Eine historische Litfaßsäule im denkmalgeschützten Nikolaiviertel in Berlin (Bild: imago/Arnul Hettrich)
Bild: imago/Arnul Hettrich

Zeugnisse der Stadtgeschichte - Berlin stellt 24 Litfaßsäulen unter Denkmalschutz

Sie werden gerade massenhaft ausgetauscht oder sogar komplett abgerissen: Berlins Litfaßsäulen. Grund ist ein Betreiberwechsel. Doch für 24 von den rund 2.500 Säulen hat das Land einen Riegel vorgeschoben: Sie sollen als historische Zeugnisse erhalten bleiben.

Berlins Landesdenkmalamt hat 24 der insgesamt 2.548 Litfaßsäulen in der Stadt unter Denkmalschutz gestellt. Sie bleiben als Zeugnisse der Berliner Stadtgeschichte an Ort und Stelle erhalten, erklärte Landeskonservator Christoph Rauhut am Montag.

Die älteste der denkmalgeschützten Litfaßsäulen sei vermutlich eine um 1900 aufgestellte Blechsäule am Hackeschen Markt. Die jüngste datiere von 1987 und gehöre als historisierender Nachbau zur Ausstattung des zeitgleich errichteten Nikolaiviertels in Berlin-Mitte.

Collage: Drei Bilder von Berliner Litfaßsäulen, die von links nach rechts zunehmend älter werden (Bild: imago/Stefan Zeitz/ Landesdenkmalamt Berlin/Ana Milardovic/dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)
Neue, alte und ganz alte Litfaßsäulen in Berlin. Bild: imago/Landesdenkmalamt Berlin/dpa | Collage: rbb|24

Nicht alle Bezirke behalten eine historische Litfaßsäule

Verteilt über das Berliner Stadtgebiet stehen nach Angaben des  Landesdenkmalamtes sechs der denkmalgeschützten Litfaßsäulen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, fünf in Kreuzberg-Friedrichshain, vier in Mitte, jeweils drei in Pankow und Reinickendorf, zwei in Steglitz-Zehlendorf und eine in Treptow-Köpenick. Sie seien Teil von Denkmalbereichen, etwa Siedlungen und Wohnprojekten wie an der Karl-Marx-Allee oder der Reichsbanksiedlung Schmargendorf, oder Gartendenkmalen wie dem Mexikoplatz, wie es heißt.

Das Landesdenkmalamt hatte ursprünglich geplant, 50 Litfaßsäulen unter Denkmalschutz zu stellen. Nach einer nochmaligen Prüfung habe sich jedoch ergeben, dass einige der Säulen die Denkmal-Kriterien doch nicht erfüllten, sagte die Behördensprecherin Christine Wolf. Der neue Betreiber will an mindestens 1.500 der bisherigen 2.500 Standorte neue Säulen errichten.

Orte der denkmalgeschützten Litfaßsäulen

  • Pankow

  • Reinickendorf

  • Mitte

  • Friedrichshain-Kreuzberg

  • Steglitz-Zehlendorf

  • Charlottenburg-Wilmersdorf

  • Treptow-Köpenick

Berliner hat die Säule vor über 160 Jahren erfunden

In Berlin werden derzeit die häufig noch aus der Nachkriegszeit stammenden Litfaßsäulen aus Beton ausgetauscht oder ganz entfernt. Hintergrund ist ein Betreiberwechsel für die Außenwerbungsträger. Bundesweit wird die Zahl der Litfaßsäulen auf etwa 51.000 geschätzt.

Die Litfaßsäule ist eine  Erfindung des Berliner Druckers Ernst Litfaß von 1854. Für insgesamt rund 50 Säulen hatte in den vergangenen Monaten eine Denkmalschutz-Prüfung stattgefunden, so die Wall AG.

Übersicht

Eine Karte mit den Litfaßsäulen, die noch unter Denkmalschutz stehen (Bild: rbb|24/Dave Rossel)
Bild: rbb|24/Dave Rossel

Sendung: rbb88,8, 08.07.2019, 13 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Schade, dass nur 24 unter Denkmalschutz gestellt wurden. Ich finde sie so schön und so sehr nützlich. Nach wie vor eine super Idee viele Informationen auf wenig Raum der Bevölkerung zugänglich zu machen. In meiner Straße wurde eine Säule vor meinem Haus ersatzlos entfernt. Viele wurden gegen neue - nicht so schöne ausgetauscht.

  2. 2.

    Litfaßsäulen haben immer das Bild der Stadt geprägt, sie gehören dazu. Schade das einem alles genommen wird.

  3. 1.

    Litfaßsäulen hatten früher mehr Information (Theater- und Kinoprogrammlisten, detaillierte Informationen zum Lesen), für den Winter waren sogar Gerät wie Schaufel und Streusand drin, als die heutige sinnfreien rotierende Säulen.
    Schade dass das heute keinen mehr Interessiert, vielleicht sollte man jede Säule einzeln privatisieren. Vielleicht gibt an sich dann mehr Mühe. Die neuen Werbesäulen kann man doch nur vergessen.

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