Ventilator im Büro (Quelle: dpa/Remy Perrin)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.06.2019 | O-Ton Arbeitsrechtler Hans Imhof | Bild: dpa/Remy Perrin

Interview | Arbeitsrechtler - Ab 30 Grad Raumtemperatur muss der Arbeitgeber reagieren

Für die kommenden Tage ist extrem heißes Wetter gemeldet für Berlin und Brandenburg. Die Hitze macht auch vor den Arbeitsplätzen nicht Halt. Ein Arbeitsrechtler erläutert, was der Chef tun muss, um die Situation für die Mitarbeiter erträglicher zu gestalten.

rbb: Herr Imhof, muss der Chef bei 30 Grad Raumtemperatur stündlich ein Wassereis reichen?

Arbeitsrechtler Hans Imhof: Das wäre schon mal eine Maßnahme. In der Arbeitsstättenverordnung heißt es, ab einer Raumtemperatur von 30 Grad muss der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen ergreifen, um das Arbeiten für die Beschäftigten gesundheitlich nicht so beeinträchtigend zu gestalten. Da kann ein Wassereis dazugehören. Üblicherweise stellt er Getränke zur Verfügung, Klimaanlagen, Ventilatoren oder ähnliches.

Sie sagen: "kann". Er muss also nicht?

Doch, er muss geeignete Maßnahmen ergreifen. Aber es gibt keinen Katalog, was geeignete Maßnahmen sind. Das kann der Arbeitgeber selbst entscheiden. Ab 26 Grad soll der Arbeitgeber tätig werden. Aber wenn der Jurist soll sagt, muss da noch nichts gemacht werden. Aber ab 30 Grad muss er dann tätig werden. Das was der Arbeitgeber macht, muss auch wirklich helfen.

Wie kann man den Arbeitgeber denn dazu bringen, das auch wirklich zu tun?

Es hilft natürlich immer, wenn man Interessenvertretungen hat. Wenn man einen Betriebsrat hat, muss und soll der sich darum kümmern. Man kann muss und soll den Chef aber auch auf die gesetzlichen Verpflichtungen hinweisen. Denn das sind ja keine "Service"-Gesetze, sondern da geht es um Gesundheitsschutz. So große Hitze kann gesundheitlich beeinträchtigen und krank machen. Das sind dann gesetzliche Vorschriften, an die sich der Arbeitgeber halten muss. Das ist Arbeitsschutz – genau so, wie Maschinen in Ordnung gehalten werden müssen, muss auch das Arbeitsklima im Rahmen gehalten werden. Kein Arbeitgeber ist ja gut beraten, wenn seine Mitarbeiter nicht schützt, wenn es heiß ist und ihnen nicht wenigstens eine Kiste Wasser hinstellt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Stefanie Brockhausen, Antenne Brandenburg

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

15 Kommentare

  1. 15.

    Was kann ich tun, wenn trotz Maßnahmen (Jalousien vor dem Fenster, Ventilator vorhanden, Getränke gestellt)trotzdem die Temperatur über 30°C bleibt und ein versprochenes Klimagerät einfach nicht kommt?

  2. 14.

    Vielleicht sollten die Deutschen mal an den Fenstern wie an anderen Ländern auch Klimageräte installieren, kann nicht so schwer sein. Oder gibt es keinen Deutschen Hersteller am Weltmarkt?

  3. 12.

    Sag ich ja, Geschmacksache. Und in meinem Dienstgebäude müsste ich entweder das Wasser von den Waschbecken im WC holen (finde ich nicht so lecker, wenn ich sehe, wie dort gereinigt wird) oder aus der Teeküche, wo es sich zunächst im Boiler anstaut. Und der wird gefühlt alle 100 Jahre entkalkt. Dann lieber Flaschen schleppen.

  4. 11.

    Also bei mir zu Hause schmeckt mir das Leitungswasser (Grünau). Auf Arbeit allerdings nicht und da trinke ich auch kein Leitungswasser (öffentl. Dienst). Mein bevorzugtes Mineralwasser kommt aus Bad Liebenwerda.

  5. 10.

    Den Leitungen in den Gebäuden des öD traue ich nicht; nur abgekocht für Tee. Und mir schmeckt das Berliner Leitungswasser nicht. Zuhause habe ich Mineralwasser aus der Flasche. Ist eben Geschmackssache.

  6. 9.

    Würde ja Leitungswasser auf Arbeit trinken, wenn die Wasserhähne nicht so verkalkt und grünlich versifft aussehen würden. Arbeite im Öffentlichen Dienst.

  7. 8.

    Das ist ja wohl eine Ausnahme. Dort ist Flaschenwasser natürlich gerechtfertigt, da man das Leitungswasser offenbar nicht trinken kann. Aber ich denke, dass dort nicht alle Kommentatoren arbeiten, die hier Leitungswasser ablehnen.

    Das Wasser der Berliner Wasserbetriebe ist überall sehr gut und die Leitungen in den meisten Häusern sind auch gut. In den wenigen Häusern, wo die Leitungen nicht in Ordnung sind, ist natürlich Leitungswasser gerechtfertigt. Aber da reicht auch billiges Wasser aus der näheren Umgebung. Es muss nicht von ganz weit her kommen. Qualität und Geschmack rechtfertigen keine weiten Wege des Flaschenwassers.

    Ich trinke in der Regel nur Leitungswasser, außer dort, wo es nicht trinkbar ist. Dies habe ich aber bisher nicht erlebt. Aber ich arbeite auch nicht in dieser Polizeistelle.

  8. 7.

    Leitungswasser? Echt? Solches hier:

    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2018/10/Marode-Polizeiwachen-SPD-Innenpolitiker-erstattet-Anzeige.html

  9. 6.

    Gibt es auch eine einfache Lösung für den Höffner in der Landsberger Allee?
    In diesem Haus steht die Luft förmlich, heute erst wieder mal dort gewesen und es ist echt nicht zum aushalsten.
    Die Verkäufer stöhnen und verweisen auf die nicht angeschaltete Umluftanlage...
    Die kleinen (wirklich kleinen) Ventilatoren an den Infoständen sind völlig wirkungslos.
    Heute war auch ein Teil der Boutique für Kunden gesperrt...?!
    Dieser Zustand dort läd nicht zum Shoppen ein, hoffentlich liest es ja mal eine hohes Tier dieses Hauses. Denken sie an die Kunden und nicht zuletzt an ihre Mitarbeiter..!

  10. 4.

    Nicht jede Leitung ist geeignet, um sauberes Leitungswasser zu haben.... Besonders im öffentlichen Dienst gibt es Gebäude..... Bekannt wurden Polizeidienststellen. Aber auch andere Dienstgebäude... Nee nee, da lieber Wasser schleppen

  11. 3.

    öffi, Montag, 24.06.2019 | 13:11 Uhr:
    "Mineralwasser? Entweder man nimmt das Leitungswasser und darf froh sein, es nicht zu bezahlen (erhöhter Verbrauch *zwinker*) oder kauft es selbst"

    Was haben Sie gegen das gute Berliner Leitungswasser? Es ist besser kontrolliert, hat keine schlechtere Qualität, ist billiger und ist ökologischer als Mineralwasser! Es ist doch ökologischer Wahnsinn, das eine Mineralwasser extra abzupacken und von A nach B und das andere Mineralwasser von B nach A zu transpotieren.

    Abgepacktes Mineralwasser macht nur dort Sinn, wo das Leitungswasser nicht gleichwertig gut bzw. nicht trinkbar ist - also nicht in Berlin.

    öffi, Montag, 24.06.2019 | 13:11 Uhr:
    "bei Temperaturen weit über 32 Grad im Büro darf man zwar Feierabend machen, aber dies wird von der Arbeitszeit abgezogen, obwohl das Arbeitsstättengesetz etwas anderes sagt."

    Warum soll der Arbeitgeber für Freizeit zahlen? Wo steht dies im Arbeitsstäätengesetz?

  12. 2.

    ".... Mitarbeiter mit anerkanntem Grad einer Behinderung sind im Vorteil..." Echt jetzt? Sie sehen es als vorteilhaft an, behindert zu sein? Die gen. Personengruppe muss besonders geschützt werden. Aber einen Vorteil kann ich nicht erkennen....

  13. 1.

    Alles schön alles gut?
    Nee, bei uns kommt der Hinweis, regelmäßig zu trinken. Ventilatoren und Außenjalousien gibt's zwar und das muss reichen.
    Selbst letztes Jahr wurde nichts weiter veranlasst. Mineralwasser? Entweder man nimmt das Leitungswasser und darf froh sein, es nicht zu bezahlen (erhöhter Verbrauch *zwinker*) oder kauft es selbst, bei Temperaturen weit über 32 Grad im Büro darf man zwar Feierabend machen, aber dies wird von der Arbeitszeit abgezogen, obwohl das Arbeitsstättengesetz etwas anderes sagt.
    Lediich die Mitarbeiter mir anerkanntem Grad einer Behinderung sind im Vorteil, der Rest darf im Büro zusammenklappen, die Geschäftsführung jedoch hat klimatisierte Räume.
    Das nenne ich vorbildlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Frau nimmt ein Sonnenbad (Quelle: imago/Beatrice Jansen)
imago/Beatrice Jansen

Bis zu 39 Grad - Drei Tage Hitze in Berlin und Brandenburg

Selbst ein T-Shirt dürfte noch zuviel sein - denn Berlin und Brandenburg steuern auf drei heiße Tage zu: Montag 32, Dienstag 36 und Mittwoch sogar 39 Grad, lautet die Prognose. Vor allem ältere Menschen leiden, und auch die Sorge vor neuen Waldbränden wächst.