Das in den 70er bis 80er Jahren des 19. Jahrhunderts am Westrand des Berliner Bezirks Spandau errichtete Fort Hahneberg. Quelle: imago stock&people
Bild: imago stock&people/ Jürgen Heinrich

Für mehr Touristenaufmerksamkeit - Ein altes Fort soll neue Besucher nach Spandau locken

Berlin ist nicht nur Gastgeber der ITB, sondern auch Akteur. Die Stadt wirbt für sich - und zwar immer stärker für ihre kleinen Tourismusziele in den Bezirken und an den Rändern. So lockt etwa Spandau zu einem Fort, das kaum einer kennt. Von Annette Miersch

Richtung Westen aus der Stadt. Entlang der Heerstraße werden die Häuser immer flacher, die Wiesen weiter. Kurz vor der Brandenburger Landesgrenze erhebt sich linker Hand ein grüner Hügel. Der alte Hahneberg. Was sich von unten nicht ahnen lässt: Oben, in der grasigen, baumgekrönten Hügelspitze, verbirgt sich ein historisches Abenteuerland: Fort Hahneberg.

Erinnerung an die Zeit der Festungen und Garnisonen

Die militärische Schutzanlage stammt aus dem Jahr 1888. Sie erinnert an die Zeit, als Spandau noch eine preußische Festungs- und Garnisonstadt war, ein wichtiger Standort der Rüstungsproduktion.

Unter zwölf Meter dicken Erddecken verborgen sind hier massive Ziegelmauern, lange Gänge, hohe Treppen, kühle Gewölbe, einstige Waffen- und Pulverlager.

Fort Hahneberg (Bild: rbb/Annette Miersch)
Bild: rbb/Annette Miersch

Zugbrücke aus dreieinhalb Tonnen Stahl

Über dem etwas unscheinbaren Haupteingang breitet ein Reichsadler ohne Kopf seine Schwingen aus. Das Hakenkreuz ist aus dem Kranz in seinen Krallen rausgeschlagen. Ein Hinweis auf die wechselvolle Geschichte der Anlage, mit der sich Markus Uhl beeindruckend gut auskennt. Uhl gehört zum Verein "Arbeits- und Schutzgemeinschaft Fort Hahneberg e.V." (ASG).

Besonders stolz ist der junge Mann auf die Zugbrücke: "Die haben wir als Verein selbst nachgebaut. Die ganze Konstruktion besteht aus dreieinhalb Tonnen Stahl." Seit den 90er Jahren kümmern sich die Vereinsmitglieder um das Fort, bieten historische Führungen an, aber auch Fledermaus-Exkursionen und Schatzsuchen für Kinder.

Einzigartiges Bauwerk in der ganzen Region

Spannend an diesem Ort ist nicht nur die Architektur, sondern auch die Lage am westlichen Berliner Stadtrand. Zwischenzeitlich war das Fort mal ostdeutsch und stand mitten im DDR-Grenzgebiet. Heute ist es wieder Teil von Spandau. Ein einzigartiger Ausflugspunkt, schwärmt Jana Friedrich, die Tourismusbeauftragte des Bezirkes: "Direkte Lage am Mauer-Weg und über den Havel-Radweg gut zu erreichen, ein super Naherholungszentrum mit Spaziermöglichkeiten und mit diesem historischen Bauwerk, das man so in der Region nicht noch mal finden kann."

Schätze wie dieses Fort will Spandau über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt machen. Dafür wurde im letzten Jahr jede Menge Öffentlichkeitsarbeit geleistet, erklärt Jana Friedrich. Ein runder Tisch "Tourismus" wurde in der Militäranlage abgehalten und das Fort auf einschlägigen Tourismus-Internetseiten eingetragen. Die Tourismusbeauftragte hofft, dass in der neuen Saison dann mehr Besucher das Angebot kennen. Außerdem habe man im letzten Jahr mit Landesmitteln eine Broschüre zum 130.Geburtstag von Fort Hahneberg drucken lassen.

Touristen in die Randbezirke!

Das Geld gehört zum "Tourismuskonzept 2018+" des Berliner Senates, mit dem Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) den Besucheransturm auf die Hauptstadt besser verteilen will. Die gebeutelten Innenstadtbezirke sollen dabei entlastet und die Randbezirke sollen für Besucher interessanter werden. Die landeseigene Tourismusagentur "Visit Berlin" hat dafür ein Team gegründet, das die Bezirke unterstützen soll. Außerdem bekommt jeder Bezirk 2018 und 2019 je 40.000 Euro vom Land, um eigene Ideen umzusetzen.

Spandau profitiert von diesen Mitteln, meint Jana Friedrich, auch wenn die Besucherzahlen das noch nicht belegen: "Das Konzept wurde ja erst vor einem Jahr verabschiedet. Wir sind jetzt dabei,  erste Maßnahmen zu entwickeln und erste Projekte umzusetzen.“

Fort Hahneberg (Bild: rbb/Annette Miersch)
Bild: rbb/Annette Miersch

Wir arbeiten daran, dass sich was ändert

Wobei sich dabei wohl kaum ein Bezirk so ins Zeug legt wie Spandau. So wurde im Bezirksamt eine Stelle bei der Abteilung Wirtschaftsförderung zusätzlich geschaffen, und zwar eben die der Tourismusbeauftragten. Seit gut einem Jahr ist Jana Friedrich jetzt im Dienst und bringt die vielen verschiedenen Akteure an einen Tisch. Das schätzt auch Markus Uhl von der ASG Fort Hahneberg. Zwar konnte er bislang noch keine höheren Besucherzahlen melden, doch sei deutlich zu spüren, dass etwas in Bewegung ist.

Sendung: Inforadio, 07.03.2019, 17.20 Uhr

Beitrag von Annette Miersch

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10 Kommentare

  1. 10.

    Unsereins hat noch erlebt, wie sich der Schutthügel "Hahneberg" tagsüber mit jedem vollen LKw immer weiter in die Höhe erhob. Er war abends und am Wochenende kein sicherer Spielplatz für Teenager, dafür umso spannender, mit einem alten Röhrenradio nach Hause zu fahren. Die DDR-Grenze verlief nur wenige Meter am Hahneberg entlang und zum Fort konnten wir nicht, weil es sich auf dem Grenzgebiet befand. Wenn man erst den Hahneberg erklommen hat, kann man bei schönem Wetter eine unheimlich weite Aussicht z. B. bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz und in der Silvesternacht einen prachtvoll bunten Himmel genießen. https://www.unterwegs-in-spandau.de/hahneberg-spandau/

  2. 9.

    Unsereins hat noch erlebt, wie sich der Schutthügel "Hahneberg" tagsüber mit jedem vollen LKw immer weiter in die Höhe erhob. Er war abends und am Wochenende kein sicherer Spielplatz für Teenager, dafür umso spannender, mit einem alten Röhrenradio nach Hause zu fahren. Die DDR-Grenze verlief nur wenige Meter am Hahneberg entlang und zum Fort konnten wir nicht, weil es sich auf dem Grenzgebiet befand. Wenn man erst den Hahneberg erklommen hat, kann man bei schönem Wetter eine unheimlich weite Aussicht z. B. bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz und in der Silvesternacht einen prachtvoll bunten Himmel genießen. https://www.unterwegs-in-spandau.de/hahneberg-spandau/

  3. 7.

    Die Bauzäune wurden nach einem Zuständigkeitswechsel im Bezirksamt vor einigen Jahren als Sofortmaßnahme aufgestellt, um der Verkehrswegesicherungspflicht Genüge zu tun. In den letzten Jahren konnten diese u.a. durch Bau von Schutzdächern und weitaus dezenteren Absperrungen jedoch weitestgehend ersetzt werden. Die aktuellen Absperrungen unseres Vereines bestehen aus Robinienholz und grün ummanteltem Draht, welcher auf Fotos kaum wahrnehmbar ist. Bauzäune befinden sich nur noch an wenigen, besonders neuralgischen Punkten.
    Auch konnte der Führungsweg in den letzten Jahren fast wieder auf seinen ursprünglichen Ausbauzustand, teilweise sogar drüber hinaus, erweitert werden, so dass ein Besuch nur dringend angeraten werden kann ;-)

  4. 6.

    eigentlich ist man als berliner froh, wenn nicht überall touristenmassen einströmen und man noch etwas berlin für die Einheimischen hat. alles was als geheimer Ausflugstipp beginnt, endet als vermülltes und zertrampeltes Gebiet, zudem viele Reisebusse die alles zuparken. Das ist sehr schade.
    Mitte ist für mich eine Quälerei, obwohl ich die Architektur und Geschichte liebe, meide ich es dort spazieren zu gehen. Aber immerhin ist Berlin "meine" Stadt, ich gehe hier arbeiten und zahle (mehr als genug) Steuern. Man muss Touristen nicht überall haben. Der, der sich vor der Reise informiert, findet auch allein solche "Geheimen" Orte, aber lasst den Massentourismus bitte dort, wo er ohnehin schon ist.

  5. 5.

    Auf die direkte Frage kann ich keine Antwort geben, allerdings ggf. indirekt zum Hintergrund, warum das vermutlich so ist.

    Jahrzehntelang, ggf. mehr als ein Jahrhundert reichte ja das Schild "Betreten auf eigene Gefahr". Damit war klar, dass nicht vom herkömmlichen Sicherheitsstandard ausgegangen werden könne und vorsichtigeres Gehen vor eigenem Schaden schützt.

    Dann kam die Idee auf, den Staat für alle mögliche eigene Unbill verantwortlich zu machen und der Staat zog sich diesen Schuh auch an. Die Folge war dann entweder eine aufwändige Sanierung, um Gefahren 100%ig aufzuschließen oder aber "Einhausung" von Bauwerken, von denen durch Steinschlag Gefahr ausgehen könnte. Wo dies wie bei Fort Hahneberg immense Kosten verursachen würde, sind Zäune die billigste Variante.

    Ich selber kann mit einer Übernahme der Eigenverantwortung sehr gut leben. Zehntausend andere, die plattenebene bzw. asphaltierte Wege selbst im Wald vorfinden möchten, anscheinend nicht.

  6. 4.

    Man sollte auch erwähnen, dass dort auch eine Szene für einen Tarantino-Blockbuster (Inglorious B...) gedreht wurde. DAS würde wohl einige Touristen locken!

  7. 3.

    Ich hoffe sehr, dass da nicht immer noch alles von Bauzäunen verstellt ist. Die Anlage selbst ist toll, sehenswert. Aber auf einer Führung vor wenigen Jahren bemängelten einige Teilnehmer zu Recht, dass die überall beidseitig des Wegs aufgestellten Bauzäune die Sicht und Atmosphäre sehr stören. Es hieß dann, das sei schon öfter angesprochen worden, aber angeblich müsse das aus Sicherheitsgründen so bleiben. Weiß da jemand, ob das aktuell immer noch so ist?

  8. 2.

    "Es war schon immer etwas Besonderes, ein Spandauer zu sein." - https://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle_Spandau bzw. https://www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3561606-3558930-zitadelle-spandau.html

  9. 1.

    Wer nur vom Zentrum aus schaut, sieht nur "den Rand." - Wer Berlin als Ganzes betrachtet, achtet die Bezirke.

    Genauso wie Berlin als Kernstadt haben sie alle ihre eigene Geschichte und weisen noch einmal für sich das Paar Peripherie und Umland auf. So auch bspw. die Innenstädte von Spandau und Köpenick, die sich mitnichten unter "Rand" fassen lassen, sondern als sichtbar eigene Städte. Schön, dass es jetzt zumindest mit dem Fort Hahneberg losgeht.

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