Eigentumswohnungen stehen zum Verkauf (Quelle: imago)
Video: Abendschau | 01.03.2019 | im Studio: Jürgen Allerkamp IBB | Bild: imago

Zehn-Jahres-Bilanz - Fast 100.000 Berliner Wohnungen in Eigentum umgewandelt

Fast 100.000 Mietwohnungen sind in den vergangenen zehn Jahren in Berlin in Eigentumswohnungen umgewandelt worden. Das geht aus dem Wohnungsmarktbericht 2018 hervor. Außerdem wird Wohnraum immer knapper, die Preise steigen ungebremst.

Immer mehr Mietwohnungen in Berlin werden in Eigentumswohnungen umgewandelt. Das geht aus dem Wohnungsmarktbericht 2018 der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor. Danach wurden in den zehn Jahren bis 2017 knapp 96.000 Wohnungen umgewandelt. Zuletzt habe sich dieser Trend sogar noch verstärkt.

Die Mieten und Kaufpreise für Immobilien steigen dem Bericht zufolge ungebremst weiter. Die mittlere Angebotsmiete lag demnach 2018 bei 10,32 Euro kalt je Quadratmeter - 53 Cent höher als im Jahr davor. Nur noch neun Prozent aller Mietwohnungen im Berliner Stadtgebiet wurden zu einer mittleren Nettokaltmiete von unter 7 Euro pro Quadratmeter angeboten.  In der Innenstadt lagen die Mieten sogar fast flächendeckend bei mehr als 12 Euro pro Quadratmeter.

Wohnungen zum Kauf kosteten im Schnitt 4.200 Euro je Quadratmeter - 400 Euro mehr als im 2017.

Bevölkerungszunahme verschärft Wohnungsknappheit

Grund für die steigenden Preise sei die Verknappung des Angebots in Folge der anhaltenden Bevölkerungszunahme. Preiswerter Wohnraum sei inzwischen nicht mehr nur innerhalb des S-Bahn-Rings knapp. Die Auswirkungen erstrecken sich laut Wohnungsmarktbericht auf die gesamte Stadt und auch über die Stadtgrenzen hinaus. Denn auch das Berliner Umland wachse seit einigen Jahren ähnlich dynamisch wie die Bundeshauptstadt, im Zeitraum 2013-2017 um 5,8 Prozent (Berlin: 5,6 Prozent).

Dem IBB-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Allerkamp zufolge gibt es in der Stadt derzeit ein Angebotsdefizit von knapp 100.000 Wohnungen. Berücksichtige man, dass Wohnungen zeitweise wegen Umzügen oder Modernisierungen nicht zur Verfügung stehen, ergebe sich sogar ein Defizit von rund 135.000 Wohnungen.

"Bei einem Niveau von rund 16.000 Baufertigstellungen jährlich - das entspricht der höchsten Bauintensität seit über 20 Jahren - würde es über acht Jahre dauern, um diesen Wohnungsmangel zu kompensieren", so Allerkamp. Entsprechend sei es wichtig, den Wohnungsbau weiter voranzutreiben.

Insgesamt wurden 2017 in Berlin 15.669 (2016: 13.659, +14,7%) Wohnungen fertiggestellt. Im Umland waren es 22.315 (2016: 20.411).

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Geld regiert die Welt so war es schon immer, Sie können doch aufs in die Randbezirke, aufs Land oder Kreisstädte ziehen, da ist es preiswerter. Die BRD zeigt ihr wahres Gesicht.

  2. 10.

    Ja wenn es denn Bürger sind, die auch ihren Besitz nutzen und darin wohnen tun. Nur erweist sich das Ganze sehr häufig als reine Spekulation. Wohnungen stehen leer und schlimmer noch, vielen Mietern wird wegen fragwürdigen „Eigenbedarf“ einfach die Wohnung gekündigt.

  3. 9.

    Ach diese Rechnung wieder... Jaja. Miete vs. Kreditbelastung. Das muss jeder selbst rechnen. Pauschal kann man das nicht sagen. Aber die Zinsen sind jedenfalls schon seit längerer Zeit richtig niedrig.

  4. 8.

    Umwandlung in Eigentum ist etwas Gutes, denn es motiviert die Bürger sich etwas Eigenes zu schaffen, bei dem sie über alles entscheiden können. auch bedingt über die Nebenkosten. Die Stadt muss das steuerlich fördern, dann entstehen auch keine zusätzlichen Lücken. Gleichzeitig müssen aber schleunigst neue Wohnungen im Soz. Wohnungsbau entstehen.

  5. 7.

    Unser Haus wurde letztes Jahr trotz Milieuschutz und grünen Baustadtrat in Eigentumswohnungen umgewandelt! Erfahren haben wir es per Zufall bei einer Einsicht ins Grundbuch. Unser Fall zeigt, dass der bisherige Milieuschutz Lücken hat und die MieterInnen nicht vor der Spekulation mit ihrem Wohnraum gerne werden! Für uns heißt das, dass wir uns in den nächsten Jahren neue Wohnungen suchen müssen, die es zwar gar nicht gibt bzw. die wir nicht bezahlen können!

  6. 6.

    Paperlapapp
    In meinem persönlichen Umfeld gibt es mindestens 25 Egt.-Wohnungen die nicht selbst genutzt sind aber unbefristet vermietet. Spekulativer Leerstand is keines Wegs eine Option für diese Eigentümer. Richtig ist der Wunsch die eigenen Kinder zum Beginn der Volljährigkeit Selbständigkeit in diese Wohnungen einziehen zu lassen.
    Eigenbedarf.

  7. 5.
    Antwort auf [Gast] vom 01.03.2019 um 16:11

    Wenn man es sich leisten kann bzw es schafft 20-30 Jahre durchgehend einen Kredit zu bedienen. Die Banken und Reichen erfreuen sich an den Zinsen während du arbeitest.

  8. 4.

    Ich beobachte in der Innenstadt eine stetige Zunahme von leerstehenden Wohnungen. Vermutlich, wie in London nur zwecks Spekulation erworbene Immobilien. In Spanien folgten der Wohnungskrise Besetzungen: "Die Zahl der Hausbesetzungen („Corralas“) ist seit Beginn der Krise stark gestiegen: 2012 waren es etwa 10.000, 2013 sind es mutmaßlich 12.000. Lange Zeit galt es als tabu, darüber zu reden. Dieses Tabu brachen am 15. Mai 2012 in Sevilla 36 Familien, die alle von Zwangsräumung bedroht waren: sie besetzten ein Haus und gingen sofort an die Presse. Sie erklärten das Haus, das zuvor fünf Jahre leergestanden hatte, für rechtmäßig besetzt, tauften es „Corrala Utopia“ und beriefen sich auf den Artikel 47 der spanischen Verfassung, den sie auch auf die Fassade sprühten: Jeder Spanier hat das Recht auf eine würdige Wohnung." wikipedia.org/wiki/Hausbesetzung
    Durch die gesetzliche Erlaubnis länger leerstehende Wohnungen zu besetzen, könnte die Mietpreisentwicklung auch gebremst werden.

  9. 3.

    Innerhalb des S Bahn Rings? Hm. Aber laut umweltgerechtigkeitsstudie sind doch da die ärmeeen Kieze ....

  10. 2.

    "Nur noch neun Prozent aller Mietwohnungen im Berliner Stadtgebiet wurden zu einer mittleren Nettokaltmiete von unter 7 Euro pro Quadratmeter angeboten."
    Das "mittleren" macht in dem Satz doch keinen Sinn. Entweder werden 9 Prozent aller Mietwohnungen unter 7 Euro angeboten oder der mittlere Preis der untersten 9 Prozent liegt bei knapp unter 7 Euro,was bedeuten würde,dass nur circa 5 Prozent aller Wohnungen unter 7 Euro liegen. Dann hätte man das aber auch gleich so schreiben können.

    Man sieht jedenfalls,dass die Mietpreisbremse nicht viel bringt. Ist aber auch nicht wirklich beabsichtigt,sonst gäbe es auch Strafen bei Verstoß.

  11. 1.

    Je mehr Eigentumswohnungen es gibt, umso schneller steigen die Mieten der knappen Mietwohnungen. Je mehr die Mieten steigen, umso mehr lohnt es sich Eigentumswohnungen zu kaufen. Ein Teufelskreis. Die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen muss also zumindest im Stadtgebiet unterbunden werden, wenn man dem Anstieg der Mieten und dem Anstieg der Grundstückspreise irgendwie Herr werden will.

    Eine einmal in Eigentumswohnungen umgewandeltes Mietshaus kommt so schnell nicht mehr zurück. Das ist ein langfristiges Problem.

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