Archivbild: Eine stillgelegte, eingleisige Bahnstrcke in Tiefensee, Landkreis Barnim (Bild: dpa/Karlheinz Schindler)
Audio: rbb | 10.06.2019 | Ari Gosch | Bild: dpa/Karlheinz Schindler

Brandenburg - Seit der Wende wurden rund 540 km Bahnnetz stillgelegt

Allein in Brandenburg liegen derzeit Hunderte Kilometer Schienen brach. Viele Strecken hat die Bahn nach der Wende stillgelegt. Und Brandenburg ist noch nicht mal am stärksten betroffen. Nun fordert die Linke ein Reaktivierungsprogramm.  

In Brandenburg sind seit der Wiedervereinigung rund 539 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt worden. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) vorliegt. Deutschlandweit waren es fast 6.500 Kilometer, davon etwa 40 Prozent im Osten.

Am stärksten betroffen war demnach Bayern. Im Freistaat wurden seit 1990 Bahnstrecken mit einer Gesamtlänge von 929 Kilometern außer Betrieb genommen.

In Nordrhein-Westfalen waren es dem Bericht zufolge 775 Kilometer, in Niedersachsen 713, in Sachsen 527 und in Mecklenburg-Vorpommern 299. Für Sachsen-Anhalt liegen demnach lediglich für die Zeit nach 1994 genaue Angaben vor: Dort wurden seither Strecken auf einer Länge von 660 Kilometern eingestellt.

Bartsch: So viel wie das Netz der Niederlande

Nach Angaben der Linksfraktion entsprechen die Streckenstilllegungen in Ostdeutschland in etwa dem gesamten Bahnnetz der Niederlande. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sprach von einer Fehlentwicklung. "Der Bund als Eigentümer hat diese Bilanz des Scheiterns politisch zu verantworten und steht in der Pflicht, den Kurs zu ändern. Die Stilllegungen waren vielerorts ein schwerer Fehler", sagte Bartsch dem RND.

Bartsch forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf, ein Reaktivierungsprogramm für stillgelegte Bahnstrecken vorzulegen. "Die Koalition will laut Koalitionsvertrag die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln. Dafür brauchen wir die Rückkehr der Bahn in die Fläche für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für den Klimaschutz."

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Schauen Sie sich einmal Statistiken zu Länges des Eisenbahnnetzes in der Bundesrepublik an. Bereits unter Adenauer wurden Strecken stillgelegt. Zwischen 1960 und 1990 nahm die Länge des Steckennetzes um 18% ab. In der DDR wurden aber auch 12% der Strecken stillgelegt und auf dem Rest wurde noch mehr als von der DB AG auf Verschleiß gefahren. Die LINKE sollte deshalb auf der Oppositionsbank lieber still sein.

    Auf ZDFInfo wurde neulich mal wieder eine Sendung über die DR wiederholt. Dagegen ist die DB AG ein Vorzeigeunternehmen.

  2. 16.

    Dieser Artikel, angestoßen durch die Linken, stellt sehr anschaulich die flächendeckend in Deutschland bestehende Verkehrsproblematik dar. Solange dieser nicht mit einem Bündel erforderlicher Maßnahmen in den nächsten Jahren, realistischerweise Jahrzehnten, begegnet wird, sind singuläre Rufe nach der Verbannung des Verkehrs aus einzelnen Hauptverkehrsstraßen oder ein vorschnelles, unbedachtes Ausweichen auf E-Autos irreführend.

  3. 15.

    Das ist schon wahr: Der LKW-Verkehr ist einzig wirtschaftlich durch das Herausrechnen der "externen Kosten", die dann auf die Allgemeinheit umgelegt werden. Gäbe es eine vergleichbare Gesamtrechnungsführung zwischen Bahn und LKW-Speditionsgewerbe, hätten wir wahrscheinlich nicht einmal ein Viertel der LKWs auf den Straßen.

  4. 14.

    Wenn der LKW Verkehr an den Kosten für die Infrastruktur(100%) beteiligt wäre er auch nicht mehr wirtschaftlich!
    Verkehrstote durch LKW Unfälle
    Auffahr und abbiegen, Brücken und StraßenVerschleiß, Abgase direkt an den Nasen der Menschen, FlächenVerbrauch Versiegelungen für Park und Stellplätze usw. usw.

  5. 13.

    Das wenig war an Bahnstrecken, das stimmt so nicht.
    Ostdeutschland, oder die DDR war ein ausgesprochenes Bahnland, jedenfalls was die grundsätzliche Erschließung angeht. Im Vergleich zur Bevölkerungsdichte war das Land Brandenburg (vorher die Kreise um Berlin herum) hervorragend erschlossen und wiesen ein sehr üppiges Bahnnetz auf. Geschuldet war das dem Zulaufen der Strecken auf Berlin. Die Qualität allerdings stand auf einem anderen Blatt.

    Seit zwei (eigentlich schon drei) Jz. hat die enge betriebswirtschaftliche Elle bei der Bahn zugeschlagen, im Zuge der von Kommerzialisierung getragenen Bahnreform und in Abkehr vom Prinzip der Daseinsvorsorge.

  6. 12.

    Mit der Massenmotorisierung und leistungsfähigeren LKW in der Bundesrepublik geriet die Eisenbahn schon früh ins Hintertreffen. Daran konnten Innovationen wie die Euro-Palette zur Vereinfachung des Stückgutverkehres auch nichts mehr ändern.

    Erinnern Sie sich noch an das Eisenbahnunglück, bei dem ein LKW-Anhänger im Sturm vom Wagen geweht wurde? Das war ein Ganzzug einer Brauerei. Im Skandinavienverkehr stellen LKW-Speditionen ebenfalls eigene Ganzzüge zusammen.

    Das System Eisenbahn muss dringend gestärkt werden. Die Bahnstrecke nach Hinterposemokel kann dazu aber kaum etwas beitragen. In GV gibt es Vorteile bei langen Stecken und Massengütern. Es bedarf jedoch mehr Gleiskapazität.

    Im PV klingt es toll, dass man in 1h von FFM nach Köln fahren kann. Eine Großteil der Zeit wird aber in Frankfurt verplempert. Wenn dann noch die Regionalfürsten ihren ICE-Halt haben wollen, ...

  7. 11.

    Danke für sach- und fachkundigen Erläuterungen, gerade zum Punkt b).
    Ich denke, wir sind uns da einig.

    Um etwas auszuholen: Die überhitzte Knotenbildung empfinde ich nicht nur als eine zu kurzsichtige Strategie, mir scheint sie zugleich als "Ausfluss" eines dahinterliegenden Denkens mit recht fatalen Folgen, was die gleichmäßige Landesentwicklung anbetrifft.

  8. 10.

    Wunderbar erklärt
    Jedoch wenn ich alle Güter zur Versorgung der Stadt über die LandesGrenze mit mehr als 40 -50 km je LKW Tour kutschen muss, jedoch die Güterbahnhöfe abgewrackt werden und als Filet Stückchen verscherscherbelt stimmt ihre Rechnung nicht mehr.
    Es ging um die "Förderung der Autoindustrie" was ja auch gelungen ist.
    nun haben wir den Salat.
    Kids die nicht wissen wie man es besser und oder anders anstellen kann.

  9. 9.

    Es fehlt noch weitere wichtige Infos:
    Die DB darf nicht einfach so Strecken entwidmen. So lange das Land dort Nahverkehr bestellt, fahrem die Züge zumindest bis zu einer grossen Instandhaltung. Gerade in den neuen Bundesländern wurden die vom Bund überwiesenen Regionalisierungsmittel aber vielfach zweckentfremdet. Die Linke ist seit 10 Jahren in Brandenburg an der Regierung und hier wie beim Braunkohleausstieg mal wieder scheinheilig.

    Die DB muss die Strecken anderen Eisenbahnen anbieten und es bedarf zum Schluss einer Genehmigung. Wenn niemand Interesse an der Strecke hat, ist Schluss.

    Das System Eisenbahn ist gerade im Einzelwagen-Güterverkehr viel zu schwerfällig und teuer gegenüber dem LKW. Andere, oft staatlich kontrollierte Bahnen setzen deshalb so gut wie ausschliesslich auf Ganzzüge, die einfacher und billiger angeboten werden können. Eine gesunde Mischkalkulation mit einer Quersubventionierung kleiner Verladestellen ist im Wettberb deshalb nicht darstellbar.

  10. 8.

    @6: Das letzte große Streichkonzert bei den Regionalisierungsgeldern (den Bundesgeldern für den Regionalverkehr) gab es unter einer Großen Koalition 2006. Ihr ist z.B. der Abschnitt von Werneuchen nach Tiefensee zum Opfer gefallen, ebenso die Strecken von Neuruppin nach Neustadt (Dosse) und nach Herzberg - Löwenberg.

    In den letzten Jahrzehnten ist sehr viel schiefgelaufen in der deutschen Verkehrspolitik. Das an Rot-Grün festzumachen, führt zu kurz - zumal ja die Grünen bald zweieinhalb Jahrzehnte nicht mehr im Bund regieren, also längst andere Wege hätten gefunden werden können.

  11. 7.

    Was ist denn die Basis? 539 km von wie viel wurden stillgelegt? Von 640? Hier war doch eh schon wenig, davon noch stilllegen...

  12. 6.

    Tja, unter Rot-Grün im Bund wurden die Streckenstilllegungen und der Ausbau von wichtigen Kreuzungsweichen leider vorangetrieben, um die Bahn börsentauglich zu machen. Und das obwohl GRÜN mitregiert hat. Noch Fragen???

  13. 5.

    So kommt es wenn die CSU Verkehrsminister seit Jahrzehnten in die Kameras davon reden, wie man den Güterverkehr auf die Schiene bringen kann, aber Gesetze für die Autolobby machen.

  14. 4.

    zu a) Auf jeden Fall!
    zu b) Die Streckenführung bei Errichtung im 19. und erste Hälfte 20. Jahrhundert war mehr dem Umstand der Felder- und Gemarkungsgrenzen geschuldet. Und! Die Bahnstrecken wurden überwiegend vorrangig für Gütertransport gebaut. Der Personentransport war quasi nur ein Nebenerwerb der Bahngesellschaften. Von daher war es bei diesen Bahnstrecken zweitrangig, ob der Haltepunkt oder Bahnhof direkt im / am Ort liegt oder 3 km. außerhalb.
    zu d) Das mit dem "Strahlenkonzept" von einem Knotenpunkt aus, hat sich in der Vergangenheit auch als sehr hinderlich für den Nahverkehr erwiesen und führt zu diesen überhitzen Knoten. Da ist ihr Ansinnen eines Spinnennetzes, wie dies zu Reichsbahnzeiten war, auch für die Verteilung der Verkehre sinnvoller. Vor allem für den Güterverkehr! Denn die Hauptmagistralen sind derzeit schon mit ICE und REs überlastet. Wo soll der Güterverkehr noch hin? Eben wie zu richtigen Bahnzeiten über die Nebenstrecken dank eines dichten Netzes.

  15. 3.

    Was? Ich dachte, es wäre umgekehrt!
    Hier müssen tatsächlich mal die Weichen neu gestellt werden.
    An alle Parteien der "Mitte", wundert Euch über nix mehr!

  16. 2.

    Danke, lieber RBB, für diesen wichtigen Artikel. Deutschland hat blauäugig auf die Straße gesetzt und wertvolle Schieneninfrastruktur verkommen lassen. Da ist jede*r Autofahrer*in genauso mitverantwortlich wie die Politik. Jetzt ist der Zeitpunkt, die Weiche umzustellen, denn so manche alte Strecke lässt sich jetzt noch leichter reaktivieren als wenn in ein paar Jahren noch mehr verrottet ist oder zurückgebaut worden ist.

  17. 1.

    Ich wäre dafür,
    a) die Strecken keinesfalls zu entwidmen, spfern dies noch offen ist,
    b) Vorschläge zu sammeln, wie die Strecken attraktiver gemacht werden können als sie bisher waren. Das Problem ist einfach dasjenige, dass bei seinerzeitiger Errichtung sie oftmals weitab von Siedlungen und Dörfern angelegt worden sind, damals aus Angst vor jenem neuen Verkehrsmittel. Nicht alle Halte müssen deshalb reaktiviert werden, wohl aber sollte die Strecke ertüchtigt werden. Dazu gehört auch Bike & Ride, die Kombination zwischen Fahrrad und Bahn.
    c) Das wäre dann das Verhältnis zu den Busbetreibern. Viele Busunternehmen sind verstrickt mit örtlichen Honoratioren. Das ist auch in Brandenburg so, abgeschwächt auch in Potsdam.
    d) Anders, als nur alle Linien auf "überhitzten Strecken" über einen Knoten zu führen, sollte das Gesamtnetz in Anspruch genommen werden. Weitere Wege sind keine Umwege, es sind Wege. Wohlverstanden.

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