Ein Briefträger der Deutschen Post steht an der Briefkastenanlage eines Wohnhauses, Archivbild (Quelle: DPA/Arne Dedert)
Audio: rbb 88,8 | 17.07.2019 | Silke Mehring | Bild: dpa

Test an Berliner Hochhäusern - Post erstellt Scans großer Briefkastenanlagen

Postmitarbeiter erstellen derzeit digitale Abbilder von Briefkastenanlagen in Berlin, insbesondere von Hochhäusern mit mehr als 20 Parteien. Das Unternehmen will so die Sortierung von Briefen feintunen. Von Oliver Noffke

Die Deutsche Post erstellt derzeit digitale Abbildungen von besonders großen und zentralen Briefkastenanlagen von Hochhäusern oder Wohnanlagen.

Das Unternehmen will so die Arbeit der Briefträger vereinfachen und "versehentliche Fehlzustellungen" reduzieren, heißt es in einem Faltblatt, das den Bewohnern der betroffenen Häuser zugestellt wurde. Das Verfahren werde etwa an den Hochhäusern an der Leipziger Straße, auf der Fischerinsel oder im Regierungsviertel getestet.

"Die Zusteller fotografieren da nichts, sondern erfassen die Struktur der Briefkastenanlagen mit ihrem Handscanner mittels sogenannter OCR-Scannung", teilte Anke Blenn, Sprecherin der Deutschen Post, auf Anfrage von rbb|24 mit. Dabei handelt es sich um ein optisches Verfahren, mit dem Oberflächen erkannt werden. "Aufgenommen wird die Beschriftung, Adresse und Position des Briefkastens innerhalb der Anlage", sagte sie.

Post sieht keine Notwendigkeit für Genehmigungen

Mit den Daten sollen Zuverlässigkeit von Sortierprogrammen in den Briefzentren verbessert werden. "Solange der Stammzusteller die Briefe bringt, ist das weniger das Problem", sagte Blenn zu sogenannten Fehlzustellungen. Müsse aber jemand einspringen, sei die Zustellung in Hochhäusern schwieriger. "Gibt es mehrere Müller und da steht kein Vorname am Briefkasten, dürfte der Briefträger die Sendung dann eigentlich gar nicht auf Verdacht zustellen."

Hausbewohner, die nicht möchten, dass die Post Daten speichert, müssen schriftlich Widerspruch einlegen. "Wir sind laut Datenschutzgrundverordnung nicht dazu verpflichtet, eine Genehmigung oder explizite Zustimmung des Briefkasteninhabers einzuholen, weil es nicht um personengebundene Daten an sich geht", so die Sprecherin.

Ende August soll dieser Feldtest abgeschlossen sein. Werde festgestellt, dass sich durch diese Methode Zustellungsfehler reduzieren lassen, werde das Scannen eventuell ausgeweitet.

Beitrag von Oliver Noffke

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20 Kommentare

  1. 20.

    Das mit dem Postfach war auch nur ein Beispiel. Wer Pakete über DHL,Hermes etc. Liefern lässt, kann ja auch die Packstation oder den Shop wählen.
    Man muss sich eben Alternativen suchen, wenn man den Standard nicht möchte. Ich hab mit der aktuellen Situation kein Problem.

  2. 19.

    Hallo Paula.
    Stimmt, jeder der möchte kann sich ein Postfach zulegen. Dort werden aber nur Briefsendungen u.a. was im Normalfall vom Briefzusteller ausgetragen wird. Päckchen und Pakete werden aber weiterhin an die Kunden direkt geliefert. Letzteres sollte man so handhaben wie in Dänemark. Dort holen sich die Kunden ihre angesammelten Waren persönlich bei einer festen Adresse ab. Besonders für Firmen aber auch Privatkunden, die sehr häufig Pakete erhalten, ist diese Vorgehensweise gut.

  3. 18.

    Also ich wohne in einem 7Geschosser mit 21 Mitparteien und hatte die Onfo der Post zu diesem Thema schon vor einiger Zeit im Briefkadten und könnte auch widersprechen.
    An meinem Briefkasten steht mein Name und am Klingelschild für die entsptechende Etage auch.
    Ich habe damit auch kein Problem, denn Besucher und Zusteller von Post & Co. sollen mich ja auch finden. Wer das nicht will, kann sich ja ein Postfach zulegen.

  4. 16.

    An alle Hobby Juristen: es gibt das Postgesetz. DSGV hin oder her...

    https://www.gesetze-im-internet.de/postg_1998/__41.html

  5. 15.

    Niemand ist gezwungen, seinen Namen an einen Briefkasten zu schreiben? Das ist eine gewagte These.

    Wenn Sie mal wirklich interessiert sind: Stichwort Ladungsfähige Anschrift. Ist für Freiberufler und Selbständige - aber auch für abhängig Beschäftigte - durchaus ein Thema. Im Zweifel in anderen Rechtsangelegenheiten für jeden...

    Unbedarftes Gemurmel ist selten ein guter Ratgeber in Rechtsfragen!

  6. 14.

    De facto hat die DP m.E. das falsche Verfahren gewählt, nämlich Opt-Out bzw. "Widerspruch bei Nicht-Gefallen". Nötig wäre ein Opt-in, also ein aktives Zustimmen zur Verarbeitung der Daten. Es geht ja nicht nur um den Namen, sondern auch um Position auf dem Klingelschild, woraus mögliche Ableitungen getroffen werden können, z.B. Geschoss der Wohung. Eigentlich muss der Berliner Datenschutzbeauftragte sofort intervenieren.

  7. 13.

    Das testen ist schon längst vorbei. Und Sinn macht es auch nicht wirklich soll nur den zeitanteil für den Zusteller verringern. Geht ja dann schneller mit sortieren kann Tour größer gemacht werden.

  8. 12.

    "aber eben auch nicht verboten. "

    ähm, doch, das heisst das.

    Wie und was genau, regelt die DSGVO.

    Mag sein, dass die DSGVO und der Datenschutz auch negative Seiten hat. Sie ist aber dennoch notwendig- wie all die anderen Gesetze auch, die jeden einzelnen zwar ebenfalls einschränken aber eben auch schützt.

  9. 11.

    "niemand muss seinen Namen an Klingelschild oder Briefkasten schreiben."

    stimmt. Kann man aber- das Recht diese Daten digital zu verarbeiten ist anderen damit aber trotzdem nicht gegeben.

  10. 10.

    Nein, nein, beim Arzt heisst es:

    "Lt. DSGVO dürfen wir beim Aufrufen keine Namen nennen. Also: Der Herr mit dem Tripper, bitte ..."

  11. 9.

    Hallo Sebastian, auch bei mir im Haus in Reinickendorf wird dieses Verfahren wohl getestet. Wir haben tatsächlich ein Faltblatt mit Informationen diesbezüglich erhalten. Sofern wir dies nicht wünschten, müssen wir Widerspruch einlegen. Meines Erachtens ist das jedoch sehr sinnvoll. Das Haus in dem ich lebe ist ein 17 Geschosser mit 7 Wohneinheiten pro Etage, da ist es doch nur verständlich, wenn man den Postmitarbeitern die Arbeit etwas erleichtert. Nicht alle Anwohner schreiben auch immer ihre Etage dazu, noch sind die Briefkasten oft auch nicht da Etage geordnet sondern wahllos vergeben.

  12. 8.

    Richtig. Niemand wird gezwungen, Post zu erhalten. Außer natürlich man möchte irgendwie am öffentlichen Leben teilnehmen und ... nun ja sagen wir zum Beispiel ... einen Vertrag mit einem Stromanbieter abschließen oder dem Wasserwerk...

  13. 7.

    Richtig, es ist nicht erlaubt. Durch diese Scans werden personenbezogene Daten erhoben, gespeichert und verarbeitet. Wenn dies passiert, müssen die betroffenen Personen darüber informiert werden, was mit ihren Daten passiert. Wofür werden die Daten gespeichert, werden die Daten ausschließlich nur für diesen Zweck genutzt, werden die Daten an dritte gegeben usw... Würde das jetzt ein anderes Unternehmen machen, was gar nichts mit Briefzustellung zu tun hätte, dann wäre die Aufregung groß...

  14. 6.

    aber eben auch nicht verboten.

    Wir umzingeln uns doch so langsam mit dem Datenschutz und noch mehr mit den selbst ernannten Datenschützern selbst.

    Irgendwann werde ich nicht mehr nach Hause finden, weil niemand mir die Straße nennen darf. Mein Hausarzt nennt mich nur noch Nummer 5 und die Kassiererin an der Kasse sagt bei EC-Zahlung nicht mehr "danke, Herr/Frau X", sondern nur noch danke. Lächerlich.

  15. 4.

    "JEDER Mensch kann sich diese Daten (Nachname + Position des Briefkastens) aufschreiben wenn er das möchte!"

    nur weil man etwas einfach so machen kann, ist das *deshalb* noch lange nicht erlaubt.

  16. 3.

    Hallo.
    Worüber sollten die Bewohner denn genau informiert werden?
    JEDER Mensch kann sich diese Daten (Nachname + Position des Briefkastens) aufschreiben wenn er das möchte! Aber die Deutsche Post soll informieren und löschen? Einfach mal den den Kopf ab und zu lüften und den Aluhut abnehmen...

  17. 1.

    Und darüber sind die Anwohner bestimmt informiert worden. Und natürlich gab es die dazu gehörige Datenschutzerklärung nach DSGVO mit endsprechenden Löschkonzept und wo und wie die Daten verarbeitet werden...?!

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