E-Tretroller beim Aufladen (Bild: rbb / Brigit Raddatz)
rbb/Brigit Raddatz
Audio: Inforadio | 04.07.2019 | Birgit Raddatz | Bild: rbb/Brigit Raddatz

Reportage | Sammeln, aufladen, verteilen - Nachts, wenn der Transporter in Berlin auf E-Scooter-Suche geht

Mittlerweile stehen sie schon fast an jeder Ecke in Berlin: E-Tretroller sind der neueste Mobilitätstrend. Doch für die Anbieter bleibt es nicht beim Aufstellen: Nachts müssen die Roller aufgesammelt und geladen werden. Birgit Raddatz war bei einer solchen Tour dabei.

Es ist ein bisschen so, als suchten Florian Wagner und Constantin Winckler entlaufene Tiere, im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist kurz nach 22 Uhr und die beiden sind in Berlin unterwegs, um die E-Tretroller ihres Unternehmens Tier Mobility einzusammeln. Dem Städter den Großstadtdschungel zurückgeben, inklusive der Tiere, so die Philosophie des Berliner Start-ups. Diese Tiere müssen nachts sozusagen in ihr Gehege zurück. Das ist ein Großlager in Spandau. Dort werden die Roller aufgeladen und auf mögliche Schäden untersucht.

Tier Mobility Lagerhalle E-Scooter (Quelle: rbb/Raddatz)
Lagerhalle in Spandau | Bild: rbb

Ein Roller wiegt 20 Kilogramm

Der erste Roller hat sich gut getarnt: Hinter einem schwarzen SUV ist er zunächst von der anderen Seite der Straße nicht zu erkennen. Constantin Winckler weiß sich aber zu helfen. Alles rund um die E-Roller funktioniert nämlich per App. Die zeigt an, wo sich der nächste Roller befindet.

Die Fahrer entsperren das Gefährt und schieben oder fahren es dann zu ihrem Van. Der muss in dieser Zeit in zweiter Reihe halten und kommt zurzeit noch von einem großen Autoverleiher. Rund 35 E-Scooter passen in den Transporter – 20 Kilogramm wiegt jeder einzelne Roller.

20 Fahrer für 600 Roller

In dieser Nacht sind rund 20 Fahrer unterwegs, um die knapp 600 E-Scooter des Verleihers einzusammeln, die im Moment in Berlin verteilt sind. Andere Anbieter wie Lime setzen eher auf folgendes Prinzip: Menschen, die sich etwas dazuverdienen wollen, holen die Roller mit ihren Privatwagen ab und laden sie dann in ihrer Garage oder sogar im Wohnzimmer ab. Die Fahrer von Tier Mobility machen das hauptberuflich.

Heute stehen alle Roller ordnungsgemäß. Wenn ein Roller umgefallen ist, sei es meistens mutwillig gewesen, sagt Florian Wagner. "Einer ist auch schon in der Spree gelandet", erzählt er. "Wir holen die Dinger auch aus Hinterhöfen raus." Wer einen falsch geparkten Roller findet, kann eine Nummer anrufen, dann wird das Gefährt umgeparkt.

Einsammeln, aufladen, verteilen

Gegen halb eins geht es für die Fahrer gewöhnlich Richtung Spandau. Dort stehen in einer Lagerhalle bereits rund 200 mintgrüne Roller brav an den Ladesäulen aufgereiht. Die sind neu und haben am nächsten Tag ihre Jungfernfahrt. Insgesamt will das Start-up irgendwann bis zu 2.000 Roller in Berlin verteilen.

In der hinteren Ecke stehen die Roller, die kaputt sind und repariert werden müssen. Auch Florian Wagner und Constantin Winckler haben so einen eingesammelt. Die Fahrer müssen jeden Roller einzeln testen – natürlich wieder per App.

Nach drei Stunden ist der Akku wieder voll und die Fahrer machen sich auf, um die Roller wieder an den Knotenpunkten in der Stadt zu verteilen. Das machen sie jede Nacht, geplant sind 365 Tage im Jahr. Viel Aufwand sei das, sagen auch die Mitarbeiter. Aber das bringt ein Großstadtdschungel wohl so mit sich.

Sendung: Inforadio, 04.07.2019, 6:50 Uhr

Beitrag von Birgit Raddatz

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28 Kommentare

  1. 26.

    Ich habe - wenn überhaupt - in Berlin bisher höchstens 1-2 mal ein e-DHL/UPS/DPD/Hermes-Transporter oder ähnliches gesehen.

    Davon gesehen stehen die wahrscheinlich nachts nicht ungenutzt rum, sondern werden an den Hubs ent- und beladen, betankt und gewartet...

  2. 25.

    Naja, das läßt sich ja wohl einfach erklären. Wären diese leicht austauschbar, dann stehen bald überall nur Roller ohne E-Motor herum.

  3. 24.

    Warum tauscht man die Akkus nicht einfach aus? Oder sind die etwa "eingeklebt"?
    Defekte Roller kann man auch direkt an Platz und Stelle reparieren. Iss doch nich viel dran an so nem Ding.

    Ich hätte da ganz andere Konzepte..

  4. 23.

    Stilvoller wäre es, auf Transporter mit Elektroantrieb umzustellen.
    Wie Paketautos von DHL oder UPS.
    Synergie- Vorschlag: Vielleicht könnten TIER & Co solche Autos die Nachts ungenutzt stehen, von DHL und / oder UPS mieten?
    Das würde neben Öko- Karma- Punkten auch weniger Lärm Nachts verursachen.
    100 % Saubere Roller- Logistik…
    (Mann müsste den Autos aber auch genug Zeit zum Akku laden lassen...)

  5. 22.

    Ich hätte es effizienter gelöst!
    Akkuaustausch direkt am Standort der Roller.
    Und auch Akkus laden im Serviceauto...
    Einige Roller hätte man aber trotzdem umsetzen müssen, damit keine Halden entstehen, und die auch an Umsatzstärkeren Orten stehen. Und nur defekte Roller zu Werkstatt.
    Die Fahrrouten am besten mit Software planen und optimieren, unter Berücksichtigung von Umsatzstärksten Standorten zu Tageszeit und Wochentag "X", und Akkustand in den Roller.
    Auch eine Transporthilfe mit der ein "Roller-Sammler" 3 oder mehr Roller zum Auto oder zum Abstellort schieben / fahren kann, würde Effizienz steigern und Lohnkosten senken. Die 3 oder mehr Roller müssten starr verbunden werden! Z.B. wie Quadriga...
    Für diese effizienzsteigernde Verbesserungsvorschläge die TIER viel Kosten sparen können und Umsatz steigern, könnte TIER & CO mir ein unbefristetes gratis "Test- / Berater- Zugang" für seine "Vieher" überlassen... Dann könnte mir noch mehr Effizientes einfallen. jan_r at arcor.de

  6. 21.

    Die bewegten Bilder des RBB sprechen einen andere Sprache: Es sind eher die jungen und hippen Menschen, die damit rücksichtslos durch die Stadt rasen. Der von Ihnen besonders gehasste SUV-Fahrer dürfte hier in Berlin selten auf so einem Teil zu finden sein. Wo soll der dienstwagenfahrende "Berater-Heini" seinen Aktenkoffen lassen? Und wenn er eingefliegt, zahlt die Firma auch das Taxi bis zum Kunden.

    Der Preis der Leihroller ist viel zu hoch als dass sie eine Ergänzung zur BVG und S-Bahn darstellen. Vom Marketingsprech der erfahrenen Start-Upler bleibt bei genauerem Hinsehen nicht viel übrig.

  7. 20.

    Fahren mit E Rollern wird weiterhin gefährlich bleiben auf den Straßen Berlins. Als gelegentlicher Vespafahrer mit Verbrenner kann ich das gut beurteilen. Die Stadt hat es versäumt, rechtzeitig richtig Geld in die Hand zu nehmen und gesonderte Spuren für Radler und/oder jetzt auch noch die E Rollerfahrer zu bauen . Nur die schnelle billige Lösung hilft nicht. Einen Eimer Farbe und Striche in die Autospuren zu ziehen, ist falsch und behindert den fließenden Verkehr den es auch weiterhin geben wird. Wieso werden die relevanten Straßen nicht umgebaut und die überflüssigen verkommenen Mittelstreifen beseitigt, wo früher die Tram fuhr? Das wollen die Verantwortlichen aber nicht hören.

  8. 19.

    Autos sind Umweltverschmutzung und ein Auto, das überflüssige Roller einsammelt, ist also logistisch zu vertreten. Bewunderswerte Argumentation. Genau so bewundernswert finde ich es immer, wenn Menschen die Gedanken und Gründe anderer Menschen erklären wollen. Ist das Telepathie?

    Im übrigen habe ich nur den gleichen Ball, den Richard hier meint spielen zu müssen, zurückgeworfen. Wo ist da eine Beleidigung?

  9. 18.

    Richard, keiner fährt mit einem E-Scooter von Spandau nach Mitte! Und keiner lässt wegen eines E-Scooter-Verleihs sein Auto stehen. Fahrer sind die, die es nicht schaffen, von der BVG zu Fuß (!) zum Büro/Kunden zu schlenzen. All die Berater-Heinis, die hier auf Besuch in der Stadt sind. Oder aber die Touris, die dann bequem von einem zum nächsten in irgendeiner App angepriesenen Hotspot eiern. Frage mich, wann ich den ersten Scooter mit Rollenkoffer-Hängervorrichtung sehe für die Schwaben dieser Welt!

    Ich könnte es ja noch verstehen, wenn es um echte Strecken geht, auf dem Radweg, mit Helm, wo keine BVG fährt (Außenbezirke), mit eigenem Roller. Aber die Haupt-User dieser Teile sind eben irgendwelche Spontis, die sonst daheim Firmen-SUVs fahren.

  10. 17.

    Tier macht das in anderen Städten auch schon so. Also sollte genug Erfahrung vorhanden sein, um es in Berlin auch wirtschaftlich zu betreiben. Tier ist ein Berliner Unternehmen und schafft damit Arbeitsplätze, auch nicht schlecht. Nach eigenen Angaben hält ein Roller zzt. 6 bis 7 Monate. Tier will die Lebensdauer auf ein Jahr steigern.

  11. 16.

    Welchen logischen Sinn ergibt der Rollertransport? Der ist doch nur erforderlich, weil Menschen in Mitte sich jeweils für ein paar Minuten selber bespaßen wollen ohne sich dabei viel anzustrengen.

    Wenn man schon nach Spandau schaut, fällt eher auf, dass es westlich der Havel zumindest laut Google Maps keine vom Senat subventionierte Bike-Sharing-Station gibt und der Berlkönig dort auch nicht zu buchen ist. Dafür ist Rathaus Spandau mittlerweile die verkehrsreichchste Bushaltestelle.

  12. 15.

    Hab mich auch schon gefragt, wie lange so ein Leihscooter überhaupt hält und wie das mit dem Laden gelöst wird... Die Dinger sind in etwa so nützlich wie ein Kropf. Warten wir doch einfach mal auf den Berliner Schmuddelwinter incl. Pfützen, Laub und Streudreck und dann erledigt sich der Hype bald von selbst. Schade um die verbauten Rohstoffe.

  13. 14.

    ich denke mal, er wollte sagen das jeden Tag Menschen alleine mit ihrem Auto von Spandau nach Mitte fahren. Und das dass totale Umweltverschmutzung ist, und der Roller Transport im Gegensatz zum Menschen einen logistischen Sinn ergibt!

    Da ich dem Richard im Großen und Ganzen recht gebe, muss ich Ihnen aber den Rat nahe legen, erst zu beleidigen,
    wenn man den Sinn dahinter versteht.

    Also erst Lesen, verstehen und dann antworten.
    Lernt man auf jeder Schule ;-)

  14. 13.

    Dann kann man bald nicht mehr auf dem Bürgersteig laufen, weil Leihräder diverser Anbieter rumstehen oder liegen, dann kommen jetzt noch Leih-E-Roller dazu und was steht als nächstes dort?
    Dazu kommen die carsharing Autos, welche überall rumstehen, habe ich früher selber genutzt, aber der Zustand der Fahrzeuge wird auch immer schlechter.

    Fazit;
    Berlin verhüllt durch alle Arten von Leihgeschäften.

  15. 12.

    @Richard zu1. Der Van mit den 30 müsste gar nicht fahren, wenn es die Roller nicht gäbe. Der Vergleich mit den Spandau nach Mitte Fahrern ist ja auch irgendwie krumm, es gibt gar kein Angebot mit Rollern dafür und wer möchte denn 15 km mit dem Roller fahren? Zu2. Müll ist es immer, hier ist er nur noch sinnloser, weil die Lebenserwartung dieser Roller/ Modegimmick viel kürzer sein wird, als bei klassischen Fahrzeugen. Des weiteren ersetzen die Roller nur fußläufige Kurzstrecken ohne Funktionserweiterung/ Taschen/ Kinder..., welche in der Innenstadt mit der vorhandenen Infrastruktur schon sehr gut abgedeckt sind. Zu3. Na klar es passieren auch andere Unfälle, aber das es eine Lizenz, für aus deiner Sicht Idioten für den Straßenverkehr gibt ist eher Mittelalter als elektrische Kinderroller für den Freizeitspaß.

  16. 11.

    Zu 1) Es wäre in der Tat Quatsch, jeden Roller einzeln nach Spandau zu bringen.

    Zu 2) Der Roller wiegt 20kg. Viele sind nach zwei Monaten Schrott. Ein PKW wiegt ein bis zwei Tonnen und hält 15-20 Jahre. Für diese Fahrzeuge hat sich eine Verwertungskette etabliert. Man muss nicht versuchen, sie zu kompostieren.

    Zu 3) Es werden bei Ihren Beispielen permanent Verbesserungen zur Steigerung der Verkehrssicherheit unternommen. Helmpflicht selbst für Mofa-Fahrer und das Verbot der Kuhfänger bei PKW sind nur zwei Beispiele.

  17. 10.

    Was hat jetzt eine Fahrt von Spandau nach Mitte mit dem Thema hier zu tun?
    Ihre ganze "Argumentation" muss man wohl auf einer besonderen Schule lernen.

    Beim Lesen von Beitrag Nr. 9 hat man am meisten Lebenszeit vergeudet.

  18. 9.

    Es eine unglaubliche Vergeudung von Lebenszeit, die meisten Beiträge hier zu lesen.
    1. an alle die hier die Umweltkeule schwingen.....was ist besser? alleine ins Auto steigen und von Spandau nach Mitte fahren oder ein Van der 30 rollen mitnimmt? also quatsch

    2. Sondermüll....... mir ist noch nicht bekannt das ich mein Auto oder Motorrad auf mein Kompost schmeißen kann, also auch quatsch

    3. Unfälle..... diejenigen die es wirklich schaffen mit einem E-Roller ein Unfall zu bauen, den passiert das auch mit einem Fahrrad, Skateboard, Tretroller oder gar zu Fuß. Diese Leute sind an ihren Unfällen selbst schuld und nicht das Vehikel, das Sie transportiert. Wer so argumentiert muss auch für ein Verbot von Bahnübergängen, Straßen, Brücken und Autos sein, den dort verletzen sich auch Menschen......ohh man......hört auf alles Neue zu verteufeln, wir sind nicht mehr im Mittelalter…unglaublich!!!

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