Geschäftsstelle der Deutsche Wohnen in der Fritz-Reuter-Allee, Berlin-Britz am 06.04.2019 (Bild:i mago-images/Sascha Steinach)
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Trotz hoher Gewinne - Deutsche Wohnen will Tausende Wohnungen in Berlin verkaufen

Zeichnet sich eine Trendwende am Berliner Wohnungsmarkt ab? Trotz steigender Gewinne will die Deutsche Wohnen allein in Berlin 3.000 Wohnungen verkaufen. Dafür richtet der Immobilienkonzern sein Interesse nun auf Pflegeheime.

Der Berliner Immobilienmarkt boomt, Mieten und Wohnungen werden teurer, während Mieteinnahmen weiter wachsen - auch bei der Deutsche Wohnen. Obwohl der Konzern erneut mehr Gewinn erwirtschaftet hat, ist er angesichts des Berliner Mietendeckels auf der Suche nach neuen Erlösquellen. Nun nimmt der Konzern verstärkt Pflegeheime in den Blick und nutzt die hohen Wohnungspreise für mehr Verkäufe.

"Es ist total klar, dass es mehr und mehr Sinn macht, die Rolle des Verkäufers zu übernehmen", sagte Vorstandschef Michael Zahn in einer Analystenkonferenz. 6.500 Wohnungen stünden in Norddeutschland zur Disposition, außerdem 3.000 in Berlin. Dies habe nichts mit dem geplanten Berliner Mietendeckel zu tun, betonte Zahn. "Wir sehen im Markt eine Menge billiges Geld und eine steigende Nachfrage."

Wohnungskonzerne bekommen Gegenwind in Berlin

Nach jahrelangen kräftigen Mietsteigerungen spüren Immobilienkonzerne besonders in Berlin starken Gegenwind. Kürzlich hat sich der Senat auf Eckpunkte geeinigt, mit denen die Mieten in der Hauptstadt in den kommenden fünf Jahren eingefroren werden sollen. An der prestigeträchtigen Karl-Marx-Allee schnappte das Land der Deutschen Wohnen mehrere hundert Wohnungen vor der Nase weg.

Mehr als 70.000 Menschen unterschrieben zudem für die Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen", nach der Konzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen enteignet werden sollen. Der Senat prüft noch, ob das angestrebte Volksbegehren zugelassen werden kann, wie ein Sprecher der Innenverwaltung sagte.

Steigende Mieteinnahmen

Erst am Wochenende kündigte das Wohnungsunternehmen Vonovia an, in Berlin vorerst keine Mieten mehr zu erhöhen, um die Situation nicht weiter anzuheizen. Der Konzern. Vonovia besitzt in Berlin rund 40.000 Wohnungen. Dabei biete der jüngste Mietspiegel fünf Prozent Spielraum. Auch die Deutsche Wohnen hat den neuen Mietspiegel nach eigenen Angaben noch nicht für Erhöhungen genutzt.

Das Management reagierte auf die Kritik mit einem freiwilligen Mietendeckel. Demnach soll es keine Mieterhöhung geben, wenn ein Haushalt mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete einer angemessenen Wohnfläche aufwenden muss. Um diese Härtefallregelung zu nutzen, müssen Mieter ihr Einkommen offen legen.

Im Durchschnitt zahlen Mieter der Deutschen Wohnen pro Quadratmeter 6,73 Euro kalt, in Berlin waren es 6,82 Euro. Damit überwiesen Mieter auf vergleichbarer Basis im Schnitt 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, in den 116.000 Berliner Wohnungen sogar 3,6
Prozent mehr.

Wohnungswerte geringer eingeschätzt als im Vorjahr

In den ersten sechs Monaten stieg der operative Gewinn im Jahresvergleich um 13,1 Prozent auf 283,4 Millionen Euro, wie das MDax-Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Den Ausblick für 2019 bestätigte der Konkurrent von Vonovia, LEG Immobilien und TAG Immobilien. Die Vertragsmieten stiegen im ersten Halbjahr auf vergleichbarer Basis um 6,1 Prozent auf 411,1 Millionen Euro. Im Durchschnitt betrug die Miete pro Quadratmeter 6,75 Euro. Unterm Strich ging der Konzerngewinn aber zurück.

Unter dem Strich blieben in den ersten sechs Monaten 603,1 Millionen Euro als Gewinn nach 652,7 Millionen Euro im Vorjahr. Dazu trug bei, dass der Wert von Wohnungen geringer eingeschätzt wird als vor einem Jahr. Die Konzernbilanz verweist in diesem Zusammenhang auf den Berliner Plan, die Mieten für fünf Jahre einzufrieren. Die Aktien der Deutsche Wohnen rutschen am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Zuletzt war das Immobilieneigentum des Konzerns auf bundesweit gut 165.000 Wohnungen gewachsen. Nun werde man ein "Netto-Verkäufer", sagte Zahn. Während in diesem Jahr insgesamt etwa 10.000 Wohnungen verkauft werden sollen, seien zugleich etwa 4.000 Einheiten erworben worden. "Das ist etwas, was auch in den nächsten Jahren zu erwarten ist."

Er kündigte zudem für das dritte Quartal ein Konzept an, wie das Segment Pflegeimmobilien weiter wachsen könne. Die Konzernstrategie werde sich aber nicht fundamental ändern.

Sendung: Inforadio, 13.08.2019, 16 Uhr

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Antwort auf [TG] vom 13.08.2019 um 21:17
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16 Kommentare

  1. 16.

    Im Westen hat der Wohnungsmarkt seit 1949 bisher fast perfekt funktioniert. Nach dem Krieg wurden in kürzester Zeit extrem viele Wohnungen - am Bedarf orientiert - gebaut. In der DDR hat man den Markt komplett abgeschafft und die Wohnungswirtschaft staatlich gesteuert. Hat toll funktioniert.... Mit etwas Kreativität könnte man noch vieles andere vom Markt ausschließen : Verkauf von Lebensmitteln, medizinische Versorgung, Möbel, Pauschalreisen, Schnaps und Zigaretten....

  2. 15.

    Lediglich eine Frage der Kohle und des politischen Willens. Ich glaube nicht, dass Berlin die Wohnungen (zu Marktpreisen) kauft. Sie können ja mal bei Frau Lompscher nachfragen. Neue Wohnungen entstehen dadurch aber auch nicht....

  3. 14.

    Ist "schwieriger Baugrund" wirklich eine Begründung, dringend notwendigen Wohnraum nicht zu schaffen ?

  4. 13.

    Die Aussage :"Deutsche Wohnen möchte nicht ein netter Vermieter mit einem großen Bestand an Wohnung sein.
    Gewinnmaximierung um jeden Preis und dann meistbietend verkaufen" verkennt Ursache und Wirkung. Was würdest Du tun, wenn man Dir etwas wegnehmen (enteignen) willst und Dir dafür weniger als den Marktwert erhalten würdest: Ich würde zu Marktpreisen verkaufen, bevor ich enteignet werde. Die verkauften Wohnungen werden dann .zumindest zu einem hohen Anteil - keine Mietwohnungen mehr sein. Das Chaos auf dem Wohnungsmarkt in Berlin ist m.E. durch gewissenlose politische Populisten und unfähige Politiker und nicht durch private Investoren verursacht.

  5. 12.

    Sie sollten die Geschichten des Herrn Schönball nicht glauben. Noch verbreiten. Zahl 2500 kommt so zustande: Der Flächenutzungsplan (FNP) Buch stammt von 1998. Der rechnet zunächst mit 6.242 WE. Danach ruhen die Planungen für die Vorhalteflächen Buch. Grund: Damals kein Bedarf. Bei Wiederaufnahme der Planung im April 2016 (Also VOR RRG /Lompscher) stellt der Bezirk fest: Teilbereich Buch V nicht geeignet. Verbleiben 3.742 WE. Grund: Seit 2004 neue Bauordnung: Umweltprüfung /Umweltbericht, Naturschutz und neue Kriterien Städtebau & Grün. Zudem: Schwieriger Baugrund. Aus diesem Ergebnis von Fachabteilungen und den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung: Anpassung des FNP. Soweit so normal nach 21 Jahren Planungsgeschichte. Schade natürlich. Aber deshalb ist das Zahlenspiel FIKTION. Es ist unseriöser Kampagnenjournalismus des in dieser Hinsicht notorischen Herrn Schönball. Reiht sich ein in die Sommerlochfiktion "Bürgerstadt Buch" die vor Wochen schonmal die Planungsgeschichte ignorierte.

  6. 11.

    Interessent für die Wohnungen ist seit Anfang des Jahres ja das Land. Im Gegenzug soll dafür ein Baugebiet mit 2.500 geplanten Wohnungen vom der Bauverhinderungssenatorin wieder zu Ackerland erklärt:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/trotz-akutem-wohnraum-mangel-berliner-senat-sagt-bau-von-2500-wohnungen-ab/24904038.html

  7. 10.

    Da heißt es jetzt aber ordentlich aufpassen, dass Pflegeheime und Pflegeinstitutionen nicht an solche wie Deutsche Wohnen verkauft werden oder gebaut werden.

  8. 9.

    Da heißt es jetzt aber ordentlich aufpassen, dass Pflegeheime und Pflegeinstitutionen nicht an solche wie Deutsche Wohnen verkauft werden oder gebaut werden.

  9. 7.

    2 rbb Meldungen. Ein Zusammenhang. Staat will mehr Pflegeheimkosten übernehmen.
    "Deutsche Wohnen" will Pflegeheime kaufen und verkaufen.
    Ein Schelm, wer bösen Betrug der steuerzahlenden Bürger zu Gunsten des Profits von wenigen vermutet. Oder eher ein wachsamer Bürger?

  10. 6.

    Hier offenbart sich doch die Strategie.
    Deutsche Wohnen möchte nicht ein netter Vermieter mit einem großen Bestand an Wohnung sein.
    Gewinnmaximierung um jeden Preis und dann meistbietend verkaufen.
    Kapitalismus pur. Sozial - das Wort kennen die nicht.

  11. 5.

    Billig kaufen und teuer verkaufen oder besser schnell verkaufen bevor sie es mit Verlusten abgeben müssen.

  12. 4.

    Na, hoffentlich wird es nicht noch schlechter für die Betroffenen.

  13. 3.

    Am Pflegemarkt kann man extrem viel Geld verdienen. Nicht als Pfleger aber als Betreiber solcher Pflegeeinrichtungen.

  14. 2.

    "6.500 Wohnungen stünden in Norddeutschland zur Disposition, außerdem 3.000 in Berlin." Gut. Nehmen wir dankend. Hoffe der Bund schiesst was dazu!

  15. 1.

    Oje. Jetzt sind also die Alten dran. Die ausgenommen werden sollen. Wahrscheinlich, weil sie sich weniger wehren können.

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