Ein Regionalexpresszug der Linie RE 1 (r) steht auf dem Bahnhof in Potsdam neben einer S-Bahn der Linie 7 in Fahrtrichtung Berlin-Ahrensfelde. Quelle: dpa/Bernd Settnik
Video: Brandenburg Aktuell | 12.07.2019 | Rico Herkner | Bild: dpa/Bernd Settnik

VBB-Krisensitzung zu Ticketpreisen - "Das könnte das Ende des Verkehrsverbunds bedeuten"

Ein schwerer Streit im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg über die Ticketpreise könnte zum Problem für Tausende Pendler werden. Ohne eine Einigung drohen Bahn- und Buslinien zum Jahreswechsel ausgedünnt zu werden - vor allem in Brandenburg.

Der Streit um die Tarife im öffentlichen Nahverkehr innerhalb des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) droht zu eskalieren. Knackpunkt ist die Ankündigung des Landes Berlin, die Fahrpreise einseitig nicht zu erhöhen. Am Donnerstag beriet der VBB in einer Krisensitzung über das Streitthema.

Sollte es in den nächsten Wochen und Monaten zu keiner Einigung kommen, könnten womöglich einzelne Buslinien ausgedünnt, oder einige Straßenbahnlinien, etwa in Frankfurt (Oder) oder Cottbus nicht mehr betrieben werden, sagt rbb-Verkehrsexperte Rico Herkner. Denn dazu würde den klammen Städten schlichtweg das Geld fehlen.

Ärger über den Alleingang Berlins

Der Haussegen hängt schief bei der VBB, seit Berlin im April im Alleingang eine Tariferhöhung abgelehnt hatte, ohne sich mit Brandenburg abgestimmt zu haben. VBB-Aufsichtsrat Stephan Loge (SPD) sagte Brandenburg aktuell am Rande der Krisensitzung am Freitag, dass das Regelwerk zu Tariferhöhungen, das vor Jahren aufgestellt worden sei, "von den Berlinern durchbrochen" wurde. "Dann muss die Haushaltskasse entsprechende Leistungen bringen um Defizite auszugleichen. Sonst müssen wir unseren VBB infrage stellen", so Loge weiter.

Grund für das Auseinanderdriften der Preisvorstellungen sind die unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen der Länder: Während Berlin seit Jahren einen Zuwachs an Kunden verzeichnet, gehen in Brandenburg vielerorts die Fahrgastzahlen zurück. "Das Problem ist, dass Berlin das möglicherweise finanzieren kann, Brandenburg kann das nicht finanzieren", sagt Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB. "Die Brandenburger Verkehrsunternehmen bekommen schon jetzt seit vielen Jahren zu wenig Geld. Sie können das nicht bezahlen. Das könnte zum Ende des Verkehrsverbunds führen, wenn wir nicht andere Wege finden."

VBB reagierte überrascht auf Müllers Vorschlag für 365-Euro-Ticket

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) schlug jüngst ein Jahresticket für den Berliner Nahverkehr für 365 Euro vor – derzeit zahlen Kunden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) noch etwa das Doppelte. Nach der Vorstellung Müllers könnte das günstigere Ticket über eine CO2-Steuer finanziert werden.

Jens Wiesecke vom Fahrgastverband kritisiert auch hier eine einseitige Betrachtungsweise: "Nehmen wir an, Berlin führt das 365-Euro-Ticket ein, dann haben wir einen Run auf Parkplätze im Randgebiet. Deshalb muss so ein Projekt gemeinsam mit Berlin und Brandenburg entwickelt werden." Der VBB wolle den Berliner Vorschlag nun zusammen mit Brandenburg prüfen.

Von der Senatsverwaltung für Verkehr hieß es am Freitag, dass man über alles in Ruhe mit dem VBB reden wolle - und erst Anfang nächsten Jahres Finanzierungsmodelle vorstellen will.

Zoff unter Hauptgesellschaftern

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gehört flächenmäßig zu den größten Verkehrsverbünden in Europa. In der Hauptstadtregion werden laut VBB-Geschäftsbericht täglich 4 Millionen Fahrgäste in den S-, U-, Straßenbahnen, Bussen und Fähren befördert. Die Fahrpreise sind im gesamten Verbandsgebiet einheitlich - auch deshalb könnte ein Veto Berlins im Ticketstreit zu Problemen führen.

Per Gesellschaftsvertrag ist die VBB GmbH komplett in öffentlicher Hand: Hauptgesellschafter sind die beiden Länder Berlin und Brandenburg, denen je ein Drittel des Betriebes gehören. Die 18 Landkreise und kreisfreien Städte in Brandenburg gehört das übrige Drittel.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.07.2019, 19.30 Uhr

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60 Kommentare

  1. 60.

    Wovon reden Sie da eigentlich? Die Kommunen rings um Berlin sind reich.

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/07/kommunen-finanzen-brandenburg-haushalt-studie-bertelsmann.html

    Also bitte, nicht jammern.

  2. 59.

    An Kompromissen mit den Nachbarn ist die Berliner SPD nicht interessiert, siehe Feiertag. Gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen, davon hat sie sich die SPD insgesamt schon lange verabschiedet. Es wird nur noch für ein angenehmes Leben in Berlin gekämpft. Erinnert mich stark an die DDR. Hauptsache die Hauptstadt leuchtet der Rest egal und kann bezahlen.
    Die Pendler müssen mit den getrennten Feiertagen leben und dürfen jetzt auch die teuren Tickets bezahlen, damit die Berliner ihr 1-Euro Ticket bekommen. Das ist handeln im Sinne der Arbeitnehmer. Glückwunsch SPD.

  3. 58.

    Ist mir auf aufgefallen und sauer aufgestoßen. Und solche Leute erzählen dann was von weltoffen. Dabei bekommen Sie es gedanklich noch nicht mal hin, daß Nachbarbundesland in die Überlegungen einzubeziehen. Eines sollte mal allen hier klar werden. Scheitert der VBB, dann hat auch Berlin ein massives Problem, weil der Pendlerverkehr mit PKW wieder deutlich zunehmen würde. Dabei gibt es ähnlich viele Pendler nach Berlin hinein wie auch hinaus. Auch viele Berliner arbeiten in Brandenburg. Die Berliner Alleingänge ohne wirklichen Mehrwert und nur der Wahlkampftaktik dienend, sind inakzeptabel. Mit einem 365-EUR-Ticket wird man gar nicht viel mehr Fahrgäste gewinnen. Das Abo ist bereits jetzt um Längen billiger als der eigene PKW. Wer bisher nicht umsteigt, tut das auch in Zukunft nicht, zumindest nicht wegen des Preises. Wenn im Gegenzug sogar die Einzeltickets teurer werden sollen, wird sogar das Gegenteil eintreten. Gelegenheitsnutzer werden dann abgeschreckt.

  4. 57.

    Ja, ick will ooch meene Mauer wiederham! (Und natürlich die Berlin-Zulage. Früher war sowieso alles besser. Berlin den Berlinern!)

  5. 56.

    Wenn man die Kommentare liest, kann man nur ängstlich in die Zukunft sehen. Wenn es nicht einmal bei zwei innerdeutschen Nachbarländern möglich ist, vernünftig einen Kompromiss zu finden, wie soll das in Europa weitergehen.

  6. 55.

    Und ich habe heute mehrfach beobachtet, wie die Fahrradfahrer auf der Freigegebenen Busspur gefahren sind. Quälend und provokant langsam, nebeneinander, absteigend und das Fahrrad noch 20 Meter weiter schiebend. Was glauben Sie, wer da massive Verspätungen im ÖPNV verursacht? Da haben Sie ebenfalls Ihre Gründe, und die sind nicht besser als die von Ihnen angeführten. Aber mal im Ernst, vielleicht sollte endlich dieses Radfahrer-Autofahrer-Fußgänger Gequatsche endlich mal aufhören. Mit Ihrem Beitrag machen Sie es nicht besser.

  7. 54.

    Auch eine Variante. Der jeweilige Verkehr endet an der Ortsgrenze. Dort dann Umsteigebahnhöfe und auch P+R. Nur der Regio fährt ortsübergreifend. Und Fernverkehr ist außen vor.

  8. 53.

    Berlin sollte in erster Linie sich um Berliner Fahrgäste kümmern. Die Brandenburger hätten die Möglichkeit vom Rand der Stadt (C) in die S-Bahn zu steigen. Ein Zonenzug braucht definitiv nicht zu Bhf Zoo oder Bhf Alexanderplatz fahren, bei Touristen im ICE ist das etwas anderes.

  9. 52.

    Tja, ist schon blöd, wenn man im Umland wohnt aber in Berlin arbeitet. Das erleben wir Berliner tgl. in dieser Stadt und uns nervt das nicht weniger, weil dadurch alles zu voll ist. Straßen und der ÖPNV. Würde die Mehrheit da arbeiten wo sie wohnen, gäbe es weniger Probleme. Leider wurden weder die Straßen in Berlin, noch der ÖPNV bisher dieser morgentlichen und abendlichen Völkerwanderungen angepasst. Was den VBB angeht, würde es doch völlig ausreichen , den Speckgürtel mit abzudecken. Für den Rest könnte Brandenburg selbst sorgen und muss sich von Berlin dann auch nicht bevormundet fühlen.

  10. 51.

    Braucht Berlin denn den VBB? Berlin muss sich zunächst um den Verkehr in der Stadt kümmern. Im Grunde geht es immer um die Schnittstellen zu angrenzenden Gemeinden. Das Konzept VBB ist in der jetzigen Art und Weise unpraktisch. Ein Abkommen mit den jeweils angrenzenden Gemeinden wäre sinnvoller.

  11. 49.

    Apropos Erfahrungen, im wahrsten Sinn des Wortes. Gestern 24 Kilometer mit dem Rad durch die Stadt. Urlaubszeit, Samstag, da sollte doch ein entspanntes Vorwärtskommen garantiert sein.

    Ampelausfall Spandauer Damm, es ist irrwitzig wenn man beobachten muß wie der moderne Autofahrer ohne Ampelregelung aufgeschmissen ist und das Hirn einschalten muß. Rückstau. Keine 10 Minuten weiter der erste Falschparker auf der Busspur.

    Um es abzukürzen, ich bin auf 24 Kilometer auf 6 Falschparker gekommen die den ÖPNV behindert haben und ich war noch nicht einmal in der Innenstadt!

    Da haben sie die Gründe für die Unpünktlichkeit der BVG. Da frage ich mich doch wer hier blöd ist.

  12. 48.

    Das wäre ja sehr attraktiv: Zusätzliche Umsteigezwänge schaffen, und dann noch mit der langsamen S-Bahn, die an jeder zweiten Ecke hält, vom Stadtrand ins Zentrum zockeln. Haben Sie noch ein paar weitere so gute Ideen, um die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel gegenüber dem Gebrauch des eigenen Pkw (DIrektverbindung, und das im eigenen, "personalisierten" Lebensraum, ohne direkte Konfrontation mit den lieben Mitmenschen, immer mit Sitzplatzgarantie) möglichst unattraktiv zu machen?

    Nebenher: Ihre vorgeschlagenen "Gleisumbauten (Stromschienen)" wären leider nicht möglich, da Regionalzüge in der Regel dieselben Gleise benutzen wie Fernzüge. Sie könnten also nicht mal eben mit Oberleitung versehene Gleise auch (oder nur noch) mit Stromschienen versehen. Auf dem gleichen Gleis Berliner S-Bahnen (800 Volt) und Oberleitungszüge (15000 Volt) fahren zu lassen, ist zwar technisch nicht unmöglich, aber aufwendig und entsprechend teuer.

  13. 46.

    Taxis fahren nicht mit mir an die Ostsee (bzw. die Kosten übersteigen die jährlichen Unterhaltskosten meines Pkw), Taxis warten nicht, während ich meine umfangreichen Einkäufe durch mehrmaliges Laufen in der Wohnung habe, Taxis sind in Berlin oft sehr dreckig mmit fragwürdigen Fahrern, Taxis bzw. Fahrer kennen oft sogar bekannte Straßen nicht. Warum solle ich den Luxus eines eigenen Pkw abschaffen?

    Der Vorschlag, noch früher zur Bushaltestelle zu gehen, ist einfach nur albern. Verspätungen passieren (jedenfalls ständig in Berlin), aber die ständigen Ausfälle von Bussen sind nicht hinnehmbar.
    Nein danke, ich bleibe beim Pkw.

  14. 43.

    Es wäre besser die RE's überhaupt nicht mehr durch Berlin fahren zu lassen, wäre mehr Platz für Gleisumbauten (Stromschienen), die der S-Bahn zu gute kämen.
    Die RE's würde ich nur noch bis an die Randbahnhöfe (Tarif B) bringen, die Pendler könnten dann mit den die S-Bahnen von B nach A und umgekehrt. Wozu muss ein C-Zonen Zug zum Zoo?
    In Berlin muss man umsteigen weil kein Platz ist, nicht mal mehr die S5 von Spandau fährt der jahrelang gewohnte Strecke nach Strausberg durch. Katastrophe. In Berlin steigt man um wie blöd und die C-Zonies fahren durch. Verkehrte Welt.

  15. 42.

    Ich bin mir da nicht sicher. Bei der Fahrleistung könnte ein Taxi fast billiger sein. Und wenn anderen erkennen, dass Busse manchmal etwas früher fahren, gehen andere einfach drei Minuten früher aus dem Haus.

  16. 41.

    In die ÖPNV Problematik zwischen Berlin und Brandenburg möchte ich mich nicht einmischen, da ich davon nichts verstehe.
    Allerdings möchte ich zu Bedenken geben, dass die dichtere Stationsfolge in Berlin mit der Größe des Fahrgastaufkommens auf den betrachteten Teilstrecken zu tun hat.

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