Bauarbeiten im Olympischen Dorf in Elstal (Quelle: dpa/Settnik)
Video: Brandenburg aktuell | 24.05.2019 | Ludger Smolka | Bild: ZB/Settnik

Erster Bauabschnitt beginnt - Das Olympische Dorf erwacht aus seinem Dornröschenschlaf

Ein Großbauvorhaben nimmt Gestalt an: In Elstal, wo 1936 das Olympische Dorf errichtet wurde, enstehen zur Zeit auf 55 Hektar Fläche Häuser und Wohnungen für bis zu 3.000 Menschen. Am Freitag wurde der erste von drei Bauabschnitten eingeweiht. Von Lisa Steger

Der Putz im "Speisehaus der Nationen" ist in großen Flecken von der Decke gefallen. Von den raumhohen Fensterrahmen, die die Wände säumen, ist der Lack abgeplatzt. Wo 1936 rund 3.600 Athleten und Betreuer verköstigt wurden, sollen in zwei Jahren Menschen wohnen; der Saal wird dafür unterteilt. 

Claus Soyka ist im Olympischen Dorf großgeworden. Sein Vater war hier Sanitäter. Dass das Dorf wiederbelebt wird, findet er gut. "Das ist ja ein riesengroßes Areal, und das lag tot", erzählt der 85-Jährige. Die Bausubstanz sei immer mehr verfallen.

Nicht alle sind begeistert

Rundherum stehen inzwischen Rohbauten von Mehrfamilienhäusern - für Wohnungen zwischen 45 und 100 Quadratmetern. Die Straße ist schon asphaltiert. Zwischen den Häusern: Steppe. Die Mieter der Neubauten sollen im nächsten Jahr einziehen. Das Speisehaus soll ein Jahr später fertig sein.

Vor dem Areal demonstrieren allerdings, angeführt von der linken Landtagsabgeordneten Andrea Johlige, zehn Anwohner. "Wir wollen einfach zeigen, dass wir das nicht okay finden, dass hier sehr große Immobiliengesellschaften anfangen, diese schöne Wohngegend zu zerstören", sagt einer der Demonstranten. Eine Frau ergänzt, sie sei vor 16 Jahren hierhergezogen, weil es so schön ruhig war. "Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich auch im Wedding wohnen bleiben können."

Bürgermeister nennt Ängste unbegründet

In der Tat sind die geplanten Wohnungen nicht ganz billig: Von zehn bis 12 Euro Kaltmiete spricht der Investor, Eigentumswohnungen sollen mindestens 4.500 Euro pro Quadratmeter kosten. Wustermarks parteiloser Bürgermeister Holger Schreiber ärgert sich jedoch über den Protest. "Es geht hier nicht um Luxus-Wohnen", sagt Schreiber. Es gehe um einen breiten Mix von der Seniorenwohnung bis hin zu hochpreisigen Wohnungen. Jeder Wustermarker solle dort wohnen können, beteuert der Bürgermeister. Die Ängste nennt er unbegründet.

Günstigere Wohnungen im zweiten Bauabschnitt

Einziehen sollen auch eine Demenz-WG und eine Alterstagepflege. Und im zweiten Bauabschnitt soll es auch günstigere Wohnungen geben, sagt Stefanie Egenberger, Sprecherin des Investors Terraplan. Die meisten Wohnungen seien schon verkauft - zu 80 Prozent an Kapitalanleger. Das seien vorwiegend private Geldanleger, die die Wohnung dann vermieten möchten, so die Sprecherin.

Sechs Jahre haben die Planungen gedauert. Es gab Streit mit dem Denkmalschutz, doch der ist beigelegt. Zur Einweihung des ersten Bauabschnitts sind rund 20 Anwohner mit Fotoapparaten angerückt. "Das ist ein Areal, das man nutzen und nicht nur als Denkmal dahin vegetieren lassen sollte", meint einer. "Also ich finde das schön."

Sendung: Inforadio, 24.05.2019, 18.00 Uhr

Beitrag von Lisa Steger

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    ANstelle sich über die Wohnungen auf zu regen, ist es nur sinnvoll aktuell neue Wohnungen zu bauen udn somit den Immobilienmarkt in Berlin zu entspannen.

  2. 13.

    Ich würde das auch "spannend" und "beachtlich"! finden wenn ich Rentner wäre.
    Da ja nicht, sehe in jedem der nach Berlin möchte als überflüssigen Ballast.
    In Berlin arbeiten und in Brb Steuern zahlen, ganz großartig, vielleicht sollte Brb mal die Kohle für die Infrastruktur rüberwachsen lassen, wenn wir 75% der Brandenburger beschäftigen und hineinlassen.
    "Umwelt- und Denkmalverträglich" - wozu wenn man da irgendeinen Käse reinbaut, "Olympisches Dorf" stimmt doch gar nicht mehr.

  3. 12.

    Dann sollte dieses "Dorf" aber auch einen richtigen (!) Bahnanschluss bekommen, ich sehe nur noch mehr Stau auf der Heerstr. die einem auf den geist gehen. Besser noch die Arbeitsplätze dort hin verlagern...

  4. 11.

    Es ist schon spannend wie so ein Bericht je nach Schnitt und Kommentar den Inhalt übermittelt. Mit einer Demo von "10" Menschen beginnen, und die "Hochpreisigkeit" der Wohnungen anprangern, um dann im Bericht nebenbei auch zu erwähnen, dass dort nicht unerheblich Wohnraum zu 6-7 Euro der qm entsteht. Egal was in diesem Land angefangen wird, erst mal wird das Negative in den Vordergrund gestellt. Schade.
    Positiv würde das Projekt wohl nur aufgenommen werden, wenn dort auf höchstem Niveau gebaut wird und das zu 5 Euro Kaltmiete. Natürlich "Umwelt- und Denkmalverträglich".
    Ich persönlich finde es beachtlich was dort gebaut wird. Was ist die Alternative? Es verfallen lassen und vergessen.

  5. 10.

    Die genannten Kaltmieten sind völlig i.O. Neubau, Erstbezug, Küche, normale Preise... wenn man als Familie einzieht. Jemand alleine hätte evtl. sein halbes Einkommen (Tariflohn, Vollzeit) zu zahlen.

  6. 9.

    Ist doch mal ein gutes Beispiel wie die Restaurierung geschützter Bausubstanz und der Neubau von vielen Wohnungen im mittleren Preissegment funktioniert. Meckerheinis gibt es immer wieder die meinen, es sollte alles im seinem persönlichen Umfeld schön ruhig bleiben. Ist aber im Speckgürtel überall so. Die Linken führen schüren solche Ressentiments auch noch.

  7. 8.

    Gut dass dort auch Seniorenwohnungen entstehen. Jetzt wissen die vielen Senioren aus dem Osten wo sie wohnen bzw. wohin sie umziehen können. Die durchschnittliche Netto-Rente betrug 2016 993 Euro (Männer) bzw. 532 Euro (Frauen) in den neuen Bundesländern (Quelle: Deutsche Rentenversicherung).

  8. 7.

    Für die zukünftigen Bewohner scheint es wohl egal zu sein, aus welcher Zeit das Olympische Dorf ist?

  9. 6.

    Als Bürger von Elstal empfinde ich Herrn Schreibers Äußerung über "unbegründete Ängste" als empörend weltfremd, verlogen und realitätsfern, wo er doch gerade erst Verkäufe von Ortssiedlungen an Miethai-Firmen wie "Deutsche Wohnen" und Vonovia" ohne Einbeziehung des Ortsbeirates auf den Weg gebracht hat. Zumindest erscheint er ehrlicher mit seinen wohl kürzlich gemachten Äußerungen, daß er sich keine alten und armen Bewohner wünscht. Alle lokalen Parteien haben sich als eines der Hauptziele ins Programm geschrieben, bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Die Realität sieht aber anders aus->geplante Kaltmieten von 10 Euro sind Wucher und nicht sozialverträglich. Hier wird wie immer schlechtes gut geredet. Falsche Wahlversprechen sind eklatant. Einen Bürgermeister, der Elstaler Bürger vertreibt und unsozial handelt, brauchen wir hier nicht !!! Sonntag ist Wahl, die Stimme der Bürger kann sich niemand erkaufen, auch nicht einklagen. Politik an den Bürgern vorbei ist Egoismus,

  10. 5.

    Die Warmmiete liegt dann etwa bei 13 - 17 Euro pro Quadratmeter. 15 Euro x 70 qm = 1.050 Euro. Im Bundesland Brandenburg gibt es sehr viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die deutlich unter 2.000 Euro netto im Monat verdienen. Wir sind hier im Tarifgebiet Ost; wenn es überhaupt noch Tariflöhne oder Tarifgehälter gibt. Die Kaufkraft der realen Nettoeinkommen ist in den letzten Jahren bei immer mehr Arbeitnehmern stagniert. Wir haben zuden sehr viele Alleinstehende. Für diesen großen Personenkreis sind die Wohnungen unerschwinglich. Für immer mehr Menschen bzw. Arbeitnehmer heißt es: Leben um zu Arbeiten und zu Wohnen.

  11. 4.

    Als Berliner müßte ich froh sein, dass die Zugereisten ihr Ererbtes von Omas Haus nicht dafür einsetzen, um Kreuzberg noch mehr zu gentrifizieren und uns mit ihrer gewagten Kombi aus veganen Turnschuhen, Fjällraven Rucksack, aber mit SUV zur LPG fahren, erstaunen. Aber: Mir tun die armen Brandenburger leid, die dann dieser amorphen, globalisierten, gleichgeschalteten Langweilermasse ausgesetzt sind. Aber in Addis Speisesaal wohnen muss man auch mögen...

  12. 3.

    Wie kann man nur am Stadtrand bauen, so dass die Straßen nach Berlin noch voller werden.

  13. 2.

    Und welche Strasse, soll das Verkehrsaufkommen anschließend aufnehmen ? Noch mehr Staus nach Berlin ?

  14. 1.

    spekulationsobjekte bei dem preis. wer wird dort wohnen? normalos bestimmt nicht.

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