Berlin: Baukräne ragen in einer Wohnanlage in die Höhe (Quelle: DPA/Paul Zinken)
Video: rbb24 | 22.07.2019 | Bild: dpa

Immobilienmarkt - Wirtschaftsstudie sieht massiven Mangel im Wohnungsneubau

In Berlin entstehen der Zeit nur drei Viertel der benötigten Neubauwohnungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie. Ganzheitlich betrachtet gilt das demnach auch für Brandenburg, allerdings gebe es regional deutliche Unterschiede.

Einer neuen Studie zufolge müssten dieses und nächstes Jahr jeweils rund 340.000 neue Wohnungen in Deutschland gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Das teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln am Montag mit. In den vergangenen drei Jahren seien jeweils nur rund 283.000 Wohnungen gebaut worden. Bei dem IW handelt es sich um ein arbeitgebernahes Forschungsinstitut. Trägervereine sind der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

In ihrem Modell berechnen die Volkswirte des IW anhand der prognostizierten demografischen Entwicklung, der altersabhängigen Wohnungsnutzung und dem derzeitigen Leerstand, wieviel in den Städten und Landkreisen jeweils gebaut werden müsste, um die Nachfrage zu decken.

Wohnflächenbedarf der Deutschen jahrzehntelang angestiegen

Der Studie zufolge hängen vor allem die großen Städte beim Bau hinterher. So wurden in Köln und Stuttgart nur rund die Hälfte der Wohnungen gebaut, die laut dem IW nötig wären, um die Nachfrage zu decken. Auch München, Frankfurt am Main und Berlin hängen dem Bundesschnitt hinterher, wenn auch nicht so stark.

Ganz anders sieht es den Ökonomen zufolge auf dem Land aus: "Während in den Ballungszentren ein regelrechter Kampf um Wohnraum tobt, wird in vielen strukturschwachen Landkreisen und Städten zu viel gebaut", teilte das IW mit. In 69 der 401 kreisfreien Städte und Landkreise wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 50 Prozent mehr Wohnungen gebaut, als laut dem IW-Modell tatsächlich benötigt werden. Die Folge davon sei Leerstand.

Den Autoren der Studie zufolge ist ein wesentlicher Grund für die Wohnungsnot, dass in Deutschland jahrzehntelang der sogenannte Wohnflächenkonsum angestiegen sei. So standen je Bundesbürger 1984 im Durchschnitt 35,7 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, 2017 waren es hingegen 46,9 Quadratmeter - ein Drittel mehr. In besonders angestrengten Wohnungsmärkten habe beobachtet werden können, dass dieser Wert momentan sinke. Das heißt: Wegen des Angebotsmangels begnügen sich Menschen wieder mit kleineren Wohnungen.

Generell zu wenig in Brandenburg, mancherorts aber viel zu viel

Die Autoren der Studie schätzen, dass in Berlin derzeit nur rund 73 Prozent des jährlichen Bedarfs an Wohnungen auch tatsächlich gebaut werde. In Brandenburg werde demnach insgesamt auch weit unter Bedarf gebaut. Pro Jahr würden derzeit nur 78 Prozent des Bedarfs an neuen Wohnungen auch tatsächlich gebaut. Allerdings gibt es in der Mark regional teilweise extreme Unterschiede.

Besonders im Landkreis Oberhavel werde zu wenig gebaut. Hier enstehe nur 43 Prozent des tatsächlichen Bedarfs. Auch in Frankfurt (Oder) (47 Prozent), im Havelland (64 Prozent), Ostprignitz-Ruppin (65 Prozent) und dem Märkisch-Oderland (67 Prozent) werde zu wenig gebaut. Im Landkreis Elbe-Elster enstünden dagegen doppelt so viele Wohnungen wie gebraucht (207 Prozent). Auch in Spree-Neiße (181 Prozent), der Prignitz (161 Prozent) und der Uckermark (140 Prozent) werde mehr gebaut, als der Markt fordere. Einzig in Potsdam werde ungefähr so viel gebaut wie benötigt, es entstünden etwa 102 Prozent des Bedarfs an neuen Wohnungen.

In Berlin soll sich die Lage weiter anspannen

Die Bautätigkeit habe auch direkten Effekt auf die Mieten: "Mietpreissteigerungen in Hamburg, Frankfurt am Main und Düsseldorf zum Beispiel fallen schwächer aus als die in Berlin, München oder Köln", beobachteten die Forscher. Allerdings lässt die Zuwanderung in die Großstädte demnach bereits an einigen Orten nach, und auch die Bautätigkeit sei in einigen angespannten Märkten bereits deutlich ausgeweitet worden.

So müssten in den Jahren 2021 bis 2025 noch jährlich 260.000 und bis 2030 noch 246.000 Wohnungen deutschlandweit entstehen. Die einzige Großstadt, bei der die Studienautoren mit einer weiteren Anspannung der Lage rechnen, ist Berlin. Dort müssten bis 2030 jedes Jahr rund 21.000 neue Wohnungen gebaut werden, hieß es.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Otto] vom 22.07.2019 um 21:21
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

11 Kommentare

  1. 11.

    Nur durch intensiven Neubau wird Berlin und Brandenburg attraktiver und wenn mehr gebaut wird, fallen garantiert die Miet-und Immobilienpreise !!! Ist in München und Hamburg auch so, es wird viel gebaut und die Immobilienpreise fallen und fallen und die Miete wird dann immer erschwinglicher. Ist in Paris, London und New York genauso. Die Lösung ist, mehr Neubau und mehr Verdichtung und in die Höhe bauen. Und wenn dann der BER fertig ist, wird das Berliner Umland, garantiert auch preiswerter, weil dort wird ja dann auch noch mehr gebaut. Mehr Neubau = preiswertere Miete = preiswertere Immobilien.

  2. 10.

    "Wirtschaftsstudie sieht massiven Mangel im Wohnungsneubau"
    Genau, Berlin verkauft zu wenig neue Eigentumswohnungen zum Schuldenabbau.
    An Mietwohnungen kann es nicht liegen, die findet man für jeden Geldbeutel im Internet. 4000+ Suchergebnisse.

  3. 9.

    animiert die"Investoren" nochmehr Luxuswohnungen zu bauen.
    Irgendwann ist der Markt gesättigt.(Wirtschaftslehre 2.Lex.)
    Es Kommt zu einem Preisverfall wie Ende der 90. Es wird Insolvenzen und ZVs geben. Hier kann der Senat zuschlagen/kaufen und Großfamilien einweisen. Die Noblen ziehen weiter. Weiterer Preisverfall!? Wohnraum wird bezahlbar!

  4. 8.

    Das Institut der Wirtschaftsbosse stellt einen sinkenden Flächenverbrauch fest. Aha. Es sind wohl eher die unteren Einkommensschichten, die enger zusammenrücken müssen. Für die Reallohneinbußen hat das IW mit seiner Neoliberalen Ausrichtung gesorgt. Und nun Profitmaximierung auf ganzer Linie. Da kauf ich gleich noch ein paar Black Rock Aktien von Friedrich Merz.

  5. 7.

    An dieser Stelle wird gerade der 2te 13 Geschosserwohnturm fertiggestellt. Studentenbuden Für nur 599 im Monat!
    Soweit ich erkennen kann voll vermietet. Alle Sprachen außer Dt.
    Bislang war da Gelände offen für Begegnung nun wird der "Hinterhof" eingezäunt Höhe 130+. Weltoffenheit ist nur durch die anderen nicht aberdurch mich selbst zu erbringen!
    Es ist offenbar, der Vermieter will gewisse Bevölkerungsschichten ausschließen. "deutsche" konnte ich dort noch nicht beobachten.
    Der Vermieter ist eine Bürgermeister Reuterstiftung.

  6. 6.

    Ja, na klar: Das IW ist ja auch das unabhängigste Forum, dass sich ein*e Politiker*in wünschen kann. Die Rendite-Orientierung hat selbst Teile des sozialen Wohnungsbau ausgehöhlt und nun sollen selbige Akteur*innen für eine objektive Einschätzung herhalten. Ist ja nicht so, dass es in Berlin und Brandenburg Hochschulen gäbe, die sich soziologisch und politologisch mit dem Grundrecht auf Wohnen auseinandersetzen und wie die jeweiligen Städte von morgen sozialverträglich aussehen könnten. Die Unis sind sicher für den rbb nicht zu erreichen, das wäre potenziell Gesellschaftskritik über Marktwirtschaftliches hinaus und überhaupt WIssenschaft im rbb - pfui.

    Könnte ja sein, dass die wo auch immer Wohnenden mehr als Wohnungen zum Leben, zur sozialen Teilhabe brauchen. In der Tat wird u.a. in Berlin mehr sozialer Wohnraum aufgelöst als neugebaut. Und wenn die Immobilien-Spekulationsblase in Berlin platzt, will wieder niemand von irgendwas gewusst haben.

  7. 5.

    Ich habe mir sowas schon gedacht. Da muss wohl etwas mehr gebaut werden.

  8. 4.

    Wo ein Wille ist,ist auch ein WEG
    Aber man will nach meinem Empfinden nicht under "beamte" schiebts auf den anderen
    wenn ich schon das Bild oben sehe-----dichtere Bebauung geht wohl nicht--
    dafür 3 Hochhäuser mit viel GRÜN--siehe Gropiusstadt---wäre m.E. besser

  9. 3.

    Ich bin in Reinickendorf in einem riesigen zweistöckigem Altbau-Wohnkomplex mit superschönem Hof aufgewachsen. Viele Wohnungen, viele Menschen, viel Natur. Dann kam die Vonovia, kaufte alles auf und fing an, die Wohnungen einzeln zu verkaufen. Es wurden Mieter verschreckt, die lieber von sich aus auszogen. Es stehen in diesem großen Komplex nun unzählige ehemalige Mietwohnungen leer, weil diese zu Eigentumswohnungen gemacht wurden. Es fehlen nur die Käufer. Gegen sowas müsste man etwas unternehmen.

  10. 2.

    Hauptsache Deckel, Bremse und Spiegel und den dann auch noch nach unten frisiert. Zu hoch empfundene Mieten werden rausgerechnet, zu tiefe, unwirtschaftliche Mieten aber nicht. An die Wohnungsgesellschaften VERSCHENKTE oder verbilligt abgegebene Grundstücke und Wohnungen bilden den Grundstein für die ortsübliche Vergleichsmiete. So geht Wirtschaftlichkeit.

  11. 1.

    Der Wohnungs- und Immobilienmarkt im Landkreis Havelland, ist überhaus angespannt, da er sich überwiegend im Osthavelland abspielt und das dauerhaft auch so bleiben wird. Bei uns in Ketzin/Havel, liegt der Wohnungsleerstand, dauerhaft, bei 0,7 Prozent, Baugrundstücke sind Mangelware. Der Bau Hunderter Neuer Wohnungen, verzögerte sich immer wieder, auch wegen der gemeinsamen Landesplanung Berlin- Brandenburg. Viele Menschen möchten auch in Kleinstädten leben, was leider durch die Politik, sehr erschwert wird.

Das könnte Sie auch interessieren