Clärchens Ballhaus in Berlin-Mitte (Bild: imago images/Jürgen Ritter)
Bild: imago images/Jürgen Ritter

Tanzlokal in Berlin-Mitte - Investor verspricht Weiterbetrieb von Clärchens Ballhaus

Dem Pächter ist zum Jahresende gekündigt, Sanierungen stehen an: Die Zukunft von Clärchens Ballhaus in Berlin-Mitte erscheint ungewiss. Jetzt verspricht der neue Besitzer: Der legendäre Tanzladen bleibt erhalten. Doch wer ihn betreibt, ist damit noch nicht geklärt.

Der neue Besitzer von Clärchens Ballhaus will das legendäre Tanzlokal auch nach der Sanierung erhalten. "Ich habe das Areal gekauft mit dem klaren Ziel, Clärchens Ballhaus zu beschützen", teilte der Investor Yoram Roth am Donnerstag mit. In Clärchens Ballhaus solle man Berlin weiter "in seiner Urform wiederfinden". Auch das Tanzen solle weitergehen.

Pacht wird neu ausgeschrieben

Die Roth-Holding mit Sitz am Kurfürstendamm hat das Areal in der Auguststraße im Bezirk Mitte nach eigenen Angaben Ende 2018 gekauft. Dem Pächter Christian Schulz wurde zum 31.12.2019 gekündigt.

Am Mittwoch hatten Mitarbeiter von Clärchens Ballhaus der rbb-Abendschau berichtet, ihnen sei ebenfalls zum Jahresende die Kündigung ausgesprochen worden. Welcher Betreiber nach der Sanierung in Clärchens Ballhaus zum Zuge kommt, ist ungewiss. Eine Sprecherin der Roth-Gruppe sagte rbb|24, die Pacht werde neu ausgeschrieben. Zwischen dem Ende des aktuellen Pachtvertrags und dem Start der Sanierungen will der Besitzer nach eigener Aussage eine passende Zwischennutzung finden. 

Was alles saniert werden soll

Wie Yoram Roth am Donnerstag ankündigte, sollen die Sanierungsarbeiten an dem Gebäude im Sommer 2020 beginnen. Im Mittelpunkt stehen dabei Sanitäranlagen, gastronomische Bereiche, Dächer und Treppenhäuser. Der historische Spiegelsaal solle erhalten bleiben, versicherte Roth. In jedem Fall sei geplant, das Lokal weiter unter dem Namen Clärchens Ballhaus zu führen und die Tradition damit lebendig zu halten.   

Allerdings befürchtet Roth nach eigener Aussage, dass er von den Behörden die Auflage bekommt, Wohnungen einzubauen. "Dies würde bedeuten, dass Clärchens ein weiteres Opfer des Berliner Clubsterbens wird, ausgelöst durch den Berliner Wohnungswahn", heißt es in der Pressemitteilung.

Neuer Besitzer tritt erstmals in Erscheinung

Roth ist nach eigenen Angaben Kultur-Investor mit besonderem Interesse an Fotografie, in Stockholm und Tallin hat er die Museen "Fotografiska" übernommen beziehungsweise eröffnet. Auch in Berlin soll ein solches Museum entstehen.

Mit der Pressemitteilung vom Donnerstag trat Roth erstmals öffentlich in Erscheinung. Bislang war nur bekannt, dass es im vergangenen Winter einen Besitzerwechsel bei Clärchens Ballhaus gegeben hatte. Vorbesitzer war der Kunstsammler und Investor Hans-Joachim Sander, der zum Shampoo-Imperium Wella gerechnet wird. Der hatte das Haus mit der bewegten Geschichte wiederum 2003 vom Enkel Clara Habermanns abgekauft - jener Clara, die dem Ballhaus seinen Namen gab.

Sendung: Abendschau, 11.07.2019, 19.30 Uhr

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Antwort auf [Sven L.] vom 12.07.2019 um 09:40
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20 Kommentare

  1. 20.

    Das Clärchens ist einzigartig alleine da durch das Menschen von Jung bis Alt sich dort treffen um miteinander zu feiern, zu tanzen und zu reden. Clärchens ist der Ort in Berlin wo dieses in dieser Form nur möglich ist?! Wir haben den achtzigsten Geburtstag meiner Mutter dort gefeiert. Ich gehe dort regelmäßig zum Tanzen, ich bin über 50ig und gerade für mein Alter ist diesen Ort so wichtig und ich finde, das jetzt endlich was getan werden muss, damit das Clärchens es weiterhin gibt. Schaut euch doch an was aus der „Strandbar“ am Monbijourpark geworden ist, am Pfefferberg sind die leuchtenden Kugeln aus den Bäumen weg und für mich verschwindet immer mehr was besonders und anders war, als in anderen Städten. Ich würde gerne etwas dagegen tun.

  2. 19.

    ....Legenden verschwinden.....lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen...... :-)

  3. 17.

    Warum erinnert mich das verteufelt an die Marken AEG und Grundig... Solange der Markenname noch auf dem Produkt klebt, wird es noch Leute geben, die sich seiner erinnern, auch, wenn die Identität schon lange über den Jordan gegangen ist...

  4. 16.

    Denkmalschutz für's Clairchens ! ;Pächterneuling nur mit ganzheitlichem Publikumskonzept. Das Clärchen-Haus gehört in den Denkmalfundus von Berlin. Drumrum tummelt sich das internationale Kapital schon bis zum Abwinken ohne ehrlichen Blick für die Soziale Durchmischung der Stadt, die sie gerne als "oldfashioned" verstehen u. damit das Gemeinwesen von Berlin einseitig auf eine gesell. Zielgruppe ausrichten. In dieser Welt gilt: "Geld kann man zukünftig auch - ohne lebende Kellnerbedienung - essen", Was für ein tragischer Irrtum.

  5. 15.

    Wie ich ja unten schon geschrieben habe war Anfangs als die ersten Informationen an die Öffentlichkeit gekommen sind noch nicht von einen Erhalt des Tanzlokals die Rede und deshalb gab es meiner Meinung nach auch zu Recht einen großen Aufschrei aber wie auch schon geschrieben freue ich mich über jede Lösung in der Clärchens Ballhaus möglichst authentisch weiter betrieben werden kann . Mir wegen meiner Kritik in einigen Punkten mit diesem Bauprojekt jedoch die Frage zu stellen ob ich was gegen Juden oder Reiche habe finde ich schon etwas grenzwertig wenn nicht geschmacklos und deshalb werde ich mich auch auf diese Niveau nicht herab begeben !!

  6. 14.

    Haben Sie etwas gegen den Investor? Weil er jüdisch ist? Weil er reich ist? Weil sein Vater Probleme mit den Finanzbehörden hatte? Er ist für den Erhalt des Ballhauses und hat lediglich Sorge, dass er Auflagen erhält, dort auch Wohnraum schaffen zu müssen. Warum er diese Sorge hat erschließt sich mir zwar nicht, aber er hat sie. Wortklauberei („Wohnungswahn“) kann man natürlich betreiben, geht aber an der Sache vorbei. Den beiden (!) Pächter geht es auch um den Erhalt des Ballhauses. Da wird sich eine Lösung finden. Die Sanierung der sanitären uns gastronomischen Bereiche ist auch unstrittig. Ballsaal etc soll ja erhalten bleiben. Ich finde es gut wenn jemand privates Geld in die Hand nimmt, um eine Institution zu erhalten. Bestimmt bin ich aus Ihres Sicht zu optimistisch, aber tut mir leid, dieses Berliner Jammern mache ich nicht mit. Schönes Wochenende

  7. 13.

    Es geht nicht darum ob es in Berlin eine Wohnungsnot gibt oder nicht denn jeder der nicht blind ist sieht das es seit Jahren an allen Ecken und Enden brennt und es überall in der Stadt besonders an bezahlbaren Wohnraum mangelt . Woran es meiner Meinung nach aber nicht so sehr mangelt sind Wohnungen im Luxusbereich und wenn ein Investor sich ausgerechnet an einer Institution wie Clärchens Ballhaus heranmacht und dann sein Vorgehen mit dem " Berliner Wohnungswahn " rechtfertigt finde ich das doch zumindest etwas bedenklich . Letztendlich ist mir aber nur wichtig das dieses Tanzlokal in seiner Art eine Zukunft hat und da soll es mir auch egal sein ob der Investor es freiwillig macht oder mit etwas Druck . Ich wünsche mir es für Berlin . Im übrigen bin ich etwas verwundert warum der Investor offensichtlich nicht gleich von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt hat sondern erst 2 Tage später sein Vorschlag der Presse mitgeteilt hat .

  8. 12.

    Ich habe recherchiert und u.a. das gefunden : " Berliner Wohnungswahn " Das reicht mir fürs erste um mir eine und in dem Fall meine Meinung zu bilden !! Und dazu muss man noch nicht einmal Paranoid sein Sorry !!

  9. 11.

    Ohne hier böse Absicht zu unterstellen, frage ich mich, für welche Zielgruppe Clärchens Ballhaus wieder geöffnet wird.

  10. 10.

    Eine Wohnungsnot scheint es jedenfalls nicht zu geben und auch die stark steigen Mietpreise müssen Fake-News sein. Den ansonsten würden sich nicht so viele Berliner immer wieder zu ihrem privaten Wohl gegen größere und kleinere Wohnungsbauorojekte aussprechen und die Medien würden sich nicht immer wieder vor deren Karren spannen lassen.

  11. 9.

    Dann wäre die Kündigung für den Pächter doch unnötig. Aber ich vermute, das somit aus dem Ballhaus eine gehobene Gastronomie "entwickelt" werden könnte und damit das Flair komplett verloren ginge.
    Es geht doch letztendlich nur um Rendite, nicht um. Kulturgut.
    Trotzdem drücke ich ich Pächter und Angestellten die Daumen, dass sie den Betrieb weiterführen dürfen. Ich wünsche und gönne es ihm.

  12. 8.

    Clubs kommen und gehen. Werden neu konzipiert, je nach Klientel. Alles eine Frage der Auffassung was man für erhaltungswert und rentabel hält. Ein Club ist auch nur eine Immobilie.

  13. 7.

    Sie sind paranoid. Sorry. Aber ein Investor dieser Art ist nicht der, den Sie wohl meinen. Recherchieren Sie mal lieber erst, bevor Sie hier pauschal Investoren beschimpfen.

  14. 6.

    @ Sven L. 11.07.2019/16:20
    Sie mögen im gewissen Sachen Recht haben aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen das Investoren sich aufgrund eines RBB-Berichtes vom Saulus zum Paulus wandeln, da sind wenn es überhaupt stimmt das der Investor das so erhalten will, ganz andere Kräfte im Spiel. Wetten mag ich nicht. Wir werden ja sehen wie es weitergeht.

  15. 5.

    Ich stimme Ihnen voll zu !! Alleine schon das dieser Investor sich rechtfertigen möchte in dem er hier von " Berliner Wohnungswahn " spricht zeigt schon wie glaubwürdig er eigentlich ist !!

  16. 4.

    Ich denke das rbb24 in diesem Fall schon richtig recherchiert hat denn erstens bewegen sich Investoren in solchen Fällen ohne Druck nur äußerst selten und zweitens steht im heutigen Artikel ja deutlich geschrieben das der Investor am heutigen Donnerstag und nicht etwa schon gestern oder vorgestern mitgeteilt hat das er Clärchens Ballhaus erhalten möchte und 3 mal dürfen Sie raten warum !! Auch Investoren schauen die Abendschau und lesen diese Artikel und Kommentare wenn es um Ihre ureigensten Interessen geht wollen wir wetten !! ??

  17. 3.

    P.s. Das ist doch schonmal ein anwärter auf das Unwort des Jahres

  18. 2.

    "Dies würde bedeuten, dass Clärchens ein weiteres Opfer des Berliner Clubsterbens wird, ausgelöst durch den Berliner Wohnungswahn" Von Wohnungswahn zu sprechen ist wie ich finde eine unverschämtheit.

  19. 1.

    Eventuell sollte man vom rbb24 erst mal richtig recherschieren und dann die Beiträge zur Kommentation freigeben.
    Der andere Artikel hat ein völlig falsches Bild gegeben.

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