Ein Mann legt eine Banananschale in eine Biotonne (Quelle: dpa/Silvia Marks)
Bild: dpa/Silvia Marks

Kampagne der Berliner Senatsverwaltung - Nachbarn sollen Nachbarn für Biotonne werben

Nach dem Willen des Berliner Senats soll jedes Haus eine Biotonne haben, seit April ist sie flächendeckend Pflicht. Um auch diejenigen für eine Biotonne zu erwärmen, die selbst kompostieren, sollen nun Bürger ihre Nachbarn für den Gebrauch werben. Dies geht aus einer Mitteilung der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt vom Wochenende hervor.

Biotonne ist auch für Selbstkompostierer sinnvoll

Wer andere überzeugt, soll belohnt werden. "Wer jemanden aus seinem Familien- oder Freundeskreis für den Einsatz einer Biotonne gewinnt, erhält als Prämie einen praktischen und formschönen Küchen-Sammelbehälter für Bioabfälle", heißt es.

Wie Dorothee Winden, Sprecherin der Senatsumweltverwaltung, sagt, ist eine Biotonne auch für Selbstkompostierer sinnvoll - denn ein durchschnittlicher Haushalt produziere mehr Biomüll, als die eigenen Grünflächen an Dünger vertragen. Bundesweit ist die Biotonne schon seit 2015 Pflicht und müsste laut Kreislaufwirtschaftsgesetz eigentlich an jedem Haus stehen. Doch in Berlin ist die Biotonne vor allem in den Randbezirken selten im Einsatz.

Berlin verfehlt Bundesziel

Nun will der Senat auch für Selbstkompostierer Anreize schaffen, damit diese ihren Restmüll weiter verringern. Die Kampagne "Nachbarn werben Nachbarn" ist Teil einer Initiative des Senats für eine Trennung des Biomülls vom Restmüll. Der gesammelte Biomüll soll vor allem zur Gewinnung von Biogas eingesetzt werden. Das hatte die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Freitag in der "Berliner Morgenpost" angekündigt.

Ein Küchenbehälter (Foto: SenUVK)
Ein Küchenbehälter als PrämieBild: SenUVK

Müllgebühr könnte steigen

Andere für den Senat denkbare Anreize wären, die Biotonne kostenlos bereitzustellen oder die Restmülltonne seltener zu leeren. Zur Finanzierung der Biotonne könnte etwa der Ökotarif - also die Müllgebühr - von derzeit 6,39 Euro pro Quartal steigen - allerdings nur moderat, sagte Pop.

Die Reaktionen vor allem zur Finanzierung der Biotonne fallen gegensätzlich aus. So sprach sich der umweltpolitische Sprecher der CDU, Danny Freymark, am Freitag gegen eine steigende Müllgebühr aus. Georg Kössler von den Grünen plädierte für eine kostenlose Biotonne.

Sendung: Abendschau, 06.05.2019, 19.30 Uhr

In einer früheren Version des Textes hieß es, der Senat wolle im kommenden Jahr eine Biotonne für jedes Haus in Berlin haben. Wir haben das korrigiert: In Berlin ist die Biotonne flächendeckend bereits seit 1. April 2019 verpflichtend. Somit sollen diejenigen für eine Biotonne geworben werden, die selbst kompostieren und von der Biotonnen-Pflicht ausgenommen sind. Zudem hatten wir geschrieben, Frank Scholtysek von der AfD sei für eine Pflicht zur Biotonne. Dies ist nicht der Fall. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

6 Kommentare

  1. 6.

    Mein Kommentar:
    Für mich hat die "Obrigkeit" vollkommen den Bezug zum realen Leben verloren. Man hat konfuse Ideen, um dem Bürger das Geld zu nehmen. Und nur darum geht es. Die Großkonzerne und deren evtl. im Aufsichtsrat befindlichen Parteien, sollen sich mit der Überdüngung des Bodens beschäftigen. Die Wasserwerke schlagen Alarm wegen der Schadstoffe im Wasser. Seit wann entsteht reines Wasser, durch Preiserhöhung. Dann werden die Bürger weiterhin den Wasserverbrauch drosseln, um auf dem zu zahlenden Preis zu bleiben. Lernt den niemand da "oben"? Alles eine Frage des Geldes und der Geldvermehrung der entsprechenden Institutionen. Einfach nur schlimm. Den Verantwortlichen geht es meiner Meinung nach nicht um die Umwelt, sondern um Profit. Da soll man bei Biotonnenwerbung ein kleines Mülltönnchen erhalten, welcher Gedankenblitz ist das denn? Viel Erfolg weiterhin bei der Ideenfindung.

  2. 5.

    Ich werde die Bio-Tonne ganz sicher nicht nutzen. Wie lange soll ich als Einzelperson, die nicht jeden Tag kocht, warten, bis ich mein eigenes Bio-Tönnchen voll habe? Bis die Maden kommen?
    Einzeln zur Bio-Tonne bringen? Ja sicher, ich turne aus der 17. Etage ständig mit meinem Mini-Biomüll runter. Oder auch nicht.

    Bei uns stehen die Bio-Tonnen auf dem Hof, sind (bei über 200 Mietwohnungen) seltenst ganz gefüllt, aber stinken gewaltig. Wenn ich Tiernähe suche, dann gehe ich in den Zoo oder Tierpark.

  3. 4.

    Natürlich will der Senat / die BSR an den Bio-Müll der Selbstkompostierer heran. Das ist doch der perfekte und billigste Rohstoff zur Biogasgewinnung. Einen saubereren Bio-Müll wird man wohl sonst nirgends in der Stadt bekommen, denn wer selbst kompostiert, trennt ordentlich - auf dem Kompost landet nur, was dort auch hingehört. Schon seltsam das Anreizsystem des Senats / der BSR. Anstatt den Biomüll-Spendern eine Vergütung für den Rohstoff zu zahlen, will man Gebühren für die Abholung haben und ein hässliche Tonne sollen wir uns auch noch in den Vorgarten stellen. Da scheut man auch nicht davor zurück, irgendwelche Märchen von Überdungung zu erfinden - tja auch für die Grünen ist Business eben nur Business, wenn man damit Geld machen kann.

  4. 3.

    Wir haben seit mind. 10 Jahren eine Bio Tonne. Mehrfamilienhaus mit 6 Wohnungen. Das Ding wird max. bis zur Hälfte voll....Besonders im Sommer mag niemand das Ding benutzen. Einfach eklig, wenn man den Deckel anhebt. Bei uns landen meistens nur Pflanzenabfälle darin. Immer im Hebst, wenn die Balkone aufgeräumt werden.

  5. 2.

    Zitat:"...oder die Restmülltonne seltener zu leeren."

    Das wäre toll, wenn es dann auch günstiger wäre.
    Seit April 2019 könnte ich mich alle 14 Tage mit einem 500g-Joghurtbecher an's Gartentor stellen und um Kleinstentleerung bitten.

    Alternativ wäre es auch klasse, wenn die Restmülltonne freiwillig bestellt werden könnte, mit der Möglichkeit, den wenigen Restmüll auf einem der Recycling-Höfe abzugeben.

  6. 1.

    Ich kompostiere seit Jahren meinen Bioabfall selber. Warum soll ich also für eine Biotonne bezahlen und dann auch noch den kompostierten Mutterboden teuer kaufen? Selten so einen Blödsinn gehört.

Das könnte Sie auch interessieren