Maschine der Fluggesellschaft Germania auf dem Düsseldorfer Flughafen (Quelle: imago/Tack)
Video: rbb24 | 25.03.2019 | Laurence Thio | Bild: www.imago-images.de/Tack

Insolvente Berliner Fluglinie - Insolvenzverwalter: Rettung der Airline Germania gescheitert

Eine Stilllegung der insolventen Berliner Fluglinie Germania ist laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter nicht mehr abzuwenden. "Die Mitarbeiter erhalten in den nächsten Tagen die Kündigungen", sagt er. Rund 1.400 Beschäftigte sind betroffen.

Die Rettung der insolventen Berliner Fluggesellschaft Germania ist gescheitert. Alle seriösen Bieter seien abgesprungen, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg am Montag mit. Eine Stilllegung sei nicht mehr abzuwenden.

"Die Mitarbeiter erhalten nun in den nächsten Tagen die Kündigungen und werden zusätzlich zum Anfang April freigestellt", hieß es in der Mitteilung weiter. Betroffen sind rund 1.400 Mitarbeiter, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters rbb|24 sagte. Rund 250 Beschäftigte hätten seit der Insolvenzanmeldung das Unternehmen verlassen. Vor der Insolvenz gab es den Angaben zufolge rund 400 Piloten und 580 Flugbegleiter.

Eigentliches Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet

Es gab nach Angaben Wienbergs sowohl Interessenten für große Teile der Germania als auch für den Bereich Wartung und Technik. Sie alle hätten sich aber aus dem Bieterprozess zurückgezogen. Ein Problem sei der enge Zeitrahmen gewesen, denn zum 31. März ende der Insolvenzgeldzeitraum für die Mitarbeiter. 

Das eigentliche Insolvenzverfahren ist bislang noch nicht eröffnet, wie ein Sprecher Wienbergs mitteilte. Momentan läuft noch die Phase des vorläufigen Insolvenzverfahrens. Über den Eröffnungstermin entscheidet ein Gericht auf Grundlage eines Gutachtens des Insolvenzverwalters.

Insolvenz am 4. Februar angemeldet

Am 4. Februar hatte die Germania Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt. Zunächst sah es so aus, als habe die Fluglinie Chancen, mit einem neuen Investor weiterzumachen. Es gebe mehrere Interessenten, hieß es wenige Tage nach der Nachricht über die Insolvenz. Nähere Angaben wurden damals nicht gemacht. 

Die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania waren bereits Anfang Januar bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Die Airline begründete den finanziellen Engpass unter anderem mit einer massiven Steigerungen der Kerosinpreise. 

Insolvenzverwalter optimistisch zu Jobchancen

Viele der Germania-Mitarbeiter, die das Unternehmen seit der Insolvenz verlassen haben, dürften woanders untergekommen sein. Konkurrenten auf Wachstumskurs haben dem Personal der Fluglinie umgehend Job-Angebote unterbreitet. Auch Insolvenzverwalter Wienberg äußerte sich optimistisch zu den Jobchancen der Germania-Beschäftigten. Piloten und Techniker würden "händeringend gesucht", auch Verwaltungspersonal dürfte "woanders gute Jobchancen haben". 

Eigene Maschinen hatte die Fluggesellschaft nicht, die annähernd 30 Flugzeuge waren zuletzt nach Angaben des Insolvenzverwalters alle geleast. Nun könnte es anderen Airlines verstärkt darum gehen, an Germania-Slots - die begehrten wie lukrativen Start- und Landerechte an Flughäfen - heranzukommen. Zum Beispiel hatte direkt nach der Germania-Pleite die Lufthansa-Tochter Eurowings Interesse an den Slots am Flughafen Düsseldorf gezeigt.

FDP fordert Unterstützung für Angestellte

Die Berliner FDP ist in Bezug auf die Jobchancen der Germania-Beschäftigten weniger optimistisch als der Insolvenzverwalter: Sie fordert vom Senat Hilfe für diese Beschäftigten. Es sei "Aufgabe der Politik, die Angestellten in dieser schweren Zeit zu unterstützen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Swyter, laut einer Mitteilung. "Dabei sind vor allem der Regierende Bürgermeister Müller und die Wirtschaftssenatorin Pop in der Pflicht." Nun sei das Aus der letzten Berliner Fluggesellschaft besiegelt.

Fragen nach Hilfen wie bei Air-Berlin-Insolvenz

Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hielt es nach der Insolvenzanmeldung nach eigener Aussage für noch zu früh, über mögliche Hilfen für die Beschäftigten nach dem Vorbild der insolventen Fluglinie Air Berlin im Jahr 2017 zu sprechen. 

Die Bundesregierung sah bei der Germania-Insolvenz - anders als bei der Zahlungsunfähigkeit der Fluglinie Air Berlin - keinen Anlass einzugreifen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verwies Februar auf die Marktwirtschaft, zu der unternehmerischer Erfolg und Misserfolg gleichermaßen gehörten. Wenn der Staat "willkürlich" Firmen rette, komme es unter anderem zu hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten.

Air Berlin hatte die Bundesregierung im Sommer 2017 einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro gewährt, um den Flugbetrieb bis zu einer Verkauflösung aufrechtzuerhalten. Bei Germania sei das Problem, dass Kunden an Flughäfen außerhalb Deutschlands festsäßen, von "viel begrenzterer Dimension", sagte Altmaier. "Die allermeisten" Passagiere hätten wohl die Chance, sich das Geld für einen Rückflug vom Reiseveranstalter erstatten zu lassen.

260.000 Buchungen nicht erstattet

Infolge der Zahlungsunfähigkeit der Germania blieben tausende Reisende auf den Kosten für ihre bei der Fluglinie gebuchten Flüge sitzen. Betroffen seien Reisende in etwa 260.000 Fällen in einem Zeitraum bis Ende Mai 2020, die direkt bei Germania gebucht hatten, wie ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters sagte. Demnach bekommen nach derzeitiger Rechtslage Passagiere für Direktbuchungen - anders als etwa Pauschalreisende - keinen Ersatz bei einer Insolvenz einer Airline. 

Ermittlungen gegen Airline-Chef

Gegen den Germania-Chef Karsten Balke wird laut Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Betrugs ermittelt. Das wurde vor wenigen Tagen bekannt. Die Fluggesellschaft soll womöglich ihren Kunden auch dann noch Tickets verkauft haben, als sie schon zahlungsunfähig war. Laut dem Fachmagazin FVW, das zuerst berichtet hatte, weist Balke die Vorwürfe zurück. 

Mehr als 30-jährige Geschichte

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Darunter waren viele Urlaubsorte. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania bis zur Insolvenzanmeldung 37 Flugzeuge.

Germania ist schon die dritte Berliner Airline, die in jüngster Zeit Insolvenz anmelden musste. Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8.000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.

Sendung: Abendschau, 25.03.2019, 19:30 Uhr

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