Beelitzer Spargelfrauen in historischen Kostümen laufen zu einem Fototermin während der offiziellen Eröffnung der Beelitzer Spargelsaison 2019 Anfang April (Quelle: DPA/Ralf Hirschberger)
Video: Brandenburg aktuell | 05.05.2019 | Nachrichten | Bild: dpa

Brandenburg - Bauern haben bereits neun Millionen Kilo Spargel geerntet

Ein früher Saisonstart, hohe Nachfrage und genügend viele Erntehelfer: Das Ostergeschäft sei "hervorragend" gelaufen, sagen Brandenburgs Spargelbauern. Die Grünen kritisieren, dass die hohen Erträge durch den Einsatz gigantischer Mengen Plastikfolie zustande kommen.

Die Spargelbauern in Brandenburg haben in diesem Jahr schon rund neun Millionen Kilogramm des Edelgemüses geerntet. Nach Schätzungen des Beelitzer Spargelvereins sei dies mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Insgesamt sollen es 22 Millionen Kilogramm bis zum Ende der Saison werden, sagte der Vereinsvorsitzende Jürgen Jakobs am Freitag. Damit könnte die Ernte in etwa das Niveau des Vorjahres erreichen, als 22,2 Millionen Kilogramm Spargel in Brandenburg gestochen wurden.

"Das Ostergeschäft ist hervorragend gelaufen", sagte Jakobs. Auch der um zwei Wochen verfrühte Saisonstart habe zur positiven Bilanz beigetragen. Mit 3.800 Hektar Anbaufläche gehört Brandenburg zu den größten Spargelregionen Deutschlands. Allein 1.700 Hektar gehören zum Beelitzer Gebiet.

Bis zu 9.000 Erntehelfer im Einsatz

Im Vergleich zum Vorjahr standen in Brandenburg genügend Erntehelfer auf den Feldern, sagte Jakobs. Im vergangenen Jahr habe es schlechter ausgesehen. Da seien die Erntehelfer in andere Branchen abgewandert, um auf dem Bau oder als Paketzusteller zu arbeiten. Mittlerweile hätten die Leute aber erkannt, dass sie bei der Spargelernte vergleichsweise gut verdienen könnten, sagte Jakobs weiter. Früher seien viele Erntehelfer aus Polen unter den Mitarbeitern gewesen. Wegen der guten Wirtschaft in ihrem eigenen Land seien sie aber nicht mehr auf den Job auf dem Feld angewiesen. Heute komme ein Großteil der Helfer aus Rumänien.

Auf insgesamt 8.000 bis 9.000 schätzt er die Zahl der Erntehelfer in ganz Brandenburg, 5.000 davon allein in Beelitz, der größten Spargelregion im Bundesland. Auf seinen Feldern beschäftigt Jakobs rund 400 Helfer.

Grüne kritisieren intensiven Gebrauch von Plastikfolien

Die Brandenburger Grünen kritiseren, dass der höhere Ertrag auf den intensiven Gebrauch von Plastikfolien zurückzuführen ist.  Auf insgesamt 3.130 Hektar Spargelanbaufläche im Land wachse das Gemüse unter Folie, hieß es. Die Grünen-Fraktion im Brandenburger Landtag beruft sich bei dieser Zahl auf Angaben der Landesregierung bei der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage. Die Grünen fürchten Umweltschäden und fordern klare Regelungen für den Einsatz von Folie im Agrarbereich.

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Brandenburger Landtag, Benjamin Raschke, sagte: "Folien aus der Landwirtschaft tragen zur Plastikflut bei und verschlechtern den Lebensraum beispielsweise von Vögeln rund um Folienfelder, weil sie weniger Nahrung finden." Die Folienreste hingen zudem in Bäumen, blieben im Boden und würden in die Gegend geweht.

Die Landesregierung müsse endlich Klarheit verschaffen, was es bedeutet, großflächig Kunststoffe in der offenen Feldwirtschaft zu verwenden, verlangte Raschke. Zudem forderte er Regelungen zum Umgang mit Folien: "Bislang gibt es selbst für besonders geschützte Flächen wie Naturschutzgebiete und Biosphärenreservate keine spezifischen Regelungen zum Einsatz von Kunststoffen, zur Lagerung und Entsorgung der Folien und Reste."

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Gängelnde, die durch Verbote verteuern, und konsequent zu Ende gedacht den Menschen ganz abschaffen wollen, bewirken: Foliensteuer verteuert - immer höherer Mindestlohn, weil alle Zugang zu Spargel haben müssen (wirklich?) - und schon ist der rot/grüne Kreislauf in Gang gesetzt. Trotz Neid und Missgunst ist versteuerter Gewinn/Profit sozial wichtig - sonst macht es keiner und es fehlen die Mittel um Erfolglose zu subventionieren. Wir brauchen gerade in Brandenburg eine Politik, die schafft statt verteilt, also noch mehr risikobewusste Unternehmer, wenn wir endlich zu den Erfolgreichen statt zu den belächelten Letzten gehören wollen. Achtung: auch Menschen sind Natur mit ganz bestimmten Aufgaben in diesem großen Plan ;-) - das versteht jetzt nicht jeder.

  2. 12.

    Folie verbieten, sofort ! Riesensauerei, die völlig unnötig ist. Ich bezahle dann eben mehr für den Spargel, so wie es schon immer war.

  3. 11.

    Ups. Ich war mir ziemlich sicher, schon vor ein paar Tagen einen aktuellen Artikel zum angeblichen "Fachkräftemangel" auf den Spargelfeldern gelesen zu haben. Es war wohl ein anderes Bundesland. Also gut, betrachte Sie meine ersten 2 Sätze als gelöscht. Der Rest stimmt aber so.

  4. 10.

    Hervorragend, absolut zutreffend, feinste Satire. TOP!
    nachdenklich: oder doch täglich praktizierte deutsche Politik?

  5. 9.

    Da kann man ja froh sein das es zur Zeit kalt ist und der Spargel nicht zu schnell wächst denn dann müssten die Großmogule wieder reichlich Spargel unterpflügen oder als Tierfutter verwenden. Durch Geldgier und Monopolgehabe einiger Beelitzer Spargelbauern mussten ja immer mehr Flächen für das edle Gemüse kultiviert und der Intakten Natur abgerungen werden. Wenn es dann aber zu heiß wird bringt das Kilo auf dem Markt leider nur schlappe 1,50 Euro...da lohnt sich das stechen einfach nicht mehr bei den Löhnen der Erntehelfer....Ich sag mal guten Appetit ...S.Schramm

  6. 8.

    Sind die Mitglieder der "GRUENEN-KRITIK-PARTEI" auch so konsequent und kaufen bzw. essen den unter Folie gezogenen Spargel NICHT ? Ist es wirklich noetig fuer ALLES UND JEDES nach staatlicher Regulierung zu schreien? Von den GRUENEN kommt vorwiegend DESTRUKTIVES, konstruktive Konzepte sucht man vergebens - oder?

  7. 7.

    Sehr richtige Einschätzung! Worüber meckert diese Verbots-, Gängel-, und Vorschriftenpartei eigentlich nicht? Haben die schon irgendwas Sinnvolles auf die Reihe gebracht, was nicht Unmengen an Kosten verursacht hat? Insbesondere für die Mittelschicht dieses Landes?
    Andererseits kann ich auf die Spargelfolie gern verzichten. Sie dient nun wirklich nur dazu, den Profit zu steigern und aus Edelgemüse Ramschware zu machen. Ich hatte selber Spargel im Garten und es war ein Genuss, diesen in der kurzen Erntezeit zu essen. Eben Edel-Gemüse! Was die Ausbeutung der Erntehelfer betrifft, so sollte ja der Mindestlohn aushelfen.

  8. 6.

    Dem kann ich mich nur anschließen!
    Ich kaufe Spargel erst, wenn die Temperaturen so sind, dass er auch ohne Folie wachsen würde - und deutlich weniger als früher.

  9. 5.

    Mag vielleicht möglich sein, dass Sie erst vor einer Woche gelesen haben, dass Spargelbauern händeringend Erntehelfer suchen, aber der Artikel, den sie verlinkt haben, ist vom 30.April 2018! :D

  10. 4.

    Fehlt nur noch, dass die Grünen eine Foliensteuer verlangen.
    Die SPD verlangt die soziale Anpassung derselben
    Die CDU schlägt sich auf die Seite der Bauern, die FDP will es dem Markt überlassen.
    Die AFD hat auch keine Ahnung, glotzt aber in jede Kamera und meint, dass die Kriminaltät durch auslänische Erntehelfer ansteige...
    Deutschland, gute Nacht!

  11. 3.

    Haben die Bauern nicht noch vor 1 Woche geklagt, es gäbe zu wenige Erntehelfer?* So "dringend" war die Suche wohl doch nicht, wie vor 1 Woche behauptet. Lächerlich ist auch die Behauptung, man könne auf den Äckern als Helfer nun gut verdienen. Wenn es so wäre, dann wären die polnischen Erntehelfer durch deutsche verdrängt worden. Sie wurden aber durch Rumänen ersetzt. Selbst die waren den Bauern offenbar noch zu teuer, weil sie am liebsten Flüchtlinge eingesetzt hätten (siehe link unten).

    Das Plastikmüllproblem im Spargelanbau kommt noch als I-Tüpfelchen obendrauf. Nur wenige heimische Nahrungsmittel sind ökologisch und sozial so kritisch zu bewerten wie der Spargel. Etwas, was mal Luxus war, wird durch billige Arbeiter und bedenkenlose Umweltbelastung zur Billigware. Billig beim Einkauf. Teuer für die Arbeitnehmer und unsere Umwelt.

    *https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2018/04/ernte-erntehelfer-personalmangel-spargel-erdbeeren-fluechtlinge-.html

  12. 2.

    Was kritisieren die "Grünen" eigentlich nicht??

  13. 1.

    Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass früher die Spargelfelder ohne Folien auch funktioniert haben.

    Aber mittlerweile ist auch hier alles in der Hand von Gewinnmaximierern.

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