Eine Frau spielt während einer Gaming-Ausstellung mit einer VR-Brille (Bild: imago)
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Audio: Inforadio | 08.04.2019 | Lena Alter | Bild: imago

Interview | Games-Branche - "Bei den Frauen ist ein Aufwärtstrend zu beobachten"

Das Interesse von Frauen an Computergames wächst. Bei der Entwicklung von Spielen sind Frauen aber noch immer unterrepräsentiert. Das wird sich ändern, sagt Lena Alter, Organisatorin des Aktionstags "Womenize!" am Mittwoch auf der Berliner Games Week.

 

rbb: Frau Alter, es gibt das Klischee vom Spieleentwickler als nerdigem Typen, der sein ganzes Leben vor dem Computer verbringt. Aber wie sieht die Realität aus? Wie oft sitzt da eine Frau an der Tastatur, isst Chips und trinkt Cola?

Lena Alter: Natürlich ist das Verhältnis noch immer recht unausgeglichen. Zumindest im Entwicklerbereich haben wir mehr Männer als Frauen. Aber wir sind auf einem guten Weg, es wird ausgeglichener. Und ich glaube, auch nicht alle Männer essen Chips und haben picklige Gesichter.

Das heißt, es sind mehr Frauen geworden in den letzten Jahren?

Ja. Das zeigt sich auch in Studiengängen. Wir arbeiten viel mit Unis zusammen. Die beobachten auch, dass die Parität zugenommen hat zwischen männlichen und weiblichen Studierenden. Da ist ein Aufwärtstrend zu beobachten. Aber es gibt noch genug zu tun.

Wie viele Frauen entwicklen und programmieren, und wie viele kümmern sich in der Branche eher um PR, Marketing und Personalverwaltung?

Man hat tatsächlich die klassische Schieflage: Im PR, Marketing sind natürlich mehr Frauen. In der Entwicklung sind mehr Stellen männlich besetzt. Davon, dass es ausgeglichen ist, können wir noch nicht sprechen. Aber es ist mehr geworden in den letzten Jahren.

Gibt es Spiele, die eher von Frauen als von Männer gespielt werden, und ist dafür auch die Perspektive von Frauen wichtig?

Ich weiß gar nicht, ob man da so klassisch-klischeehaft unterscheiden möchte. Ein Spiel interessiert, wenn es gut gemacht ist, eine gute Story hat. Es gibt eher die Unterscheidung zwischen Casual und Hardcore Gamer: Die Casual Gamer spielen ab und zu mal am Smartphone, die Hardcore Gamer zocken am PC. Aber ob es darüberhinaus noch Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, würde ich jetzt nicht sagen wollen.

Sie haben gesagt, es gibt noch viel zu tun, deswegen gibt es auch den Aktionstag "Womenize!". Was passiert da genau?

Wir versuchen, mit der "Womenize!" eine Plattform zu schaffen für Frauen in der Gamesbranche. Dort werden neben klassischen Vorträgen auch Workshops angeboten. Dann geht es abends noch ins Recruiting und Networking. Wer sich für die Branche interessiert oder schon dort arbeitet, knüpft Kontakte und kriegt einen Einblick, wie die Branche funktioniert. Ganz wichtig sind uns Inspirationsthemen - und auf der Bühne positive Beispiele zu zeigen, die es geschafft haben. 

Lena Alter ist Chief Operating Officer (COO) der Event- und Markenbildungsagentur Booster Space (Bild: Facebook Lena Alter)
Bild: Facebook Lena Alter

Wer wäre denn ein solches positives Beispiel?

Kate Edwards, etwa. Sie ist ein Klassiker aus der Branche, superaktiv. Auf der "Womenize!" hält sie einen Workshop über Self-Management: Wie organisiere ich mich selbst, wie stehe ich dazu?

Was raten Sie Schülerinnen und Studentinnen, die überlegen, Spiele entwickeln zu wollen?

Erstmal reingucken und feststellen, ob das wirklich das Richtige für einen ist, wie in jedem anderen Beruf auch. Und dann einfach machen, ausprobieren.

Muss man ein besonders hartes Fell haben in dieser Männerdomäne?

Es könnte immer mal wieder ein Thema sein. Aber ist man in einem Team, das auch divers genug aufgestellt ist, ist es gar kein Thema mehr.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Mit Lena Alter sprach Sabine Jauer, Inforadio. Für diese Online-Fassung wurde das Interview redaktionell bearbeitet. Das Original-Gespräch können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Header des Artikels nachhören.

Sendung:  Inforadio, 08.04.2019, 09:45 Uhr

Frauen in der Spielebranche

11.705 Menschen in Deutschland waren 2018 mit der Entwicklung und dem Vertrieb von Computer- und Videospielen beschäftigt. Und immer mehr Frauen finden Gefallen an Computerspielen: Die Hälfte aller Spieler sind inzwischen weiblich - wobei das Mobile Game am Smartphone dem Spielen am Computer vorgezogen wird.

Wie viele in der Branche Beschäftigten sind Frauen?

Laut der Studie "Die Computer- und Videospielindustrie in Deutschland" (Castendyk/Müller-Lietzkow) betrug der Frauenanteil 2015 unter den Arbeitnehmern der Games-Branche in Deutschland 27 Prozent. Damit liegt der Frauenanteil vor anderen Branchen wie etwa der Informationstechnologie und Telekommunikation (16 Prozent).

In welchen Bereichen der Branche sind die Frauen vorwiegend tätig?  

Der Frauenanteil in der deutschen Games-Branche nach Tätigkeitsbereichen: 21 Prozent Produktion, 32 Prozent Publishing, 35 Prozent Distribution.

(Quelle: game - Verband der deutschen Games-Branche e.V.)

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Herzlichen Glückwunsch, Sie zählen zu den 1% der Frauen die Games zocken. Den anderen ist das zu komplex. Meiner Frau auch, die kann das nicht sagt sie immer.

  2. 5.

    Habe ich dieses Verhalten in irgendeiner Form kritisiert?
    (Nebenbei bemerkt: Ich mag solche Spiele zuweilen auch und habe noch nie an einer WLAN-Party teilgenommen.)

  3. 4.

    Liegt vielleicht auch daran, dass man eher mal abends zur entspannung spielt als 3 Tage lang ne WLAN Party zu veranstalten. Ich selber spiele schon seit über 15 Jahren quer beet durch alles (ausser Ballerei) und es schult ungemein Fremdsprachenwissen als auch Koordination oder logisches Denken.

  4. 2.

    Es ist ja anstrengend, wie einfach Sie es brauchen. Fast Ihr gesamter Kommentar besteht aus stereotypen Pauschalisierungen, teils begründet mit eigenen Erfahrungen bzw. Wertungen. Gerade Ihre erste Annahme mutet deutlich misogyn an. Wie wäre es denn, wenn die Welt der Spiele entwickelnden, vermarktenden oder einfach konsumierenden Frauen genauso divers und nicht zu verallgemeinern ist wie Frauen* selbst? Ihr Stammtischkommentar ließe sich höchstens mit Humor ertragen, nur fehlt der mir gerade.

  5. 1.

    Obwohl es auch viele Ausnahmen gibt, habe ich bei zahlreichen Gesprächen festgestellt, dass sich Frauen oft nur für schnell zu erlernende, gut zwischendurch spielbare Games wie Mahjongg und Soltaire interessieren und eher weniger für komplexe, storylastige Spiele, die mehr Einarbeitung erfordern.
    Das scheint z. T. aber auch altersabhängig zu sein, so dass man mitunter eher zu dem Schluss gelangen könnte: Je jünger die Spielerin, desto anspruchsvoller darf es sein.
    Nebensächlich ist aber wohl, ob man in einem Spiel eher konstruktiv oder eher destruktiv vorzugehen hat.
    Übrigens noch ein paar Beispiele, für erfolgreiche Frauen in der Spieleindustrie:
    Carol Shaw, Roberta Williams und die bildhübsche Jade Raymond.

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