Der Mühlenspeicher an der Havel in Potsdam wird abgerissen. Quelle: dpa/Bernd Settnik
Video: Brandenburg Aktuell | 17.07.2019 | Stefan Sperfeld | Bild: dpa/Bernd Settnik

Wohnungsmarkt in Brandenburg - Leerstand und Abrisse außerhalb des Speckgürtels nehmen zu

In der Prignitz oder im Kreis Oberspreewald-Lausitz leben Mieter noch vergleichsweise günstig - auch, weil es viele Menschen in die Hauptstadt zieht. Jenseits des Speckgürtels stehen deshalb aber viele Tausend Häuser leer.

In Brandenburger Städten außerhalb der näheren Hauptstadtregion steigt der Leerstand für Wohnungen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) weiter an. "Wir sehen die Entwicklung mit großer Sorge", sagte Maren Kern, BBU-Vorstand, am Mittwoch in Potsdam bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens. Fast 27.000 Wohnungen stünden landesweit leer - das entspreche einer Stadt mit 60.000 Einwohnern wie etwa Frankfurt (Oder). Zählt man die Zahl der abgerissenen Gebäude hinzu, sind im Vergleich zum Jahr 1995 insgesamt sogar mehr als 90.000 Wohnungen weniger bewohnt.

Am höchsten ist nach den Angaben der Leerstand der BBU-Wohnungen derzeit in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) mit 30,2 Prozent und in Forst (Spree-Neiße) mit 27,8 Prozent. In Wildau (Dahme-Spreewald) und Bernau (Barnim) stehen dagegen nur 0,7 Prozent der Wohnungen leer, in Falkensee (Havelland) 1,9 und in Potsdam 2,7 Prozent.

Abrissquoten von bis zu 38 Prozent

Die Durchschnittswarmmiete lag Ende vergangenen Jahres für Bestandswohnungen des Verbandes in Brandenburg bei 7,50 pro Monat und Quadratmeter - 1,4 Prozent mehr als im Vergleich zu 2017. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung im Bestand bedeutet das eine Miete von 374 Euro monatlich in Fürstenberg (Oberhavel), 390 Euro monatlich in Elsterwerda (Elbe-Elster) und bis zu 510 Euro in Potsdam.

In Berlin fallen in Bestandsunterkünften des Verbandes etwa 534 Euro monatlich an. Nach den Angaben ist das Wohnen im weiteren Metropolenraum gut 21 Prozent günstiger als in Berlin. In einigen Landesteilen seien die Mieten nicht weiter gestiegen, betonte Kern. Das könne sich langfristig auf weitere Investitionen der Unternehmen für Neubau, Sanierungen und Modernisierungen auswirken.

Der Zuzug von Mietern aus Berlin und anderen Bundesländern, als auch von Rückkehrern sei vorhanden - jedoch nicht so hoch wie erhofft. Es hielte sich meist nur die Waage mit den Wegzüglern, sagte Kern. Wohnungen, die niemand haben wolle, müssten vom Markt genommen werden: Seit 2002 haben die Unternehmen bis zu rund 38 Prozent des Bestandes abgerissen.

Langer Vorlauf bei Infrastrukturprojekten

Der BBU forderte deshalb von der Landesregierung ein nachhaltiges Infrastrukturkonzept für den ländlichen Raum. Dazu solle gehören, den Nahverkehr schneller auszubauen, ebenso die soziale und die Bildungsinfrastruktur. Außerdem solle die regionale Wirtschaft stärker gefördert und die digitale Infrastruktur ausgebaut werden.

"Bei Planungen müssen immer unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden", sagte Michael Brentrup, Sprecher des Brandenburger Infrastrukturministeriums, am Mittwoch im rbb. Deshalb sei der Zeithorizont 2030 für diese Ziele angemessen. Bei Infrastrukturprojekten gebe es häufig Widerstand von Anwohnern, der nicht einfach ignoriert werden könne - auch wenn sich andere Menschen rasch neue Straßen und Bahnverbindungen wünschten.

"Kein Grund für Mietendeckel in Brandenburg"

Für Diskussionen um Mietendeckel, Wohnungsnot und Mietenexplosion gebe es in Brandenburg keinen Grund, sagte BBU-Vorstand Kern. Vom Land wurde aber gefordert, weiter eigene Förderprogramme aufzulegen, um der Ungleichentwicklung zu begegnen. Die Wohnraumförderung des Landes müsse so ausgebaut werden, dass Wohnungsunternehmen in besonders benachteiligten Regionen beim Rückbau und Abriss von nicht mehr gefragtem Wohnraum und der Schuldenentlastung unterstützt werden.

In diesem Jahr planen die Mitglieder Investitionen in Höhe von 761 Millionen Euro. Im Vorjahr wurden 906 Wohnungen fertiggestellt, in diesem Jahr sollen es 1.270 werden. Der BBU hat in Brandenburg 203 Mitgliedsunternehmen, die über etwa die Hälfte des Wohnungsbestandes im Land verfügen. In Berlin gehören den Verbandsmitgliedern immerhin 40 Prozent aller Wohnungen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 17.07.2019, 19.30 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    Die Menschen, werden immer dahin ziehen, wo ihr Umfeld,ihre Freunde, Ihre Arbeit, Kultur und Hobbys sind. Das ist in Ostdeutschland - hauptsächlich Berlin und sein direktes Umfeld. Die Politik, hat das in den letzten 30 Jahren nicht geändert und kann und wird das auch politisch und wirtschaftlich überhaupt nicht ändern. Nur die Geldverschwendung, wird weitergehen - Lausitz - Lausitz - Lausitz- noch ein See - noch ein See - noch ein See und das gegenseitige Schulterklopfen der Politik.

  2. 5.

    Es macht ökonomisch keinen Sinn in Gegenden Geld zu stecken, wo die Leute wegziehen. Sollte sich das aus irgendeinem Grund ändern, erst dann macht es Sinn die Infrastruktur auszubauen. Aber man kann nicht Millionen in den Sand setzen und am Ende ziehen die Leute trotzdem weg.

    Beim Ärztemangel kann man eigentlich auch nur raten, mehr Ärzte auszubilden. Es gibt bei den Notaren einen "Zwang" sich in einem bestimmten Bezirk niederzulassen, damit die Versorgung mit Notaren gewährleistet ist. Aber sinnvoller dürfe es sein schon junge Ärzte für das Landleben zu begeistern, etwa durch gute Arbeitsbedingungen oder der verbilligten Vergabe von Bauland.

  3. 4.

    Wo gibt es denn bitte Wohnungsnot? Eine Suchanfrage für Berlin auf einer (!) Suchmaschine ergab gerade eben:

    1-Zimmer
    486 Mietwohnungen in Berlin
    21 Mietwohnungen in Potsdam

    2-Zimmer
    1.750 Mietwohnungen in Berlin
    70 Mietwohnungen in Potsdam

    3-Zimmer
    2.742 Mietwohnungen in Berlin
    112 Mietwohnungen in Potsdam

    4 Zimmer
    3.134 Mietwohnungen in Berlin
    133 Mietwohnungen in Potsdam

    5-Zimmer
    3.244 Mietwohnungen in Berlin
    139 Mietwohnungen in Potsdam

    ...usw. man braucht nur noch aussuchen.

  4. 3.

    Genau. Wo keine Wohnungen vermietete werden, gibt es wenigsten keine Kapitalisten die daran verdienen.
    Und wer eine eigene Wohnung hat ist auch so ein kapitalistischer Bonze.

    Nur wer keine Wohnung hat und gerne eine für lau haben möchte, der ist gut!

  5. 2.

    "In diesem Jahr planen die Mitglieder Investitionen in Höhe von 761 Millionen Euro. Im Vorjahr wurden 906 Wohnungen fertiggestellt, in diesem Jahr sollen es 1.270 werden."

    das machen die nicht aus sozialer Verantwortung heraus, sondern ganz profan, um Profite damit zu machen.

    Deshalb ist diese Forderung hier:
    "...dass Wohnungsunternehmen in besonders benachteiligten Regionen beim Rückbau und Abriss von nicht mehr gefragtem Wohnraum und der Schuldenentlastung unterstützt werden."

    völlig unangemessen. Das bedeutet letztendlich nur, die Gewinne zu privatisieren, die Verluste aber zu sozialisieren.


  6. 1.

    In den Vororten von Berlin gibt es genauso Wohnungsnot und Mietenexplosion. Besonders in Potsdam aber nicht nur dort, sondern auch in allen anderen Vororten von Berlin.

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