Archivbild: "Wir sind die BVG" ist bei einer Kundgebung vor der BVG Zentrale auf einem Plakat zu lesen. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: rbb24 | 05.04.2019 | Bild: dpa/Christoph Soeder

Preisanstieg bei Tickets erwartet - BVG und Verdi einigen sich im Tarifstreit

Kunden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) können aufatmen: Arbeitgeber und Gewerkschaft haben sich bei den Tarifverhandlungen auf einen Kompromiss geeinigt. Es wird damit keine Streiks bei der BVG geben. Dafür könnten die Tickets teurer werden.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ist der Tarifkonflikt gelöst. Das teilten die Gewerkschaft Verdi und der Kommunale Arbeitgeberverband am frühen Freitagmorgen mit.

Demnach bekommen die Beschäftigten rückwirkend zum 1. Januar acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 350 Euro im Monat. Das Weihnachtsgeld wird erhöht. Verbesserungen gebe es auch bei Zulagen und der tariflichen Eingruppierung zahlreicher Tätigkeiten, hieß es.

Fahrer verdienen deutlich mehr

Fahrer der BVG beispielsweise werden durch den Tarifabschluss rund 17 Prozent mehr verdienen als bisher. Das sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken dem rbb. Fahrer, die neu bei der BVG anfangen, werden in Zukunft sogar 19 Prozent mehr bekommen. Die BVG zahlt ihren Fahrerinnen und Fahrern damit in etwa so viel wie Hamburg und Nordrhein-Westfalen, sagt die BVG-Sprecherin.

Laut Gewerkschaft Verdi steigt das Gehalt eines Bus- oder U-Bahnfahrers mit zehn Jahren Berufserfahrung um 415 Euro auf rund 2685 Euro. Ein Fahrer in Bayern verdient weiterhin rund 150 Euro mehr im Monat.

Fahrer verdienen deutlich mehr

Damit könnten die Beschäftigten langfristig an die BVG gebunden werden, betont die BVG. Zudem dürfte die Rekrutierung von neuem Personal deutlich leichter werden. Das Unternehmen konnte zuletzt vor allem wegen der unterdurchschnittlichen Löhne viele offene Stellen nicht besetzen.

"Dieser Abschluss ist einmalig", sagte BVG-Personalvorstand Dirk Schulte. Damit werde das vorbildliche Engagement der Mitarbeiter für die Mobilität in der Stadt gewürdigt. "Damit senden wir zudem eine positive Botschaft an zukünftige Bewerberinnen und Bewerber."

Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt sagte: "Der Abschluss kann sich sehen lassen, da der neue Tarifvertrag einen deutlichen Schritt im bundesweiten Vergleich nach vorne macht." Nicht durchsetzen konnte die Gewerkschaft ihre Forderung nach einer 36,5-Stunden-Woche für alle 14.500 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport.

Die Personalkosten werden steigen

Mit dem Abschluss steigen die Personalkosten des Landesunternehmens deutlich. Das Gesamtvolumen liegt einschließlich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung bei 102 Millionen Euro. Die Arbeitgeber hatten zunächst 60 Millionen Euro angeboten, dann 90 Millionen Euro. Die Gewerkschaft rief zu drei Warnstreiks auf, zuletzt am Montag.

Verdi und der Beamtenbund hatten zunächst eine andere Forderung in den Mittelpunkt gerückt: Beschäftigte, die seit 2005 eingestellt wurden, sollten wöchentlich 2,5 Stunden weniger arbeiten müssen und damit behandelt werden wie die Altbeschäftigten. Diese Forderung  spielte in den letzten beiden Verhandlungsrunden keine Rede mehr. Die Arbeitgeber hatten sie stets als unerfüllbar bezeichnet, weil dann 500 zusätzliche Fahrer gebraucht würden. Die seien aber nur schwer zufinden.

Steigende Ticketpreise erwartet

Wie von den Verkehrsbetrieben zu hören war, soll einerseits der Berliner Senat finanzielle Mittel für die höheren Gehälter bereitstellen. Nach rbb-Informationen sei aber auch mit einer Erhöhung der Ticketpreise zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember zu rechnen. Wie stark die Preise steigen, sei aber noch Gegenstand der Verhandlungen mit dem Senat und der VBB Tarifkommission, hieß es. Offen ist auch, ob die Tarife von Einzeltickets oder der Monats- und Jahreskarten erhöht werden.

Arbeitgeber und Gewerkschaft waren am Donnerstag um 9 Uhr morgens zur fünften Runde der Tarifverhandlungen in der BVG-Zentrale zusammengekommen. Der Verhandlungsführer von Verdi, Jeremy Arndt, hatte vorab angekündigt, die Gewerkschaft erwarte ein verbessertes Angebot seitens der BVG. Für die Gegenseite betonte die Geschäftsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverbandes, Claudia Pfeiffer, sie sei "auf jeden Fall an einer Einigung sehr interessiert".

Deutschlands größtes kommunales Nahverkehrsunternehmen

Mit täglich rund 2,9 Millionen Fahrgästen ist die landeseigene BVG Deutschlands größtes kommunales Nahverkehrsunternehmen. Verhandelt wurde über den Mantel- und Entgelttarifvertrag für die 14.500 Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und ihrer Tochter Berlin Transport. Der neue Manteltarif gilt bis 30. Juni 2020, der Entgelttarifvertrag bis 31. Dezember 2020. Die Einordnung der Tätigkeiten in Entgeltgruppen wurde bis Ende 2023 festgeschrieben.

Sendung: Abendschau, 05.04.2019, 19.30 Uhr

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Antwort auf [Timmermann] vom 05.04.2019 um 12:02
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59 Kommentare

  1. 59.

    Ist leider überall so wie es scheint am Stadtrand in Buckow z.b. aber sogar hier am Kurfürstendamm, so eine wichtiger, besonders historischer Ort! Hat man durch dieses 2 Stationen weg lassen der U1 eine total peinliche Situation für Berlins Gäste geschaffen. 20 Minuten Wartezeit am Ku-Damm auf eine U1 an einem Vormittag und Werktag sind absolut keine Seltenheit.

    Die U1 ist wohl mit die wichtigste Linie, sie kreuzt bis auf die ehemals Ost-Berliner U5 und die neue U55 alle Berliner Linien! Von der Warschauer Straße bis zum Ku-Damm/Uhlandstraße und damit Fußweite oder unter 1 Minute Umsteigefahrzeit zum Zoo. Heute ist ein Fahrer gefahren...wir wurden vom 3. Bus von Hinten überholt dann noch zwischen den letzten 2 Haltestellen. Hier ist die sogar noch vor 10 Jahren vorhandene Sympathie beim letzten Streik inzwischen verspielt worden...

  2. 58.

    Das Gewicht eines Gehirns sagt nichts über dessen Funktion aus, muss mal gucken ob auch ich von Preissteigerungen betroffen bin. Yippie bei der Leistung die man kriegt, und ich meine nicht die Streikzeit, da kann man echt aufatmen! Heute hat die BVG auch wieder so eine Spitzenleistung geschafft, wusste noch nichts von der Einigung und dachte das ist so eine Art Bummelstreik...

  3. 57.

    Es scheint, dass Sie recht gern pauschalisieren, das dann aber anderen vorwerfen.
    Auch scheint Ihre Fantasie gern mit Ihnen durchzugehen:
    An welcher Stelle habe ich den BVG-Angestellten dieses Verhandlungsergebnis missgönnt oder mich abfällig über Busfahrer geäußert?
    Was den letzten Absatz betrifft:
    Danke gleichfalls.

  4. 56.

    Sie verwenden schon das richtige Vokabular. Leider erkennen Sie nicht, dass all das, was sie anderen andichten möchten, genau auf Ihre Rhetorik zutrifft. Leider finde ich nicht einen sinnvollen Kommentar von Ihnen. Augenscheinlich ist in Ihrer Welt alles schlecht und keiner hat es besser verdient als Sie.

    Die BVG-Angestellten haben jeden Cent mehr verdient, den sie jetzt bekommen. Was soll der Neid und die abfälligen Äußerungen zur Berufswahl eines Busfahrers. Gäbe es diese Menschen nicht, sind sie doch einer der ersten, die dann meckern, dass der ÖPNV nicht klappt.

    Sei es drum, trotzdem ihnen ein schönes Wochenende. Es ist Frühling. Gönnen Sie sich doch ein Eis und genießen das Leben jenseits der Kommetarfunktion. Ich mache das jetzt.

  5. 55.

    Ja na klar. Ich bin Realist und kein Träumer. Der Arbeitgeber hat klar gewonnen, aber es wird so dargestellt, dass Verdi der Sieger ist.

  6. 54.

    Wir möchten alle Userinnen und User auffordern, sachlich und höflich zu kommentieren. Der Ton, den die Diskussion im Moment hat, ist unangemessen.

  7. 53.

    " Beispiele aus der Berliner Verwaltung aufzählen wo m.M.nach fürs Zettel falten und Formulare verschicken überdurchschnittlich bezahlt wird." Sie meinen bestimmt auch die Verwaltung in der der BVG.....

  8. 52.

    Ich kenne das anders. Es gibt im Süden des Landes Brandenburg ein altes ehrwürdiges Verkehrsunternehmen, bei dem sitzt man generell in wohlklimatisierten Bussen. Diese sind stets sauber und vor allem modern und leise, das Fahrpersonal ist freundlich. Leider ist dieses VU so klein und mangels Fördertöpfen nicht in der Lage, in Streckenerweiterungen oder den TRAM-Fuhrpark zu investieren. Ok, ein erster Schritt mit Hilfe einer Sammelbestellung ist getan. Aber: dieses kleine und feine VU hat es geschafft mit sehr viel Eigeninitiative den "historischen" Tram-Park am laufen zu halten und die Busflotte stets auf höchstem Niveau. Niveau gibt es im ÖPNV. Und was Berlin angeht? Sind es nicht oft die Fahrgäste im jugendlichen Alter, welche dem Fuhrpark extrem zusetzen? Defekte Türen der U- und S-Bahn sind nur ein Indiz und zerkratze Scheiben oder graffitierte Klos bei der DB-Regio?

  9. 51.

    Ja, @Paula, Sie sind Einer der Wenigen, die mit Gehirn ausgestattet sind. Diese ewig meckernden, vom Neid zerfressenden Existenzen können nicht von 12 bis Mittags denken. Schade das es bei BVG beim Kauf eines Tickets nicht ein paar Gramm Gehirn mit dazu gibt, dann würde die Welt in Berlin wieder lächeln. Tarifabschluss ist gut aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Geklärt werden müssen gleiche Arbeitsbedingungen für ALLE MA, etc. . Genug Stoff für die nächsten Jahre.
    Keine Sorge, Ihr Neidhammel, die hier meckern, es klaut Euch niemand Euer kleinkarriertes Leben aber mischt Euch doch nicht in Dinge ein, die Euch mal schlicht einen Dreck angehen. Ihr seid neidisch? Dann kämpft selber für Eure Rechte in Eurem Umfeld. Aber demonstriert nicht auf Bahngleise oder Busspuren, denn dann kommt der ÖPNV durcheinander, mit dem Fazit das die BVG unpünktlich ist und der MA gefrustet.

  10. 50.

    Nunja... im Grunde sind ja auch die Abokunden Abhängige.
    Auch bei Zeitungen gehen die Auflagenschwünde und Abokündigungen für gewöhnlich nicht Hand in Hand; Abonnementen sind wohl generell treue Seelen und nicht so schnell zu vergraulen.
    Aber letztlich wurde wohl ein gutes Ende erreicht und darauf kommts erstmal an.
    Danke und ein schönes Wochenende.

  11. 49.

    Abgesehen von Ihrer falschen Aussage möchte ich doch anmerken, dass meines Wissens Busfahrer auch einen Personenbeförderungsschein (?) benötigen. Und der wird wohl nicht jedem ausgehändigt...

  12. 48.

    Nachdem es immer wieder Ärger über politisch festgesetzte Ticketpreise gab, sind die seit einigen Jahren an einen Index gekoppelt und nicht mehr der Willkür des Senates ausgesetzt.

    Basis dieses Index sind die Entwicklung der Strom-, Kraftstoff und der Verbraucherpreise. Die Personalkosten der ausführenden Unternehmen spielen dabei keine Rolle. Der Spielraum für eine Erhöhung der Ticketpreise dürfte also gering sein.

    Als mögliche Maßnahmen der Gegenfinanzierung fallen mir spontan ein:
    - Erhöhung der Zuschüsse des Landes
    Da ja angeblich eine Verkehrswende angestrebt wird, wäre das die bevorzugte Variante.

    - Mehreinnahmen durch Steigerung der Ticketverkäufe
    Die BVG hat mit dem Aufgabenträger einen Netto-Vertrag und könnte das Geld behalten. Busse und Bahnen sind aber bereits heute in Spitzenzeiten gut ausgelastet, so dass das Potential gering ist.

    - Weniger Ausgaben an anderer Stelle
    Wo? Bei Einbau von Fahrstühlen müsste z.B. eher mehr investiert werden.

  13. 47.

    Es ist wirklich schlimm wie aus einer 6 im Drehverfahren eine 9 wird. Unbeschreiblich! Wissen Sie eigendlich, was Sie für einen Unsinn schreiben?

  14. 46.

    Mahlzeit

    Die Vorderung nach der Arbeitszeitangleichung ist nicht vom Tisch! Sie wird nur später nocheinmal verhandelt (2020 oder 2021 wenn ich es mir richtig gemerkt habe). Denn alle haben einsehen müssen, das diese Voderung nicht von jetzt auf gleich umsetzbar ist und war. Jetzt haben beide Parteien Zeit zu gucken wie man das dann umsetzen kann.

    Einen schönen Tag noch.

  15. 45.

    Soweit so gut, nur muss wieder das Fußvolk herhalten, um die Lohnerhöhungen zahlen zu können. Wie wäre es mit pünktlichen Bussen?? In Karow kommen die Busse IMMER zu spät oder fallen einfach aus, ohne auch eine Info in der BVG-App zu vermerken! Vielleicht erstmal wieder die Kundschaft zufriedenstellen.

  16. 44.

    "...mal jemanden sehen der sich mit Menschen im Fahrzeug, die stehen sich nicht festhalten weil das Handy wichtiger ist durch den Stadtverkehr..."

    Das Erste ist wohl wahr, aber man hat zunehmend den Eindruck, viele Fahrer können
    a) mit modernen Bussen gar nicht umgehen, oder
    b) haben im ersten Leben Kartoffelsäcke durch die Gegend gefahren

    Selbst festhaltend, wird man zuweilen ganz schön auf die Probe gestellt!

  17. 43.

    Das ist keine Ausrede für die anderen Miseren, die uns die BVG jeden Tag beschert. Der Vielfahrer verliert jeden Tag 30 - 40 Min allein durch die BVG, das ist ein Arbeitsmonat jährlich!

    Schauen sie sich doch mal Bilanzen an, z. B. die Linien 100, 200, M48, TXL und man könnte weitere nennen.

    Erstmal selbst nachdenken, bevor man so antwortet!!!

  18. 42.

    @ Richard
    dein letzter Satz ist einfach genial " wer ÖFNV auf höchsten Niveau will soll dafür zahlen "
    Also das mit Niveau kennt man garnicht beim ÖFNV da sind wir ja wohl Lichtjahre hinterher.

  19. 41.

    Hallo Thomas,

    ich kann voll und ganz nachvollziehen, dass die Busfahrer keinen leichten Job haben und dafür habt ihr auch meinen vollsten Respekt und Anerkennung. Nur finde ich es verkehrt, dass du jetzt den Busfahrerjob mit anderen Jobs vergleichst und all die "Erschwernisse" aufzählst.
    Ich meine niemand hat irgendeinen Busfahrer dazu gezwungen Busfahrer zu werden. Das sucht sich jeder selbst aus, was er macht. Außerdem sollten dir die Arbeitszeiten auch vorher bekannt gewesen sein. Ihr seid auch nicht die einzige Beschäftigtengruppe, die an Sonn- und Feiertagen arbeitet. Daher bitte das Gejammere lassen.

    Ansonsten macht ihr einen tollen Job und weiter so, aber aufhören mit den Vergleichen und dem Gejammere. Peaz

  20. 40.

    Hallo die BVG ist nicht nur das größte auch das qualitativ hochwertigste Verkehrsunternehmen In der BRD. Als ausgewanderter Berliner kann ich das beurteilen. Die Angestellten bei der BVG Verdienen jeden Cent wirklich

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