Zentrale der Azoty Group im polnischen Tarnow (Bild: imago/Beata Zawrzel)
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Audio: Inforadio | 14.05.2019 | Dominik Lenz | Bild: imago/Beata Zawrzel

Vorreiter in Eberswalde und Guben - Brandenburg wirbt um stärkere polnische Investitionen

Laut Wirtschaftsministerium investieren 24 größere polnische Firmen in Brandenburg. Ginge es nach Minister Steinbach, sollten es deutlich mehr sein. Doch die Hürden und Vorurteile sind auch im vereinten Europa immer noch groß. Von Dominik Lenz

Es sei eine Win-Win-Situation gewesen, als sein Mutterkonzern vor drei Jahren 100 Arbeitsplätze in der Stadt rettete, sagt Roman Sadowski. Der Pole ist Geschäftsführer der Eberswalder Großwäscherei Targatz. Damals ging das Traditionsunternehmen pleite, gleichzeitig aber wollte die polnische Finanzgruppe Hollywood mit ihrer Industriewäscherei nach Deutschland expandieren und bekam den Zuschlag. Nun wird weiter Wäsche für Krankenhäuser, Pflegeheime und Hotels in Eberswalde gewaschen.

Roman Sadowski, Vorstandsvorsitzender Targatz GmbH Eberswalde. (Quelle: rbb/D. Lenz)
Roman Sadowski | Bild: rbb/D. Lenz

Fremdenfeindlichkeit schreckt ab

Seit August 2016 ist Sadowski nach eigener Aussage beruflich und privat glücklich in Eberswalde, doch die Angst sei groß gewesen, dass ihm nicht über den Weg getraut werden könnte: "Jeder Pole hat Angst davor, dass sich die Deutschen als etwas Besseres sehen könnten", sagt er. Solche Feindbilder würden gerade unter der derzeitigen PIS-Regierung wieder geschürt, sagt Sadowski. Außerdem habe er in den polnischen Medien viel von ostdeutscher Fremdenfeindlichkeit gehört und gelesen - doch er sei mit offenen Armen empfangen worden.

Auch der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) erzählte von solchen Sorgen und Vorbehalten, als er vor wenigen Wochen nach Warschau reiste, um für mehr polnische Investitionen in der Mark zu werben. 24 größere Investoren aus dem Nachbarland gibt es bereits in Brandenburg. Steinbach hätte gern mehr davon, schließlich brummt die polnische Wirtschaft seit Jahren.

Keine Vorbehalte gegen polnische Übernahme

Auch in Guben, direkt an der Grenze, hat ein polnischer Investor ein deutsches Unternehmen aufgekauft und damit Arbeitsplätze für die Region erhalten. Auch den von Betriebsleiter Robert Bednarek, der nach dem Studium in Cottbus froh ist, in seiner Heimatstadt Arbeit gefunden zu haben. Wo früher das Chemiefaserwerk Guben produzierte, stellt Polens größter Chemiekonzern, die Grupa Azoty, jetzt Konstruktionskunststoff vor allem für die Autoindustrie her.

Die Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern in Tarnow funktioniere gut, nur in der Mentalität gebe es kleine Unterschiede, sagt Bednarek. So würden sich die polnischen Kollegen oft nicht trauen, etwas gegen ihre Vorgesetzten zu sagen. Vorbehalte gegen die polnische Übernahme habe es aber keine gegeben, auch nicht bei den Kollegen, die schon seit Jahrzehnten in dem Betrieb arbeiten. Das Unternehmen laufe bestens, das sei das Wichtigste. 

Robert Bednarek, Betriebsleiter Grupa Auoty Guben. (Quelle: rbb/D. Lenz)
Betriebsleiter Robert Bednarek | Bild: rbb/D. Lenz

Broschüre gegen Vorurteile

Beide Unternehmer, Robert Bednarek und Roman Sadowski, sehen die deutsch-polnische Wirtschaftszusammenarbeit als selbstverständlich, aber auch als ausbaufähig an. So sprechen laut Sadowski immer noch viel zu wenige Deutsche polnisch und Polen deutsch, der Schlüssel für jede Zusammenarbeit. Sadowski beklagt zudem, dass er bei seinen ersten Schritten als Unternehmer in Deutschland allein gelassen worden sei im Kampf gegen die deutsche Bürokratie. Da hätte er sich von der brandenburgischen Landesregierung mehr Unterstützung gewünscht, die übrigens zeitgleich mit großem Einsatz um den Erhalt des Bahnwerks in Eberswalde kämpfte.

Jetzt will Sadowski gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium in Potsdam ein Informationsblatt erarbeiten für deutsche und polnische Unternehmer, um vor Fallstricken zu warnen und beim Überwinden von Hürden auf der jeweils anderen Seite zu helfen. Nicht zuletzt will er damit aber auch Vorurteile abbauen.

Beitrag von Dominik Lenz

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1 Kommentar

  1. 1.

    Bitte mehr davon. Wenn privates polnisches Geld risikovoll eingesetzt wird, haben die brandenburgischen Verwaltungen gefälligst zu helfen. Diese sind bis jetzt durch fehlerhafte Fördermittelanträge und "versenkte" Großprojekte aufgefallen, weil SPD geführt. Der rot/grüne Slogan "verteilen statt schaffen" muss abgewählt werden, damit Brandenburg von den hinteren Plätzen wegkommt.
    Die o.g. Broschüre gegen Vorurteile kann helfen, wenn wir hier über einzelne Thesen diskutieren/streiten können.

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