Ein BVG-Bus mit Verdi-Fahne und dem Schild "Warnstreik" an der Frontscheibe steht vor dem Betriebshof in der Cicerostraße. (Quelle: rbb/Katrin Veuskens)
Video: Abendschau | 31.03.2019 | Max Kell | Bild: rbb/Katrin Veuskens

BVG-Warnstreik am Montag - 24 Stunden keine Trams, keine U-Bahnen und (fast) keine Busse

Es ist der dritte Warnstreik der BVG-Mitarbeiter in diesem Jahr: Mit Betriebsbeginn am Montag bleiben U-Bahnen, Straßenbahnen und die meisten Busse in den Depots - 24 Stunden lang. Ganz lahmgelegt ist der öffentliche Nahverkehr in Berlin aber nicht.

Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Über die aktuellen Entwicklungen zum Warnstreik bei der BVG berichten wir hier.

24 Stunden lang soll nichts gehen bei der BVG: Am Montag treten die Mitarbeiter mit Betriebsbeginn um 3 Uhr in einen Warnstreik, der bis zum Betriebsbeginn am Dienstag dauern soll. Betroffen seien alle Bereiche der BVG und des Tochterunternehmens Berlin Transport, wie die Gewerkschaft Verdi am Sonntag mitteilte, also Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen. Auch die Verwaltungen und Werkstätten der BVG würden bestreikt.

Am Morgen wollen die Streikenden von der U-Bahn-Werkstatt Seestraße zum Bushof Müllerstraße ziehen. Dort werde eine Kundgebung abgehalten, wie Verdi mitteilte.

Knapp drei Millionen Fahrgäste beziehungsweise einzelne Fahrten zählt die BVG pro Tag – dafür müssen am Montag nun Alternativen gefunden werden.

Was noch fährt

Die S-Bahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird, ist nicht vom Streik betroffen und will "alle Betriebsreserven mobilisieren", so das Unternehmen. Auf der Linie S5 zwischen Mahlsdorf und Warschauer Straße soll es rund 80 zusätzliche Fahrten geben. Die Regionalzüge verkehren nach Fahrplan, wie es weiter hieß. Die Fahrgäste müssten mit sehr vollen Zügen rechnen, warnt die S-Bahn.

Auch einige Buslinien, die von Subunternehmen der BVG betrieben werden, sollen wie gewohnt bedient werden: 106, 161, 162, 163, 168, 175, 179, 218, 234, 263, 275, 284, 320, 322, 334, 341, 349, 363, 365, 371, 373, 380, 399. Mit Einschränkungen fahren auch die Linien 112, 140, 184, 283, 370, 390 und 893. Auch die BVG-Fährlinien sind in Betrieb. Für Flugreisende richtet die Flughafengesellschaft wie schon bei den vorangegangenen Warnstreiks einen Bus-Shuttle zwischen dem Flughafen Tegel und dem S- und U-Bahnhof Jungfernheide ein.

Verdi fordert 36,5-Stunden-Woche für alle - bei vollem Lohnausgleich

Es ist bereits der dritte Warnstreik bei der BVG in diesem Jahr. Mitte Februar legte ein Ausstand bei Bus, U-Bahn und Tram fast den kompletten ÖPNV lahmMitte März beschränkte sich der Warnstreik auf den Busverkehr. Hintergrund ist der laufende Tarifkonflikt. Zwar legten die Arbeitgeber am vergangenen Donnerstag ein neues Angebot vor, doch Verdi reichte das nicht aus. Der Warnstreik am Montag sei nötig, um die Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch zu bringen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt.

Die Gewerkschaften Verdi und Beamtenbund wollen mehr Geld und bessere Arbeitszeiten für die rund 14.500 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport. So soll es für alle Beschäftigten eine 36,5-Stunden-Arbeitswoche geben, bei vollem Lohnausgleich. Zurzeit muss knapp die Hälfte der Beschäftigten des Landesunternehmens 39 Stunden ran. Die Gewerkschaften verlangen zusätzlich Weihnachtsgeld auch für Neulinge, einen Wegfall der unteren Lohngruppen und schnellere Gehaltssprünge - sowie einmalig 500 Euro für Gewerkschaftsmitglieder.

BVG bietet 90 Millionen Euro mehr pro Jahr

Verdi bemängelt vor allem, dass die angebotene Erhöhung des Personaletats um 90 Millionen Euro pro Jahr nur teilweise bei den Beschäftigten ankäme. Darin enthalten seien etwa die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer. Auch würden nicht alle Beschäftigten gleich stark von den Erhöhungen profitieren.

Die Arbeitgeberseite hatte vorgerechnet, dass jeder BVG-Beschäftigte mit der Erhöhung im Schnitt monatlich brutto rund 450 Euro mehr Gehalt hätte. "Das bedeutet eine Steigerung des jährlichen Entgeltvolumens ab 2019 um 17 Prozent", teilte die BVG mit. Man sei sogar der Forderung der Gewerkschaft nachgekommen, die unteren Entgeltgruppen stärker an den Steigerungen teilhaben zu lassen. Das Angebot liege um ein Vielfaches über dem Niveau vergleichbarer Tarifabschlüsse. Die BVG wird in der laufenden Verhandlungsrunde durch den Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) vertreten.

Sendung: Abendschau, 31.03.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Die Gewerkschaften wissen ganz genau, dass kein Arbeitgeber so kurzsichtig ist, einmalig 500 Euro nur für Gewerkschaftsmitglieder zu zahlen. Dies wiederum weiß auch Verdi ganz genau. Es handelt sich um eine Nebelkerze, die aus Gründen der Verhandlungstaktik in den Ring geworfen wurde, um den Mitglieder zu zeigen, wie sich Verdi angeblich für sie einsetzt. Erfolgsaussichten: KEINE

  2. 26.

    Ob nach der so oder kommenden Gehaltserhöhung der Bus- oder U Bahnfahrer öfter mal lächelt und nicht ständig die Touristen zusammenscheisst, die zu nahe an de Tür stehen, weil sie kein Deutsch verstehen, würde ich bezweifeln. Die Problem des Systems, wie überfüllte Busse und U Bahnen löst dieser Streik sowieso nicht. Am besten BVG abschaffen, heut sind doch auch alle irgendwie zur Arbeit gekommen. ;-)

  3. 25.

    Volle Unterstützung von mir für die Mitarbeiter/innen!! Faire Löhne, faire Arbeitszeiten, dafür gehe ich auch mit Abo gern mal zu Fuß/Fahrrad... Sollen die, die daran wirklich viel verdienen endlich mal abgeben.

  4. 24.

    Also die BVG sollte mal ruhig noch viel länger streiken, damit endlich mal etwas positives passiert.
    Die Mitarbeiter werden seit 2005 total ungerecht behandelt.
    Ein damals neu enstandener Tarifvertrag, spaltet die Kollegen in "Alt" und "Neu", mit sehr großen Unterscheiden.
    Aber so etwas scheint niemand zu interessieren was die Politik (Hr. Sarrazin) gemacht hat.

  5. 23.

    Achso, es geht aber um Bezahlung, Hauptsache Sie werden/wurden ausreichend bezahlt!

    Nicht bemerkt dass Verdi seit Monaten eine TV-ÖD Tour gemacht hat und am Ende immer die BVG mit dem TV-N dran ist?

  6. 22.

    Bei allem Verständnis für die Angestellten der BVG, es ist der falsche Weg....WEIL... die BVG kein Unternehmen ist das wirklich Konkurenz fürchten muss, darum tut es den BVG Besitzern und der Führung auch nicht weh !! Eine staatliche "GUTE" Vorgabe an Sicherheit und Entlohnung für Betriebe die für die tägliche Sicherheit und den täglichen Umgang mit hunderttausenden und millionen von Bürgern Verantwortung tragen, wäre meiner Meinung nach unerlässlich !!

  7. 21.

    "Es ist eine Schweinerei dieser Streik, es werden die bestraft die garnichts dafür können, nämlich der Fahrgast.[...]"

    Ich kann eine solche Naivität nicht nachvollziehen, da sind wohl Einige immer noch nicht in der Demokratie angekommen?!
    Der Streik ist ein AN-Recht! Nicht zuletzt die Unzufriedenheit der stehengelassenen Fahrgäste generiert den Druck auf den AG. Das könnte jetzt langsam angekommen sein...

    Was die BVG betrifft... Erster Gedanke: Sicher gilt, das Maximale anzustreben, um das Optimale zu erreichen, habe allerdings ein bisschen Bauchschmerzen wg. gefühlt fehlender Kompromissbereitschaft. Zweiter Gedanke: Und der geht in Richtung des s.g. Managements... Neue, schicke Trams und Busse sollen offenbar so manchen Ärger mit ausfallenden, unpünktlichen und/oder unsauberen Verkehrsmitteln überdecken. Ein Tick zu offensichtlich, wie hier der zahlende Kunde an der Nase herumgeführt werden soll.

  8. 20.

    Unmöglich der Streik. Und das zum 3. Mal. Wenn jetzt keine Einigung erzielt wird, den MA kündigen, es finden sich bestimmt neue … Frechheit so etwas !!!

  9. 19.

    "Es ist eine Schweinerei dieser Streik, es werden die bestraft die garnichts dafür können, nämlich der Fahrgast.[...]"

    Ich kann eine solche Naivität nicht nachvollziehen, da sind wohl Einige immer noch nicht in der Demokratie angekommen?!
    Der Streik ist ein AN-Recht! Nicht zuletzt die Unzufriedenheit der stehengelassenen Fahrgäste generiert den Druck auf den AG. Das könnte jetzt langsam angekommen sein...

    Was die BVG betrifft... Erster Gedanke: Sicher gilt, das Maximale anzustreben, um das Optimale zu erreichen, habe allerdings ein bisschen Bauchschmerzen wg. gefühlt fehlender Kompromissbereitschaft. Zweiter Gedanke: Und der geht in Richtung des s.g. Managements... Neue, schicke Trams und Busse sollen offenbar so manchen Ärger mit ausfallenden, unpünktlichen und/oder unsauberen Verkehrsmitteln überdecken. Ein Tick zu offensichtlich, wie hier der zahlende Kunde an der Nase herumgeführt werden soll.

  10. 18.

    Ja, die Straßen sind wundersamer weise schön leer, wenn die BVG streikt. Jeder mit Jahresabonnement hat mein Mitgefühl!
    Ich sehe langsam eine Art arbeitsallergie um sich greifen. Nicht mal mehr 38 Std Woche? Aber voll bezahlt ? Für diesen Service? Sorry, ne Leute.
    Frechheit, die wenigsten BVG Fahrer lächeln ihre Fahrgäste an, oder geben einem ein gutes Gefühl wenn man die BVG nutzt. Vielleicht mal über seine Leistungen nachdenken, bevor gefordert wird. Und die die darauf angewiesen sind, immer schön für sein Ego im Stich lassen.
    Die Gewerkschaften waren mal eine gute Sache, inzwischen sind es blutsauger. Nur fordern, wie ein verzogenes Kind. Das Land wird an so etwas zu Grunde gehen.

  11. 17.

    Ich hab den Job vor ein paar Jahren geschmissen, genau aus den Gründen wofür meine Exkollegen jetzt streiken. Wir tragen die Verantwortung für die Fahrgäste, egal wie gebrechlich, die Entlohnung bekommt die Anstalt. Jeden Tag den Wecker neu stellen, die Alten gehen auf Rente, die neuen müssen es buckeln. Da wird es bald keine Fahrer mehr geben, die das berühmte Herz und die Kodderschnauze des Berliners haben. Viel Spaß mit den Neuen! Übrigens standen eben noch Leute an Haltestellen wo kein Bus fährt, offensichtlich hielten die das für einen Aprilscherz, oder es waren Touris :)

  12. 16.

    Volle Solidarität mit den Streikenken. Setzt Eure Forderungen durch!!! Streik ist keine Strafe und es wird auch niemand in Geiselhaft genommen. Streik ist ein Grundrecht und sich dafür einzusetzen, kann manchmal auch unbequem sein.

  13. 13.

    Ihr Kommentar ist sehr, sehr kurzsichtig. Konkurrenz belebt das Geschäft? Schauen sie mal nach GB als dort die staatlichen Eisenbahn privatisiert wurde. Es wurde nur noch auf Verschleiß gefahren bis schwere Unfälle daraufhin die Folge waren. Unrentable Strecken wurde sofort dicht gemacht.

  14. 12.

    Die Frechheit von Verdi ist ja wohl so ein Angebot abzulehnen. 17 % mehr Lohn. - Ganz ehrlich da gibt es viele Berufszweige die würden sich freuen. Und die lehnen das Angebot ab. An Stelle der BVG würde ich gar nicht mehr verhandeln.
    Sorry Verdi aber kommt mal in der Wirtschaft an. Mehr Geld und weniger Arbeit funktioniert nicht. Und ne 39-h-Woche ist auch den BVGlern zu zumuten. Da muss der normale Arbeitnehmer auch durch - und oh Wunder die leben auch alle noch.
    Verdi - komm mal wieder von deinem hohen Ross runter und schau dir die Realität an. - Es werden nur die Fahrgäste bestraft. Der BVG ist das doch egal - den Ausfall holen die sich wieder.

  15. 11.

    Und wie sollen die Beschäftigten der BVG sonst ihre Forderungen durchsetzen? Ich bin auf die BVG angewiesen, habe aber trotzdem Verständnis für die Ausübung des vom Grundgesetz in Art. 9 Abs. 3 S. 3 geschützten Streikrechts.

  16. 10.

    Einige hier erkennen den Sinn eines Streikes wohl nicht. Selbstverständlich ist er ein Druckmittel, wäre er es nicht, würde man durch einen Streik nichts erreichen. Das Streikrecht ist ein hohes Gut in einer Demokratie. Die Forderu gen der BVGler sind auch nicht überzogen.

  17. 9.

    Warum bestraft man eigentlich die, die nichts dafür können und fleißig immer bezahlen.
    Ich habe ein Jahresabo. Ob die BVG mir mein Geld für den ausfallenden Bestriebstag zurückerstattet?
    Ich glaube kaum.

  18. 8.

    Viel Erfolg den Streikenden! Ich nehme übrigens KEINEN mit dieses Mal - letztes Mal auch nicht. Davor auch nicht. Angeboten wie sauer Bier - keiner WOLLTE mitgenommen werden! Ja dann halt nicht. Fertig. Nehmt ein Taxi, nehmt Urlaub, meckert weiter, Berliner. Bitteschön. Ihr braucht das doch, gebt's doch zu.

    Schön morgen alleine im Auto von der Stadtgrenze losfahren, kein Bus im Weg, nix. Die Hälfte der Bevölkerung will nicht arbeiten gehen/fahren, ach wird das schön leer!

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