Symbolbild: Reinigungskraft mit Putzwagen in einem weitläufigen Flur. (Quelle: dpa/Hoermann)
Bild: dpa/Hoermann

Tarifkonflikt - Gebäudereiniger wollen für Überstundenzuschlag demonstrieren

Schulen oder Büros in Berlin und Brandenburg könnten demnächst ungeputzt bleiben: Im Tarifstreit wollen die Gebäudereinigungskräfte den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Am Donnerstag protestieren sie in Berlin - auch Warnstreiks sind denkbar.

Im Gebäudereiniger-Handwerk spitzt sich der Tarifkonflikt zu. Die IG Bau hat für diesen Donnerstag zu einer Kundgebung in Berlin aufgerufen. Ab 14 Uhr wollen am S-Bahnhof Schönhauser Allee Gebäudereiniger aus Berlin und Brandenburg demonstrieren. Neben der besseren Bezahlung von Überstunden für Teilzeitkräfte fordert die IG Bau auch ein Weihnachtsgeld, 30 feste Urlaubstage und eine gerechtere Bezahlung für ausgebildete Reinigungskräfte.

Anlass ist die Neuverhandlung des Tarifvertrags für die Gebäudereinigungsbranche zwischen der IG Bau und dem Bundesinnungsverband der Gebäudereinigungsbetriebe, die am Donnerstag in eine neue Runde geht. Der alte Tarifvertrag war im April von den Arbeitgebern aufgekündigt worden.

Überstunden-Bonus nur für Vollzeitmitarbeiter?

Hintergrund ist ein Gerichtsentscheid des Bundesarbeitsgerichts aus dem Vorjahr, bei dem ein Referenzfall dafür geschaffen wurde, dass auch Teilzeitbeschäftigten ein Überstundenbonus zusteht. Dies hätte eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung für die Reinigungsbetriebe bedeutet, da sie die im Tarifvertrag vereinbarten 25 Prozent Bonus bisher nur an Vollzeitmitarbeiter zahlen, die durch Überstunden die 40-Stunden-Grenze überschreiten. Ein Großteil der Gebäudereiniger arbeitet in Teilzeit.

Insgesamt arbeiten in Berlin laut IG Bau 38.000 Beschäftigte in der Gebäudereiniger-Branche, also etwa in Schulen, Büros oder Fabriken. In Brandenburg gibt es nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit 21.700 Arbeitnehmer in Reinigungsberufen und knapp 5.000 Gebäudereinigungskräfte. 

Warnstreiks angedroht

Der Job als Gebäudereiniger ist häufig wenig arbeitnehmerfreundlich. Beschäftigte erhalten nur etwas mehr als den Mindestlohn, trotz zunehmend stressiger Arbeitsbedingungen. Viele Arbeitgeber kalkulieren knappe Zeiten für das Reinigen, was die Arbeitnehmer unter Druck setzt. Die Angst, den Job zu verlieren, zwingt viele Gebäudereiniger dazu, ein paar Stunden dranzuhängen, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden – und zwar ohne Lohnausgleich.

Die zunehmende Personalnot führt ebenfalls dazu, dass viele Gebäudereiniger Mehrarbeit oder Vertretungen für Kollegen in Form von Überstunden auf sich nehmen. Das neue Gesetz für Mehrarbeitsprozente gilt zwar bereits seit Januar 2019, wirkt sich allerdings noch nicht auf die Zahlungen aus. Zu spät oder gar nicht gezahlte Löhne, nicht vorhandene Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Feiertagszuschläge sowie die fehlenden Überstundenzuschläge sorgen für eine zunehmend angespannte Situation. 

Die IG Bau hatte vor wenigen Tagen mit Warnstreiks gedroht, sollte die Tarifrunde am 15. August erneut keinen Durchbruch bringen. Die Friedenspflicht zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber ist Ende Juli ausgelaufen.

Der Text entstand im Rahmen der rbb-Sommerakademie 2019.

Sendung: Abendschau, 15.08.2019, 19.30 Uhr

Beitrag von Laura Blüggel, Jonas Enke und Othman Nooruddin

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wir haben den großen Gebäudedienst namens G. im Hochaus. Seit dem ist alles verdreckt, das Haus, die Aufzüge, der Hof. Haben Überstunden-Zuschläge nicht was mit arbeiten zu tun?

  2. 2.

    Ihr Kommentar beruht sicherlich auf eigene Beobachtungen!? Haben Sie sich eventuell auch die Mühe gemacht, Ihren "Blick" zu schärfen? Was würden sie denn erwarten, wenn Sie für ihre Wohnung, die eventuell genau 100 qm hat, eine Putzfrau engagieren und für die komplette Reinigung der Wohnung zwischen 0,80 bis 1,20 Euro bezahlen? Erwarten Sie wirklich eine Saubere Wohnung? Unser Senat, der Millionen für unsinnige Feldsteine auf Straßen und Begegnungsstätten ausgibt, der nicht zimperlich ist für jede Menge Nonsens in der Stadt die Rechnung zu bezahlen, sträubt sich dagegen, für Dienstleistungen einen fairen Preis zu zahlen! Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Viele Schulen wären viel sauberer, wenn kleine Anbieter auch ein Chance hätten, einen direkten Vertrag zu bekommen. Schuld sind einzig die Ausschreibungen, die nur großen "Ausbeuterfirmen" einen Zuschlag erteilen. Und nein, ich komme nicht aus der Branche!

  3. 1.

    Fällt nicht weiter auf, die Schulen und Kindergärten werden ja auch so entweder gar nicht oder nur schlecht geputzt.

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