Der Ausblick von der Dachterrasse des Berliner Haus des Rundfunks in Richtung Alexanderplatz, aufgenommen am 18.Juli 2018 (Quelle: rbb|24 / Schneider).
Audio: Inforadio | 22.03.19 | Ute Schumacher | Bild: rbb|24 / Schneider

Steuerkraft in Berlin sinkt - Berlin wächst - nimmt aber weniger Steuern pro Kopf ein

Berlin wächst jedes Jahr um rund 40.000 Einwohner, dadurch steigen auch die Steuereinnahmen insgesamt. Aber die Steuerkraft pro Einwohner sinkt trotzdem seit Jahren – das hat vor allem zwei Gründe. Von Ute Schuhmacher

Das beschauliche Elstal am westlichen Stadtrand Berlins, kurz hinter dem früheren Olympischen Dorf. In einer Reihenhaussiedlung aus den 20er- und 30er-Jahren wohnt Robert Schneider. Gekauft hat er das kleine Haus vor 15 Jahren. Schon da war für ihn absehbar, dass die Mieten in Berlin immer teurer werden und er sie sich irgendwann nicht mehr leisten könne, sagt er.

Inzwischen stellt er fest, dass um ihn herum seit einigen Jahren immer mehr Menschen zuziehen - vor allem aus Berlin. "Es sind Familien, mehrköpfig, mittleres bis gutes Einkommen. Die bauen sich ein kleines, denkmalgeschütztes Haus passend aus", fasst Schneider seine Beobachtung zusammen.

Familien machen zwei Drittel der Umzüge von Berlin nach Brandenburg aus

Genau diese Idylle hat Folgen für Berlin und Brandenburg. Während im Umland die Steuerkraft pro Einwohner seit mehreren Jahren steigt, sinkt sie in Berlin, bestätigt Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Warum das so ist, erklärt ein Blick auf diejenigen, die die Hauptstadt verlassen. Inzwischen wandern mehr als fünfmal so viele Berliner nach Brandenburg ab als im Jahr 2011, sagt Martin Axnik vom Statistischen Landesamt. "Das sind vor allem die 30- bis unter 65-Jährigen und im Grunde auch die Minderjährigen. Zählt man dann die Minderjährigen und die Verheirateten zusammen, sind zwei Drittel der Wanderung von Berlin nach Brandenburg auf Familienwanderung zurückzuführen", erklärt Axnik.

Neubau, um Leute in der Hauptstadt zu halten

Familien, wie sie auch nach Elstal ziehen, mit einem überwiegend mittleren oder guten Einkommen und entsprechenden Steuern. Die werden dann aber in Brandenburg gezahlt und nicht in Berlin, weil dafür der Wohnort entscheidend ist. Nach Berlin ziehen der Statistik zufolge überwiegend die 18- bis 30-Jährigen. Also die, die zu einem Großteil studieren, sich in Ausbildung oder am Anfang ihrer Berufskarriere befinden.

Im Schnitt zahlen sie deutlich weniger Steuern – wenn überhaupt. Deshalb sinkt Berlins Steuerkraft pro Einwohner auch seit Jahren. Momentan ist das kein existentielles Problem für das Land, weil es gerade insgesamt viele Steuern einnimmt und die Arbeitslosigkeit gering ist. Aber unangenehm sei der Verlust tausender guter Steuerzahler auch heute, sagt Berlins Finanzsenator Kollatz.

 "Wir in Berlin sollten deswegen auch sagen, dass Neubau eben die erste Priorität ist. Nur so können wir einen höheren Anteil halten", appelliert der SPD-Politiker. Weil die Wohnungen so schnell aber nicht fertig sind, dürften in den nächsten Jahren noch viele tausend Berlinerinnen und Berliner ins Umland ziehen – und die Hauptstadt so potente Steuerzahler verlieren.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

37 Kommentare

  1. 37.

    Wer Berlin nicht mag, soll einfach wegziehen, man kann diese ganzen Berlin Hater nicht mehr hören...

  2. 36.

    Berlin war schon immer, ist und wird immer ein Schmelztiegel bleiben. Und jetzt gucke ich mal in mein Portemonnaie und seh zu dass ich mir eine Boulette kaufe oder einen Döner und rufe den Brandenburgern zu sie sollen mal keene Fisematenten machen. ;-)

  3. 35.

    Ganz nebenbeibemerkt, DIE Berliner, die Sie ansprechen, waren schon immer reisefreudig. Viele sind auch schon vor langer Zeit weggezogen. Deshalb gibt es auch nur noch ca. 30% waschechte Berliner*innen in Berlin.

  4. 34.

    LOL;-). Wiedereinmal möchte ich Ihnen recht geben. Trotz des starken Verkehrsaufkommens in dieser Stadt, bin ich mit Leidenschaft gern wohnhaft hier und genieße all die Vielseitigkeit und Nationalitäten die mich umgeben. Besonders was die Esskultur betrifft. Da hat das Moorland Brandenburg noch erheblichen Nachholbedarf. Nur schöne Landschaft alleine genügt mir nicht. Aber dennoch, für ein Wochenendtrip allemal gut.

  5. 33.

    Welche Partei hatte Jahrzehnte und bis vor kurzer Zeit Stadtentwicklung und Bauen zu verantworten? Ist der Landeserbsenzähler in der falschen Partei oder hat er die Entwicklung gar mit zu verantworten?

  6. 32.

    Wo soll die Steuerkraft herkommen?
    40 Prozent Rentner, 20 Prozent Kinder, 30 Prozent Hartzer?
    oder aus 10% arbeitender Bevölkerung?

  7. 31.

    Politik soll von Salzburg lernen und schnell handeln!

  8. 30.

    "Vor Jahren war es noch unvorstellbar, dass es täglich mehrere Schießereien und dutzende Verletzte durch Messerstechereien gibt." Meinen Sie das auf ganz Deutschland bezogen oder auf Berlin? Haben Sie dazu konkrete Zahlen? Erscheint mir sehr hoch, deshalb würde ich da gerne nen Vergleich haben.

  9. 29.

    Näh, in soone Kuhbläke, wo um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden bringen mich keine 10 Pferde.

    Ich liebe das Gewimmel, Kultur und das vielfältige Angebot welches mir Berlin bietet. Ich habe hier Restaurants ohne Ende und kann mich die ganze Woche rund um den Erdball futtern. Auch Zuhause.

  10. 28.

    Berlin ist viel zu hektisch und viel zu viel Leute ! Kein Wunder das viele wegziehen nach Brandenburg ist auch viel schöner als in Berlin ! Auch der ländliche Raum in Märkisch Oderland ist doch sehr attraktiv !

  11. 27.

    In der von Ihnen geposteten Statistik geht es um Steuereinnahmen je Einwohner, in unserem Text schreiben wir von Steuerkraft pro Einwohner.

  12. 26.

    ...sinkt trotzdem seit Jahren...

    Wirklich? Dann scheint diese Statistik falsch zu sein:

    https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/bundeslaender/oeffentliche-haushalte/einnahmen-und-ausgaben-des-staates/steuereinnahmen-je-einwohner

  13. 25.

    Ich bin froh, dass ich als Neuköllner nicht alleine so denke. Bin gerade mal wieder mit den Öffentlichen unterwegs, wie heruntergekommen diese Stadt auf mich wirkt macht mich traurig. Verstehe jeden Berliner der weg aus dieser Stadt zieht.

  14. 24.

    Vielleicht wäre es auch eine Idee, die verbleibenden Wohnungen nicht an Leute verhökern zu lassen, die gar nicht hier wohnen (also auch keine oder kaum Steuern zahlen), sondern sie nur als Geldparkplatz halten?

  15. 23.

    Tja, und die Sozialausgaben steigen in Deutschland. In Berlin besonders. Erkenne den Fehler....

  16. 22.

    Genau, darum macht man momentan auch viele Wahlgeschenke ....weil momentan die Kasse voll ist.

  17. 21.

    Wohnen in Berlin nur Hartzvierempfänger?

  18. 20.

    " die Steuerkraft pro Einwohner sinkt trotzdem seit Jahren ... aber das ist kein existentielles Problem für das Land,- momentan "

    na, dann ist ja alles gut , momentan

Das könnte Sie auch interessieren