Plattenbau in Berlin-Charlottenburg (Quelle: imago/Schoening)
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Wohnungsmarkt - Berlin verliert 15 Prozent seiner Sozialwohnungen in einem Jahr

Innerhalb eines Jahres sind in Deutschland 50.000 Sozialwohnungen verschwunden - der Löwenanteil davon entfällt auf Berlin. Oftmals wurden sie umgewandelt und dem normalen Mietmarkt zugeführt, ohne dass Ersatz geschaffen wurde.

In Berlin ist die Zahl der Sozialwohnungen zuletzt gesunken. Zum Jahresende 2017 gab es rund 116.000 dieser geförderten Wohnungen und damit 21.208 weniger als noch ein Jahr zuvor - das entspricht einem Rückgang von mehr als 15 Prozent. Das geht aus jüngsten Zahlen hervor, die das Bundesinnenministerium an den Bundestag meldete und die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.

Bundesweit sank die Zahl der Sozialwohnungen um knapp 49.000 auf rund 1,2 Millionen. Zwei von fünf Sozialwohnungen, die innerhalb des angefragten Zeitraum wegfielen, entfallen also auf Berlin. Aber auch in Brandenburg ist die Zahl der Sozialwohnungen deutlich gesunken: Zum Jahresende 2017 gab es rund 41.000 dieser geförderten Wohnungen und damit 2.367 weniger als noch ein Jahr zuvor.

Die Bindung als Sozialwohnung fällt mit der Zeit weg

Bei Sozialwohnungen in Deutschland sind die Mieten staatlich reguliert. Nur Menschen, bei denen die Behörden einen besonderen Bedarf sehen, dürfen dort wohnen. Allerdings fallen Wohnungen nach einer bestimmten Zeit aus der Bindung und können normal am Markt vermietet werden. Sofern nicht im gleichen Umfang neue Sozialwohnungen gebaut werden, sinkt ihre Zahl.

Wohnungsneubau läuft aus Hochtouren

Gleichzeitig wurde bekannt, dass im vergangenen Jahr so viele Wohnungen in Berlin fertiggestellt wurden, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zum Jahreswechsel gab es 18.000 Wohnungen mehr als ein Jahr zuvor, die Gesamtzahl stieg damit um 0,9 Prozent auf rund 1,95 Millionen, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Mittwoch mitteilte. Allerdings erfasst das Amt nicht, wie viele dieser Wohnungen dem sozialen Wohnungsbau zuzurechnen sind.

Die meisten Wohnungen entstanden im vergangenen Jahr im Bezirk Treptow-Köpenick mit gut 2.500. Deutlich über 2.000 lagen auch in Mitte, Pankow und Lichtenberg. Schlusslicht ist Reinickendorf. Jedoch kamen gleichzeitig 31.300 Einwohner hinzu. Damit dürften die neuen Wohnungen den angespannten Wohnungsmarkt nur wenig entlasten - durchschnittlich teilten sich 2018 knapp 1,9 Berliner eine Wohnung.

In Brandenburg entstanden demnach im vergangenen Jahr etwa 10.300 Wohnungen neu. Angesichts von Nutzungsänderungen, Zusammenlegungen oder Abbruch liegt der Zuwachs demnach bei rund 9.800 Wohnungen, das ist ein Plus von 0,7 Prozent. Der Löwenanteil davon wurde in Potsdam fertiggestellt (2.015 neue Wohnungen).

Sendung: Radioeins, 19.06.2019, 13 Uhr

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21 Kommentare

  1. 21.

    Die Zahl von 18.000 neuen Wohnungen kann ich leider bei Statistik Berlin Brandenburg nicht finden. Es wird auch nicht ganz klar, ob es sich hier um die Baufertigstellungen oder den Anstieg des Wohnungsbestands handeln soll.
    Nach Pressemitteilung des Amtes wurden 2018 in Berlin 16.706 Wohnungen fertig gestellt (+6,6% als im Vorjahr). Damit ist der Anstieg abgeflaut.
    Zum Wohnungsbestand: "Zum Jahresende 2018 gab es in Berlin 1 949 252 Wohnungen. Das sind 16 956 Wohnungen bzw. 0,9 Prozent mehr als Ende 2017."
    Sicherlich läuft der Wohnungsbau auf "Hochtouren", aber die Steigerungsrate nimmt offensichtlich ab, sodass das Wort vielleicht etwas irreführend sein könnte.

  2. 20.

    PS: Ich denke, dass einfach in Temeplhof auf den Keingartenkolonien gebaut werden muss, die ja eh platt gemacht werden. Wenn die ganzen Flächen wie gepalnt einfach nur für anderes draufgehen, möchte die Politik das eben nicht sozial handeln.

  3. 19.

    In den 90ern sind die Leute auch einfach umgezogen, weil sie sich da verbessern konnten. Also wenn Luft auf dem Markt ist, geht das schon. Das Bauen parallel zur Flüchtlingskrise noch jahrelang zu vernachlässigen war doch grotesk:
    Also Millionen Neuzueingänge plus nebenher ungebremste Mietspekulation plus Nebenkostenerhöhungen über Energiewende plus Verteuerung durch Bauvorschriften - hätte ja nie anders enden können.

  4. 18.

    Ja eben. Berlin hätte einfach immer bauen müssen.... Und muss nun Gas geben beim Bauen. Aber die Sozialwohnungen fehl zu belegen konterkariert doch den Sinn. Vlt, muss man auch mal über den Denkmalschutz nachdenken. Nicht alles muss erhalten werden, wenn der Platz effektiver genutzt werden kann.

  5. 17.

    Ja, aber was sollen die Leute machen? Ich kenne mehrere Familien, die schon länger gern umziehen würden, aber auch nur 1/2 Zi als Kinderzimmer mehr bedeutet in dieser Gegend eben das 1,5fache bis beinahe Doppelte der alte Miete. Wer dann fianziell so festgeschraubt dasteht, bleibt in der zu kleinen Wohnung hocken, obwohl er mit dem alten Quadratmeterpreis ja auch das KiZi finanzieren könnte und würde und auch wenn die dann quasi zu günstig ist, umziehen geht ja nicht.

  6. 16.

    Man muss schon etwas tiefer einsteigen. Zur Jahrtausendwende wurden in Berlin Rekordleerstände vermeldet. Die städt. Wohnungsbauförderung verbrannte höchstrichterlich bestätigt zu viel Geld. Entgegen dem Trend anderer Großstädte in Deutschland verringerten sich die Mieten sogar. Entsprechend sank auch die Zahl der Baugenehmigungen auf rd. 5.000 Einheiten. Seit 2005 stiegen die jedoch kontinuierlich an. Daher jetzt auch Rekorde bei der Fertigstellung. Die Frau Lompscher zuzuschreiben, geht gar nicht. Die zeitl. Vorläufe sind dafür viel zu lang.

    Dadurch, dass lange Zeit mangels Bedarf und Geld nur wenig in die Wohnungsbauförderung investiert worden ist, tun sich jetzt die Lücken auf. Der Markt reagiert nur träge. SED-Nachfolger und Grüne tun sich dabei besonders hervor, große städt. Flächen vom Wohnungsbau auszuschliessen und andernorts den Wohnungsbau trotz Berliner Modells zu behindern. Das führt bei weiterhin hoher Nachfrage zu einem Rückgang der Bauanträge.

  7. 15.

    Bereits 2000 wurde von den Rotrotgrünen Senat sozialer Wohnungsbau verkauft.2005 sind die Verträge aus West Berliner Zeiten ausgelaufen.Massen-Zwangsräumungen fanden statt,da Bedürftige-Studenten-Alleinerziehende Scheidungsrecht-und Patchworkfamilien -Berliner 3.Gernration zu Wirtschaftflüchtlinge gemacht wurden und vertrieben wurden.
    Kinderzimmer wurden eingespart Großfamilien in Kleinraumwohnungen gesteckt-z.b. Lichterfelde,war großes Pressethema-auch das Bundesverfassungsgericht es 2010 Verfassungswidrig erklärt hat Kinderzimmer bei Patchworkfamilien einzusparen durch Transfermittel. Es steckt nicht nur die Mieterhöhung und Eigentumsumwandlung sondern ein ganzes System.Der Mietendeckel nütz den Bedürftigen nichts wenn der Senat durch Wohngeld-oder JC die Miete senkt und nicht an den Mietendeckel angleich,wie es in West-Berlin üblich war mit der Sozialhilfe. Das die Politik jetzt so reagiert, hat mit den abstrafen und Wahlen zu tun-die AFD profitiert davon unabhängig von Debatten .

  8. 14.

    .... dann machen aber Sozialwohnungen keinen Sinn, wenn sie fehlbelegt sind. Auch eine Abgabe ist unsinnig. Und wer mehr verdient, der braucht diese Wohnungen nicht. Also auch ohne Neubaumaßnahme ein Unsinn. Auch eine Verlängerung der Sozialbindung wäre da kontraproduktiv, wenn denn die "falschen" dort wohnen (bleiben) dürfen.

  9. 13.

    Falls der Arbeitende, trotz Vollzeit, ausreichend Lohn für seine Arbeit bekommt. Zugezogene, die so massiv in die Stadt kamen und kommen, sind das größte Problem, durch sie kommt es zur Verknappung. Schade, dass Berlin für die Landeier der Nabel der Welt ist.

  10. 12.

    Müssen sie nicht und können sie aber auch nicht mehr. Sie finden ja keine bezahlbare Wohnung mehr. Wo sollen die Leute denn hin?

  11. 11.

    Oder sagen wir das mal ganz kurz: Wir zehren von der Subustanz und verbraten schon länger unsere Wertschöpfung von früher. Damals war es möglich, nicht zu knapp sozialen Wohnungsbau zu betreiben, und heute leben wir mit dem Stand, dass Massen an Wohnungen viel zu billig verscherbelt wurden und nicht mehr angemessen nachgebaut wird. Also man merkt deutlich, dass Dt. nicht "reich" ist, sondern dass die Substanz genauso wie bei Straßen, Schulen, Bundeswehr usw. deutlich runtergeht. Griff in die Rentenkassen hatten wir auch noch. Altersarmut wächst in den nächsten Jahrzehnten stark an. Die Politiker müssten eigentlich hektisch routieren, um das zu verbessern, sitzen das aber stoisch wie wie Betonbüsten aus.

  12. 10.

    Klare Antwort: Nein.
    Ja, damit werden Sozialwohnungen von Menschen bewohnt, die mehr zahlen könnten. Früher gab es dafür eine Fehlbelegungsabgabe.

  13. 9.

    Ernstgemeinte Frage, denn ich weiß es nicht. Muss jemand auch aus der Sozialwohnung ausziehen, wenn er nicht mehr anspruchsberechtigt ist? Falls nein, dann wäre die Wohnung ja durch Fehlbelegung auch „verloren“

  14. 8.

    So wie die Sozialbindung wegfällt, so muss auch der Mietendeckel nach 5 Jahren wegfallen; ohne Verlängerung.

  15. 7.

    Zu Ihrer Information: Sie haben einen Zeitungsartikel gelesen. Der RBB nennt hier Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg. Falls Sie begründete Zweifel an der Seriosität dieser Institution haben - nur zu: Nennen Sie sie. Aber bitte nicht üble Nachrede als "Meinung" verkaufen. Im Zweifelsfall müssten Sie ja vor Gericht dazu stehen. Der Satz müsste ja schlicht gelogen sein: "Soviel wir seit 20 Jahren nicht" Das kann man schon Hochtouren nennen. Das es immer noch nicht reicht liegt halt daran, das weder die private Immobilienwirtschaft, noch die politischen Rezepte derer die auf ihn schwören in den letzten Jahrzehnten den benötigten Wohnraum geschaffen haben. Hat sie ja keiner dran gehindert ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

  16. 6.

    Das ist das Werk unserer Regierungen, gierig auf die vorzeitige Rückzahlung der öffentlichen Darlehen, was danach kommt interessiert nicht mehr, ist ja das Problem der Mieter.

    Ein weitere Spielball ist der Mietspiegel, wer einmal genau nachschaut bekommt einen Schock. Es werden Häuser ohne jede Begründung, ohne Grundlage, von einer einfachen in eine mittlere Wohnlage verschoben, natürlich mit einer kräftigen Mieterhöhung. Es werden sogar Wohnhäuser halbiert, bei einer völlig identischen Lage. Ja, auch da wo sich das Umfeld eindeutig verschlechtert hat, wird die Lage angehoben. Ein vorliegende Begründung durch die zuständige Senatsbauverwaltung ist schlicht falsch, der blanke Hohn. Das hierbei auch die Mietervereine beteiligt sind und gegen die Mitglieder arbeiten, ist einfach grotesk.
    Empfehlung: Einfach mal den eigenen Bereich ansehen, mit 2017 vergleichen und nach einer Erklärung suchen.

  17. 5.

    Dass die Sozialbindung für besonders viele Wohnungen ausläuft in ersten vollen Jahr in dem Frau Lompscher Senatorin ist, kann man ihr nun wahrlich nur schwer vorwerfen. Sie wird sich an den Zahlen von 2018 und 2019 messen lassen müssen - Jahre in denen Sie Zeit hatte gegenzusteuern. Wie dieser hohe Abbau an Sozialwohnungen im Jahr 2017 überhaupt möglich gewesen ist, sollte man Lompschers Vorgänger im Amt fragen... Geisel und Müller

  18. 4.

    Der Wohnungsbau hat nichts mit Sozialwohnungen zu tun. Die fertiggestellten gehen als Erstbezug für 1.000 Euro aufwärts raus, gut so. Man möchte ja etwas vernünftiges mieten.
    Erst sollte die vollzeitarbeitende Bevölkerung Wohnungen mit Wohnungen versorgt werden. Die kann sich den Neubau leisten.
    Die Sozialhilfeempfänger haben eh schon Wohnraum unter 5 Euro/m² (DW). Zugezogene können gerne wieder abziehen, kein Platz.
    Die Immobilienbörsen im Internet sind übrigens voll mit Exposés zum Mieten. Knappheit ist hier eher einen Frage des Geldes, aber warum sollen die einen hier in einer Hauptstadt für die anderen bezahlen.

  19. 3.

    Der Markt regelt es eben nicht mehr allein. Die Zahl auch für den sogenannten Mittelstand bezahlbarer Wohnungen sinkt kontinuierlich. Daher sind eine Kappungsgrenze und verstärkt geförderter Wohnungsbau mit Kaltmieten von nicht mehr als 8 Euro mehr als notwendig. Dann regelt der Markt es irgendwann vielleicht auch wieder allein.

  20. 2.

    Es gibt einen Unterschied zwischen der Zahl erteilter Baugenehmigungen (sinkt) und der Zahl jährlich fertig gestellter Wohnungen (2018 Rekord seit 20 Jahren). Ausserdem sind bereits 60.000 Wohnungen genehmigt worden, die immer noch nicht gebaut wurden.

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