Fron der S-Bahn (Quelle: rbb/Gabriel)
Audio: Abendschau | 10.04.2019 | Thorsten Gabriel | Bild: rbb/Gabriel

Neue Züge für Berliner S-Bahn - Testfahrt durch den Siemens-Parcour

Ab 2021 sollen neue S-Bahn-Züge auf der Berliner Ringbahn fahren. Die Züge sollen weniger störanfällig sein, erhalten Klimaanlagen und verbesserte Bremsen. Das neue Modell wird derzeit auf einer Teststrecke bei Düsseldorf intensiv getestet. Von Thorsten Gabriel

"Jetzt hätten wir uns fast verfahren!" S-Bahn-Chef Peter Buchner schaut aus dem Führerstandsfenster und lacht. Gerade hat er Lokführer gespielt und ist mit einem neuen Zug für die Berliner S-Bahn eine Proberunde gefahren. Verfahren hat er sich auf dem zweieinhalb Kilometer langen Testring natürlich nicht. Der Parcours des Prüf- und Validationscenters, den Siemens in Wegberg-Wildenrath (Nordrhein-Westfalen) betreibt, ist übersichtlich.

"Ein sehr schöner Zug"

"Ich bin vor allem überrascht, wie leise das Fahrzeug innen ist, sowohl im Fahrgastraum als auch im Führerstand", resümiert Buchner. "Ich glaube, das ist für die Kollegen ein sehr schöner Arbeitsplatz und für die Fahrgäste wird das ein sehr schöner Zug." In der Tat sitzt man bequem im Fahrgastraum. Es gibt mehr Beinfreiheit, viel Stauraum unter den Sitzen und erstmals auch eine Klimaanlage. Auf den Displays sollen, anders als bisher, Live-Informationen angezeigt werden etwa zu Umsteigemöglichkeiten.

Die S-Bahn kommt mit Klimaanlage

Gerade jetzt sind dies alles wichtige Botschaften für die Deutsche Bahn: Mag es auch vor zehn Jahren eine S-Bahn-Krise gegeben haben, mag es auch immer noch ruckeln im laufenden Betrieb – es geht auch anders, besser, störungsfrei. Das ist das Signal, das am Mittwoch von diesem Pressetermin ausgehen soll. Denn dass die Deutsche Bahn auch nach 2025 das komplette S-Bahn-Netz in Berlin betreiben wird, ist keineswegs ausgemacht. Da kommen Erfolgsmeldungen als Vertrauenssignal gerade recht.

In den Werkshallen und der Schienenanlage des Siemens-Prüfcenters, gut 50 Kilometer von Düsseldorf entfernt, durchlaufen die Wagen der sogenannten Vorserie einen intensiven Test- und Zulassungsprozess. Geprüft wird alles, von der Antriebstechnik und den Bremsen über die Türen bis hin zur Klimaanlage. Aus Sicht der Herstellerfirmen Stadler und Siemens läuft es bislang gut.

Wobei gerade die Klimaanlage eine besondere Herausforderung gewesen sei, wie Stadler-Geschäftsführer Jure Mikolcic sagt. "Wir konnten die Klimaanlage hier nicht klassisch oben aufs Dach aufbauen." Die Züge wären dadurch zu hoch geworden. "Das heißt, es musste innen integriert werden." Und so war es für die S-Bahn-Konstrukteure auch eine spannende Frage, ob die Klimaanlage bei den ersten Tests funktionieren würde. "Im Augenblick läuft die sehr gut, ich bin zuversichtlich, dass das weiter klappt", so Mikolcic.

S-Bahn während der Fahrt (Quelle: rbb/Gabriel)bei den neuen S-Bahn-Zügen werden mehrere Wagen durchgängig sein

Schneesicher wie in Oslo

Zuversichtlich zeigt sich auch S-Bahn-Chef Buchner mit Blick auf die Wetterfestigkeit der neuen Wagen. Die alten, weiterhin rollenden Züge gingen in den vergangenen Jahren mitunter selbst bei leichtem Schneefall in die Knie. Das führte bei Wintereinbruch immer wieder zu massiven Zugausfällen. Doch die neue S-Bahn werde dem Winter trotzen, verspricht Buchner. Bei den neuen Zügen wird die Antriebstechnik durch Wärmetauscher von der Umwelt abgeschirmt sein, Flugschnee kann dann nicht mehr in den Antrieb gelangen, sagt Buchner. "Das ist ein Prinzip, das Siemens bei der U-Bahn in Oslo schon im Serieneinsatz hat. Deswegen bin ich da sehr überzeugt davon, dass das auch funktionieren wird."

Auch die Bremsen sollen in Zukunft keine Probleme mehr bereiten. Gerade beim Bremsen von verhältnismäßig leichten Fahrzeugen wie der neuen S-Bahn erlebe man häufig Überraschungen, sagt Buchner, "im Herbst mit Laub auf den Schienen und Schmierfilm". Deshalb würden bei den neuen Zügen Magnetschienenbremsen eingebaut. "Das sind Magneten, die über dem Gleis hängen und die sich, wenn sie aktiviert werden, aufs Gleis absenken", erklärt Buchner. "So kann man unabhängig von der Rutschigkeit der Schienen den Bremsweg einhalten."

Neujahrsmorgen 2021, vier Uhr früh am Südkreuz

Im Herbst kommen die neuen Züge nach Berlin. Auf dem Ring werden sie weitere Testfahrten unternehmen. Allerdings auch dort ohne Fahrgäste und nachts, um den regulären Betrieb nicht zu stören. Bis die Baureihe für den Betrieb zugelassen wird, haben die Vorserienmodelle 160.000 Testkilometer zurückgelegt.

Anders als der S-Bahn-Chef müssen die Berliner S-Bahn-Kunden also weiter auf eine erste Fahrt mit den neuen Zügen warten. Was den Termin der Einführung angeht, bleibt Peter Buchner optimistisch: Am Neujahrstag 2021 will er um vier Uhr morgens am Südkreuz stehen und fahrplanmäßig als Fahrgast die erste der neuen S-Bahnen betreten.

Beitrag von Thorsten Gabriel

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Im Sinne der Umwelt sollte man auf energieintensive Klimaanlagen gänzlich verzichten, wenn Öko dann richtig!
    Habe gehört dass die Klimaanlagen in Bahnen fast so viel verbrauchen wie der Zug an sich zum Fahren...

  2. 6.

    Wer fährt sechs Stunden S-Bahn?

    Ich habe bereits in der neuen S-Bahn probegesessen und fand die Sitze keineswegs zu hart, sondern besser als in den aktuellen Zügen.

  3. 5.

    Wieder 1 Zug mehr mit diesen steinahrten DB Sitzen. Wer sich sowas ausdenkt, müsste mal 6h mit sowas mitfahren.

  4. 4.

    Der "Teppich" ist Schutzbelag um den neuen Zug nicht vor dem 1. Einsatz gleich zu zerkratzen. Sieht man schon daran, dass unter den Sitzen der Teppich fehlt.

    Was mich erschreckt ist, dass der neue Zug noch schriller jault beim Anfahren. Ist hier extra Sounddesign betrieben worden, dass die neuen Züge fast wie die alten jaulen?

  5. 3.

    Spätestens, wenn sich die ersten Fahrgäste ausgekotzt und die Züge wieder als Klo benutzt haben, hat sich der Teppich erledigt.

  6. 2.

    Doch, der Teppichboden in der Metro in Washington DC wird regelmäßig gereinigt. Auch die Luftqualität in den Untergrundbahnhöfen ist besser - da geht noch was in Berlin. (https://www.youtube.com/watch?v=0R6FRGIG_s4). Doch hier wars mit dem Teppich sicher ein PR Gag, auch um einen leiseren Eindruck zu erzeugen. In Washington DC auch nett der kostenlose Shuttleservice im Falle von defekten Aufzügen :) "To arrange for free shuttle service in the event of an elevator outage, call 202-962-182" (https://wmata.com/service/accessibility/metrorail.cfm)
    Erstaunlich zudem die - im Berliner ÖPNV unbekannte - Baugeschwindigkeit, so werden innerhalb von drei Monaten sechs Bahnsteige auf einer Linie komplett neu gebaut; mit einer Verkürzung der Bauzeit um bis zu 94% durch effektive Planung ;) (https://wmata.com/service/rail/PlatformProject/Project-Details.cfm)
    Selbst die Hausordnung wird durch eine eigene Polizei durchgesetzt: "Don't: Eat, drink, smoke.... ;)

  7. 1.

    Sehe ich da Teppich auf dem Boden der S-Bahn? Den bekommt man doch nie sauber.

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