Installationsfachmänner während der Installation einer 5G Antenne (Quelle: dpa/Peter Klauzner)
Bild: dpa/Peter Klauzner

Neuer Mobilfunkstandard - Bundesamt sieht keine Krebsgefahren durch 5G

Bis der Mobilfunkstandard 5G bei Otto-Normal-Verbraucher ankommt, werden wohl noch Jahre vergehen. Ob er die Gesundheit beeinträchtigt, wird schon jetzt diskutiert. Experten kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Von Daniel Marschke

Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G verbunden ist auch mehr hochfrequente Strahlung. Auf Nachfrage von rbb|24, ob sich das schädlich auf die Gesundheit auswirken könnte, verwies Telekom-Sprecher Andreas Middel am Freitag auf das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Das BfS war Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Krebsforschnungsagentur (IARC) nachgegangen, wonach hochfrequente elektromagnetische Felder, etwa aus dem Mobilfunk, eine krebserregende Wirkung haben können. Doch das BfS hatte Zweifel an dieser These und gab eigene Studien in Auftrag. Im August 2018 stellte die Bundesbehörde auf Grundlage dieser Studien fest, "dass nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch hochfrequente Felder - etwa aus dem Mobilfunk - zu erwarten sind, wenn die Grenzwerte eingehalten werden".

Auffällige Häufung von Tumoren im Tierversuch

Inzwischen sind jedoch in den USA und Italien weitere Studien erschienen, die zu ähnlichen Schlüssen wie das IARC kommen. So hat das italienische Institut Ramazzini im Tierversuch mit Ratten eine auffällige Häufung von Tumoren festgestellt. Dabei handelt es sich um den gleichen Tumortyp, der bei epidemiologischen Studien vermehrt auch bei Menschen auftritt, die intensiv mit Handys telefonieren. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen US-Forscher des National Toxicology Program (NTP), die im Auftrag der US-Gesundheitsbehörde "Food and Drug Administration" (FDA) tätig geworden waren.  

Bereits im September 2017 hatten 180 Wissenschaftler aus 36 Ländern vor gesundheitlichen Gefahren durch das 5G-Netz gewarnt. "Die 5G-Technik funktioniert nur über kurze Entfernungen. Durch festes Material werden die Signale nur schlecht übertragen. Viele neuen Antennen werden benötigt, und die vollständige Einführung wird in städtischen Gebieten zu Antennen im Abstand von 10 bis 12 Häusern führen. Daher wird die Zwangsexposition stark erhöht", heißt es in weltweit publizierten offenen Brief. Bemängelt wird vor allem, dass die kabellose Kommunikation immer weiter um sich greife und die Auswirkungen nicht gründlich genug erforscht seien.

"Politik muss vorausschauender agieren"

Dieser Meinung ist auch Sarah Drießen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (femu), einer interdisziplinären Einrichtung der Uni-Klinik Aachen. Die reale Belastung "durch viele 5G-Antennen könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden", glaubt Drießen. Als Projektleiterin hat sie den Überblick über mehr als 27.100 Veröffentlichungen, die sich mit dem Thema elektromagnetische Felder beschäftigen.

Lange sei man davon ausgegangen, dass elektromagnetische Felder nur thermische Auswirkungen hätten, sagte die Wissenschaftlerin am Freitag rbb|24. Die jüngsten Studien nun würden dagegen die Ansicht von WHO und IARC "untermauern, wonach hochfrequente Mobilfunkstrahlen möglicherweise krebserregend sein könnten". Die vom NTP und vom Ramazzini-Institut vorgelegten Ergebnisse seien "in jedem Fall interessant und sollten weiter verfolgt werden".

Von einer regelrechten "Gefahr" durch Mobilfunkstrahlung möchte Drießen allerdings nicht sprechen - dazu seien "die Daten aller Studien zu diesem Thema nicht konsistent genug". Auch müsse man berücksichtigen, dass die Tiere in den jüngsten Studien "zum Teil sehr hohen Strahlendosen ausgesetzt waren, die weit oberhalb der geltenden Grenzwerte liegen." Grundsätzlich zeige die Debatte, dass die Politik in vielen Fällen nur reagiere, bemängelt Drießen. "Wichtig wäre es, vorausschauend zu denken und neue Technologien vor ihrer Einführung genauer zu untersuchen."

Beitrag von Daniel Marschke

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Das sehe ich auch so, weil man die ja nicht sehen kann. Wir werden das aber noch zu spüren bekommen.

  2. 4.

    In experimentellen Studien wurde versucht die sogenannte "Elektrosensibilität" nachzuweisen, die einige Menschen von sich behaupten. Dabei wurden über die Jahre hinweg tausende Probanden untersucht, große, kleine, dicke, dünne, alte, junge. Das Resultat war stets dasselbe: Kein einziger Proband konnte seine gefühlte Fähigkeit, schwache Funkfelder unangenehm zu spüren, unter wissenschaftlicher Aufsicht belegen. Deshalb verliert die Forschung das Interesse an dem Thema. Belegt werden konnte jedoch, diese Menschen zeigen echte Symptome sobald sie nur annehmen, unter Funkeinwirkung zu stehen, z.B. weil sie einen Funkmasten sehen. Das Problem ist psychischer Natur, nicht physischer. Details zu Studien über "Elektrosensibilität" finden Sie im EMF-Portal.

  3. 3.

    Danke an rbb für die differenzierte Berichterstattung.

    Schwierig finde ich zwei Dinge.

    1. Bei all diesen Studien immer von einem Standard-Menschen ausgegangen wird. Diese Annahme ist natürlich hochgradig anzuzweifeln, da wir ja scjhon im täglichen Leben bei einfachen Dingen erleben wie unterschiedlich wir alle sind (zu hell / zu dunkel, zu leise / zu laut, zu warm / zu kalt). Solange sich Forschung auf diesem Gleichmacher-Niveau bewegt, werden wir sensitivere Menschen nicht schützen können.

    2. Es gibt einfach keine Langzeit-Untersuchungen wie sich auf die verschieden empfindsamen Menschen auswirken. Wir sollten irgendwann einmal damit aufhören, uns selbst als Laborratten zu behandeln. Wer gegen Tierversuche ist, muss gegen solche Versuche erst recht sein.

  4. 2.

    Versuchskanichen sind wir dann doch schon seit Einführung des Rundfunks.

    3/4 der Haushalte dürften zudem selber aktiv zum "Elektrosmog" beitragen, weil die einen WLAN-Router in der Wohnung betreiben. Datum kommen noch Smart-tvs, das eigene Handy und auch immer andere vernetzte Haushaltsgeräte. Die senden mittlerweile auf höheren Frequenzen als die, die aktuell für 5G versteigert werden.

    Sicherlich werden mehr 5G-Basisstationen benötigt als für ältere Standards. Das hat aber weniger mit der genutzten Frequenz als der steigenden Nutzerzahl mit höheren Geschwibdigkeitsansprüchen zu tun als dem schlechteren Eindringverhalten.

    Bei den ggf. später eingesetzten Frequenzen spielt das eine grössere Rolle, sorgt aber eben auch dafür, dass das Signal der zehn Häuser entfernten Anlage schon extrem abgeschwächt ist. Panikmache wegen der Senderdichte halte ich deshalb für unseriös.

  5. 1.

    Wenn, laut Drießner die Studien von WHO und IARC nicht konsistent genug sind, wie belastbar sind dann die in Auftrag gegebenen Studien vom BfS? Der eigentliche Kenntnisstand scheint doch sehr bescheiden zu sein. Wer übernimmt denn hier Verantwortung? Ich vermute keiner, so werden wir alle zum Versuchskaninchen. Wie immer geht es nur um Profit, unsere Gesundheit ist dabei nebensächlich oder wer macht jetzt eine verbindliche Aussage zur Unbedenklichkeit?

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