Tafel mit dem Ausbau des zukünftigen Siemenscampus im Berliner Westen (Quelle: rbb/ Michel)
Video: rbb24 | 25.03.2019 | Bild: rbb/ Michel

600 Millionen Euro für Infrastruktur - Berlin plant Millionen-Investition in Siemens-Campus

Für 600 Millionen Euro will Siemens in Berlin ein ganzes Stadtquartier errichten. Das Land muss für die Erschließung des Areals ebenso viel beisteuern, schätzt Finanzsenator Kollatz. Ein Experte mahnt, Berlin müsse genau darauf achten, wofür es die Mittel verwendet.

Das Land Berlin wird möglicherweise eine ähnliche Summe rund um den Siemens-Campus investieren wie Siemens selbst. Das sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) dem rbb.

Gelände muss erschlossen werden

Siemens hatte im vergangenen Jahr mitgeteilt, man werde bis zu 600 Millionen Euro in das Areal stecken. Angekündigt sind Büros, Industrieanlagen und Wohnungen. Noch steht aber nicht definitiv fest, was genau wo auf diesem Campus entstehen soll. Deshalb war der Berliner Finanzsenator bisher auch zurückhaltend mit konkreten Investitionszusagen.

FDP fordert Beratung, CDU mahnt Zeitplan an

Die FDP begrüßt das Engagement des Senats. "Es ist richtig, dass das Land Berlin Mittel für den Ausbau der Infrastruktur für die Siemensstadt bereit stellen will", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Florian Swyter. "Der Senat ist gut beraten, wenn er seine Ressourcen und Planungen auf dieses Projekt fokussiert." Allerdings sei "Sorgfalt und gute Beratung gefordert", so Swyter: Er warnt vor ausufernden Kosten und dauernden Terminverschiebungen wie beim Flughafen BER.

Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU, hat grundsätzlichere Bedenken. "Woher der Finanzsenator diese Summen nimmt und ob er den Zeitplan einhalten wird, da haben wir große Fragezeichen." Vor allem müsse das Geld rechtzeitig investiert werden, so Gräff.  

Experte: Zwischen Allgemeinheit und Siemens trennen

Wie hoch die Rechnung am Ende für Berlin wird, hängt allerdings auch davon ab, wie viele Fördermittel das Land anderswo bekommen kann, etwa aus Bundesmitteln zur "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" oder aus Töpfen des Europäischen Sozialfonds.

Der Senat sollte dann jedoch genau darauf achten, welche Investitionen in der Siemensstadt der Allgemeinheit nützen, und welche dem Siemens-Konzern, sagt Martin Gornig, Forschungsdirektor Industriepolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. "Wir wollen ja nicht den privatwirtschaftlichen Nutzen von Siemens erhöhen, sondern die Rendite für Berlin." Außerdem sei diese Trennung wichtig für die Genehmigung von Fördergeldern, so Gornig, vor allem bei EU-Mitteln.

Insider rechnen mit Milliarden-Investitionen der öffentlichen Hand

Es ist das erste Mal, dass aus dem Berliner Senat eine ungefähre Höhe der Landesinvestitionen für den geplanten Siemens-Campus genannt wird. Noch Ende vergangenen Jahres sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), es sei noch nicht bezifferbar, wie viel das Land Berlin investieren müsse. Insider hatten geschätzt, dass die öffentliche Hand 1,8 Milliarden Euro dazugeben muss, für den Ausbau des Personennahverkehrs - allem voran die Reaktivierung der Siemensbahn zwischen Gartenfeld und Jungfernheide.

Eröffnung für 2030 geplant

Ende Oktober 2018 hatte Siemens die Entscheidung für Berlin als Standort für seinen neuen Innovationscampus bekannt gegeben. Nach dem bisherigen Konzeptentwurf für den Campus sollen in Spandau auf knapp einem Quadratkilometer Büros, Forschungslabors, Hightech-Produktionsanlagen, ein Hotel, eine Schule und Einzelhandel untergebracht werden. Geplant ist, neue Firmen und Startups auf dem Gelände anzusiedeln, außerdem soll es dort Mietwohnungen geben. Siemens' Ziel sei es, ein neues Stadtquartier zu gestalten, hieß es. Einer der Schwerpunkte für die Arbeitsfelder der Netzwerke auf dem Campus sei die E-Mobilität. Dazu werde die "smarte Infrastruktur, etwa Breitband" ausgebaut.

Die Umsetzung wird allerdings viele Jahre dauern, nach jetzigem Stand soll der Innovationscampus 2030 eröffnen.

Sendung: Inforadio, 25.03.2019, 6:20 Uhr

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11 Kommentare

  1. 10.

    Zum Glück gebt es in dieser Stadt immer große Verkehrsexperten wie das Verkehrsmonster. Wenn ich Scheibe die Verlängerung macht erst dann Sinn wenn die Siemens-Bahn nach Reinickendorf (Merkisches Viertel) verlängert wird, und meine nicht die Wasserstadt in Spandau. Denn hier würde sich die U2 wesentlich besser anbieten, deren Zwischenbahnhof in Rathaus Spandau seit 30 Jahren als Bauvorleistung exestiert. Und die Siemens-Bahn nach Flughafen Tegel zu verlängern war ein Witz!

  2. 9.

    Das mit dem Apothekensterben in Berlin habe ich selbst noch gar nicht so wahrgenommen . Bei mir in Nordneukölln gibt es im Umkreis von 500 m mindestens 6 Apotheken also für mich soweit ausreichend aber ich weiß natürlich nicht ob es in anderen Stadtteilen von Berlin genauso ist .

  3. 8.

    Stimmt doch nicht - natürlich haben wir darüber berichtet: https://mediathek.rbb-online.de/tv/rbb24/Hunderte-Apotheker-demonstrieren-in-Berl/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=55478276&documentId=61434986

    Beste Grüße

  4. 7.

    Über den Siemens-Campus wird hier nahezu jede Woche berichtet. Über die Demo der apotheken gestern findet sich hier gar kein Bericht, nur in der Abendschau.

    Interessiert das Apothekensterben denn niemanden? Schließlich hat Berlin bundesweit die HÖCHSTe Schließungsquote bei Apotheken!

  5. 6.

    Wer stellt dem Milliarden-Konzern Siemens auf Befehl hunderte! Millionen bereit? Antwort: Kollatz und Müller. Wer ist größter Anteilseigner an Siemens? Antwort: Blackrock.

    Wer ist Anteilseigner an Deutsche Wohnen und Vonovia? Antwort: Blackrock.

    Wer ist gegen die Enteignung von Deutsche Wohnen und Vonovia? Antwort: Kollatz und Müller.

    Wer bemängelt die Wirtschaftlichkeit der Ausübung des Vorkaufsrechts? Antwort: Kollatz

    Wer klagt gegen den Mietspiegel vor dem BVerfG? Antwort: Deutsche Wohnen, Anteilseigner Blackrock.

    Blackrock-Chef Larry Fink und Siemens-Chef Joe Kaeser "treffen sich regelmäßig" https://www.wiwo.de/21126514.html

    Wenn der Siemens-Campus mal nicht Milliarden verschlingt wie der BER!

  6. 5.

    Wie am Potsdamer Platz? Wer hat dort damals was gezahlt? Siemens baut gerade global den Firmenbereich Immobilien aus. Also ein weiterer Immobilien- "Investor" dem der Senat Geschenke machen und Geld hinterherwerfen kann ;)
    Bin gespannt auf die Mietpreise, und ob die sich die Beschäftigten vor Ort leisten können.
    Neue Industriepolitik "Smart-Homes" für alle? Als nächste umlagefähige Mieterhöhungsstrategie?!
    https://new.siemens.com/global/de/unternehmen/ueber-uns/unternehmensstruktur/real-estate.html

  7. 4.

    Ein guter Teil der Kosten für Berlin sind ja grade die verbesserte Verkehrsinfrastruktur. Und es ist ja nicht so als würde Berlin nicht davon profitieren wenn hier ein paar mehr gut bezahlte Arbeitsplätze entstünden.

  8. 3.

    Berlin sollte die Gelder in Schulen, Kitas, Verkehrskonzepte, ÖPNV und Sicherheit investieren. Lasst die privatwirtschaftlichen Träumer doch alles selbst zahlen. Siemens ist milliardenschwer, dann sollte Siemens auch alles selbst tragen. Diese subventionierten ist schlimm und letzten Endes zahlt immer schön brav der Steuerzahler.

  9. 2.

    Siemensbahn nach Reinickendorf verlängern??
    Gemeint ist wohl eher die Wasserstadt, wo für 30.000 Menschen neue Wohnungen entstehen...
    Die UTR (heute Flughafen Tegel) kann besser mit einem Abzweig der U6 erschlossen werden...und natürlich der Straßenbahn!

  10. 1.

    Ich sehe die ganze Nummer eher Kritisch. Denn was Siemens hier macht ist nichts weiter als großmündig ein Campus 2.0 zu verkünden, den sie sich dann aber zur helfe von Steuerzahler bezahlen lassen.
    Siemens hat sich Jahrzehnte einen Dreck um die Siemensstadt geschärrt, sondern ganz in Gegenteil, sie haben in Berlin abgebaut wo sie nur konnten, und Produktionen ins Ausland ausgelagert. Und nun Mutieren sie auf einmal vom Saulus zum Paulus. Und mit der Siemens-Bahn ist das auch so ein Ding. Klar schön das sie wieder fahren soll, aber nach Gartenfeld, da ist nichts! Wenn schön macht diese nur richtig Sinn, wenn sie weiter Verlängert wird nach Reinickendorf, oder nach Tegel denn der Flughafen wird auch noch in 50 Jahren in Betrieb sein. Wetten!!!

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