Archivbild: Das Schloss Reichenow im gleichnamigen Dorf Reichenow im Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg). (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.04.2019 | Sabine Tzitschke | Bild: dpa/Pleul

Grüne äußern Bedenken - In Brandenburg stehen Schlösser zum Verkauf

Leben im eigenen Schloss: Wer über den entsprechenden Kontostand verfügt, kann sich jetzt in Brandenburg diesen Traum erfüllen. Vier Herrenhäuser, einst im Landesbesitz, sind im Internet zum Verkauf ausgeschrieben. Doch im Landtag regt sich Widerstand.

In Brandenburg bahnt sich ein Streit um den geplanten Verkauf von mehreren Schlössern an. Es handelt sich um Landsitze, die sich derzeit im Besitz der "Brandenburgische Schlösser GmbH" befinden. Vier davon werden nach rbb-Informationen derzeit im Internet zum Kauf angeboten: Schloss Dahlwitz-Hoppegarten, Schloss Diedersdorf bei Seelow, Schloss Reichenow und Steinhöfel.

Die Landsitze waren früher im Eigentum des Landes Brandenburg. 1992 gingen sie an die "gemeinnützige Betriebsgesellschaft Brandenburgische Schlösser GmbH", an der das Land zunächst 50 Prozent hatte. Ab 2002 wurde der Anteil reduziert. Derzeit liegt er bei fünf Prozent.

Archivbild: Diedersdorf (Brandenburg): Blick durch den schmiedeeisernen Zaun auf das Schloss Diedersdorf im gleichnamigen Ort nahe Seelow im Landkreis Märkisch-Oderland. (Quelle: dpa/Pleul)
Blick durch den schmiedeeisernen Zaun auf das Schloss Diedersdorf. | Bild: dpa/Pleul

Der Schlösser-GmbH gehören außerdem das Schloss Altdöbern, das Schloss Sudermannhaus in Blankensee, Schloss Fürstlich Drehna, Schloss Großkmehlen mit Jägerhaus, Schloss Groß Rietz und Schloss Lieberose. Einige Objekte sind derzeit verpachtet.

Thema soll in den Kulturausschuss kommen

Die grüne Landtagsabgeordnete Marie Luise von Halem forderte am Dienstag in der rbb-Welle Antenne Brandenburg, den geplanten Verkauf der ehemaligen Adelshäuser zu überdenken. Nach ihren Aussagen waren zuständige brandenburgische Parlamentarier nicht über den geplanten Verkauf informiert. Von Halem ist Vorsitzende des Kulturausschusses im Landtag. Erst Ende Mai wollte das Kabinett darüber beraten.

Die "Märkischen Oderzeitung" zitiert allerdings Kulturministerin Martina Münch (SPD), das jetzige Vorgehen sei mit den Kommunen abgesprochen sei. So solle beim Verkauf auch darauf geachtet werden, dass der öffentliche Zugang zu den Parks weiterhin möglich ist.

Von Halem betonte, die Schlösser seien für Brandenburg wichtig, sie zögen auch Touristen an. Sie hoffe auf einen Kompromiss, um wenigstens die Mehrzahl der Schlösser in öffentlichem Eigentum zu halten. Laut von Halem soll sich nun der Kulturausschuss am 8. Mai mit dem Thema befassen.

Archivbild: Das Schloss Reichenow im gleichnamigen Dorf Reichenow im Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg). (Quelle: dpa/Pleul)
Das Schloss Reichenow im gleichnamigen Dorf Reichenow im Landkreis Märkisch-Oderland. | Bild: dpa/Pleul

50 Zimmer für zwei Millionen Euro

Die Brandenburgischen Schlössergesellschaft hatte die Häuser saniert, mit Unterstützung der "Deutschen Stiftung Denkmalschutz". Vor zwei Jahren kündigte die Stiftung aber an, sich zurückziehen zu wollen, da der Zweck, bedrohte Schlösser zu retten, erfüllt sei.

Im Internet wird beispielsweise das Schloss Steinhöfel im Landkreis Oder-Spree für zwei Millionen Euro zum Kauf angeboten: erbaut Mitte des 18. Jahrhunderts im neobarocken Stil, 50 Zimmer, 2.500 Quadratmeter Wohnfläche und dazu ein vier Hektar großen Schlosspark. Seit dem Jahr 2000 gibt es dort ein Hotel, das Tagungen und Hochzeiten anbietet.

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Antwort auf [mglaser] vom 01.05.2019 um 09:11
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15 Kommentare

  1. 15.

    Schon gruslig wie wenig Grundlagenwissen bei einigen Kommentatoren vorhanden ist. Dem Osten wird vorgeworfen sich nicht auf die Übernahme durch den Westen vorbereitet zu haben. Der Osten habe es versäumt Produkte zu Marktpreisen zu produzieren. Zur Erinnerung die Übernahme sollte aus Sicht des Ostens andersrum laufen. Die DDR hatte eine Zentralverwaltungswirtschaft mit Außenhandelsmonopol. Konkurrenzfähige Produktion war nicht unbedingt das Ziel.

    Aber die ganze Diskussion geht zudem am Thema vorbei. Da der Verfall vieler diese Anlagen erst nach dem Anschluss an die BRD begann. Also die Unplanwirtschaft dafür ursächlich ist. Aber wie üblich war die DDR an allem Schuld bei einigen. In Potsdam wird die Nazikirche (Garnisonskirche)als Attrappe errichtet und wurde Rosa Klotz (Schloss-Attrappe) gebaut. Beides gegen den Willen der Mehrheit der Bürger. Die Kosten von mehr als 400 Millionen Euro bei letzterem werden dem Bürger bis heute verschwiegen. Da ist in der Provinz eben kein Geld da.

  2. 14.

    Tja, das Modell wäre auch gescheitert, wenn es diese benachteiligten Reparationen nicht gegeben hätte. Warum: Es fehlte und fehlt immer noch an genügend risikovolle Schaffende, die versteuerten Gewinn und Profit machen. Und es gibt zu wenige, die Besitz achten, nicht neiden und sorgsam damit umgehen, wenn öffentlich zugänglich. Nicht umsonst singt der Preis, wenn es öffentliche Auflagen gibt. Der Preis kann sogar soweit sinken, das nicht einmal ein symbolischer Euro ausreicht, das selbst ein reicher Wahnsinner einfältig übernimmt.

  3. 13.

    Ja, ich war auch zur Kur auf so einem Schloß ,
    nix von Verfall .

    Kam alles erst nach 1990,
    Wenn Sie restauriert sind warum werden sie nicht für alle genutzt?
    Ja geht nicht haben kein Volkseigentum mehr

  4. 12.

    Was kostet denn der Unterhalt dieser Schlössersammlung? Die Frage ist doch, will man sich als Land diesen Unterhalt leisten? Der Begriff Schloss auch mal zu diskutieren. Für mich sind das nur größere Häuser ohne besonderen kulturelle Nutzen. Ob der Landadel sich da nun damals was gebaut hat oder nicht.... Die Nutzung als Hotels o.ä. wäre ok, aber ob die Auslastung den Unterhalt über das Jahr trägt? Unter Denkmalschutz stehen die ja wohl hoffentlich, oder?

  5. 11.

    Der Verfall begann mit der Nutzung durch den sozialistischen Staat und mit der Zwangsenteignung

  6. 10.

    Keine Frage, die Lasten des verlorenen Krieges musste Ostdeutschland weit schwerer schultern, als dies Westdeutschland tun mußte.
    Die Russen haben rausgeholt was nach dem Kriege noch brauchbar war und im Westen kam der Marshall-Plan. Deswegen kann ich Ihren Feststellungen in weiten Teilen durchaus zustimmen.
    Allerdings war Ostdeutschland durch die Einbindung in den sowjetisch bestimmten Comecon eben auch Bestandteil der wettbewerbsschwachen Ostblockwirtschaft, woraus mit der Wiedervereinigung enorme Probleme des internationalen Wettbewerbs verbunden waren.
    Vielleicht erinnern Sie sich noch, Frau Professor Luft von der SED als Wirtschaftsministerin der Modrow-Regierung machte noch völlig unrealistische Pläne, wie die Goldstücke der DDR-Wirtschaft an die DDR Bevölkerung umverteilt werden sollten. Denn die Treuhand war ja eine Erfindung der Modrow-Regierung, welche den Übergang in die Marktwirtschaft bewerkstelligen sollte.

  7. 9.

    Deswegen kauft auch keiner, 2 Millionen könnten sich viele aus der Portokasse leisten, aber die haben keine Lust auf "Schein"-Besitz mit Querelen und Auflagen.

  8. 8.

    Gründen Sie einen (gemeinnützigen) Verein, sammeln Geld und kaufen dem Land Brandenburg die Schlösser „ehrlich“ ab. Dann können Sie sogar als Privater Verantwortung übernehmen. Warum soll der Staat, also der Steuerzahler, für die Umsetzung Ihrer Vorstellungen bezahlen? Weder hat er diese kulturell unbedeutenden Schlösser gebaut, noch ist er zu deren Erhaltung inklusive eines zweckgebunden Betriebes verpflichtet.

  9. 6.

    Erst privatisieren und hinterher herumheulen mit dem Hinweis auf gesellschaftliche Werte etc. Darf ich mal an die gesellschafltichen Werte der Ausbeuter und Monarchisten erinnern, die in diesen dekadenten Schlössern lebten? Darf ich mal daran erinnern, dass es gerade der Adel in Brandenburg war, der die Machtergreifung der NSDAP und die Verfolgung von Jüd*innen begrüßte? Nein, von irgendwelchen Privaten Verantwortung einzufordern, ohne sie selbst zu übernehmen, ist heuchlerisch. Wenn einem so viel daran liegt, muss man die Schlösser schon selbst zurückkaufen.

    Ich sehe jetzt schon irgendwelche Alt- oder Neonazis, wahlweise völkische Nationalist*innen oder Neurechte mit Geld, die sich in Kubitscheck-Manier niederlassen und Geschichtsrevisionismus über mehrere Epochen hinaus betreiben. Allein um soetwas zu verhindern, wäre ein ehrlicher Rückkauf sinnvoll.

  10. 5.

    Apropos "verdrängt" und "nichts gelernt": Offensichtlich wissen Sie NICHTS von den Reparationen, die der Osten mit seiner ersten De-Industrialisierung für den Westen mitbezahlt hat. Die größten Reparationenh, die die Geschichte überhaupt kennt. Sonst würden sie nicht solch impertinente Bemerkungen machen. Man hat Substanz i.d.R. nicht verfallen lassen, weil man es so wollte, sondern weil Material und Möglichkeiten fehlten. Zudem hat man ungeheure Kraft in den Wohnungsneubau gesteckt. Man hatte schließlich die Menschen unterzubringen: In Mecklenburg-Vorpommern z.B. waren 45 % der Bevölkerung Flüchtlinge aus den Ostgebieten - In Rheinland-Pfalz nur 5%.
    Man war insofern weiter, als daß man Schlösser als gesellschaftliches Kulturgut als Kindergärten, Erholungsheime, Krankenhäuser, Museen und dergleichen der Allgemeinheit - der Gesellschaft - zugängflich gemacht - und nicht wie heute wieder üblich - wenigen Superreichen übereignet hat. Heute werden wieder Zäune gezogen und wird abgsperrt.

  11. 4.

    Viele dieser Schlösser wurden zu Zeiten der DDR
    nicht als Herrschaftssitze genutzt, aber als Kindergärten,Sozialeinrichtungen,Schulen,etc.
    Der Verfall begann nach nicht geklärten Eigentumsverhältnissen nach 1990.

  12. 3.

    "In Brandenburg stehen Schlösser zum Verkauf" Die Monarchie ist zurück. Jetzt neu mit demokratischem Anstrich!

  13. 2.

    So ein haarsträubender Unsinn. Die SED war nie weiter. Hätte man sonst die Substanz vor dem Verfall retten müssen...? Viel verdrängt nichts gelernt.

  14. 1.

    Einer der seltenen Fälle, wo ich den Grünen mal zustimme. Schlösser sind gesellschaftlich-kulturelles Erbe. Sie sind also der Gesellschaft zugänglich zu halten und nicht einzelnen Superreichen vorzubehalten. Die SPD macht sich hier mal wieder zum Handlanger der Besitzenden. Das ist so unappetitlich wie eh und je. Da war ja selbst die SED weiter.

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