverfolgungsbehörden, teilten das Zollfahndungsamt und die Berliner Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Mit betrügerischem Kraftstoffhandel zwischen Deutschland und Polen sollen europaweit organisierte Banden allein in der Bundesrepublik Steuern in Höhe von rund einhundert Millionen Euro hinterzogen haben.

Jahrelang sollen diese deutsches Heizöl nach Polen gefahren haben. Dort wurde es entfärbt und - viel teurer - als Diesel weiterverkauft. (Quelle: GenStA Berlin)
Von Heizöl zu Diesel: Mobile Entfärbeanlage (links), Heizöl-Lagerung in Lagerhalle (Mitte), Umpumpen des Heizöls in Entfärbeanlage (rechts) | Bild: Generalstaatsanwaltschaft Berlin

Konkret seien neun Personen beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft wirft den mutmaßlichen Tätern vor, bandenmäßige Steuerhinterziehung sowie gewerbs- und bandenmäßige Geldwäsche betrieben zu haben. In Brandenburg wurde ein Firmengelände in einem Gewerbegebiet in Königs Wusterhausen durchsucht. Dabei wurden Firmenunterlagen sichergestellt, die belegen, dass die Bande auf dem Gelände Tankanlagen gemietet hat, um dort Heizöl zwischenzulagern, sagte ein Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg am Mittwoch dem rbb.

Heizöl entfärbt und als Diesel weiterverkauft

Den bisherigen Ermittlungen zufolge sollen die Täter zwischen August 2014 und April 2018 über zwei in Berlin ansässige Großhandelsgesellschaften große Heizölmengen an verschiedene Abnehmer in Polen geliefert haben. Es soll sich um über 6.000 Fahrten gehandelt haben. Die Käufer sollen das in Deutschland niedrig versteuerte und zur Kennzeichnung eingefärbte Heizöl entfärbt und unversteuert auf dem polnischen Markt als Dieselkraftstoff verkauft haben.

Dabei machten sich die Betrüger die unterschiedlich hohe Besteuerung von Heizöl und Diesel zunutze: Dieselkraftstoff wird in Deutschland und in Polen um ein Vielfaches höher besteuert als Heizöl.

Ermittlungen über eineinhalb Jahre

Wie das Zollfahndungsamt mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft Berlin seit über eineinhalb Jahren ermittelt. Dabei habe sie eng mit der polnischen Justiz und den polnischen Zollfahndungsbehörden zusammengearbeitet. Auch die europäischen Koordinierungsstelle Eurojust sei einbezogen worden. In zeitlicher Abstimmung mit den Ermittlungsmaßnahmen in Deutschland seien auch Verhaftungen von Abnehmern des Gasöls und Durchsuchungen in Polen erfolgt, hieß es.

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.03.2019, 17.00 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wird heute nur noch überall beschissen??
    Traurig, aber wahr.

  2. 2.

    Ein schöner Erfolg für das gemeinsame Ermittlungsteam. Hoffentlich kriegen diese kriminellen Typen eine richtig harte Strafe, egal ob in Polen in einem richtigen Knast oder in Deutschland. Alle Vermögenswerte/Grundstücke/ Häuser müssen bis auf den letzten Cent auch in Polen müssen eingezogen werden.

  3. 1.

    wie naiv ist dass denn, nur in Polen?

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