Symbolbild: Demonstranten der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) halten ein Plakat mit der Aufschrift «Fachkräftemangel». (Quelle: dpa/Steffen)
Bild: dpa/Steffen

141.000 Beschäftigte fehlen - IHK: Fachkräftemangel in Berlin verschärft sich

Seit Jahren klagen Berliner Unternehmen über zu wenige Fachkräfte. Neuen Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge wird sich die Situation in diesem Jahr weiter verschärfen. Besonders betroffen ist demnach der Dienstleistungssektor.

Der Fachkräftemangel in Berlin nimmt laut Industrie- und Handelskammer (IHK) weiter zu. Wie aus neuen Zahlen des Wirtschaftsverbands hervorgeht, stieg die Fachkräftelücke von 121.000 im Jahr 2018 auf 141.000 in diesem Jahr. Das berichtet die dpa am Ostermontag.

Für 2030 wird demnach sogar eine Lücke von 232.000 qualifizierten Beschäftigten prognostiziert, die in Unternehmen gebraucht werden, aber nicht zur Verfügung stehen.

Die IHK beruft sich dabei auf ihren aktuellen Fachkräftemonitor [externer Link zur Studie]. Demnach wird das Angebot an Fachkräften in Berlin in der nächsten Dekade deutlich sinken. 2030 werden dem Arbeitsmarkt der Prognose zufolge rund 303.000 weniger Fachleute zur Verfügung stehen als heute. Die Lage verschärft sich voraussichtlich insbesondere ab 2025 - mit dem Renteneintritt der sogenannten Babyboomer.

IHK: Größtes wirtschaftliches Risiko für Unternehmen

Zu der am stärksten betroffenen Branche - 2019 ebenso wie 2030 - zählt laut Fachkräftemonitor der Dienstleistungssektor. Besondere Lücken tun sich demnach in Büro- und Sekretariatsberufen, bei Erziehern, in sozialen und hauswirtschaftlichen Berufen und der Theologie auf. Vom Fachkräftemangel stark betroffen sind zudem Berufe in der Unternehmensorganisation und im Personalwesen.

Auch in der regelmäßig erhobenen IHK-Konjunkturumfrage macht sich der Fachkräftemangel immer stärker bemerkbar. Bei der Frage nach den Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung stieg der Anteil der Unternehmen, die den Fachkräftemangel nennen, in den verganenen Jahren kontinuierlich. "Mittlerweile stellt der Fachkräftemangel für die Berliner Unternehmen das größte wirtschaftliche Risiko dar", warnt die IHK.

Verband sieht Handlungsbedarf in der Politik

"Wir müssen uns alle auf schwierige Zeiten einstellen", sagte Kammerpräsidentin Beatrice Kramm mit Blick auf die neue Analyse. "Sicherlich wird uns die Digitalisierung ein Stück weit in die Hände spielen, weil einige Bedarfe durch sie gemildert werden." Dennoch werde der Fachkräftebedarf das Angebot künftig deutlich übersteigen.

"Betroffenen Unternehmen kann man nur raten, frühzeitig aktiv zu werden, beispielsweise indem sie rechtzeitig in Aus- und Weiterbildung investieren", so Kramm. Die Prognosen belegten aber auch Handlungsbedarf der Politik. "Sie muss die Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Dazu gehören zum Beispiel ausreichend gut ausgestattete Kitas mit flexiblen Öffnungszeiten."

Der IHK-Fachkräftemonitor ist gespeist aus einem Datenquellen-Mix. Es fließen Zahlen der Statistikämter ebenso ein wie die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Vor allem aber sind es auch selbst generierte Daten, die die Kammer regelmäßig bei ihren Mitgliedsunternehmen einholt.

Sendung: Inforadio, 22.04.2019, 15 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

22 Kommentare

  1. 22.

    Man wird nicht als Fachkraft geboren. Die Zeitspanne vom ersten Tag im Kindergarten bis zum letzten Tag an der Hochschule ist ein sehr harter Lebensabschnitt und erfordert enormes Durchhaltevermögen.

  2. 21.

    Theologie? In Deutschland fehlen Theologen? Aha.....soso!

  3. 20.

    So ist es - nur Statisten, Schreitisch- und Hilfskräfte weit und breit. Schuld sind aber die Gewerkschaften die Hungerlöhne für wahre Arbeit aushandeln. Die die jungen Menschen werden zum Studieren motiviert, sehen aber ein dass meistens das Zeug nicht reicht, Hilfskraft kann man ja immer noch werden, wenn man das jahrelange Studium nicht schaft.
    Hauptsache die Jahre ziehen vorbei und man braucht nicht 45 Jahre arbeiten. Die Fachkräfte kommen seit Jahren aus dem Ausland, wo der Euro noch Kaufkraft hat. Bei uns ist alles wertlos.

  4. 19.

    Ehrlich gesagt würde ich auch lieber in zb Hamburg als in Berlin arbeiten. Berlin ist nicht unbedingt erstrebenswert. Das liegt nicht immer am Gehalt, sondern mit den Lebensbedingungen. Diese Entscheidung trifft jeder für sich.

  5. 18.

    Die Lücken kann ich nachvollziehen. Leben wir doch in einer Zeit, wo alle nur noch Chef sein wollen und niemand mehr sogenannte "niedere" Tätigkeit machen möchte. Wenn sagen wir ein E-Commerce Startup Menschen sucht, die auch mal selbst Ware einpacken, dann wird das Startup angeschaut, als ob es von einem anderen Stern kommt. Aber wenn das gleiche Startup irgendeinen Manager Posten ausschreibt, kann es sich vor Bewerbungen nicht mehr retten.

  6. 17.

    Ich als Kunde habe nicht genug Einblick in die Konzernstrukturen um da sinnvoll Entscheidungen zu treffen. Nur weil Anbieter A teurer ist als Anbieter B heißt das ja nicht, dass da die Mitarbeiter mehr Lohn bekommen. Hier ist meiner Meinung nach die Politik gefordert, nicht der Konsument.

  7. 14.

    Was bedeutet denn die gerechte Bezahlung? Wer kann das konkret benennen?
    Die so genannte "gerechte Bezahlung" wird im Dienstleistungssektor immer vom Kunden getragen. Sind Sie als Kunde wirklich bereit "gerecht" zu bezahlen, oder suchen Sie nach dem billigsten Angebot und noch 20% Rabatt dazu???

  8. 13.

    Genau so ist es leider!!!
    Diejenigen, welche von zuhause her Fleiß, Verantwortung und Pünktlichkeit ins Leben mitbekommen haben, werden immer weniger...in bestimmten Regionen fehlen sie gänzlich.
    Wenn das wenigsten noch mit dabei wäre, würde es sich vllt auch lohnen, weniger Begabten eine Chance zu geben und mit ihnen richtige Rechtschreibung und das Rechnen nachzuholen...
    Wer hier schreit, hat keine Ahnung davon, wieviel Betreuungszeit, Geld und Nerven einem Handwerksmeister die 3jährige ordentliche Ausbildung eines Jugendlichen kostet. Also einfach mal Klappe halten und die Synapsen einschalten!

  9. 12.

    Das hat nichts mit Ahnungslosigkeit zu tun. Vielleicht erinnern Sie sich. 2014/2015 wurde die Bundesregierung nicht müde der Bevölkerung zu erzählen, dass mit den Flüchtlingen auch der Fachkräftemangel beseitigt und die Rentenlücke geschlossen werde. Beides hat sich bereits Ende 2015 als handfeste Lüge entpuppt, was aber die Bundesregierung nicht davon abgehalten hat dieses Mantra gebetsmühlenartig zu wiederholen.

    Das Sie keinen Nachwuchs zum Ausbilden finden liegt leider an der jahrelang negierten Bildungsproblematik im Land. Das geht uns in den Behörden nicht anders. Auch wir haben noch dutzende unbesetzte Stellen, weil Bewerber nicht einmal die Mindeststandards erfüllen.
    Man ist sehenden Auges in den Fachkräftemangel gelaufen. Gewarnt wurde davor schon vor vielen Jahren von Firmen und Verbänden.

  10. 11.

    Wir haben keinen Fachkräftemangel. Wir haben einen Mangel an billigen Fachkräften!

  11. 10.

    Super Bezahlung, normale Arbeitszeiten und Vereinbarkeit von Beruf und Familie bieten und schon rennen einem die Fachkräfte die Bude ein. Hungerlöhne, Nacht- und WE-Schichten, unbezahlte Überstunden und nie daheim? Da würde ich auch nicht anfangen. Einfach mal nachdenken, Jungs, Unternehmer ist man, wenn man was RICHTIGES unternimmt. Sonst ist man leider nur Zitronenfalter....

  12. 9.

    Ich weis nicht wen oder was sie ausbilden? Als Ausbilder haben sie zumeist ein Studium, wenn sie dann sich selbst als Maßstab nehmen, haben sie schon verloren.
    Im übrigen ist die Frage erlaubt wie sind "Fachkräfte" definiert.
    Bei der IHK sind das keine Facharbeiter!??
    Die wären ja dann von Handwerkskammer!

  13. 8.

    Sie sind überall im Stadtbild zu sehen.
    In schischabars Barberschopps als Securities vor Edka Kaufland Rewe, für Filmproduktionen, als FahrkartenKontrolleure in der Bahn, als Paketfahrer und Briefträger immer zu zweit, zu dritt und viele

  14. 7.

    @ Reimann.. Genau ich wunder mich auch, wo sind sie denn ?

  15. 6.

    Wieder so ein super Kommentar der nur Ihre Ahnungslosigkeit zeigt. Ich versuche seit Jahren auszubilden- allein die Schulbildung und so Kleinigkeiten wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit usw stehen den Entgegen.

  16. 5.

    Auch ich habe meine Schwierigkeiten, den Zahlen der IHK Glauben zu schenken. Spricht die IHK wirklich von Fachkräften, die ÜBERHAUPT NICHT zur Verfügung stehen? Oder meint sie in Wirklichkeit Fachkräfte, die NICHT ZU BILLIGLÖHNEN zur Verfügung stehen? Kann es also sein, daß das tatsächliche Problem der Unternehmen in ihrer mangelnden Bereitschaft liegt, leistungs- und qualifikationsgerechte Gehälter zu zahlen?

  17. 3.

    Warum jetzt jammern, wenn ihr nicht genug ausgebildet habt? War doch voraus zu sehen.

  18. 2.

    Sparen Sie sich Ihren Sarkasmus. Viele dieser von Ihnen angesprochenen Personen gehen auch den Weg und wählen Altenpflege für sich aus als zukünftigen Beruf. Was spricht dagegen? Im Dienstleistungssektor wird zuviel geschummelt und selbst der Anspruch auf Mindestlohn wird nicht immer eingehalten. Subunternehmerisches Verhalten ist das. Da muß sich was ändern. Eine gerechte Bezahlung muß sein.

  19. 1.

    Das ist aber eigenartig,wir haben doch soviele
    Fachleute seit 2015 zu uns gerufen.

Das könnte Sie auch interessieren