Hans Wall vor dem Kirchturm der Parochialkirche. Quelle: imago
Video: rbb|24 | 03.07.2019 | Bild: imago

Trauer um Unternehmer - Berliner Mäzen Hans Wall gestorben

Der Unternehmer und Mäzen Hans Wall ist tot. Er starb überraschend im Alter von 77 Jahren. Mit seinem Engagement für viele bekannte Projekte hat sich der Wahl-Berliner einen Namen gemacht. Sein Vermögen erwirtschafte Wall mit sogenannten Stadtmöbeln.

Der Berliner Unternehmer und Mäzen Hans Wall ist tot. Der 77-Jährige seit bereits am Dienstag gestorben, teilte seine Familie mit. Wall war vor allem bekannt als Gründer des gleichnamigen Werbeunternehmens. Einen Namen machte er sich aber auch durch zahlreiche Spenden für Berliner Bauvorhaben, wie etwa den Wiederaufbau des Glockenspiels in der der Parochialkirche in Berlin-Mitte.

Eine moderne öffentliche Toilette auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Foto: dpa/M. C. Hurek
Eine öffentliche Toilette der Wall AG auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Bild: dpa | Bild: dpa/Markus C. Hurek

Würdigung durch Regierenden Bürgermeister und Berliner Bischof

Wall wurde 1942 geboren und machte sich mit Anfang 30 selbstständig. Seine Idee: den Kommunen kostenlose Stadtmöblierung anzubieten - über die er gewinnbringend Werbeflächen vermarktete. Unter anderem betrieb Wall in Berlin öffentliche Toiletten, was ihm den inoffiziellen Titel "Toiletten-König" eintrug.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte den verstorbenen Unternehmer in einer Mitteilung: "Hans Wall hat mit seinem Werdegang vorgelebt, dass Aufstieg gelingen kann. Hans Wall hat den Weg vom Schlosser zum Unternehmer und großen Mäzen zurückgelegt." Er habe immer finanziell geholfen, wenn es für die Stadt wichtig gewesen sei, so Müller weiter.

Der Berliner Bischof Markus Dröge bezeichnete Wall als einen mutigen und erfolgreichen Unternehmer, der sich in die Verantwortung für das Gemeinwohl habe nehmen lassen. "Er ist ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement und hat sich für seine Stadt und auch
für unsere Kirche engagiert", sagte Dröge.

Wall beschäftigt in den 80ern bereits mehr als 700 Mitarbeiter

Walls Unternehmerkarriere beginnt im badischen Ettlingen. Dort gründet er 1973 seine Firma. 1984 kommt er mit 18 Mitarbeitern nach Berlin und bietet den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) eine Zusammenarbeit an, die seinem Unternehmen mächtigen Aufwind verleiht.  

Wartehäuschen, Toiletten, Kioske und Plakatwände, die Wall an den Haltestellen platzieren darf, werden in einer eigenen Fabrik im brandenburgischen Velten produziert. Sein Unternehmen wächst auf mehr als 700 Beschäftigte - der Chef residiert in einem schicken Neubau an der Friedrichstraße.

Unternehmer Hans Wall. Quelle: imago/Joachim Schulz
| Bild: imago/Joachim Schulz

Ein lukratives Geschäft

Das Geschäftsmodell der Wall AG ist überaus lukrativ - wie eine Episode aus dem Jahr 2006 illustriert. Damals wollte die BVG ihre Werbetochter VVR Berek verkaufen. Wall verliert die Ausschreibung gegen den französischen Milliardenkonzern JCDecaux. Die Franzosen zahlen 103 Millionen - für ein Unternehmen mit 27 Millionen Umsatz und einem Jahresgewinn von knapp sieben Millionen Euro. Vor der Ausschreibung war in der Branche ein Preis von 50 Millionen Euro angesetzt worden.

Doch die Franzosen zahlten den Mondpreis, weil sie unbedingt in Berlin auf den Markt kommen wollten. Und Wall? Der Platzhirsch droht mit Umzug nach Hamburg, kann vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit nur mit Mühe beschwichtigt werden.

Hans Wall im Jahr 2006 im Werk in Velten. Quelle: dpa/Jochen Zick
Bild: dpa/Jochen Zick

"Hans, spring über deinen Schatten"

Wall fing sich wieder. Und verkaufte wenige Jahre später seine Firma - ausgerechnet an den französischen Konkurrenten, der ihm die Werbetochter der BVG weggeschnappt hatte. Der Preis: schätzungsweise 80 Millionen Euro. "Hans, spring über deinen Schatten", habe er sich damals gesagt, berichtet Wall später. Er habe an die Zukunft der Firma und die seines Sohnes gedacht. Daniel Wall war damals Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.  

Nach dem Ausscheiden aus der Firma, deren Aufsichtsrat er noch bis 2012 leitet, konzentriert sich Hans Wall auf sein Engagement als Vorsitzendes des Vereins "Denkmal Berlin". Mit 90.000 Euro ist er maßgeblich an der Wiederrichtung des Turms der der Parochialkirche in Mitte beteiligt. Nun ist das "ehrliche Schlitzohr", wie sich Wall selbst einmal nannte, in Berlin gestorben.

Sendung: Inforadio, 03.07.2019, 10.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren