Archivbild: Gäste sitzen an einem Sommerabend im Hof vor Clärchens Ballhaus in Berlin Mitte. (Quelle: dpa/Kalaene)
Audio: Abendschau | 10.07.2019 | R. Smit/M. Kell | Bild: dpa/Kalaene

Nach Eigentümerwechsel - Berliner Kult-Lokal Clärchens Ballhaus droht Schließung

Eine Berliner Institution steht vor dem Aus: Das beliebte Tanz-Lokal Clärchens Ballhaus muss womöglich zum Jahresende schließen. Der Pachtvertrag wurde gekündigt. Es wäre nicht die erste Zäsur in der ereignisreichen Geschichte des Lokals.

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Das Berliner Tanzlokal Clärchens Ballhaus steht möglicherweise vor dem Aus. Pächter Christian Schulz sagte der rbb-Abendschau, dass der Mietvertrag am 31.12.2019 auslaufe. "Weitere Pläne liegen nicht vor", so Schulz. Er betreibt das Lokal seit 2004 gemeinsam mit David Regehr.

Mitarbeiter von Clärchens Ballhaus berichteten der Abendschau, dass ihnen bereits am vergangenen Mittwoch bei einer Personalversammlung mündlich eine Kündigung der Arbeitsverträge zum Jahresende ausgesprochen worden sei. Demnach solle eine schriftliche Kündigung bald folgen.

Vor einem halben Jahr soll ein neuer Investor aus Berlin die Immobilie in der Auguststraße in Berlin-Mitte gekauft haben. Zu möglichen Plänen wollte er sich auf Nachfrage zunächst nicht äußern, ein Erhalt des Ballhauses sei aber denkbar. Ab Januar sei allerdings eine Renovierung geplant. "So viel wie eben nötig", wurde der Abendschau mitgeteilt.

Nicht der erste einschneidende Eigentümerwechsel

Clärchens Ballhaus genießt aufgrund der regelmäßigen Tanzveranstaltungen bei vielen Berlinern Kultstatus. Die Tango-, Salsa- oder Swingabende werden meist durch Lehrstunden eingeleitet. Insbesondere das raue Ambiente des Lokals gilt als einzigartig. Zwar wurden die Räume des Lokals instandgehalten, Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg oder der DDR-Zeit aber nicht beseitigt. Originale Stuckteile sind genauso sichtbar wie glatt überputzte Löcher in den Wänden und Decken.

Das Haus mit den zwei Sälen im Hinterhaus - dem Tanzsaal im Erdgeschoss und dem darüber liegenden Spiegelsaal - wurde 1895 erbaut. Im September 1913 eröffnete das Ehepaar Fritz und Clara Bühler das Tanzlokal Bühlers Ballhaus. Im Volksmund war es jedoch schnell als Clärchens Ballhaus bekannt. Auch während der DDR-Zeit blieb es immer in Privatbetrieb. Bis 2003 führten die Nachkommen von Clara und ihrem zweiten Ehemann Arthur Habermann das Lokal als Familienbetrieb. Nach einem Eigentümerwechsel wurde ihr Mietvertrag nicht verlängert.

Mehrfach diente das Lokal als Drehort für Spielfilme, etwa für die ARD-Produktion "Stauffenberg" (2004) oder "Inglourious Basterds" (2009) von Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino mit Brad Pitt, Christoph Waltz und Melanie Laurent.

Vom Tanzlokal zum Traditionshaus

Sendung: Abendschau, 10.07.2019, 19.30 Uhr

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40 Kommentare

  1. 40.

    Und was ist schlimm daran, dass viele eine Institution bewahren möchten? Veränderung=Wegwerfgesellschaft? Ex und Hopp??? Das ist kein Gejammere. Sondern der Frust, dass viele kleine, schöne Orte, die Berlins Charme ausmachen, einfach verschwinden. Die meisten neuen Lokale und Geschäfte in Berlin sind Dutzendware, langweilig, nichtssagend. Nee nee, manche Dinge lohnen sich bewahrt zu werden. Fein, dass das geklappt hat :-)

  2. 39.

    Ab und zu muß man sich eben mal von alten Sachen trennen. Das Leben ist Veränderung, also weg damit! Ständig dieses Gejammere...

  3. 38.

    Nichts kapiert. Aber ziemlich viel Meinung zu extrem wenig Ahnung. Egal, das Ballhaus ist gerettet. Schwamm drüber.

  4. 37.

    IN-Szene muss ja nicht marode sein und eine einseitige Definition haben
    Es gibt einfach Orte in Berlin da gibt es einfach noch viel zu tun. Die Bausubstanz sollte dringend in Form gebracht werden. Warum solch eine Feindseligkeit gegenüber Investoren? Studierende in Berlin gibt es sehr sehr viele.
    Mit dem anschließenden Berufsleben kann man viel bewerkstelligen. Sie sollten einfach eine Liegenschaft kaufen.
    Mich würde interessieren was Sie damit anstellen. Instandsetzen oder vergammeln lassen ? Sie vergessen hierbei, dass auch Investoren Auflagen haben, und nicht und lassen können was sie wollen.
    Dass Berlin zunehmend teuer wird liegt nicht nur an den Investoren, sondern an der Wohnlage. Diese hat die Senatsverwaltung im Mietspiegel festgelegt. Berlin hat im Zentrum noch etliche nicht sanierte Gegenden, die dann eben lukrativ nach Wohnlage vermietet und verkauft werden. Ich bin mir sicher, dass es hier etliche Mieter oder gar Käufer geben wird.

  5. 36.

    Im Namen der Rendite ergeht folgendes Urteil: Claerchens Ballhaus muss geschlossen werden, zu wenig Gewinn. Weiterhin müssen alle die hier sowieso schon ewig leben weg (falls noch jemand da ist), wir brauchen finanzstarke Bürger. Irgendwer muss die ganze Luxusscheiße ja auch bezahlen. Und wenn dann alles so ist wie in Böblingen oder irgendeiner anderen Westdeutschen Kleinstadt wundern sich alle warum sie eigentlich hergekommen sind. Der Markt reguliert sich nicht von alleine, das Geld kennt keine Moral, es ist soo traurig. Entschuldigung für die Wortwahl, aber ich habe das Gefühl dass Wut in Hass umschlägt. Die Stadt verändert sich, das ist klar, aber sie verändert sich nicht zum Guten. Wenn ich "Investoren" höre, dann bin ich immer skeptisch, denn immer (immer) kam es so wie ich und viele andere es nicht wollten. Clubs und Kneipen mussten schließen, Freiräume wurden zerstört, Luxuswohnungen und Malls wurden gebaut. Wäre schön wenn alles wieder bröckelt und wie das Claerchens aussieht.

  6. 35.

    Es wäre ein Desaster, wenn es das Clärchens in dieser Form nicht mehr geben würde! Hier haben wir über viele Jahre gefeiert und getanzt, sowie mit Freunden aus nah und fern einen wunderschönen Treffpunkt, der nicht verschwinden darf!

  7. 34.

    Wir sind unendlich traurig.
    Kalkscheune weg, Hafenbar verdrängt. Nun noch unser Clärchen. Wir wären/ sind dabei bei einer Demo, um ein Stück echtes Berlin zu erhalten!!!!!! Oder Open Petition...
    LG 2 echte Berliner

  8. 33.

    Immer wieder, wenn ich zu „Hoeck“ in die Wilmersdorfer Straße gehe, dann erfreue ich mich zuerst immer an den Alten Charme den diese Kneipe verströmt. Selbst die Stammkundschaft belegt dies immer wieder. Und das Gute daran ist, die Hauseigentümerin würde ein Teufel tun, das jemals ändern zu wollen. So kann’s nämlich auch gehen.

  9. 32.

    Gestern Kräuter Kühne heute Clärchens... unfassbar wie Berlin sich entwickeln lässt.

  10. 31.

    Finger weg vom Claerchen!!!!!!!

  11. 29.

    Auf diese Weise verblasst wieder einmal mehr berlin's anziehende Seele. Was ist mit unserer Lebensqualität in der Stadt? Hier ist ein Ort mit Geschichte und Charme, hier leben Menschen, die ihre Stadt kennen und lieben. Aber egal, Hauptsache das Geld stimmt!

  12. 28.

    Das darf auf gar keinen Fall passieren. Gibt es schon Pläne, sich dagegen zu organisieren? Ich würde auf jeden Fall mit demonstrieren. Ich glaube, in diesem Fall könnte man wirklich halb Berlin mobilisieren, wenn man frühzeitig und weitreichend über Ort und Zeit der Demo informiert.

  13. 27.

    Das Clärchen Ballhaus hat doch Kultstatus und ist immer ein Besuch wert. Auch bei Touristen sehr beliebt. Ich kenne es seit jahrzehnten und für mich unverständlich warum man es schliessen muss .

  14. 26.

    Das ist doch wohl das Letzte. Wie kann man diese Lokalität schließen. Dort " tobt" doch jedes Wochenende der Bär. Die Stimmung dort ist fantastisch. Ich bin dort ebenfalls Stammgast. Ein Berliner Original darf man doch nicht so einfach schließen. Es zieht nicht nur Berliner sondern auch viele Touristen an. Ein Umbau würde den ganzen Altberliner Charme zerstören.

  15. 25.

    Clärchens ist eine Institution, die es zu schützen gilt, gleich dem erwähnten Hofbräuhaus. Was es auch immer zu tun gibt, um das Clärchen zu schützen, werde gerne meinen Teil dazu beitragen. Bin großer Vertreter der Marktwirtschaft, aber manchmal muss man dem Markt Grenzen setzen, um das Allgemeinwohl zu schützen.

  16. 24.

    Alles was Berlins Charme und "Anderssein" ausmachte, wird Stück für Stück zerstört. Alles gleich, alles uniformiert, alles tot. Es ist entsetzlich, was aus dieser Stadt gemacht wird. Lieber ein etwas marodes Kultlokal wie das Ballhaus, als weitere Zombiemalls, Spätis, überteuerte Boutiquen oder Läden, die kein Mensch braucht. Beschämend und traurig, was in Berlin geschieht.

  17. 23.

    Es ist einfach nur zum Kotzen was da nun wieder passiert. Gerade dieser morbide Charm macht es doch aus. Vor allen ist dies eine Berliner Institution. Bin traurig und wütend zugleich.

  18. 22.

    Das wäre so, als wenn man in München das "Hofbräuhaus" dichtmacht oder in Leipzig "Auerbachs Keller". Das geht gar nicht. Das "Clärchens" gehört unter Milieuschutz,

  19. 21.

    Berlin braucht eben mehr Büroräume, pardon: Working Spaces, Living Spaces (deutsch: sehr teure Eigentumswohnungen) und natürlich hippe Event Locations. Anybody here who doesn't speak English? Go away! Go to Brandenburg!

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