Geldbörse mit Geldscheinen (Quelle: imageBROKER/Stefan Klein)
Video: Brandenburg Aktuell | 24.04.2019 | Anja Meyer | Bild: imageBROKER/Stefan Klein

Vergleich mit anderen Großstädten - Berliner hinken beim verfügbaren Einkommen hinterher

Gegenüber den Bewohnern anderer deutscher Großstädter haben die Berliner vergleichsweise wenig Geld, das ihnen zum Ausgeben oder Sparen bleibt. Platz 11 von 15 belegt die Hauptstadt in einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung.

Das Einkommensniveau in Berlin liegt hinter dem anderer deutscher Großstädte. Das geht aus einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Nach den jüngsten Zahlen belegt Berlin demnach unter den 15 größten Städten Rang elf.

Das durchschnittliche verfügbare Einkommen, also das Geld privater Haushalte für Konsum oder Sparen, lag in Berlin demnach im Jahr 2016 bei einer jährlichen Summe von 19.719 Euro pro Kopf. München führt die Liste der Großstädte mit 29.685 Euro an. Dahinter folgen Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg. Hinter Berlin rangieren Dortmund, Dresden, Leipzig und als Schlusslicht Duisburg auf Rang 15.

Die Summen sind Pro-Kopf-Werte, eine Familie mit zwei Kindern hat in Berlin demnach jährlich mehr als 78.800 Euro zur Verfügung. Laut Studienautor Eric Seils kommen die hohen Werte dadurch zustande, dass sehr hohe Einkommen - etwa von Milliardären - auf "ein artithmetisches Mittel einen großen Einfluss haben". Vorteil der Daten sei, dass "diese Daten ausnahmsweise auch die ganz Reichen erfassen", so Seils auf Anfrage von rbb|24.

Im Westen mehr reiche Gemeinden

Der deutsche Schnitt liegt bei 21.952 Euro. Laut WSI gibt es aber ein deutliches West-Ost-Gefälle: "Im Osten erreichen nur sechs der 77 Kreise die Marke von 20.000 Euro pro Kopf, während nur 40 der 324 westdeutschen Kreise ein niedrigeres Einkommen aufweisen.

In einigen Kreisen Deutschlands, heißt es vom WSI, beträgt das Pro-Kopf-Einkommen weniger als die Hälfte dessen, was die Haushalte im Spitzenreiter-Landkreis Starnberg (34.987 Euro) zur Verfügung haben. Ein Beispiel sei Frankfurt an der Oder mit 17.381 Euro.

Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, kritisierte allerdings, die Ergebnisse würden durch Sonderfälle verzerrt: So lebten in Süddeutschland viele Topverdiener großer Unternehmen und des Spitzensports - in Ostdeutschland gebe es traditionell weniger, sagte der CDU-Politiker im rbb-Inforadio. Dafür ermögliche der Osten den Durchschnittsverdienern eine hohe Lebensqualität, weil die zum Beispiel die Kosten für Miete und Kinderbetreuung niedriger seien. "ich glaube, für Otto Normalverbraucher ist das Leben in den neuen Bundesländern genau attraktiv wie im Durschnitt des Westens", so Hirte.

Zahlen von 2016

Die neuesten verfügbaren Zahlen stammen aus dem Jahr 2016. Das Institut zog für seine Untersuchung Zahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder heran.

Erläuterungen zum "verfügbaren Einkommen" (Quelle: WSI)

"Das verfügbare Einkommen (Ausgabenkonzept) der privaten Haushalte ist laut Statistischem Bundesamt das Einkommen, welches den privaten Haushalten zufließt und das sie für Konsum - und Sparzwecke verwenden können. Es errechnet sich, indem zu den Primäreinkommen der privaten Haushalte auf der einen Seite die von staatlicher Seite empfangenen Transfers (z.B. monetäre Sozialleistungen) addiert und auf der anderen Seite die Einkommen- und Vermögensteuern, Sozialbeiträge und sonstige laufende Transfers, die von den privaten Haushalten gezahlt werden müssen, abgezogen werden. Im Unterschied zum verfügbaren Einkommen nach dem Verbrauchskonzept werden die öffentlichen Sachleistungen, welche den Privathaushalten zufließen, nicht berücksichtigt."

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Antwort auf [CD ] vom 24.04.2019 um 12:04
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24 Kommentare

  1. 24.

    Im Westen ist der Anteil der am Weltmarkt etablierten Firmen auch wesentlich höher, es wird mehr Erfolg durch 100% qualifiziertes Personal geschöpft, und die Menschen werden bei etlichen Firmen am Gewinn konstant beteiligt, zudem sind das Weihnachtsgeld und Extra Zuwendungen etc. höher, und das puscht natürlich auch den durchschnittlichen Jahresverdienst.
    Was hat Berlin?
    In Berlin sind Massen sind im Öffentlichen Dienst oder beim Senat beschäftigt, alle unterirdisch bezahlt, aber weitaus mehr zu tun haben als in einem Kaff, dem Senat ist das egal. Und in Berlin gibt es tausende GbRs, GmbHs und CoKGs die sich selbst durch Konkurrenz im Weg stehen, nur durch Lohndumping oder Hilfskräfte überhaupt noch existieren...
    Damit sinkt der Schnitt im Einkommen-Pro-Kopf unweigerlich.
    Man staunt, dass das Durchschnittseinkommen nicht noch niedriger ist, das liegt aber wahrscheinlich an den Massen von Lehrern, Ärzten und Psychologen o.ä.

  2. 23.

    Arbeiten gehen würde helfen, nur mit Harzern klappt das nicht. Aber offenbar reicht vielen dieses Einkommen.

  3. 22.

    Vom "Vermittlungsskandal" über "Agenda 2010" zu "HartzIV". - Kann man es daher nicht als logisch verstehen, dass in der arbeitgeberfreundlichsten Stadt mit den meisten Jobcentern, das geringste AN-Einkommen erfolgt?

  4. 21.

    Die Fakten kann sich jeder denken, hier wird zum einen zu wenig Lohn gefordert und Hinz un d Kunz eingestellt.
    "Hauptsache ich hab den (Hilfs-)Job". Zu dem sind Berlin die ganzen Billigkäfte Lohnkiller. Wenn z.B. osteuropäische Arbeiter von wenigen Euros im eigenen Land super klar kommen und zusätzlich Ferienhäuser bauen können, stimmt was nicht.

  5. 19.

    Die Berliner wissen nicht was ihre Arbeit wert ist, wenn sie sich das gefallen lassen.

  6. 18.

    Steuern zu verprassen und Armut zu erzeugen auch nicht. - Zeigen Sie doch bitte die tatsächlich existierenden Arbeitsplätze auf, von denen man in Würde leben kann. Und wie sieht es mit Behinderten-Arbeitsplätzen aus?

  7. 17.

    Tja, liebe Mitbürger, die Deutschen sind mittlerweile so arm, dass 50% bundesweit gar kein Barvermögen haben, nicht mal 500 Euro. Das sieht in Italien usw. viel besser aus. Setzen wir das das mal in Relation zur Arbeitslosenstatistik und schon sieht man, wie das mit dem Lohniveau bei Berufstätigen aussieht. Da werden nämlich viele Vollbeschäftigung im angeblich "reichen" Dt. arm. Dass das in Berlin noch zugespitzer ist, ist logisch, liegt an der geringen Wirtschaftskraft. Die wollen jetzt welche mit negativen wirtschaftlichen Folgen von Enteignungen noch weiter runterdrücken und Berlin als Problemstandort pushen.
    Würde schätzen, in Berlin haben wahrscheinlich 80% kein Barvermögen.

  8. 15.

    Dann tun Sie etwas, statt nur zu jammern. Hartz IV Opfer gibt es nicht. Sozialleistungen wollen auch erwirtschaftet werden. Auf Kosten der Steuerzahler zu leben ist nicht förderlich für eine Gemeinschaft.

  9. 14.

    Berlin hat auch sehr viel Sozialschwache, die von staatlichen Leistungen leben. Das senkt den Durchschnitt merklich. Sozial schwache profitieren von der Politik des Senats, wirtschaftlich besser gestellte schreckt diese eher ab. Und wenn finanzstarke Menschen hierher kommen wird gleich von Gentrifizierung geredet. Deswegen sind Statistiken nur so gut, wie deren Auslegung.

  10. 13.

    Voll am Thema vorbei, damit Sie Ihre Fantasien unterbringen können... Toll. Es geht um Einkommen der Bürger.

  11. 12.

    Herr Hirte bezieht weder HartzIV noch hat er jemals darunter gelitten.

  12. 11.

    Berlin ist arm. Aber die Immobilien-Heuschrecken und Immobilien-Anleger sind reich. Enteignung heisst sich wehren!

  13. 10.

    Wenn Einkommen mit Mittelwerten behandelt werden kommt nur Murks raus. Medianwerte sind halbwegs interessant, aber eigentlich muss man sich die Verteilung als ganze ansehen um schlau daraus zu werden.

  14. 9.

    Im Beitrag steht doch, dass dieser Betrag das wäre, was für Konsum = frei ausgeben können und sparen übrig bleibt. Also ohne fixkosten, denn die lassen sich weder ausgeben noch sparen

  15. 8.

    Durchschnittlich 19.000 € pro Kopf bedeutet bei einem Vier-Personenhaushalt 76.000 € für "Konsum- und Sparzwecke" (Fixkosten hin oder her, also irgendwie mehr oder weniger netto) würde bedeuten, dass Mama und Papa zusammen etwa 120.000 € (der Einfachheit halber nur ganz grob über den Daumen) brutto heimbringen und das ist bloß die Durchschnittsfamilie. Haben wir gerade das gern diskutierte Armutsproblem in Deutschland gelöst?
    Ich hoffe doch sehr, dass ich hier was falsch verstanden habe! ;-)

  16. 7.

    Nein, laut Artikeltext wurde das nicht berücksichtigt. Es geht ja auch um das verfügbare Einkommen. Und in diesem Einkommen sind die Fixkosten noch enthalten

    Beste Grüße

  17. 6.

    Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt also in Frankfurt (Oder) 17.381 Euro - ich erhalte als Jahres-Rente nur halb so viel wie dieser Frankfurter Durchschnittswert! In München würde ich mir davon keine Wohnung leisten können...

  18. 5.

    dazu hätte ich aber keine Statistik gebraucht

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