Berliner Hauptbahnhof. (Quelle: imago)
Video: rbb|24 | 09.07.2019 | Material: Archiv | Bild: imago

Bahn besitzt Glasdachteile nicht mehr - Berliner Hauptbahnhof behält Dachschaden

Rund 130 Meter Glasdach fehlen dem Berliner Hauptbahnhof schon seit 2006. So wird es wohl auch bleiben. Die Bahn meldet nun, dass sie die fertigen Bauteile für das usprünglich länger konzipierte Dach verkauft oder verschrottet habe.

Das Dach des Berliner Hauptbahnhofs bleibt kurz. Jahrelang hatte die Bahn zusätzliche Stahlträger und maßgefertigte Glasscheiben aufbewahrt, doch nun sind sie weg. "Die Elemente des Hallendachs waren abgeschrieben", sagte ein Bahnsprecher, wie die Deutsche Presseagentur am Dienstag berichtete. "Die Stahlteile wurden zur Wiederverwertung weiterverkauft und die Glasteile zur Entsorgung, zum Recyceln an eine entsprechende Fachfirma verkauft."

Damit bleibt es bei der Dachlänge von 321 Metern - zu wenig für viele ICE-Züge, die bis zu 375 Meter lang sein können. Ein Teil der Fahrgäste braucht bei schlechtem Wetter deshalb beim Aussteigen in Berlin mitunter einen Regenschirm.

Dach dem WM-Termin geopfert

Um den Bahnhof rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fertig zu bekommen, ließ der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn das Dach nicht 450 Meter lang bauen, wie es der Architekt Meinhard von Gerkan vorgesehen hatte. Später kam immer wieder die Forderung auf, das Dach noch zu vollenden.

Vor fünf Jahren lehnte die Bahn das ab. Ein Gutachten hatte Zusatzkosten von 145 Millionen Euro ergeben. Zudem müsste die wichtige Bahnstrecke unter dem Dach für die Ergänzung neun Monate unterbrochen werden, hieß es.

Den Blick auf die unbedachten Enden der Bahnsteige des Hauptbahnhofs bedecken inzwischen an mehreren Stellen Neubauten. 

Bahn lässt offen, wann das Depot aufgelöst wurde

Schon 2002 waren die überschüssigen Dachteile eingelagert worden. Technisch wäre die Verlängerung später noch möglich gewesen, auch wenn veränderte Vorschriften zu beachten gewesen wären, ergab im Jahr 2014 das Gutachten. Wann das Depot mit den Dachteilen am Berliner Ostbahnhof aufgelöst worden ist, ließ die Bahn offen.

Die Bahn lässt Passagiere in Berlin auch mal im Regen stehen

Sendung: Inforadio, 09.07.2019, 8.20 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

17 Kommentare

  1. 17.

    Der Skandal ist nicht, dass die paar Meter Dach fehlen.
    Der Skandal ist, dass die anderen Meter so unfassbar teuer waren. Man wollte es aus Prestigegründen (WM 2006) "schick" aussehen lassen und hat das den Bahnkunden und Steuerzahler bezahlen lassen.

  2. 16.

    Die versammelte Boulevardpresse von BZ über Morgenpost bis Tagesspiegel ist anderer Meinung. Die beklagen regelmäßig, dass die ICE durchfahren. Wenn der Umbau fertig ist, wird das Thema garantiert wieder kommen.

    @FZ-Mechaniker:
    Wenn oben zwei ICE kurz nacheinander abfahren, ist zwischen Durchbruch und Bahnsteigkante kein Durchkommen mehr. Unten ist mehr Platz.

  3. 15.

    Abgesehen davon, dass es um die finanzielle Seite ärgerlich ist, denke ich wieder mal: ist das wirklich ein echtes Problem, dass, wenn es denn mal regnet, der Reisende nicht ohne Schirm trocken von von zu Hause bzw. dem überdachten Teil in den Zug kommt? Fürchten wir jetzt wirklich schon, vom eh selten gewordenen Regentropfen erschlagen zu werden? Haben wir nicht ganz andere Probleme?
    Solche Problemmeldungen sind letztlich gute Nachrichten, erzählen sie doch auch was über unseren Luxusleben ... aber leider auch über für mich unverständliche Maßlosigkeit om Anspruchsdenken.

  4. 14.

    Das ist ja nicht der einzige Schaden, den Herr Mehdorn während seiner Karriere hinterlassen hat. Hat ihm aber wohl nicht geschadet:-(

  5. 13.

    Peinlich, einfach nur peinlich und teuer.

  6. 12.

    Stimmt der Hauptbahnhof hätte statt dem Potsdamer Platz gebaut werden müssen. Aber Berlin schwelgt ja gerne in den 20ern, womit man heute gar nichts mehr zu tun hat. Wie immer nur Fehlplanungen.
    Und dass man nicht einmal in der Lage ist ein angefertigtes Dach zu erneuern ist die Deutschlandweit bekannte Visitenkarte Berlins: Große Schnauze, nichts dahinter.

  7. 11.

    Schmale Bahnsteige? Die sind breiter als auf den anderen Berliner Bahnhöfen. Ausnahme dürften die Ringbahnsteige der S-Bahn von Ost- und Südkreuz sein. Die Breite und Länge führt allerdings zu den von Ihnen angesprochenen Unbequemlichkeiten, da die Wege über die diversen Etagen recht lang sind. Dass sich nach ihren Worten Westberliner darüber beschweren, dass der Bahnhof "zu weit im Osten" liegt, habe ich noch nicht gehört, aber sei's drum. Haben sie umsonst. Für Bewohner des Berliner Ostens liegt er weiter im Westen, als es füher der Fall war udn die beschweren sich meines Wissens nach auch nicht über die lange, beschwerliche Anfahrt. Der Bahnhof ist mit S- und Regionalbahn sowie mit Straßenbahn und Bus erreichbar (Die Kanzler-U-Bahn zähle ich nicht mit, solange sie nicht zur U5 gehört). Könnte besser sein, er ist aber beileibe nicht annähernd unerreichbar.

  8. 10.

    "Der Hauptbahnhof liegt vielen zu weit im Osten" - Technisch gesehen liegt der Bahnhof für die meisten Berliner zu weit, nicht nur für "West-Berliner". Nächstes mal bauen wir den Hauptbahnhof nicht in der Mitte sondern im Grunewald. Die S-Bahn Fahrzeit vom Zoo zum Hauptbahnhof beträgt 7 min. . Ihre Einstiegshürde zum "trauern" ist unterirdisch.

  9. 9.

    Die Bahnsteige im Hauptbahnhof wurden eigentlich nicht zu eng geplant. Die Eisenbahnkonzeption sah nämlich ursprünglich vor, dass die IC/ICE-Züge auf der Stadtbahn auch am Zoologischen Garten halten. Dadurch wären die Reisenden auf mehr Bahnhöfe verteilt worden und die Bahnsteige ausreichend.

    Die nachträgliche Entscheidung am Zoo nicht zu halten, hat die ursprüngliche und auch gebaute Dimensionierung der Anlagen am Hauptbahnhof ad absurdum geführt. Der Hauptbahnhof muss die Reisenden vom Bahnhof Zoologische Garten zusätzlich aufnehmen, ohne das er dafür geplant wurde. Unter diesen Bedingungen sind die Bahnsteige nun zu eng.

  10. 8.

    Ist es ein Mangel des Hauptbahnhofs wenn " Westberliner" dem Bhf. Zoo nachtrauern und dem Hauptbahnhof zu weit im Osten empfinden? Ostberliner sind früher vom Bhf. Lichtenberg gereist und mussten auch längere Wege in Kauf nehmen! Und wenn Sie schon so das " Westberliner" Gefühl bejammern muss ich Ihnen sagen das alle Fernbahnhöfe im ehemaligen Westteil der Stadt liegen mit Ausnahme des Ostbahnhofs, der aber an der Grenze zu Kreuzberg liegt.

  11. 7.

    Der Bahnhof weist wesentlich größere Mängel als das verkürzte Dach. Nur wenige Züge sind so lang, dass das ein Problem darstellt. Wesentlich schwerer wiegen die schmalen Bahnsteige, die gmp geplant hat und die langsamen Aufzüge. West-Berliner trauern immer noch den Zoo nach. Der Hauptbahnhof liegt vielen zu weit im Osten. Die verkehrliche Anbindung ist immer noch dürftig. Abhilfe erfolgt nur langsam. Selbst die wurde zusammengestrichen. Daran ändert sich auch nichts, wenn im Sommerloch wieder mal das Dach ausgegraben wird.

  12. 6.

    Planung und Baubeginn dieser "Mehdorn-Kathedrale" lagen lange Jahre vor dessen Amtsantritt.

    Dass das Dach nur verkürzt errichtet worden ist, hat seinen Grund in politischen Forderungen. Es ist in Übrigen auch üblich, dass der Eigentümer seinem Unternehmen für Investitionen Kapital zur Verfügung stellt.

  13. 5.

    Unternehmen Zukunft....
    Haha :-)
    So wird das nix mit der Verkehrswende, wenn überall da, wo geschwafelt wird die Bremser sitzen.

  14. 4.

    Wie kommt die Deutsche Bahn dazu sich bei Bauvorhaben an Sportveranstaltungen zu orientieren? Berlin hatte auch damals schon genügend andere Bahnhöfe. War das den Dachschaden von 145 Millionen wert?!
    PS Fahren die Entscheider inzwischen selbst mit der Bahn oder fliegen die weiterhin mit dem Flugzeug?!

  15. 3.

    Was hat eigentlich die Einlagerung gekostet? Kann mir nicht vorstellen, dass es am Ende billiger gewesen sein soll, die ganzen Teile 17 Jahre lang zu lagern.

  16. 2.

    Man darf nicht vergessen das die Bahn mit nicht unerheblichen Bundesmitteln diese Mehdorn-Kathedrale gebaut hat. Diese Bundesmittel beinhalteten auch die Kosten für das komplette Dach.

    Das dann anschließend von der Bahn weitere Bundesmittel zur Fertigstellung des Dachs gefordert wurden, war eine unfassbare Frechheit. Glücklicherweise wurde die Forderung seinerzeit abgebügelt.

  17. 1.

    würde es eigentlich jemandem auffallen, wenn sich die Bahn zu einem Kindergarten erklärt? Das Verhalten entspricht mitunter dem einer Krabbelgruppe.

Das könnte Sie auch interessieren