Honiggläser (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Super.Markt | 11.03.2019 | bearbeitet von rbb|24 | Bild: dpa

Gepanschter Honig aus China - Wenn Menschen statt Bienen die Arbeit verrichten

Honige aus China sollten nach Auffassung hiesiger Imker nicht als Bienenhonig verkauft werden dürfen, wenn sie thermisch getrocknet wurden. Das sagt der Landesverband Brandenburgischer Imker dem rbb nach einem verheerenden Urteil von Stiftung Warentest.

Honig gilt als Naturprodukt schlechthin. Nur trifft das immer häufiger nicht zu.

Gerade bei Honig aus "Nicht-EU-Ländern" ist die Bezeichnung "Honig" teilweise sogar irreführend – sagen hiesige Imker. "Süßer Brotaufstrich" wäre die ehrlichere Bezeichnung.

Das gilt vor allem für Honige aus China. Die werden oft unreif geerntet und danach thermisch getrocknet. "Man nimmt den Bienen den letzten Arbeitsschritt ab und bearbeitet den Honig in Fabriken weiter, in sogenannten Vakuum-Trocknungs-Anlagen, setzt da eben Wärme ein und entzieht dann darüber das überschüssige Wasser", sagt Nicole Merbach von der Stiftung Warentest.

Bieneneigene Enzyme fehlen

Honig, der auf traditionelle Art entsteht, trocknet stattdessen, indem die Bienen ihn umhertragen und immer wieder ablegen und aufnehmen. Dadurch wird der Honig mit bieneneigenen Stoffen angereichert. Nach Auffassung des Landesverbandes Brandenburgischer Imker fehlten dem vakuum-getrockneten Produkt aus China genau diese wertvollen bieneneigenen Enzyme.

Holger Ackermann, Sprecher des Landesverbandes, sagte gegenüber dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt: "Das in China sind gar keine Imker, das sind Industrieanlagen." Die Biene werde nur dazu benutzt, einen meist künstlich hergestellten Sirup aufzunehmen und diesen einmalig durch den Honigmagen durchzugeben. Danach würde der Trocknungsprozess künstlich herbeigeführt.

Stiftung Warentest: Mehrere Bio-Akazienhonige "mangelhaft"

"Wir sind als Imker der Meinung, dass das Produkt am Ende nicht den Namen Bienenhonig tragen sollte, sondern da kann man dann vielleicht draufschreiben: süßer Brotaufstrich, Vorsicht, kann Spuren von Honig enthalten", so Ackermann.

Er reagiert damit auf einen aktuellen Bericht der Stiftung Warentest. Vor rund fünf Wochen hatte die Stiftung unter anderem mehrere Bio-Akazienhonige getestet und mit mangelhaft bewertet [Super.Markt berichtete]. Darunter Akazienhonige von Allos, DM, Penny Bio und der Biozentrale. Diese Honige zeigten Wärmeschäden und in einem Fall einen erhöhten Anteil von Glyzerin und Hefe. Durch die Analyse von Pollen konnte Stiftung Warentest nachweisen, dass diese Produkte aus China stammen - was der Verbraucher auf dem Etikett aber nicht erkennen kann. Dort steht lediglich, der Honig sei aus "Nicht-EU-Ländern" oder mit "nicht EU-Landwirtschaft" gekennzeichnet.

Bedarf kann ohne Importe nur zu 30 Prozent befriedigt werden

Der Bedarf an Honig ist hierzulande groß, rund ein Kilo isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Damit sind wir Weltmeister im Honigverbrauch. Die Nachfrage kann allerdings nur zu 30 Prozent aus hiesigen Imkerbeständen befriedigt werden. Die restlichen 70 Prozent stammen aus dem Import, etwa aus den Hauptimportländern Argentinien und Mexiko. Chinesischer Honig ist allerdings billiger – und wird deshalb gerne von deutschen Vertreibern gekauft.

Von Aufregung bei den Vertreibern nach den miserablen Testergebnissen: keine Spur. Lediglich DM will sich anlässlich des Warentest-Berichtes mit dem chinesischen Hersteller austauschen und die vorliegenden Ergebnisse prüfen.

Sendung: Super.Markt, 11.03.2019, 20.15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    So ein Dreck darf sich tatsächlich Honig nennen? Schlimm..

    So wenig Bienen wie ich immer sehr,könnte man vermuten,dass das inländische Angebot noch ausgeweitet werden könnte.

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