Agentur für Arbeit Berlin Nord (Quelle: dpa)
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Nach Airline-Insolvenz - 500 Ex-Germania-Mitarbeiter suchen neuen Job

Die Berliner Fluglinie Germania musste im Februar den Betrieb einstellen, 500 Mitarbeiter aus Berlin und Brandenburg wurden entlassen. Auf einer Jobbörse orientieren sie sich neu. Es scheint, als seien weniger sie als die vertretenen Unternehmen in Not. Von Marcus Groß

Für viele Germania-Mitarbeiter ist es das erste Wiedersehen seit der Kündigungswelle vor drei Wochen. Rund 50 ehemalige Kollegen stehen in kleinen Grüppchen vor der Tür der Arbeitsagentur Berlin Nord. Viele sind nachhaltig geschockt über die Kündigung. Sich beruflich neu orientieren zu müssen, ist für die einen eine Chance, für die anderen ein notwendiges Übel.

Die Arbeitsagentur Nord hat am Mittwoch in Charlottenburg eine Jobbörse für die 500 ehemaligen Mitarbeiter der insolventen Fluglinie aus Berlin und Brandenburg veranstaltet. Alle ehemaligen Mitarbeiter wurden persönlich eingeladen. Es ist die erste von der Bundesagentur initiierte Jobbörse für Germania seit der Airline-Pleite.

"Die Not ist gerade schon groß"

Christoph Möller von der Bundesarbeitsagentur hat sie mitorganisiert. Er sieht gute Chancen für die Ex-Germania-Mitarbeiter auf dem Berliner Arbeitsmarkt, da zu jeder Zeit mehr als 6.000 Stellen frei seien. Arbeitgeber bräuchten gar keine akut freie Stelle, um jemanden einzustellen. "Manchmal sagen sie auch: Wenn jemand passt, dann nehme ich den, weil ich Bedarf haben werde. Die Wirtschaft in Berlin wächst", so Möller.

Die Räume der Bundesagentur jedenfalls sind gut gefüllt. 17 Unternehmen werben an Ständen um neue Mitarbeiter. Darunter Lufthansa, Deutsche Bahn, Daimler-Group, Logistik- und Cargo Firmen, die Estrel Hotels und Berliner Landesunternehmen wie die BVG und die BSR. Auch Stephan Arasmus von der ostdeutschen Eisenbahn hält Ausschau nach Nachwuchs, er braucht Lokführer und Lokführerinnen. "Wir alleine brauchen noch 300 Mitarbeiter, um unsere Strecken fahren zu können. Die Not ist gerade schon groß."

17 Jahre lang als Flugbegleiterin für Germania

Neben den persönlichen Kontakten sind an Stellwänden Hunderte von Stellen ausgehängt.
Auch Jeanette Thalmann, eine von den 500 Betroffenen Germania-Mitarbeitern aus Berlin und Brandenburg, steht vor einer von ihnen. 17 Jahre lang ist sie als Flugbegleiterin für Germania geflogen, auf der Jobbörse hat sie eine erste Runde bereits hinter sich.

"Drei, vier Firmen haben wir uns mal angeguckt, uns beraten lassen. Jetzt würde ich gerne meinen Lebenslauf checken lassen und Bewerbungsbilder machen lassen", sagt sie. Sie sei offen für alles, bisher aber noch nicht fündig geworden. "Es wäre nicht schlecht, in den kaufmännischen Bereich zu gehen, aber wenn man die Ausbildung dazu nicht hat, sieht es schlecht aus", sagt sie.

Auch Arbeitssuchende von Air Berlin waren eingeladen

Viele Mitarbeiter haben in den vergangenen Wochen schon angefangen, Bewerbungen zu schreiben. Aber nicht immer stimmen Vorstellungen und gewünschte Bezahlungen mit den Angeboten überein.

Christoph Möller von der Arbeitsagentur ist der Meinung: Die Menschen, die frisch aus Beschäftigungen kommen, haben die besten Chancen, sehr schnell wieder einen Job zu finden." Das sei eine Binsenweisheit der Arbeitsmarktpolitik Ob diese bei den vielen freien Stellen so noch gilt?  

Eingeladen waren neben den Germania Mitarbeitern auch Arbeitssuchende der früheren Fluggesellschaft Air Berlin. Laut Arbeitsagentur hat ein Großteil der Air-Berlin-Belegschaft inzwischen wieder einen neuen Job gefunden.

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2 Kommentare

  1. 1.

    „„Manchmal sagen sie auch: Wenn jemand passt, dann nehme ich den, weil ich Bedarf haben werde. Die Wirtschaft in Berlin wächst", so Groß.“. Zitiert sich der Autor hier oder wer ist Groß?

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