Die Fassade der Siemens-Niederlassung in der Berliner Siemensstadt am Abend. Quelle: dpa/Ingo Kuzia
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Konzernumbau geplant - 6.000 Siemens-Mitarbeiter in Berlin von Abspaltung betroffen

Siemens will seine kriselnde Sparte "Gas und Power" abspalten und an die Börse bringen. In Berlin sind vor allem das Gasturbinenwerk und Teile des Schaltwerks mit mehreren tausend Beschäftigten betroffen. Eine Abspaltung sei besser als ein Verkauf, sagt die IG Metall.

In Berlin ist rund die Hälfte der Siemens-Mitarbeiter von den Abspaltungsplänen des Konzerns betroffen. Das teilte die IG Metall am Mittwoch mit. Es gehe um rund 6.000 der etwa 12.500 Siemens-Mitarbeiter in der Hauptstadt, sagte Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin.

Am Dienstagabend hatte der Konzern verkündet, dass er die kriselnde Sparte "Gas und Power" ausgliedern und bis September 2020 an die Börse bringen will. An dem neuen Unternehmen will Siemens nur etwas weniger als 50 Prozent halten. Zu den Werken, die abgespalten werden sollen, zählen in der Hauptstadt in erster Linie das Gasturbinenwerk und Teile des Schaltwerks. Bundesweit seien fast 20 Standorte mit zusammen deutlich mehr als 20.000 Beschäftigten betroffen.

Abspaltung nur unter Bedingungen

Gesamtbetriebsrat und IG Metall hatten der Abspaltung unter Bedingungen zugestimmt. So soll das neue Unternehmen etwa weiterhin in Deutschland gelistet sein, betriebsbedingte Kündigungen sind laut IG Metall ausgeschlossen. Akut in Gefahr seien die Jobs nach Einschätzung von Gewerkschafterin Dietze daher nicht.

Die rund 20.000 derzeitigen Siemens-Mitarbeiter sollen den Angaben zufolge künftig in Werken arbeiten, die dann zu einem neu entstehenden Energieunternehmen gehören. Was konkret mit den Mitarbeitern und Standorten passiert, ist aber noch völlig offen.

Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und Aufsichtsratsmitglied der Siemens AG, bewertete die Änderung laut einer Mitteilung insgesamt positiv: "Es entsteht ein Unternehmen, das trotz mancher Unwägbarkeiten insgesamt die besseren Perspektiven für die Beschäftigten bietet."

Positive Reaktionen in Erfurt und Görlitz

Auch Ilko Vehlow von der IG Metall Erfurt nannte diese Lösung in einer Mitteilung eine "deutlich bessere Option", als es der Verkauf an etwaige Mitbewerber gewesen wäre. Denn deren Ziel wäre aus seiner Sicht vermutlich eine "Marktbereinigung" gewesen, keine Steigerung der Produktionskapazitäten.

Auch Jan Otto von der IG Metall Ostsachsen, die für den Standort Görlitz zuständig ist, hob am Mittwoch hervor, dass die Kernforderungen der Arbeitnehmervertreter erfüllt worden seien. "Natürlich ist die Zukunft damit weiterhin verdammt herausfordernd." Erst im Herbst hatte Siemens den Görlitzern zugesagt, den Standort zur weltweiten Siemens-Zentrale für Industriedampfturbinen auszubauen. Konzern-Chef Joe Kaeser betonte am Mittwoch, dass die Vereinbarung auch im neuen Unternehmen weiter Bestand habe.

Solide Quartalszahlen für Siemens

Am Mittwoch, einen Tag nach der Umbau-Ankündigung, legte der Konzern solide Quartalszahlen vor. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 4 Prozent auf knapp 21 Milliarden Euro, die Auftragslage legte um rund 6 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro zu.

Erst vor Kurzem konnte sich Siemens auch einen wichtigen Teilauftrag mit einem Volumen von 700 Millionen Euro im Irak sichern. "So eine Auftragsvergabe gibt immer Hoffnung", sagte Dietze am Mittwoch. Aber: "Wir sehen seit Jahren, dass der Gaskraftstoffmarkt ein schwieriger Markt ist."

Sendung: Radioeins, 08.05.2019, 16.00 Uhr

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