Symbolbild: eine Mitarbeiterin im Finanzamt (Quelle: dpa/Keystone/Jochen Zick)
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Lohnunterschiede - Frauen verdienen in Cottbus und Frankfurt mehr als Männer

Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen in Cottbus und Frankfurt (Oder) mehr als Männer in vergleichbarten Arbeitsverhältnissen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung zum Gender-Pay-Gap. Das macht die Städte zur Ausnahme in Deutschland.

Cottbus und Frankfurt gehören zu vier Landkreisen in Ostdeutschland, in denen Frauen mehr verdienen als Männer. Das geht aus einer neuen Untersuchung hervor, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Demnach haben in Cottbus vollzeitbeschäftigte Frauen ein rund vier Prozent höheres Einkommen als vollzeitbeschäftigte Männer. Auch in Frankfurt an der Oder liegen sie im Schnitt mit ihren Bezügen vor den Männern.

Im bundesweiten Durchschnitt erhalten dagegen in Vollzeit tätige Männer rund 21 Prozent mehr Lohn oder Gehalt, wie die Autoren betonen - der höchste Wert innerhalb der EU. Unterschiede bei Qualifikation, Berufswahl und Arbeitserfahrung seien bei dieser sogenannten unbereinigten Lohnlücke allerdings nicht berücksichtigt.

Männer sind in Cottbus häufig als Zeitarbeiter beschäftigt

Frauen unterbrechen wesentlich häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit für Kindererziehung und Familienphasen. "Als Folge müssen Frauen einen Lohnabschlag aufgrund familienbedingter Erwerbsunterbrechungen in Kauf nehmen", heißt es in der Studie. Dazu komme, dass Frauen oft Tätigkeiten verrichten, die mit einem geringeren Verdienst und auch mit flacheren Karriereverläufen verbunden sind.

Viele dieser Faktoren seien je nach Region unterschiedlich stark ausgeprägt, betonen die Forscher des zur Bundesagentur für Arbeit gehörenden Instituts: "Es hängt sehr stark von den konkreten Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort ab, ob und wie viel Frauen weniger verdienen als Männer." Auf Kreisebene betrachtet unterscheidet sich die unbereinigte Lohnlücke daher erheblich. Im Bodenseekreis, in Ingolstadt oder im Landkreis Dingolfing-Landau verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen beispielsweise rund 40 Prozent weniger als Männer, in Cottbus dagegen vier Prozent mehr. Auch in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) und in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) verdienen Frauen laut der Untersuchung mehr als Männer.

Dass es etwa in Cottbus einen gegenläufigen Trend bei den Verdiensten von Frauen gibt, hat laut Studie einen Grund: Der öffentliche Dienst bietet ihnen häufig attraktive Verdienstmöglichkeiten. Rund ein Fünftel der Frauen sind hier im Staatsdienst. Männer sind in Cottbus dagegen überdurchschnittlich häufig in der Zeitarbeitsbranche tätig. In der Industrie sind in Cottbus vergleichsweise wenige Männer beschäftigt.

Und dann ist da noch die Ost-West-Lücke

Dass der Gehaltsunterschied - der sogenannte Gender-Pay-Gap - zwischen den Geschlechtern in diesen beiden brandenburgischen Städten umgekehrt ist, bedeutet jedoch nicht, dass Arbeit in Cottbus oder Frankfurt für Frauen weitaus lukrativer ist, als im Rest der Republik.

Durchschnittliche Einkommen liegen in den östlichen Bundesländern weiterhin hinter denen im Süden und Westen [tagesschau.de]. Auch im Vergleich zu Berlin hinken die Durchschnittslöhne in Brandenburg hinterher, wie eine Analyse von rbb|24 vor Kurzem zeigte.

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4 Kommentare

  1. 4.

    Mit oder ohne ungeschriebene arbeitnehmerische Zusatzleistungen? - In diesem moralisch derart verkommenen Deutschland halte ich das Verschweigen von wesentlichen Fakten durchaus für möglich.

  2. 3.

    Der beste Weg, Gleichberechtigung bei den Löhnen zu erzielen, ist die Bezahlung nach Tarif. Dann gibt es erheblich weniger Möglichkeiten für Ungerechtigkeiten. Aber die Flucht der Unternehmen, auch großer, sehr großer und kommunaler, aus den Flächentarifverträgen, ermöglicht erst diese Ungerechtigkeiten. Und das ist auch der Hauptgrund für den Lohnunterschied zwischen Ost und West: die Bezahlung unter Tarif.

  3. 2.

    Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Dieses simple Prinzip ist bei den Unternehmen dank unserer Politik nicht angekommen.
    Die Quoten, wer wieviel, mehr, weniger, ist für unsere sogenannte moderne Gesellschaft nicht existent. Es geht lediglich um Maximieren der Einnahmen, das Personal bleibt zurück.
    Aber davon abgesehen, das Frauen mehr verdienen als Männer mag für den einen oder anderen ein Erfolg sein, ich finde es schlimm, dass es dieses Thema überhaupt geben muss. Dieses überkandidelte Gendern geht einem auf den Zeiger, anstatt alles für normal zu halten wird immer noch ein Hype drum gemacht.
    Ich arbeite in einer Behörde mit fast 75%Frauenanteil und ärgere mich, dass es noch eine Frauenbeauftragte dort geben muss. Weil das Gesetz es vorschreibt! Welch Anachronismus.

  4. 1.

    Die Gleichberechtigung kommt kaum voran.
    Die Ost-West-Lücke endet wohl nie.

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