Prinz William und Kate zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller in Berlin im Jahr 2017 (Quelle: imago/ Madeleine Ratz)
Video: Abendschau | 20.04.2019 | Beate Ostermann | Bild: imago stock&people

Touristen in Berlin und Brandenburg - Ein Brite kommt selten allein

Die Zahl der Touristen, die jedes Jahr nach Berlin und Brandenburg reisen, steigt seit Jahren. Doch wer kommt da eigentlich? Briten sind bei einem Trip in die Hauptstadt ganz vorne mit dabei, Chinesen vor allem im Herbst - alle Touri-Fakten im Überblick. Von Mara Nolte

Viele Briten wollen laut Brexit-Votum der EU zwar den Rücken kehren, als Reiseziel ist ihnen das europäische Festland aber immer noch recht. Vor allem Berlin ist bei britischen Touristen beliebt. 2018 kamen fast das gesamte Jahr über die meisten Besucher aus Großbritannien in die Hauptstadt. Jeden Monat machten sich im Schnitt 51.385 Touristen von der Insel auf den Weg nach Berlin - Lieblingsmonat der Briten war der Juli.  

Nur im Juni mussten die britischen Touris die Führung abgeben. Zur Mitte des Jahres kamen die meisten Touristen aus den USA in die Hauptstadt. Die wenigsten Besucher kamen 2018 aus Malta nach Berlin - im Schnitt waren pro Monat 302 Malteser in der Hauptstadt - die wenigsten kamen im April, die meisten im Dezember.

Setzt man die Anzahl der Touristen jedoch in Bezug zur Einwohnerzahl ihrer Heimatländer, nähern sich Großbritannien und Malta an. Gemessen an der Bevölkerung haben im Schnitt fast gleich viele Malteser und Briten Berlin besucht.

Überdurchschnittlich viel besuchten hingegen Dänen und Schweizer Berlin. Birgitte Guldberg von der Deutschen Tourismus-Behörde in Kopenhagen begründet die überdurchschnittlich hohe Zahl dänischer Touristen mit der geografischen Nähe. Berlin sei die Metropole in Europa, die am einfachsten zu erreichen ist. Zudem hätten viele Dänen eigene Wohnungen in Berlin gekauft, als die Immobilienpreise noch niedrig waren.

Betrachtet man die Touristenzahlen aus ostasiatischen Ländern, fällt auf, dass 2018 die meisten Touristen aus China und Hongkong im September nach Berlin kamen. Im Vergleich zum besucherschwächsten Monat Januar vervierfachte sich die Zahl der Touristen aus der Region im Herbst. Das hängt sehr wahrscheinlich mit der Goldenen Woche im Oktober zusammen, in der viele Chinesen frei haben und die im Land als intensive Reisezeit gilt.  

Insgesamt besuchen immer noch mehr deutsche als ausländische Touristen Berlin. Die Deutschen reisen vor allem im Juli in die Stadt. Im Dezember nimmt ihre Zahl deutlich ab, ganz im Gegenteil zu den ausländischen Touristen, die im letzten Monat des Jahres noch einmal vermehrt nach Berlin reisen.

Nach Brandenburg reisten im vergangenen Jahr die meisten Touristen aus dem Nachbarland Polen an. Insgesamt besuchten 51.987 polnische Gäste die Mark. Schlusslicht bilden auch in Brandenburg die maltesischen Touristen; nur 178 verschlug es im vergangenen Jahr hierhin.

Gemessen an der Einwohnerzahl ihres Heimatlandes führen auch in Brandenburg die Dänen die Statistik an. Überdurchschnittlich viele dänische Touristen besuchten 2018 die Mark.

Das beliebteste Reiseziel in Brandenburg ist mit großem Abstand die Hauptstadt Potsdam. Dorthin reisten 2018 insgesamt 550.173 Menschen. Auf Platz zwei folgt der Kurort Burg im Spreewald, mit 178.471 Besuchern. Platz drei sicherte sich Schönefeld mit 175.273 Gästen. Bemerkenswert: Dort wurden im vergangenen Jahr auch die meisten ausländischen Touristen registriert. Wahrscheinlich hängt das mit dem Flughafen zusammen, denn die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Besucher lag bei nur anderthalb Tagen.

Nur ein ausländischer Gast in Wriezen?

Kurios: Laut Statistik übernachtete in Wriezen (Märkisch-Oderland) im vergangenen Jahr nur ein ausländischer Tourist insgesamt acht Tage lang. Vom Amt für Statistik werden jedoch nur Übernachtungen in Hotels ab zehn Betten registriert.

Eine Büste des japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma im Rathaus der Stadt Wriezen (Brandenburg), fotografiert am 17.01.2018. Der japanische Arzt Dr. med. Nobotsugu Koyenuma hatte während der letzten Kriegstage 1945 seine Wohnung durch Bomberangriffe in Berlin verloren. Er wurde nach Eberswalde evakuiert. In Wriezen traf er mit dem sowjetischen Stadtkommandanten, Hauptmann Schabatin, zusammen und wurde von diesem als Arzt verpflichtet. In Wriezen behandelte Koenuma zahllose Seuchenerkrankte. Ende Februar 1946 infizierte er sich selbst an Flecktyphus und verstarb am 08.03.1946 in dieser Stadt.
Eine Büste erinnert in Wriezen an den japanischen Seuchen-Arzt. | Bild: dpa-Zentralbild

Tatsächlich übernachteten in Wriezen mindestens fünf japanische Schüler bei Gastfamilien, so eine Mitarbeiterin des Wriezener Rathaus. Wriezen pflege eine enge Beziehung zu seiner japanischen Partnerstadt Hachioji, aus der der Arzt Nobutsugu Koyenuma stammt. Der Japaner forschte während des zweiten Weltkriegs an der Charité in Berlin und arbeitete ab 1945 in Wriezen als Seuchen-Arzt. Dort starb er an Typhus und liegt heute auf dem Wriezener Friedhof begraben.

Mitte: 15 Touristen auf einen Berliner

Die Zahl der Touristen, die jedes Jahr nach Berlin und Brandenburg reisen, ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen. Demnach besuchten 2009 rund 12 Millionen Touristen aus Deutschland und dem Ausland die Region. 2018 waren es bereits 18,5 Millionen.

Im Verhältnis stieg die Zahl der Touristen in Berlin stärker als in Brandenburg. In der Mark stieg die Zahl der Touristen in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent – von 3,7 Millionen auf 5,0 Millionen Touristen.

Nach Berlin zog es vor zehn Jahren 8,2 Millionen Touristen, im vergangenen Jahr waren es 13,5 Millionen, eine Zunahme um rund 65 Prozent. Die meisten Berlin-Touristen übernachten im Bezirk Mitte. Dort kommen übers Jahr verteilt 15 Touristen auf einen Einwohner. Im besucherschwächsten Bezirk Reinickendorf kommt rund ein Tourist auf einen Einwohner. 

Die Zahlen werden vom Amt für Statistik Berlin und Brandenburg erhoben. Befragt werden dafür Hotels, Gaststätten und Campingplätze mit zehn und mehr Gästebetten bzw. Stellplätzen. Nicht mit aufgenommen sind private Übernachtungsgäste und Gäste in privaten Ferienwohnungen, sowie Gäste, die in einem Airbnb übernachten.

Beitrag von Mara Nolte

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    "Viele Briten wollen laut Brexit-Votum der EU zwar den Rücken kehren, als Reiseziel ist ihnen das europäische Festland aber immer noch recht"

    Das hat doch nichts mit dem Europäischen Kontinent zu tun, Die EU ist nicht Europa!

  2. 5.

    Die Japaner und Chinesen kommen glaub ich zum Berlin Marathon! Da laufen total viele mit, und die Angehörigen kommen evtl. auch zum Anfeuern und Shoppen.

  3. 4.

    Doch, insgesamt kamen 50.764 Japaner im Jahr 2018 nach Berlin. In der ersten Grafik sind sie nicht mit aufgeführt, weil darin nur Länder ausgewertet wurden, aus denen über 100.000 Touristen über das gesamte Jahr verteilt nach Berlin kamen. Aber in der 3. Grafik "Die meisten Chinesen kommen im Herbst" sind auch die Japaner mit aufgeführt.

    Freundliche Grüße,
    die rbb|24-Redaktion

  4. 3.

    Ja, die lieben Statistiken. Berlin hat meiner Meinung nach zu viele Touristen. Ich kann das Geräusch von Rollkoffern nicht mehr hören.
    Hat auch alles seine Schattenseiten.

  5. 2.

    Kaum/keine Touristen aus Japan in Berlin? Das kommt mir aber spanisch vor ;-)

  6. 1.

    @rbb: Danke für die Visualisierung und Aufzeigen der "Grauzonen". Sinnvoll wäre es noch an Formulierungen zu feilen, z.B. bei den Texten im letzten Diagramm. 2018 kamen bestimmt mehr als 5.7 Mio. Gäste nach Mitte, aber so viele haben dort übernachtet.

    Unsauber ist auch der Gebrauch des Wortes Tourist zu Beginn des Artikels. Dieser Begriff ist nicht mit "Gast" oder "Besucher" glichzusetzen. Ein wesentlicher Unterschied sind Geschäftsreisende.

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