Die Eröffnung des Teltower Stadthafens am 12.05.2019 (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 12.05.2019 | Annette Dornieden | Bild: rbb

Zwischen Zukunftsprojekt und Millionengrab - Umstrittener Stadthafen in Teltow eingeweiht

Nach fünf Jahren Bauzeit ist am Sonntag der umstrittene Teltower Stadthafen eröffnet worden. Für die Verantwortlichen ist er ein Zukunftsprojekt, das viele Besucher in die Stadt locken soll. Kritiker halten den Hafen für eine riesige Steuergeldverschwendung. Von Claudia Stern

Blaue Fähnchen flattern im Wind, kein Wölkchen trübt den Himmel. Vor dieser Kulisse legen am Sonntagvormittag die ersten Boote im neuen Teltower Stadthafen an – vor den Augen von rund 1.000 Besuchern, die zur Eröffnung gekommen sind. Viele von ihnen sind begeistert, hoffen, dass Teltow von der Anlage profitieren wird. "Wenn man sieht, wie viele Menschen heute bei schönem Wetter Lust haben hierher zu kommen, dann, glaube ich, wird das richtig groß", sagt ein Mann.

15 statt fünf Millionen Euro

Doch der Hafen polarisiert. Auch unter den Besuchern sehen viele das Projekt kritisch. "Hoffentlich hat es sich gelohnt. Aber wer will denn im Teltowkanal fahren?", fragt ein Besucher zweifelnd. Eine Frau bezeichnet den Hafen als viel zu teuer. Ein paar Meter weiter, oben an der Straße, haben Kritiker ein Banner aufgehängt: "15 Millionen Euro für ein Wasserloch", steht darauf.

15 Millionen Euro – so viel hat der Hafen am Ende gekostet. Ursprünglich waren nur knapp fünf Millionen kalkuliert, doch Altlasten machten eine teure Bodensanierung nötig. Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt hält den Hafen trotzdem für eine Investition in die Zukunft. "Man kann jetzt natürlich immer und stoisch auf das Thema der Finanzen gucken. Es zählt aber meines Erachtens auch: Es ist für die nächsten Generationen eine Aufwertung für die gesamte Stadt, für die gesamte Region." An die Kritiker appelliert er: "Wenn ihr es die nächsten 200 Jahre hochrechnet, sieht die Summe unterm Strich anders aus."

Eröffnung des Teltower Stadthafens am 12.05.2019 (Quelle: rbb/ Stern)
Bild: rbb/ Stern

Charterbootverleih und Gastronomie sollen noch kommen

Noch sind die Touristen, die in Scharen nach Teltow kommen sollen, allerdings eine Vision. Fertig ist nur das Hafenbecken selbst mit seinen 39 Bootsliegeplätzen. Doch das soll sich bald ändern. Bis spätestens 2022 wollen Stadt und Hafenbetreiber Thomas Klemm auf dem Gelände eine "maritime Infrastruktur" schaffen. Dazu gehören unter anderem Räumlichkeiten für Gastronomie und Veranstaltungen, verschiedene Dienstleister rund ums Boot und ein Charterbootverleih. "Damit bekommen wir auch unabhängig von Gästen, die hier zufällig festmachen, eine kalkulierbare Anzahl Touristen hierher, denn die starten mit ihren Charterfahrten hier und die kommen hier auch wieder an", sagt Hafenbetreiber Klemm. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass genau diese Touristen vor oder nach ihrer Bootstour noch ein, zwei Tage in Teltow bleiben. "Dann haben wir den gewünschten touristischen Effekt, der mit dieser Anlage eigentlich mal gewollt war", so Klemm.

Die nötigen Genehmigungen für die geplante Infrastruktur liegen laut Stadt bereits vor, die weiteren Arbeiten sollen möglichst schnell beginnen. Denn trotz feierlicher Eröffnung: Teltow hat noch einiges zu tun, wenn der Hafen als Erfolgsprojekt statt als Millionengrab in die Stadtgeschichte eingehen soll.

Sendung: Brandenburg aktuell, 12.05.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Claudia Stern

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Als Ex-Insider muss ich mich zurückhalten, kann aber so viel verraten dass die Altlasten dort für den, der sich mit der Geschichte der Fläche befasst hat, keine Überraschung war. Zunächst wurde vor über 100 Jahren dort die Fläche aus Aushub der beim Bau des Teltowkanals entstand aufgeschüttet, danach war jahrzehntelang Industrie dort angesiedelt (was frühere Industrie für gigantische Altlasten produzierte dürfte bekannt sein), und dann kam das DDR-Grenzregime, das um das Ganze bewuchsfrei zu halten auch nicht mit Schadstoffen geizte

    Wenn man dann einen Hafen plant und mit optimistischen Schätzungen rangeht (5 Mio), und dann buddelt und sieht was Fakt ist, und reelle Preise zahlen muss (15 Mio), dann hat man eben ganz ohne komplettes Missmanagement wie am BER trotzdem eine Verdreifachung der Kosten. Immerhin mit vollendetem Projekt, und ohne die Stadtkasse zu ruinieren wie es Berlin hinbekommen hat im Jahr 1995-2000 mit dem Bankenskandal, und demnächst mit dem BER noch mal nachlegt

  2. 5.

    Ein Hafen für wenige, der vielleicht nie kostendeckend betrieben werden kann! Wäre nicht ein Hallenbad für die stark wachsende Gemeinde eine sinnvollere Investition gewesen. Auf der anderen Seite gibt es immer noch schlecht, oder gar nicht ausgebaute Anwohnerstraßen, oder fehlende bzw. veraltete Straßenbeleuchtungen. Interressant wäre auch die Veröffentlichung des geheimgehaltenen Gutachten, über die explodierenden Baukosten.

  3. 4.

    Nicht immer meckern. Alles Schöne, was wir heute haben, hat irgendwann mal viel gekostet. Und wenn Altlasten aus dem Boden verschwinden ist das auch prima. Möge sich das Hafenumfeld positiv entwickeln und mittel- bis langfristig rentieren.

  4. 3.

    nice to have. fahre täglich - genau - dran vorbei. Mangels Boot. Die Umgebung ist unter aller Dingens. Betonwerk, 2nd Hand, meine liebste Autowerkstatt, Brache, halt der Hinterhof von Teltow. Teltow ist ja eh eher eine alte "Arbeiterstadt", also nicht so das, was man bei einem Yachthafen erwarten würde. So ist dort auch der shopping- und Restaurant-Flair. Aber man ist schnell in Berlin. Nur - wie? Hat man ein Auto dabei beim Anlegen? Also eher alles ein bisschen hingebogen.

    Eine weitere Brücke hätte man tatsächlich nötiger. Die eine wird (irgendwann...) bald dann gesperrt, renoviert, die Feuerwehr und Krankenwagen danken ebenso wie die Berufspendler, die andere Brücke ist schon jetzt überlastet. Mangelnder ÖPNV kombiniert mit fehlenden P&R-Parkplätzen und dann noch gesperrten Brücken lässt leicht ein Mauer-feeling aufkommen, wenn man im südlichen Umland wohnt. Oder aus Berlin raus will. Da ist einem der Yachthafen dann schlichtweg egal. Fast so wie der BER :-)

  5. 2.

    Auch wenn es schön ist, dass man Teltow nun per Schiff erreichen kann, sollten die Verantwortlichen besser nicht die "normalen" Bürger vergessen, die wohl oder übel andere Verkehrsmittel nutzen müssen. Da wäre eine zusätzliche Brücke vielleicht besser investiertes Geld gewesen. Die bestehenden Brücken müssen nämlich bald ersetzt werden, was noch zu riesigen Problemen führen wird.

  6. 1.

    Ich freue mich über jede Anlegemöglichkeit. Bisher gab es entlang des Teltowkanals nur den Tempelhofer Hafen. Jetzt kommt mit Teltow eine zweite Örtlichkeit hinzu, und das finde ich super. Ob das nun 15 Millionen kosten muss, darüber kann man natürlich diskutieren, aber ich finde es gut, dass auch mal Geld für solche Projekte in die Hand genommen wird. Bootfahrer sind eher Gutverdiener und zahlen viele Steuern, dann sollen sie auch einen vernünftigen Hafen bekommen.

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