Das Logo von Air Berlin wurde von einer Wand am Flughafen Düsseldorf entfernt, Archivbild (Quelle: Picture Alliance/Norbert Schmidt)
Audio: Radio 88,8 | 01.08.2019 | Anke Michel | Bild: Norbert Schmidt

Bundes-Darlehen fast getilgt - Insolvente Air Berlin kratzt noch einmal 65 Millionen zusammen

Die insolvente Fluglinie Air Berlin hat ein Bundesdarlehen in Höhe von 150 Millionen Euro fast zurückgezahlt. Nur ein Bruchteil ist laut Insolvenzverwaltung noch offen. Für die 1,2 Millionen Passagiere mit verfallenen Tickets ändert das allerdings vorerst kaum etwas.

Die Bundesregierung hat das Geld aus einem Millionen-Kredit an die ehemalige Fluggesellschaft Air Berlin fast komplett zurückbekommen. Knapp zwei Jahre nach der Insolvenz der einst zweitgrößten deutschen Airline sind von dem Darlehen in Höhe von 150 Millionen Euro nur noch zehn Millionen Euro offen, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther der Nachrichtenagentur DPA sagte.

Vor einem Jahr mussten noch 75 Millionen Euro zurückgezahlt werden. Air Berlin hatte am 15. August 2017 Insolvenz angemeldet. Kurz darauf habe der Bund das Darlehen in der Annahme gewährt, dass es durch den Verkauf der Airline-Tochter Niki an Lufthansa schnell zurückgezahlt werden könne, so Flöther. "Als die EU-Kommission den Verkauf nicht genehmigte, musste ich als vorsichtiger Kaufmann davon ausgehen, dass es schwierig wird, die 150 Millionen Euro zurückzuzahlen."

Fluggäste stehen weiterhin unten auf der Liste

Der Bund hatte über die eigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Kredit gewährt, um Air Berlin in der Luft zu halten. Im Gegenzug musste das Darlehen bevorzugt zurückgezahlt werden. Flöther geht davon aus, dass das vollständig gelingt.

Erhöht das auch die Chancen der gut 1,2 Millionen Passagiere, die noch auf ihr Geld warten? Sie hatten Tickets für Flüge gebucht, die wegen der Insolvenz nicht mehr starteten. "So schön die Nachricht ist, dass das KfW-Darlehen fast komplett zurückgezahlt ist, birgt das weiterhin keine Hoffnung, dass die Fluggäste als normale Gläubiger Geld zurückbekommen", bremste Insolvenzverwalter Flöther.

Denn nicht nur das Darlehen des Bundes genießt Vorrang, auch zahlreiche andere Forderungen müssten bedient werden, ehe die Passagiere an die Reihe kommen. "Darunter sind vor allem die Arbeitnehmer, die hohe Forderungen angemeldet haben.

Insolvenzverwalter hofft auf Schadensersatz von Etihad

Air Berlin hatte Insolvenz angemeldet, nachdem die Fluggesellschaft Etihad als Großaktionär den Geldhahn zugedreht hatte. Das hätte die Airline mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus Flöthers Sicht nicht tun dürfen. Etihad habe im April 2017 eine sogenannte harte Patronatserklärung abgegeben.

Vor diesem Hintergrund reichte er voriges Jahr nach Gerichtsangaben Klage beim Landgericht Berlin ein und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Sollte sich der Sanierungsexperte aus Halle damit durchsetzen, gäbe es mehr Geld an die Gläubiger zu verteilen. Zunächst müssen die Gerichte entscheiden, wer in dem Streit zuständig ist. Etihad reichte ebenfalls Klage ein - beim High Court in London.

Abwicklung wird noch Jahre in Anspruch nehmen

Nach der Pleite wurden verschiedene Geschäftsteile der Air Berlin an unterschiedliche Airlines verkauft. Damit ist die Arbeit von Verwalter Flöther noch nicht beendet. Er ist noch auf Jahre mit der Abwicklung beschäftigt - und hat dabei weiterhin Hilfe von Air-Berlin-Mitarbeitern. Noch knapp 40 sind es an der Zahl.

"Sie übernehmen verschiedene Aufgaben, die perspektivisch aber immer weniger werden", sagte Flöther. So müssten etwa weiterhin Daten in der IT gesichert und Personalakten verwaltet werden. Nicht zuletzt prüfen sie die Rückzahlungen an jene Air-Berlin-Kunden, die nach der Insolvenz noch Flüge buchten. Diese Tickets wurden gesondert gesichert - mit Rückzahlgarantie. "Dabei müssen wir aber genau prüfen, wer tatsächlich noch Ansprüche hat und ob Zahlungen bereits erstattet wurden, etwa über den Kreditkartenanbieter", so Flöther. "Hier sind wir aber schon sehr weit."

Sendung: Inforadio, 01.08.2019, 8.20 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    Millionen? Also, wer pauschal gebucht hat, für den ist der Veranstalter der Ansprechpartner. Nur die, die direkt bei der Airline buchen gehen leer aus. Und ehrlich, so teuer sind Flüge nicht. Das ist eben Pech. Ausfallrisiken hat man immer.

  2. 14.

    Wenn man bei einer Firma einkauft, die dann pleite ist bekommt man keine Ware geliefert. So einfach ist das. Warum soll da die Bundesregierung einspringen ?

  3. 13.

    Nein Karsten, es ging mir nicht um ein paar Euro für eine Insolvenz Versicherung für Flugtickets, die bezahlen wir ja bei Pauschalreise an auch anstandslos, und auch ich weiß, das es verschiedene Forderungen bei Insolvenz gibt. Es ging mir um das eklatante Versagen einer hoch- (evtl. weg-) gelobten Ministerin, die trotz vieler Forderungen auch aus Kreisen der Verbraucherschützer untätig geblieben ist. Aber was regt man sich noch auf, sie reiht sich ein in die Riege unfähiger Minister, die man eben hinnehmen muss. Die nächste Pleite kommt bestimmt und dann geht das alles von vorne los. Vertrauen verdient weder so ein Unternehmen noch eine Regierung, die Millionen Bürger, nicht nur in diesem Fall, im Regen stehen lässt.

  4. 12.

    Sehr geehrter Herr / sehr geehrte Frau A. Folke, wenn ein privatrechtlicher Vertrag eingegangen wird und einer der Vertragspartner nicht liefern kann, da dieser insolvent ist, wieso sollte da der Bund einstehen? Jeder muss prüfen, mit wem er Verträge schließt. Egal ob Unternehmer oder Privatperson. Und wenn ich das Risiko eingehe, kann das nun mal auch schief gehen. Also keine Planwirtschaft so wie sie es vielleicht gewohnt waren ... sondern Marktwirtschaft. Herzlichst und ein wunderschönes Wochenende!

  5. 11.

    Aus welchem Grund soll denn der Staat und damit der Steuerzahler für die Einkäufe von Privatpersonen bei privatwirtschaftlichen Unternehmen haften? So ein Quatsch!

  6. 10.

    Da sind Sie offensichtlich ganz schlecht informiert. Mehdorn ist einer der Hauptverantwortlichen für die Pleite. Er hat die arabische Fluglinie Etihad ins Boot geholt. Einfach mal im Internet informieren.

  7. 9.

    Was hat Herr Mehdorn damit zu tun? Er war einer von vielen Managern, nicht mehr und nicht weniger. Die Pleite haben ganz andere Leute zu verantworten.

  8. 8.

    "Warum lässt man von seiten der Bundesregierung die Millionen Kunden mit verfallenen Tickets im Regen stehen, und das bei Germania schon wieder! "

    Wenn Sie sich mit den Regeln eines Insovenzverfahrens beschäftigen, werden Sie etwas über vorrangige und nachrangige Forderungen erfahren.

    Ja, auch Käufe, bei denen es lediglich um Tickets geht, sollten per Reiseschein abgesichert werden. Nur wird dann eben auch der Flug teurer. Zudem war lange absehbar, dass AirBerlin massive wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte. Wer da noch teure Tickets kauft, ........................

  9. 7.

    Mehdorn dürfte wieder auf Zeitreise sein und anderen In Investitionen einreden, die eher dem Größenwahn geschuldet sind den kaufmännisch Sinn ergeben.

  10. 6.

    Genau wenn das mit den Gesellschaften in Bezug Drehkreuz nicht klappt, fliegt man max. direkt vom BER wie zu DDR-Zeiten nach Nahost oder Afrika. Ganz großartig.

  11. 5.

    Das soll eine gute Nachricht sein?!
    Warum lässt man von seiten der Bundesregierung die Millionen Kunden mit verfallenen Tickets im Regen stehen, und das bei Germania schon wieder!
    Wo war Verbraucher Ministerin Barley als es um Forderungen nach einer Insolvenz Absicherung für Tickets ging? Ach ja, ich vergaß:
    Ihr Abflug nach Brüssel war ja schon fest und krisensicher gebucht, bezahlt vom Steuerzahler.

  12. 4.

    Es ist Pflicht eines Insolvenzverwalters, ausstehende und realisierbare Forderungen einzutreiben. Das hat er mit viel Erfolg getan.

  13. 3.

    Immer noch schade, dass es AirBerlin durch Misswirtschaft nicht mehr gibt. Was macht Mehdorn eigentlich im Moment kaputt?
    Seit dem Wegfall von AirBerlin und Germania ist es schwierig, Direktflüge zum Ziel zu bekommen. Man muss fast immer umsteigen.
    Berlin. Provinziell in jeder Beziehung.

  14. 2.

    Das ist doch mal eine gute Nachricht, das Geld zurück gezahlt wird. Das bedarf auch mal einen Kommentar.

  15. 1.

    Jahrelang schien diese Airline nur noch mit Luft im Tank zu fliegen. Wahnsinn, was in die Insolvenzverwalter noch in den Büchern aufstöbern. Und trotz aller Unkenrufe scheint nun gut, dass die Bundesregierung den Laden nicht einfach krachen lassen hat, sondern zu einem geordneten Ende beigetragen hat.

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