Vorstandvorsitzender von Rocket Internet: Oliver Samwer
Bild: imago images / STPP

Hauptversammlung in Berlin - Rocket-Chef Samwer will nun auch in Immobilien investieren

Auf der Suche nach neuen Investments erkundet die Berliner Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet neue Geschäftsfelder. Das Unternehmen macht inzwischen auch Immobiliengeschäfte und will künftig technologische Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen anbieten.

Angst vor Verdrängung

Das sieht eine Satzungsänderung vor, die die Hauptversammlung am Donnerstag beschloss. Bei dem Aktionärstreffen wurde allerdings die Sorge laut, dass die Firma den Mietenanstieg in Berlin befeuern und dadurch dem Ansehen des Unternehmens schaden könnte.

Die Bewohnerin eines Mietshauses in Berlin-Kreuzberg äußerte bei der Hauptversammlung die Befürchtung, aus ihrer Wohnung verdrängt zu werden. Das Haus war von der Rocket-Tochter GRC1-Germany gekauft worden. "Sorgen sie dafür, dass dieser Turm nicht zu einem weiteren Symbol wird für den Mietenwahnsinn in Berlin", forderte der Verband Kritische Aktionäre im Rocket-Hochhaus.

Die Idee, in Immobilien zu investieren, könnte zudem durch noch schärfere Gesetze zur Mietpreisbindung in Gefahr geraten. Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass das Land Berlin die Mieten für alle nicht preisgebundenen Wohnungen ab 2020 für fünf Jahre deckeln will.

Rocket sieht sich am "Anfang der Immobilienstrategie"

Rocket-Internet-Vorstandschef Oliver Samwer sagte, man werde sich an geltendes Recht halten. Man stehe am Anfang der Immobilienstrategie und wisse, dass es sich derzeit um ein sensibles Thema handle. "Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst", versicherte Samwer.

Als Geldgeber für Gründer sieht sich das MDax-Unternehmen wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Es sei schwieriger geworden, Gründer und Ideen zu finden, um mit ihnen Unternehmen aufzubauen, sagte Samwer. Rocket könne 3,1 Milliarden Euro investieren - Wagniskapital bekämen die Gründer aber auch anderswo.

In der Vergangenheit waren aus Rocket Internet Unternehmen wie Zalando, Hello Fresh und Home24 hervorgegangen. "Wir haben ein paar Blockbuster gehabt", sagte Vorstandschef Oliver Samwer. "Im Moment ist die Pipeline in der Mitte ein bisschen leer." Man habe mehr Kapital als Ideen.

Sendung: Inforadio, 06.06. 2019, 19 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    "Man habe mehr Kapital als Ideen." - Das Ergebnis von Niedrigzins und wachsender Ungleichheit. Und wenn man keine Ideen mehr hat, muss man sein Geld irgendwie in Beton stecken. Rendite muss auf dem Immobilienmarkt natürlich auch erst erzeugt werden. Dafür wird Rocket-Internet sicher kreative Lösungen finden, wie aus Immobilien noch Geld zu holen ist.

  2. 3.

    Wer auch immer behauptet, dass der Berliner Immobilienmarkt nicht mehr attraktiv sei, der bekommt mit dieser Nachricht den Gegenbeweis geliefert. Weder der angekündigte Mietendeckel, noch die Kampagne "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" sind offensichtlich geeignet, das berliner "Betongold" in einem weniger lukrativen Licht erscheinen zu lassen. Wenn ein Oliver Samwer mit der Rocket Internet hier aktiv werden will (die ersten Häuser haben Sie bereist gekauft - z.B. Urbanstraße), dann sind die Verheißungen des Marktes wohl noch groß genug. Die Mieter*innen werden sehr genau beobachten, wie sich die Rocket Internet Ihnen gegenüber verhält.

    Ein Herr Samwer, der bei spontanen Wutausbrüchen auch schon mal Mitarbeiter feuert (Quelle: u.a. Handelsblatt), ist jedenfalls kein erfreulicher Akteur auf dem Markt.

  3. 2.

    Immerhin zahlt Rocket in Berlin Gewerbesteuer. Zahlt Rocket in Berlin Gewerbesteuer?

  4. 1.

    Berlin bekämpft jeden, der exorbitante Mieten verlangt oder in Wohnungseigentum unwandelt. Sollen sie kommen!

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