Herbert Diess (l), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Pkw, und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Volkswagen AG, nehmen an der Volkswagen-Hauptversammlung teil. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Video: rbb24 | 14.05.2019 | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Klimawandel dominiert Hauptversammlung in Berlin - Kritische VW-Aktionäre wollen keine SUV-Produktion mehr

Vor vier Jahren wurde der Dieselabgas-Skandal bei VW aufgedeckt, seitdem kommt das Unternehmen nicht zur Ruhe. In Berlin lädt am Dienstag der Konzern zur Hauptversammlung, dabei muss der Vorstand mit heftigem Widerstand rechnen.

Bei der Hauptversammlung von VW in Berlin will der Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre am Dienstag den Antrag stellen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten*. Im rbb sagte Jens Hilgenberg, Vorstandsmitglied der Kritischen Aktionäre, das habe verschiedene Gründe. Es gehe dabei um die Frage, "welche Autos in Zukunft gebaut werden sollen, aber natürlich auch die ganzen Nachwehen des Dieselabgas-Skandals. Da muss man ganz klar sagen, da sind wir noch lange nicht durch."

In Sachen Elektro-Autos setze VW zu sehr auf große und zu schwere Autos, so Hilgenberg:  "Es ist ein Trugschluss zu denken, dass man mit immer größeren, schwereren, vor allem SUVs die Herausforderungen des Klimawandels, aber auch der Ressourcenknappheit bewältigen kann."

"Es ist ein Trugschluss zu denken, dass man mit immer größeren, schwereren, vor allem SUVs die Herausforderungen des Klimawandels, aber auch der Ressourcenknappheit bewältigen kann."

Vorstand im Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre Jens Hilgenberg

Brandenburg will Anteil an Millliarden-Bußgeld

Der VW-Abgas-Skandal kam am 18. September 2015 ins Rollen, als Volkswagen einräumen musste, Abgaswerte mit einer illegalen Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Seitdem gab es zahlreiche Klagen und Urteile gegen den Autobauer. Im Juni 2018 erließ die Staatsanwaltschaft Braunschweig einen Bußgeldbescheid über eine Milliarde Euro gegen Volkswagen. VW akzeptierte die Geldbuße. 

Das Geld soll dem Land Niedersachsen zu Gute kommen, was in Brandenburg und auch in anderen Bundesländern kritisiert wurde. Rund 30 Millionen Euro würden seinem Land nach Einwohnerzahl gerechnet zustehen, sagte Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Die Linke) im Juni 2018 dem "Tagesspiegel". Der Dieselskandal bei VW habe der gesamten Bevölkerung, egal ob VW-Dieselfahrer oder nicht, gesundheitliche Schäden zugemutet und die Umwelt in allen Bundesländern belastet, so Görke. "Daher wäre es fair, wenn die Strafzahlungen allen Landeshaushalten zufließen", forderte er.

Berlins Finanzsenator Mathias Kollatz (SPD) äußerte sich damals zurückhaltender. Die Folgen der Verschmutzung und auch deren Vermeidung müssten jetzt angegangen werden, "sollte das national gelingen, freuen wir uns", so Kollatz damals.

Fahrverbote in Berlin angeordnet

Der Dieselskandal hat auch in Berlin zu grundsätzlichen Überlegungen über die Umweltschäden durch Dieselmotoren geführt. Die Hauptstadt ist stark betroffen von der durch Dieselabgase verursachten Stickoxidbelastung, vielerorts werden die zulässigen Grenzwerte überschritten. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte daher im Oktober 2018 entschieden, dass im Juli 2019 auf acht Straßen ein Fahrverbot für Diesel eingeführt werden muss.

An insgesamt rund 60 weiteren Straßen müssten Fahrverbote geprüft werden. Betroffen sind die Leipziger Straße, die Reinhardtstraße, die Brückenstraße, die Friedrichstraße, der Kapweg, Alt-Moabit, die Stromstraße und die Leonorenstraße.

Die Richter legten überdies fest, dass das Fahrverbot an den acht Straßen nicht nur für Diesel-Pkw bis hoch zur Euronorm 5 gelten muss, auch Diesel-Lkw bis einschließlich Euro 5 müssen dort ausgesperrt werden - sonst seien die Grenzwerte an diesen hochbelasteteten Straßen nicht einzuhalten.

Sendung: Inforadio, 14.05.2019, 7:05 Uhr

*Was bedeutet Entlastung?

Das wichtigste Organ einer Aktiengesellschaft ist neben Vorstand und Aufsichtsrat die Hauptversammlung. Sie stellt die Mitgliederversammlung der Eigentümer (Aktionäre) dar. Zu ihren Aufgaben zählt unter anderem die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Damit ist gemeint, dass die Hauptversammlung nachträglich akzeptiert - oder nicht akzeptiert -, wie der Vorstand und Aufsichtsrat das Unternehmen geführt haben. Verweigert sie die Entlastung jedoch, kann sie den Aufsichtsrat fristlos kündigen und den Vorstand absetzen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

20 Kommentare

  1. 20.

    Schön, wunderbare Idee.
    Die VW/Audi/Porsche-Waldweg-Kombis sind sowieso alle hässlich. Von der Silhouette sehen sie aus wie eineiige Zwilling um Produktionskosten zu sparen. von teuer bis günstig, alle gleich, VW hat es nicht geschafft.
    Und im Pickup-Segment war der Taro war damals sogar nur Lizenzbau, also bleibt ein Monster, der Amarok der nicht genug Zugkraft, wie die der etlichen Konkurrenten hat. Verkackt.

  2. 18.

    Das Volk verlangte nach Autos für Senioren und Versehrte. Also bot Volkswagen nach fast allen anderen Konzernen auch solche Fahrzeuge an. Wer möchte, kann auch einen Citigo bekommen, löst damit aber bestimmt keine pawlowschen Neidreflexe aus.

  3. 17.

    Guter Kommentar. Lege dich nie mit Müttern an, die Kleinkinder haben. SUVs gehören verbannt aus der Innenstadt. Besonders diese Protzmodelle von Porsche z.B.

  4. 16.

    Mutti fährt diese Kisten, weil da das Kind besser geschützt ist. Haben mir mehrere Mütter als Begründung genannt.... Legen Sie sich nie mit Müttern an ;-)

  5. 15.

    Wenn SUV´s mit einer Steuer von 5000€ bei "innerstädtischer Haltung" belegt würden, wären SUV´s doch eine geile Einnahmequelle des Bundes. Aber jeder hirnverbrannte Depp fährt eine solche Kiste, die in Großstädten so nutzlos sind, wie Furunkel am Allerwertesten.
    Wozu muss eine Mutti ihre lieben Kleinen jeden Tag 1,5 km mit einem Q7 zur Kita fahren? Völlig bekloppt, was ich jeden Tag in meiner Nachbarschaft sehen muss....für andere nutzlose Fahrten in der Stadt wird dieser Hobel nicht benutzt. Diese Statussymbole sollten endlich mit einer entsprechende Steuer belegt werden.

  6. 14.

    Die Überschrift soll vermutlich polarisieren und das entsprechende Klientel befriedigen. Leider hat auch der rbb ab und an Boulevardniveau....

  7. 13.

    Mal ehrlich: da ist rbb24 etwas zu weit mit ihrer Überschrift "VW-Aktionäre wollen keine SUV-Produktion mehr" vorgeprescht. Ich kann eine solche Aussage im Artikel nicht finden. Einzig Herr Hilgenberg äußert sich mit "Es ist ein Trugschluss zu denken, dass man mit immer größeren, schwereren, vor allem SUVs die Herausforderungen des Klimawandels, aber auch der Ressourcenknappheit bewältigen kann." Nun, daraus lese ich nicht, dass "VW-Aktionäre wollen keine SUV-Produktion mehr" wollen. Hier hat doch eher nur einer seine Meinung gesagt und nur weil er "Vorstand im Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre" ist, spricht er dann für Alle?

  8. 12.

    "VW-Aktionäre wollen keine SUV-Produktion mehr "
    Was für eine verallgemeinernde und unrichtige Überschrift !

  9. 11.

    Sorry, was die krischen Aktionäre mit ihren 0,1% sagen ist für VW ungefähr so interessant wie was die MLPD zur Politik der Bundeskanzlerin sagt. Mehrheitsbestimmend sind 3 Gruppen

    a) das Emirat Katar, hier die Herrscherfamilie al Thani
    b) die Porschedynastie, hier die Familien Porsche und Piëch
    c) das Land Niedersachsen

    Die Araber haben Öl und Ölmilliarden, die Porsches haben die technisch Versierten und die Aktienmehrheit (wenn auch nur knapp)und das Land Niedersachsen hat die Standorte Hannover und das Stammwerk in Wolfsburg

    Dementsprechend stimmen sie ab, üblicherweise gemeinsam.

    Sie haben sich darauf verständigt einen Vorstand, gegen den gerade ein Strafverfahren in Sachen Dieselskandal läuft (Herrn Stadler, Ex-AUDI-Chef), nicht zu entlasten und diese Entscheidung zu vertagen. Alle anderen Mitglieder, inclusive die Porsches und Piëchs, ebenso die Spitzenpolitiker aus Niedersachsen (der Finanzminister sitzt traditionell im Aufsichtsrat)wurden sämtlichst entlastet

  10. 10.

    Das "technische Problem" mit der Lambda-Sonde der Firma mit dem 17° C-Thermofenster führt allerdings zu einem erhöhten NOx-Ausstoß bei Benzinern und soll durch ein Software-Update (!) behoben werden.

    Bekanntlich gibt es für Benziner ebenfalls einen NOx-Grenzwert. Auch beim Feinstaub droht ohne Partikelfilter Ungemach.

  11. 9.

    Und für die Wasserstofftechnologie müssen keine Ladestationen gebaut werden -jede Tankstelle kann bei steigendem Bedarf umgerüstet werden!

  12. 8.

    Sie meinen sicherlich willkürlich und ohne wissenschaftliche Grundlage viel zu hoch angesetzt? Effekte sieht man ja schon ab 10 Mikrogramm [z.B. 1,2], der Grenzwert ist willkürlich auf 40 gesetzt.

    [1] https://ehp.niehs.nih.gov/doi/10.1289/ehp.1409276
    [2] https://ehp.niehs.nih.gov/doi/10.1289/ehp.1408254

  13. 7.

    Die sollen sich mal um die vielen VW-Kunden kümmern, die von einem Fahrverbot betroffen sind.

  14. 5.

    Tja, solange Rendite winkt, wird immer das Fähnchen in den Wind gehalten - und jetzt? Aha......
    Aber dieser E-Wahn ist auch falsch - Wasserstoff-Fahrzeuge mit Brennstoffzellen sollten gefördert werden, denn dieser Grundstoff wäre sogar mittels Solarzellen und Windkraft zu erzeugen - das ist zwar bekannt - aber die Rendite........
    Dann lieber Menschen und die Erde weiter ausbeuten - nur für die scheiß Akkus......
    Die Ärzte und Steven Hawkins haben Recht: lasst uns Aussterben gehen.....

  15. 4.

    „vielerorts werden die zulässigen Grenzwerte überschritten.“ —-> Gemeint sind sicher die von der EU willkürlich festgelegten, weil wissenschaftlich unbegründeten Grenzwerte.

  16. 3.

    Schlaue Aktionäre? Das man den Tag noch miterleben darf!

  17. 2.

    Opel ruft die Fahrzeuge zurück, weil es ein technisches Problem gibt und nicht weil eine Schummelsoftware installiert ist. Warum haben sie die Information weg gelassen, bzw. was wollen sie damit suggerieren? Benziner haben keine überhöhten NOx Werte.

  18. 1.

    Aktuell läuft bei Opel ein Rückruf, weil Benziner (!) zu viel NOx emittieren.

    Den kleinen E-Up samt geplanter Ableger anderer Konzernmarken und den E-Golf scheinen einige ebenso wenig zu kennen wie den ID.3.

Das könnte Sie auch interessieren