Der Entwurf der Deutschen Bahn für einen der neuen Doppelstockzüge. Quelle: Deutsche Bahn
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Video: rbb|24 | 10.08.2019 | Bild: Deutsche Bahn

Nachtzüge von Berlin - Neuer Intercity soll von der Ostsee bis nach Wien fahren

Erlebt der Nachtzug ein Comeback? Fahrten von spät bis früh durch Deutschland bieten derzeit vor allem ausländische Unternehmen an. Die Deutsche Bahn liebäugelt aber mit einem IC von der Ostsee bis nach Wien. Allerdings ohne Schlafwagen. Von Roberto Jurkschat

Die Deutsche Bahn plant derzeit eine Nacht-Intercity-Linie, die von der Ostseeküste über Berlin bis nach Wien fahren soll. Laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" könnte die Bahn dafür doppelstöckige IC-Waggons auf die Gleise schicken, die mit bis zu 200 Stundenkilometern unterwegs sein können. Bereits im Juli hatte die Bahn bekanntgegeben, 17 gebrauchte, aber "neuwertige", Zugeinheiten von der österreichischen Westbahn erworben zu haben [bahn.de].

Österreichischer "Nightjet" schon jetzt im Einsatz

DB-Sprecher Ingo Priegnitz bestätigte rbb|24 am Freitag, dass diese zwei Jahre alten Züge derzeit noch zwischen Salzburg und Wien verkehren und im Dezember der Bahn übergeben werden sollen. Nach ihrem Umbau sollen sie ab dem Frühjahr zunächst auf der IC-Linie zwischen Rostock, Berlin und Dresden zum Einsatz kommen, auf der die Bahn den Takt schrittweise auf bis zu acht Fahrten pro Tag in beide Richtungen verdichten will.

Laut Zeitungsbericht sollen einige der neuen Züge aber auch als Nacht-IC von der Ostsee nach Österreich fahren: Von Warnemünde über Rostock, Berlin, Leipzig, Jena, Saalfeld, Nürnberg, Regensburg, Passau und Linz bis nach Wien. Eine direkte Nachtzugverbindung in die österreichische Hauptstadt gibt es ab Berlin allerdings auch heute schon: Seit vorigem Dezember fährt vom Hauptbahnhof der sogenannte "Nightjet" der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf einer südöstlichen Route über Breslau nach Wien.

Im Sitzen bis nach Wien?

DB-Sprecher Priegnitz betonte gegenüber rbb|24, dass die neue Linie sich derzeit noch in der Planung befinde. "Der Stand kann sich in den nächsten Wochen noch einmal ändern, deshalb können wir diese Meldung noch nicht bestätigen und vor allem die Haltestellen noch nicht endgültig benennen." Ob die neue IC-Verbindung wirklich kommt, will die Bahn spätestens Mitte September bekanntgeben - dann werden die neuen Fahrpläne veröffentlicht, die ab Dezember gelten.

Fest steht, dass der Nacht-IC wenn überhaupt ohne Schlafabteile auf die Gleise gehen wird. Die Deutsche Bahn verfügt in ihren Nachtlinien nicht mehr über Schlafwaggons, wie sie in den Linien anderer Anbieter, und auch im "Nightjet", angeboten werden. ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder sagte rbb|24, dass die Funktion der neuen IC-Linie eher darin bestehe, Reisende auf kürzeren Abschnitten dieser langen Strecke zu transportieren. "Vermutlich möchten die meisten ja nicht im Sitzen von der Ostsee bis nach Wien fahren."

Der Entwurf für den Innenraum eines neuen IC-Doppelstockwaggons. Quelle: Deutsche Bahn

Berlin-Zürich schon lange "rentabelste Verbindung"

2016 hat der damalige Bahn-Chef Rüdiger Grube die früher unrentablen Schlafabteil-Nachtzüge abgeschafft - trotz vieler Proteste. Über ein schlechtes Geschäft klagt die ÖBB nun allerdings nicht. "Wir hatten im Winter saisonbedingt etwas schwächere Zahlen, aber das hat sich seit dem Frühjahr geändert", sagte Bernhard Rieder. "Wir können mit Sicherheit sagen, dass wir diese Verbindung noch viele Jahre anbieten wollen."

Laut Rieder könnte das Nachtzug-Netz der ÖBB sogar noch erweitert werden: 13 neue Züge habe das österreichische Staatsunternehmen bestellt, mit den neuen Fahrzeugen seien ab 2020/21 auch in Deutschland weitere Verbindungen denkbar. Für die ÖBB sei die rentabelste Nachtzugstrecke sei schon immer die Verbindung von Berlin nach Zürich - über Potsdam, Göttingen und Freiburg. Sie wurde nach einer kurzen Pause wieder aufgenommen und derzeit täglich befahren. Fahrgäste können entscheiden, ob sie im Liege-, Sitz- oder Schlafwagen die Reise auf sich nehmen.

Im Sommer können Berliner direkt nach Malmö fahren

Seit die Deutsche Bahn ihr Nachtzug-Angebot zurückgefahren hat, sind andere Unternehmen nur vereinzelt in die Bresche gesprungen. Ab Berlin ist das Angebot übersichtlicher geworden. Ein russischer Zug fährt zwei Mal pro Woche von Berlin nach Paris - und in die andere Richtung von Berlin über Warschau und Minsk nach Moskau. Die Fahrt in die russische Hauptstadt dauert circa 23 Stunden.

In der Sommerzeit gibt es zwei Mal in der Woche den Berlin-Night-Express, der in 14 Stunden von Berlin ins schwedische Malmö rauscht. Das Besondere: Einen Teil der Strecke legt der Zug dabei auf einer Fähre zurück. Eine Fahrt kostet circa 100 Euro pro Person. Auch die schwedische Bahn hat laut Medienberichten eine Nachtzug-Offensive angekündigt: Die rot-grüne Regierung in Stockholm unterstützt den Ausbau des Angebots demnach finanziell, um das Reisen mit dem Zug gegenüber dem Fliegen attraktiver zu machen.

"Jazz Night Express" war ein einmaliges Angebot

Mit dem ungarischen MAV Start können Berliner außerdem über Nacht nach Budapest reisen – und noch immer bietet die Deutsche Bahn Verbindungen über Krakau ins polnische Przemysl und auf die Ostseeinsel Rügen an [bahn.de].

Eine einmalige Verbindung bot Ende Juni der sogenannte "Jazz Night Express": Ein privater Nachtzug, der vom 28. bis 30. Juni 2019 erstmals zwischen Rotterdam, Amsterdam und Berlin unterwegs war. Bei dem Zug handelte es sich um einen rollenden Jazzclub mit Livemusik, Bar und Retro-Speisewagen. In Schlaf- und Liegewagen konnten Reisende an Bord auch Ruhe auf der langen Strecke finden.

Nachtzug-Verbindungen durch Berlin

Europäische Nachtzüge (Quelle: rbb|24)

Beitrag von Roberto Jurkschat

Kommentar

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Antwort auf [Thomas Rohnke] vom 19.08.2019 um 07:10
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30 Kommentare

  1. 30.

    Die Westbahn ist, wie alle neuen im FernVerkehr tätigen Privatbahnen ( RegioJet, Leo, Flix ... ) ein Problem, denn in ihren Zügen gelten NUR IHRE BILLETTE, nicht aber die CIV-Tarife oder Tarife der jeweiligen Staatsbahn . ( Das regelt die Schweiz übrigens, mit ihren vielen Privatbahnen besser ! ); von daher sind jetzt weniger Westbahnverbindungen für den einheitlichen österreich. Eisenbahnverkehr sicher ein Gewinn. Eine interessante Frage an die Staatsbahnen ist aber : ?? wieso die Privatbahnen teilweise deutlich billigere Billette anbieten können ?

  2. 29.

    Früher gab es D-Züge, auch solche, die über Nacht verkehrten, zwischen den Großstädten, spät abends los, am frühen Morgen ankommen; zwischendurch wurden auch die localen Nachthüpfer bedient. Eine eigene Zuggattung für NachtZüge ist Unsinn. Die Züge müssen , wie früher Abteilwagen mit ausziehbaren Sitzen in der 2. Classe ( für die Armen ), auch einen halben Wagon 1. Classe, und dann Liege -& Schlafwagen für Reisende mit mehr Comfortbedürfnis und gut gefülltem Geldbeutel haben. Nachts beleuchte Sitzwagenzüge mit unbequemen Sitzen auf die Strecke zu schicken , ist totaler Wahnsinn !

  3. 28.

    Die ÖBB haben nicht nur 13 neue Nachtgarnituren bestellt, sondern ein britisches Designstudio engagiert, um Nachtzüge in Europa neu zu definieren. In 1:1 Modellen konnten man im Foyer der ÖBB-Zentrale letztes Jahr bereits probeliegen. Als Innovation wird es Waggons mit Hotelkapseln nach japanischem Vorbild (Capsule Hotels) geben. Einzelkabinen, ausreichend geräumig, mit einer Rolltür abschließbar, Außenfenster. Ausreichend Stauraum und Waschräume inklusive. Über die preisliche Gestaltung ist noch nichts bekannt. Könnte aber der Renner werden, weil Ruhe wie im 1-er und Komfort wie im Schlafwagen.

  4. 27.

    Schon blöd, dass die Bahn ihre Schlafwagen abgeschafft hat.
    Noch blöder, dass sie nun auch die übriggebliebenen Schlafwagenzüge, die die ÖBB - rentabel - in Deutschland fahren lässt, mit eigenen "Nachtzügen" (Sitzzüge, ohne Schlafwagen) Konkurrenz machen will.

    Ich war begeisterter Liegewagenfahrer, solange es sie gab. Auch beruflich. Ich vermisse sie sehr.
    Nachtreisen sind sehr kinderfreundlich. Bei An- und Abreise können auch Kinderlose je einen Tag gewinnen; sie kommen morgens ausgeschlafen an!

    Eine 150 Jahre alte Reisekultur ging verloren. Sogar der Nachtzug nach Paris wurde abgeschafft, obwohl er immer ausgelastet war. Unvergessen sind auch die Autozüge. Unsere Nachbarländer schaffen es (z. B. Österreich mit der ÖBB), die Schlafwagenzüge weiter zu betreiben.

    In Deutschland werden "echte" Bahnleistungen solange schlecht gerechnet, bis sie sich angeblich nicht mehr lohnen. Und stattdessen "Hauptbahnhofs"-Monster gebaut, die für den Bahnbetrieb gar keinen Sinn machen.

  5. 26.

    Schmerzhaft fehlt der Schlafwagen Berlin-Brüssel-Paris. Den habe ich früher häufig genommen. Abends in Berlin schlafen gehen, morgens in Brüssel oder Paris ausgeschlafen den Tag beginnen oder von Brüssel mit dem Eurostar nach London weiter. Eine perfekte Verbindung, die unbedingt wiederhergestellt werden sollte!

  6. 25.

    Wieder so eine sinnlose Idee der Bahn, womöglich als Versuch einer Antwort auf die Nachtzüge der Konkurrenz?

    Ein Nachtzug, in dem man wirklich zur Ruhe kommen kann, braucht komfortable Wagen und relative wenige Stationen auf einer Langstrecke. Diese neu erworbenen Triebzüge wurden mit ihrer hohen Beschleunigung und ihren relativ unbequemen Sitze für Kurz- und Mittelstreckenverkehr gebaut.

    Statt der Veröffentlichung neuer Schnapsideen sollte die Deutesche Bahn endlich alle Anstrengungen unternehmen, den vorhandenen Wagenpark besser zu warten und die Pünktlichkeit ihrer vorhandenen Züge deutlich zu verbessern.

  7. 24.

    Ob mir nun am Tag der Rücken schmerzt oder nachts: Ich finde Nachtzüge sehr sinnvoll für Fernreisen, schon um den Regulärverkehr zu entlasten. Wenn ich die freie Zeitwahl habe, fahre ich doch lieber abends, wenn weniger Passagieraufgebot herrscht und grundsätzlich alles ein bischen ruhiger ist. Fährt der Zug dann noch ohne Umsteigen durch - umso besser. Klar - Flix und Co gehen hier natürlich auch, wenn die Strecke nicht ganz so lang ist.

  8. 23.

    Es sind nicht die Sitze eines einstöckigen ICE2. Das Foto zeigt die Bestuhlung im Oberdeck der Westbahn, erkennbar auch an den farblichen Applikationen.

    Bei der ÖBB hatte bereits vorher das Schlafwagengeschäft eine wesentlich größere Bedeutung als bei der DB. Nach einigen Diskussionen kommt man auch weiterhin mit einer Fahrkarte aus, wenn auch keine Online-Karte. Zudem haben die andere Entgeltstrukturen. Wenn man mal über den Mauerrrand schaut, findet man in ganz Deutschland durchaus diverse Betreiber auch im Bereich der Autoreisezüge.

    "Die Wiener Alpen, auch bekannt als Wiener Alpenbogen, befinden sich in den Nördlichen Kalkalpen in unmittelbarer Nähe zur österreichischen Bundeshauptstadt Wien." schreibt Wikipedia. Nach 8h im ICE ist die Unschärfe verschmerzbar. Wie lange der komfortable innovative spurtstarke S-Bahn-Zug (KISS) benötigen wird, ist ebenso unbekannt wie der Umfang des Umbaus durch die DB.

  9. 21.

    Sehr gute Idee. Bitte umsetzen. Weniger Umsteigen erhöht eindeutig die Bequemlichkeit. Lieber eine lange Strecke, als den Zug wechseln zu müssen. Beim Fliegen ist nonstop auch das beste. Auch im Nahverkehr. Jedes Umsteigen kostet Zeit

  10. 18.

    Wien liegt nicht „in den Alpen“, sondern im Donautal am Wienerwald. Und was auf dem Bild aussieht wie zwei Liegen, sind 8 Sitzplätze. Abgebildet ist ein ICE2, der ungefähr so komfortabel ist wie der bauähnliche Regionalexpress und m. E. ab zwei Stunden Fahrt einer Tortur gleicht. In einem solchen Wagen würde der Bahn-Vorstand die Fahrt „von der Ostsee in die Alpen“ wohl schon in Berlin abbrechen, genervt und mit Rückenschmerzen. Die ÖBB hat die wichtigsten Nachtzugverbindungen übernommen, die die DB angeblich nicht rentabel betreiben konnte, da braucht es gar nicht "viele Anbieter, die in die Bresche springen". Das klingt nach Bahn-Sprech, der Wettbewerb im Fernverkehr suggeriert. Wenn die Bahn angeblich noch gar nicht weiß, was überhaupt Sache ist, warum gibt dann der RBB eine solche halbseidene Sommerloch-PR-Meldung wieder?

  11. 17.

    In den neuen IC Doppelstockwagen kann man die Sitze nicht mehr zurückkippen, die Kopfstütze bleibt starr, da bekommt man schon nach 10 Minuten Rückenschmerzen. Gleiches gilt für den ICE 4.

  12. 16.

    Mit der üblichen hellen Beleuchtung der Wagons ist das Fahren bei Nacht nur eine Zumutung.

  13. 15.

    Wann kommt der Nachtzug nach Kiew wieder?

  14. 13.

    Nachtzüge schon immer überteuert. 100euro für eine Fahrt die normal 6 Stunden dauert. Also 200 Euro zusammen. Kann ich gleich fliegen.

  15. 12.

    Deart lange Streckenführungen dürften äußerst störanfällig sein, da kommen im ungünstigen Fall schnell mal "einige Minuten" an Verspätungen zusammen. Warum macht man nicht kürzere Strecken draus?

  16. 11.

    Es existiert in Deutschland schon längst eine Besteuerung von Flugreisen.
    Diese nennt sich Luftverkehrsabgabe und hat ein Aufkommen von 1,3 Mrd. Euro pro Jahr!

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