Fahrgäste steigen am U-Bahnhof Berliner Straße ein und aus, wobei sich die Szenerie in einer Glasscheibe spiegelt. (Bild: dpa/Christoph Soeder)
Video: rbb|24 | 01.04.2019 | Bild: dpa/Christoph Soeder

Arbeitskampf bei der BVG - Volle S-Bahnhöfe und lange Staus

Der dritte BVG-Warnstreik des Jahres hat Berlin am Montag kräftig ausgebremst: An den S-Bahnhöfen herrschte Hochbetrieb, auf vielen Straßen gab es lange Staus - vor allem rund um den Flughafen Tegel. Inzwischen fahren die Busse und Bahnen der BVG wieder.

Nach einem eintägigen Warnstreik fahren die Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wieder. "Um 3 Uhr wurde der Warnstreik beendet", sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt am frühen Dienstagmorgen. Der Betrieb solle nach Angaben der Gewerkschaft relativ schnell wieder normal laufen.

Der Warnstreik am Montag war der dritte und bislang härteste in diesem Jahr - denn er dauerte 24 Stunden und betraf alle Bereiche. U-Bahnen und Straßenbahnen in der Hauptstadt fuhren nicht, auch die meisten Busse blieben stehen. Nur die BVG-Fähren waren in Betrieb sowie Busse auf 30 Linien, die von Subunternehmern - meist am Stadtrand - betrieben werden.

Fluggäste gehen vom Flughafen Tegel zur nächsten S-Bahnstation (Bild: dpa/Annette Riedl)
Im Gänsemarsch zum Flughafen | Bild: dpa/Annette Riedl

Bis zu 90 Minuten länger nach Tegel

Das führte in der Stadt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Besonders die Stadtautobahn und die Zufahrten zum Flughafen Tegel waren seit dem Berufsverkehr am Montagmorgen stundenlang verstopft. Wer seinen Flug erreichen wollte, musste deutlich früher los. Auch die Ersatzbusse, mit denen die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) seit 5 Uhr morgens einen Shuttle zum S-Bahnhof Jungfernheide eingerichtet hatte, steckten im dichten Verkehr fest. Wer mit dem Bus, Auto oder Taxi zum Flughafen wollte, brauchte bis zu 90 Minuten länger.  

Wie rbb-Reporter beobachteten, riet ein von der FBB beauftragter Servicemitarbeiter den Fluggästen an der Bushaltestelle Jungfernheide: "Gehen Sie lieber zu Fuß zum Terminal". Das dauere nur 35 Minuten. Eine sportliche Schätzung für 3,1 Kilometer Fußmarsch. Eine lange Kolonne Rollkoffer ziehender Passagiere machte sich entlang der Autobahn auf den Weg. So mancher Passagier, der um seinen Flug fürchtete, stieg mitten auf der Autobahn aus dem Auto, wuchtete seinen Koffer über den Zaun und hastete zu Fuß weiter zum Terminal.

Bis zum frühen Montagabend war der BVG-Streik in anderen Teilen Berlins noch deutlich spürbar: So musste die Einfahrt Reichpietschufer des Tiergartentunnels vorübergehend gesperrt werden. Besonders lange Wartezeiten gab es auf dem Halleschen Ufer, auf der Leipziger Straße, der Hermannstraße und in Berlin-Moabit auf der Stromstraße Richtung Wedding. In den Abendstunden entspannte sich dann berlinweit die Lage.

Rund zwei Drittel höhere NO2-Werte

In allen Bezirken waren am Montag spürbar mehr Autos unterwegs. Das belegen auch Messungen des Landesumweltamtes: In der Silbersteinstraße in Berlin-Neukölln stiegen die Stickstoffdioxid-Werte im Berufsverkehr stark an.  

Um 9 Uhr morgens lag der NO2-Stundenwert dort bei 103 Mikrogramm - rund zwei Drittel höher als den drei vorangegangen Montagen um diese Uhrzeit. Die Werte werden allerdings auch durch meteorologische Faktoren beeinflusst: Ist es sehr windig, wird NO2 weggeblasen, ist es windstill, steigen die Werte.

Der Grenzwert für NO2 liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm.

S-Bahn: "Der Verkehr rollt"

Von der S-Bahn hieß es, man sei am Montag mit allen verfügbaren Fahrzeugen unterwegs gewesen. "Es war teilweise sehr voll in den Zügen und auf den Bahnsteigen, doch der Verkehr auf der Schiene rollte und brachte die Kunden zuverlässig ans Ziel", hieß es in einer Pressemitteilung. Am vollsten waren die Züge laut S-Bahn Berlin auf dem östlichen Ring und im Bereich Friedrichstraße. Auf den Bahnhöfen Ostkreuz, Friedrichstraße und Zoologischer Garten warteten die meisten Fahrgäste. Alle verfügbaren 531 Züge seien auf der Schiene gewesen.

Auf der S5 zwischen Mahlsdorf und Warschauer Straße sowie auf der S1 zwischen Gesundbrunnen und Schöneberg setzte die S-Bahn bis zum Montagabend zusätzliche Züge ein.

Ohne BVG durch die Stadt

Weitere Verhandlungsrunde am Donnerstag

Mit dem dritten Warnstreik des Jahres wollten die Beschäftigten der BVG den Druck in der laufenden Tarifrunde erhöhen. Laut Verdi hat die BVG für Donnerstag neue Verhandlungen angeboten. "Wir gehen am Donnerstag mit dem Willen zur Einigung in die Verhandlungen", sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt am Montag rbb|24. Sollte es nicht dazu kommen, seien erneute Arbeitskämpfe nicht auszuschließen. Das hänge vom Verhalten des Arbeitsgebers ab. "Es könnte diesen Monat noch mal zum Streik kommen", ergänzte Arndt.

Zu dem Angebot der Arbeitgeberseite in Höhe von insgesamt 90 Millionen Euro sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann dem rbb: "Es reicht nicht aus, um alle Beschäftigten mitzunehmen. [...] Im bundesweiten Vergleich sind die BVG-Beschäftigten da ziemlich am Ende der Skala." Es müsse einen deutlichen Schritt nach vorne gehen, damit das Unternehmen zukünftig überhaupt die notwendigen Fachkräfte finden könne, so Splanemann.

Verdi spricht von "Taschenspielertrick"

Die BVG-Beschäftigten kämpfen um mehr Geld und bessere Arbeitszeiten. Die Tarifverhandlungen waren auch in der jüngsten Runde am vergangenen Donnerstag ohne Ergebnis geblieben. Die BVG kritisierte, Verdi trage den Konflikt auf dem Rücken der Fahrgäste aus. Die Gewerkschaft betont jedoch, da der Ausstand schon am Donnerstag angekündigt wurde, könnten sich die Kunden vorbereiten.

Verdi und der Beamtenbund fordern für die rund 14.500 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport spürbare Verbesserungen. Jedoch stand zuletzt die ursprüngliche Kernforderung nicht mehr im Mittelpunkt, die Arbeitszeit eines Großteils der Mitarbeiter auf 36 Wochenstunden zu verkürzen. "Darüber haben wir noch nicht verhandelt", sagte Arndt dem rbb - denn schon bei der Entgelterhöhung sei keine Einigung möglich gewesen. Arndt kritisierte erneut, dass sich die in Aussicht gestellten Tariferhöhungen nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Beschäftigten verteilten. Die angebotenen 90 Millionen Euro seien ein "Taschenspielertrick", sagte Arndt.

Beim ersten Warnstreik Mitte Februar hatte Verdi die BVG acht Stunden lang lahmgelegt, auch danach gab es Einschränkungen. Anfang März legten dann die Busfahrer für einen Tag die Arbeit nieder.

Live-Blog zum Warnstreik

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

72 Kommentare

  1. 72.

    Fürs protokoll: Der Wert an der Silbersteinstrasse lag heute morgen um 8 Uhr, also mit fahrender BVG bei 86 Mikrogramm / Kubikmeter.

  2. 70.

    Und wie die Bahnen fahren: reinste Katastrophe! Heute früh U9 Westhafen: ca. 800 Leute auf dem Bahnsteig, U-Bahnen Richtung Steglitz fuhren unregelmäßig, als endlich mal eine Bahn kam, mussten 3/4 aller Fahrgäste (!!) draußen bleiben, weil voll!! Danke, Ihr BVGer für den Streik !! auch mit der folgenden Bahn kam ich nicht mit. Ich habe noch nie so lange zur Arbeit gebraucht wie heute früh! Da war ich selbst gestern schneller! Danke an alle Autofahrer, die nicht auch noch mit der U 9 mit mußten und lieber das Auto wählten.

  3. 68.

    Sie bekommen Ihr Geld als erwerbsfähigere Arbeitnehmer weder vom Sozialamt (SGB X), noch vom Arbeitsamt (SGB III). Sie müssten aufstockende Leistungen beim Jobcenter (SGB II) beantragen.

    Wenn Sie (oder jeder andere) der Meinung ist das sein/ihr Gehalt zum Leben nicht ausreicht, kann ich nur den Gang zum Jobcenter empfehlen. Leistungen gem. SGB II stehen so gut wie jedem Bundesbürger, EU-Bürger und auch Ausländern aus Drittstaaten unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung.
    Lassen Sie bitte Ihren Anspruch prüfen. Selbst wenn am Ende "nur" die Nutzung des Bildungs- und Teilhabegesetzes (z.B. bei Klassenfahrten) für die Kinder steht, ist doch auch schon etwas gewonnen. Diese Leistungen sind steuerfinanziert und stehen ihnen zu.

  4. 67.

    Ich kann mich dem Kommentar von Pankower nur anschließen. Dank eines zusammenhängenden S-Bahn Systems konnten die Entscheidungen für den gestrigen Tag auf kurzem Wege getätigt werden und alle verfügbaren Fahrzeuge zum Einsatz gebracht werden. Und trotzdem will die Verkehrssenatorin mit Ihren "Grünen" Anhängern unbedingt das System S-Bahn aufspalten und möglichst viele Betreiber/ Bereitsteller von Fahrzeugen haben. Unsere Vorväter haben nicht umsonst ein relativ geschlossenes S-Bahn-Netz geschaffen....
    Daher kann ich nur an alle Verantwortlichen im Senat/ in der Landesregierung appellieren, Ihre Haltung zum S-Bahn-System zu überdenken und das Netz nicht zu zerschlagen. Für eine einheitliche S-Bahn!!!
    Danke an alle Kolleginnen und Kollegen für die gestrige Leistung. Ich denke, viele Fahrgäste haben sich gefreut, dass wir eine gute Alternative bieten konnten.

  5. 66.

    Kleiner Vorgeschmack auf den BER: Verkehrsanbindung immer mau, Taxen nur aus LDS, und viel längere Fußwege als bei Tegel. Lauf mal von der A113 aus :-)
    Ansonsten lief es wie immer: mal ist da Stau, mal dort. Mal ist es ein Schlagloch, mal ein Präsident, mal ein Streik. Ich habe keine min. länger gebraucht mit dem Auto als sonst.

    Was sagt das über "sonst" aus???

    Genau. Der Autofahrer steht immer im Stau. Der BVG-Nutzer steht immer in der U-Bahn.

    Außer beim Streik, da steht der BVG-Nutzer dann auch mal im Stau. Und meckert auch noch!

  6. 65.

    Jo, war mal wieder toll. Die S-Bahn hatte dann irgendwann auch keinen Bock mehr und konterte mit einem "Notarzteinsatz". Danach lief nichts mehr vernünftig. Also so, wie immer eigentlich.....

  7. 64.

    Auch ich bin in Berlin schon oft durch Streiks verspätet oder gar nicht angekommen.
    Das geht einem dann verdammt auf die Nerven.

    Allerdings denke ich auch immer als Arbeitnehmer muss ich mich ein stückweit damit solidarsieren, auch wenn das für mich wie 'nörgeln auf hohem Niveau' aussehen mag. Bei jedem Streik egal welcher Art kommen die Beispiele aus anderen Berufsgruppen wo weniger verdient und nicht gestreikt wird. Aber das ist ein Vergleich der, konsequent zuende gedacht, dazu führte dass alle Arbeitnehmer gleichsam am hungertuch nagen sollten, weil ja jemand anderes *noch* weniger verdient. Da freuen sich die Vorstände wenn sich die Arbeitnehmer gegenseitig das streiken verbieten.

    Stattdessen sollten wir daran arbeiten Gewerbe in denen nicht gestreikt werden darf (oder kann) auf politischer Ebene zu modernisieren um auch hier die Arbeitsbedingungen (zur Not auch durch arbeitsniederlegung!) langfristig zu verbessern!

  8. 63.

    Och, na ja, man kann's auch ohne Abitur und ohne Studium zu was bringen. Zum Beispiel zum Nobelpreis für Literatur. Ich sage nur: Thomas Mann.

  9. 62.

    Danke BVG zum diese Streik . Die Sonne war schon gewesen . Deshalb habe ich mein Fahrrad benutzt. Morgen kaufe ich ein Monatskarte ,aber trotzdem fahre ich morgen wieder mit dem Fahrrad unterwegs sein. Das ist herlich gewesen. In Neukölln Süd ist bei mir nur die BVG unterwegs u Bahn und BVG Busse. Gruß vom Thomas Dylewski

  10. 61.

    Also ich weiß ja nicht, in welcher Gewerkschaft Sie sich engagieren, aber ein solches Vorgehen ist einfach usus. Ich bin selbst auch Gewerkschaftsmitglied und kenne es nur so. Die Gewerkschaft stellt Forderungen für ihre Mitglieder und der Arbeitgeber setzt diese Forderungen für die gesamte Belegschaft um, damit nicht noch mehr Leute sich in der Gewerkschaft organisieren.

  11. 60.

    Danke an die Streikenden. War schon ewig nicht mehr mit dem Skateboard zur Arbeit gefahren. Bei schönem Wetter wie heute und etwas mehr Zeit ein wunderbares Erlebnis, das ich bei Gelegenheit wiederholen werde. Auch wenn nach den wiederholten Warnstreiks jetzt kein echter längerer Streik folgen sollte, weil es zu einer Einigung kommt. DANKE :)

  12. 59.

    Das Apotheker*in-Beispiel ist gut gewählt. Hinzu kommt, dass der/die Apotheker*in auch noch ständig anmotzen lassen muss, weil die Krankenkasse nunmehr den Rabattpartner gewechselt hat und die Pillen nicht mehr grün sondern rot sind. Das sollte man sich mal bei einem BVGer trauen.

  13. 58.

    An dieser Stelle mal ein gaaaanz großes Lob an die S-Bahn !!!

    Auch wenn Viele (ich auch) immer meckern, aber ohne Euch wäre heute garnix gegangen!!!

    Nochmals Danke

  14. 56.

    Wieder einmal schafft unsere Berliner S-Bahn den Berufsverkehr ohne BVG und als "Dank" dafür, wollen die Grünen mit ihrer Verkehrssenatorin Günther die Berliner S-Bahn privatisieren. Ich bin mal gespannt, ob die zusätzlichen Zugfahrten bezahlt werden.

    Hoffentlich sind alle Fahrgäste wohlerhalten nach Hause gekommen und vielen Dank an meine Kollegen von der S-Bahn, für diese tolle Leistung.

  15. 55.

    So langsam habe ich die Schnauze voll von den Gestreike (Verdi) und habe die Mitgliedschaft gekündigt bei verdi!!!
    Ich hatte das gleiche Problem im Januar (Urlaubsreise gebucht)als ich über Hamburg fliegen wollte, da wurde auch gestreikt beim Sicherheitspersonal, habe gerade so noch meinen Flug bekommen (Jahresurlaub).
    UND jetzt ging am Montag nichts mehr in Berlin OMG...
    Ich werde wieder am Montah kommender Woche in den Urlaub fliegen und benutze ab Berlin/Hbf den Shuttle nach Tegel immer.
    Ich hoffe am 08.April wird nicht gestreikt!!!
    So langsam scheint die Streikkultur in Deutschland gerade mit verdi Überhand zu nehmen!!!
    Sorry , das geht mir langsam in Germany auf den Pinsel...!
    Immer wenn man in Urlaub will (Jahresurlaub), muss man die Nachrichten verfolgen ob irgendwo noch Streiks sind...
    Verdi good bye...

  16. 53.

    Hoffentlich verklagt jetzt die Deutsche Umwelthilfe die Gewerkschaft ver.di auf Unterlassung, weil die Bestreikung der BVG zu signifikant erhöhten NOx-Werten führt.

Das könnte Sie auch interessieren