Symbolbild: Rolls-Royce Triebwerk-Produktion, Endmontage von BA710-Triebwerken für große Geschäftsflugzeuge, z.B. Bombardier Global Express und Gulfstream, Dahlewitz, Blankenfelde-Mahlow, Brandenburg. (Quelle: dpa/Bernhard Claßen)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.08.2019 | Christina Torge | Bild: dpa/Bernhard Claßen

Beschäftigung in Brandenburg - Einkommen im Osten oft niedriger als im Westen

Arbeitnehmer in den westlichen Bundesländern verdienen oft mehr als die in östlichen Bundesländern. Das zeigen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Danach liegen die 60 Landkreise und Städte mit den niedrigsten Verdiensten alle im Osten.

Die 60 Landkreise und Städte, in denen Arbeitnehmer die bundesweit niedrigste Verdienste haben, liegen ausnahmslos in Ostdeutschland. Das zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA), die die Linke im Bundestag ausgewertet hat. [Entgeldstatistik der BA, externer Link]

Am wenigsten verdienten dabei im vergangenen Jahr Vollzeitbeschäftigte im sächsischen Landkreis Görlitz, mit 2.272 Euro brutto im Mittel. Knapp vor Görlitz lagen der Erzgebirgskreis (2.301 Euro), Vorpommern-Rügen (2.303 Euro) und das Altenburger Land in Thüringen (2.308 Euro). Ähnlich gering sind die Einkommen im Brandenburger Landkreis Elbe-Elster mit 2324 Euro monatlich.

In den vier Städten und Kreisen mit den höchsten Einkommen erhielten die Beschäftigten im Mittel dagegen mehr als das Doppelte: Im bayerischen Ingolstadt wurde mit 4.897 Euro brutto im Mittel am meisten verdient. Danach kamen Wolfsburg (4.893 Euro), Erlangen (4.787 Euro) und Böblingen (4.743 Euro).

Allerdings: In Ingolstadt ist auch die Differenz der Verdienste von Männern und Frauen bundesweit am höchsten: Männer verdienen hier mit durchschnittlich 5.357 Euro rund 2.000 Euro mehr als Frauen (3.350 Euro). In Landkreis Elbe-Elster beträgt diese Differenz zuungunsten der Frauen 14 Euro (2.327 vs. 2313)

Zu den Gründen für die Unterschiede gibt die Statistik keine Auskunft. Doch der jüngste Bericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit verweist unter anderem darauf, dass nahezu kein Großunternehmen seine Zentrale in Ostdeutschland habe. Auffällig ist, dass die Audi-Stadt Ingolstadt und die Volkswagen-Stadt Wolfsburg an der Spitze der Einkommensskala stehen.

700 Euro im Schnitt weniger

Im Westen (mit Berlin) erhielten Vollzeitbeschäftigte im Mittel 3.400 Euro pro Monat, im Osten waren es hingegen nur 2.700 Euro - also 700 Euro weniger. Im Länderranking stehen die fünf östlichen Bundesländer auf den fünf hinteren Plätzen:

1. Hamburg (3.718 Euro im Mittel)
2. Baden-Württemberg (3.651 Euro)
3. Hessen (3.593 Euro)
4. Bremen (3.475 Euro)
5. Bayern (3.449 Euro)
6. Saarland (3.392 Euro)
7. Nordrhein-Westfalen (3.391 Euro)
8. Rheinland-Pfalz (3.265 Euro)
9. Berlin (3.242 Euro)
10. Niedersachsen (3.175 Euro)
11. Schleswig-Holstein (3.045 Euro)
12. Sachsen-Anhalt (2.595 Euro)
13. Brandenburg (2.593 Euro)
14. Sachsen (2.587 Euro)
15. Thüringen (2.553 Euro)
16. Mecklenburg-Vorpommern (2.496 Euro)

Allerdings haben die östlichen Bundesländer auch leicht aufgeholt, wie eine weitere
Auswertung der BA-Daten durch die AfD zeigt: So stieg das mittlere Einkommen in den neuen Bundesländern von 2017 auf 2018 um 4,88 Prozent - in den alten um 2,85 Prozent.

Hintergrund

Die Entgeltstatistik beruht auf einer bestimmten Spanne beim Einkommen. Der obere Rand wird durch die Grenze bestimmt, bis zu der Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden. Gebildet wird aus der Spanne ein Mittelwert, der Median.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

21 Kommentare

  1. 21.

    Der Vergleich nur über den Aspekt "Einkommenshöhe" greift m.E. zu kurz, beim Regionenvergleich. Es gibt auch in den alten Bundesländern genügend Regionen mit niedrigerem durchschnittl. Grundeinkommen. Dafür sind aber auch die Mieten niedriger bzw. bewohnt jeder sein Eigenheim. Es kommt auch immer auf den Mix aus Soft- und Hardfacts an. Lebensqualität bemisst sich nicht nur nach Einkommenshöhe, ist aber m.E. der wesentliche Aspekt für die Attraktivität einer Region. Die Regionen stehen mit ihrer individuellen Attraktivität: Unternehmensstruktur/ Freizeitmöglichkeiten/ Schulen/ Kitas/ Familienfreundlichkeit/ Vielfalt/ Qualität d. Verwaltung etc. etc. untereinander im Wettbewerb. Jede-r entscheidet seine Prioritäten individuell. Eine Gleichmacherei kann doch gar nicht funktionieren und warum auch? Was bleibt in München einer Altenpflegekraft am Monatsende und was in Beelitz? Wer hat in der Rente das EFH und wer eine noch teurere MW? Wie leicht kommt man an den Kitaplatz? Etc.

  2. 20.

    Alle Euros sind gleich, nur einige sind gleicher als die anderen.

  3. 19.

    Die Arbeit ist im Osten nicht weniger wert als im Westen. Sie wird nur unterschiedlich bezahlt. Aber stellen Sie sich vor: In der Westpfalz wird auch schlechter bezahlt als im Münchner Umland. Löhne auszuhandeln ist Sache der Tarifparteien. Oder wollen Sie , dass die Löhne wieder staatlich festgelegt werden ?

  4. 18.

    Darum geht es nicht, sondern darum, dass die Arbeit im Osten weniger Wert ist als im Westen, obwohl die Kosten, die die Menschen im. Osten zu tragen haben, auf Westniveau sind.
    Und das alles nach 30 Jahren Einheit, erklären Sie das mal den Kindern im Westen und Osten, was sie erwartet. Auf deren Rückfragen und Ihre Erklärungversuche wäre ich gespannt.
    Das die Arbeitnehmer im. Osten das nicht nachvollziehen können ist selbsterklärend und diese Abwertung manifestiert sich in Wahlergebnissen und Stimmungen.
    Jetzt erklären Sie doch mal, warum Menschen Arbeit im Osten weniger Wert sein soll als im Westen.

  5. 17.

    Es wird hier von manchem Kommentator der Eindruck erweckt, durch die Wiedervereinigung sei den Menschen im Osten etwas böses angetan worden, daher der Vergleich. Und wer hat vor 1989 nochmal die Wirtschaft gelenkt ? Sicher keine Tarifparteien.

  6. 15.

    Hat auch mal einer ausgerechnet, wie hoch die Löhne wären, wenn sie heute noch von der SED festgelegt würden ?

  7. 14.

    Im Studium habe ich auch gelernt, dass Produktivität von den Produktionsmittel (und damit einhergehenden Investitionsfreiheiten/-möglichkeiten) abhängt.
    D.h. wo keine Kohle, da keine Investition...
    Glauben Sie mir, dass die Ossis nicht faul sind (das impliziere ich in ihrem Beitrag), sonst wären sie nicht in Scharen im Westen als billige Arbeitnehmer aufgenommen worden.

  8. 13.

    Da die Produktivität nur ein Verhältnis zwischen In und Output angibt ist diese Kennzahl nicht aussagekräftig: Wenn Maggi im Osten No-Name Produkte produzieren lässt und billig verkauft muss die Produktivität geringer sein. Tatsächlich arbeiten die Mitarbeiter in mehr Stunden zu geringeren Löhnen. Die Arbeitsproduktivität ist sogar höher! Auf Lehrer z.B. kann man das so nicht anwenden.

  9. 12.

    Mensch Meier, jetzt haben Sie als Dauerausschreibender es ja mal einem kleinen Angestellten so richtig gezeigt.
    Woher möchten Sie denn wissen, ob ein Angestellter weniger Kalkulationen in den Händen halten würde, als jemand wie Sie?
    Als kaufmännische Kraft ist man wohl eher mehr mit Angeboten beschäftigt als Sie glauben.

  10. 11.

    Wer solche Parolen verbreitet, sollte wenigstens so redlich sein, sie nicht sinnfrei aus dem Zusammenhang reißen. "Ein Grund dafür sei, dass es dort nach wie vor an großen Unternehmen mangele, die auch in Forschung und Entwicklung investierten" (Zitat DIE ZEIT) Es mangelt eben an genau den großen Unternehmen, die Treuhand und Kohlregierung flächendeckend plattgemacht haben. Und jetzt kommt jemand wie Sie daher und bastelt den Ostdeutschen daraus einen Vorwurf. #kannstedirnichtausdenken

  11. 10.

    Ja, und ich kriege als Inhaber eines Bauingenieurbüros bei meinen Ausschreibungen im Berliner Raum von den Osthandwerkern grundsätzlich die günstigeren Angebote. Da kann ja Ihre Pauschalbehauptung, es gäbe immer die gleiche Preiskalkulation, nicht stimmen. Und ich denke, ich vergleiche als Ausschreibender deutlich mehr Preise, als Sie als kleiner Angestellter überblicken können.

  12. 9.

    Ich kenne das aus eigener Erfahrung, habe jahrelang für Handwerks und Dienstleistungs- Unternehmen in Berlins gearbeitet,alles ost Chefs, dort wurden geringere Löhne gezahlt als bei den jetzt arbeitenden West Arbeitgeber, die Ost und West Arbeitgeber haben übrigens die gleiche Preiskalkulation, und das sind kaum Einzelfälle.

  13. 8.

    Laut einer im März veröffentlichten Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle liegt die Produktivität der ostdeutschen Bundesländer immer noch 20% unter der des schwächsten westdeutschen Landes (Saarland). Wer Lohnangleichung fordert sollte sich diese Tatsache vielleicht mal vergegenwärtigen.

  14. 7.

    Im roten Brb. muss man sich im öffentlichen Dienst sogar mit Klagen gegen zu geringe Bezahlung innerhalb einer Lohngruppe wehren. Zusätzlich kommen noch 2 Lohngruppen unterhalb eingestuft und dann noch mehr Stunden usw. Unbedingt die SPD abwählen!

  15. 6.

    Von welchen ostdeutschen Unternehmern reden Sie? Vom Bäcker abgesehen, sind die Unternehmer nicht selten Westdeutsche, die ostdeutsche Betriebe von der Treuhand billigst abgekauft haben. Ich kenne diverse Betriebe mit dieser Konstellation. 85% der volkseigenen ostdeutschen Liegenschaften verschleuderte die Treuhand an westdeutsche und 10% an ausländische "Investoren". Nur 5% durften von Ostdeutschen erworben werrden. Also wovon zum Geier reden Sie?

  16. 5.

    .. hallo Maro, die Treuhand hat schon dafür gesorgt, dass es im Osten kaum Ostfirmen und viele Westfirmen gibt..da geht auch die Kohle hin..

  17. 4.

    Das liegt auch zum Teil daran, daß sich die ostdeutschen Unternehmer den Rachen füllen und nicht genug bekommen können und ihre Mitarbeiter halt unter Tarif arbeiten. Die Preise sind im Osten und Westen genauso, aber die Gewinnmagen sind im Osten höher, da der Lohn niedriger ist. Das zieht sich vom Einzelhandel hin bis zum verarbeitenden Gewerbe über die Industrie.

  18. 3.

    Diese Statistik wundert mich nicht! Eine Politik, die fast 30 Jahre mit Billiglohn wirbt, um Firmen in den ostdeutschen Raum anzulocken, damit Sie dort investieren! Dann braucht man sich auch nicht zu wundern, daß die Löhne niedriger sind als im Westen! Dann ist es auch kein Wunder, daß die gut ausgebildeten Jugendlichen dann in den Westen gehen!

  19. 2.

    Aber richtig überzogen :-)
    Abgesehen von der bekannten, eklatanten Ungleichbehandlung bei Löhnen/Gehältern und Renten, die bis heute dank einer aus Templin stammenden (aufgewachsenen) Kanzlerin nicht behoben wurden - denn sie sollte als Mensch die Bedingungen sehr gut kennen und daher die Verbitterung der Menschen im OSten Deutschlands am ehesten verstehen können, ist das, was ich als ehemaliger West-Berliner (und ebenso Angeschissener!), was sich Gleichheit nennt - wirtschaftlich zwar auf der Zahlerseite voll angekommen - auf der Arbeitnehmerseite aber noch immer nicht. Und dank erfolgreicher Lobbyarbeit wird dies wohl noch zu lange so bleiben.
    Die große Sauerei ist, dass die Herrschaften unter der Käseglocke bis heute nicht kapieren, dass Deutschland keine Grenzen, insbesondere was die EInkommen betrifft, mehr haben dürfte.

Das könnte Sie auch interessieren