Neu errichtete Häuser stehen in einem Berliner Neubaugebiet. (Quelle: imago-images/photothek)
Audio: Inforadio | 30.08.2019 | Peter Klinke | Bild: imago-images/photothek

Erst- und Neuvermietung - Mieten in Berlin haben sich in zehn Jahren verdoppelt

Wer in Berlin eine Wohnung sucht, hat es mitunter schwer. Nicht nur, weil das Angebot knapp ist. Die durchschnittliche Angebotsmiete bei Erst- oder Neuvermietungen liegt inzwischen bei über 11 Euro - und damit doppelt so hoch wie noch vor zehn Jahren.

In Berlin müssen Wohnungssuchende im Durchschnitt doppelt so hohe Mieten zahlen wie noch vor zehn Jahren. Das geht aus der Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Die Antwort liegt der Nachrichtenagentur dpa vor.

Während Berliner Vermieter 2008 bei Erst- oder Neuvermietungen durchschnittlich 5,59 Euro pro Quadratmeter verlangten, waren es 2018 bereits 11,09 Euro. Die Zahlen beruhen auf Daten des Bundesinstitutsfür Bau-, Stadt- und Raumforschung. Nach einer Untersuchung von Immowelt setzt sich der Trend in Berlin auch 2019 fort, das Inserateportal kommt im Mittel auf 11,60 Euro. Der Mietspiegel, in den auch Bestandsverträge einfließen, gibt eine Miete von durchschnittlich 6,72 Euro an.

Linke für bundesweiten Mietendeckel

Bundesweit sind die Angebotsmieten bei Erst- oder Neuvermietung innerhalb eines Jahrzehnts um 39 Prozent gestiegen. Ein bundesweiter Mietendeckel könne "den Mietenwahnsinn stoppen und die soziale Spaltung verringern", sagte die stellvertretende Fraktionschefin der Linken, Caren Lay. Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus hält einen Mietendeckel dagegen für grundgesetzwidrig und spricht von Enteignung. 

Die rot-rot-grüne Regierungskoalition hält weiterhin am Mietendeckel fest – trotz einer öffentlichen Debatte über ein umstrittenes Papier aus der Stadtentwicklungsverwaltung. Am vergangenen Sonntag waren Ideen aus dem Ressort von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) bekanntgeworden, wonach Wohnungen je nach Alter und Ausstattung künftig nicht mehr als 3,42 bis 7,97 Euro Kaltmiete je Quadratmeter kosten dürfen. Ihre Lage soll dabei keine Rolle spielen. Bausenatorin Lompscher betonte, das Papier bilde nur einen Zwischenstand ab. Einen ersten konkreten Entwurf für ein Mietendeckel-Gesetz will sie bis Ende der Woche erarbeiten.

Kritiker werfen Lompscher vor, mit einem Mietendeckel nicht das Problem zu lösen, dass es zu wenige Wohnungen in der Stadt gibt, und die Knappheit möglicherweise noch zu verschärfen, weil Investoren abgeschreckt werden könnten.

 

Sendung: Inforadio, 30.08.2019, 07:20 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

8 Kommentare

  1. 8.

    Im Vergleich zu Wien sind hier die Mieten für neuere Wohnungen auf dem privaten Markt oft immer noch spottbillig. Und von den hunderttausenden kommunaler Wohnungen finden gerade mal rd. 2.000 pro Jahr einen neuen Mieter. Da kann man hier auch die Wohnungstauschbörse mit gleichbleibender Miete als vollen Erfolg vermelden.

  2. 7.

    Haben sich die Löhne in den letzten zehn Jahren verdoppelt? Die Verdoppelung der Mieten bedeutet auch die Verdoppelung der Gewinne aus Mietzahlungen, einfach so. Aber bei der Einführung einer Mietobergrenze droht Enteignung und der Untergang des Abendlandes. Dabei sind die Einzigen, die hier enteignet werden die Mieter, die einen immer höheren Anteil ihres Einkommens für Wohnraum ausgeben müssen.

    Im übrigen gilt in Österreich bereits seit 1994 ein Gesetz zur Begrenzung der Mieten. Der nationalen Oligarchie geht es dennoch prächtig. Auch von einen Massenexodus der Reichen und Superreichen aus Österreich hat man noch nichts gehört. Ein ebenfalls nicht unwesentlicher Aspekt dazu, rasant steigende Mieten haben einen negativen Effekt auf die Konjunktur, da Menschen, die 40 Prozent oder mehr für Miete ausgeben weniger für den Konsum zur Verfügung haben. Aber derartige Erkenntnisse scheinen für Neoliberale zu hoch.

  3. 6.

    Ihr Luxus ist inzwischen Standard, und über den Fahrstuhl werden ältere Menschen nochmal froh sein. Denn oftmals müssen die ausziehen, weil sie die Treppen nicht steigen können.

  4. 5.

    Immer wieder bemerkenswert, mit wie wenig journalistischer Nachfrage und (Sorry RBB) auch Sorgfalt hier die nackten Zahlen aus Anfragen der Linkspartei verbreitet werden. Um sich ein genaues Bild machen zu können, fehlen grundlegende Informationen. Wie war der Bestand und die Ausstattung damals, wie ist sie heute. Sehr viele Wohnungen werden schließlich vor Vermietung modernisiert. Für den erhöhten Wohnwert muss ein Mieter aber nun mal auch mehr zahlen. Der nächste Aspekt ist, wie sich die Neumieten auf die Baujahre verteilen. Neubau ist heute viel teurer als vor 10 Jahren. Ohne all diese Aspekte sind die nackten Zahlen sinnfrei. Es gibt unbestritten für viele Menschen in Berlin Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Bestandsmieten bewegen sich aber immer noch auf einem verhältnismäßig geringen Niveau für eine Großstadt. Hier sind wohl eher die Einkommen das Problem.

  5. 4.

    Wie wäre statt dessen ein Bauzwang auf Baugrundstücken und eine Anspruch uf Bauland bei Bedarf (Höhe oder Breite)
    Denn due Mietbremse schaft keine einzige Wohnung, sondern verhindert deren Bau sogar.
    Sowie ein Verbot von Ferienwohnungen ohne Genemigung

  6. 3.

    In dem mir vorliegenden Mietspiegel sind die Mieten nach Baujahren gestaffelt. Die höhere Neubaumiete fließt bei der Bewertung der Mieten für eine Altbau nicht ein. Es gibt ggf. indirekte Einflüsse, weil z.B. im Rahmen des Neubauvorhabens die Infrastruktur aufgewertet wird, indem z.B. Schulen und Kitas gebaut werden oder die ÖPNV-Anbindung verbessert wird - ok, das nicht.

  7. 2.

    Es sollte zwischen Neubau und Neuvermietung unterschieden werden.
    Neubau wurde 1997 im 2ten Förderweg mit 16 DM o. 8,12€ als angemessen angesehenen,von der IBB akzeptiert und gefördert. Nicht immer wurden diese Beträge erreicht, der Eigentümer musste die Deckungslücke selbst tragen. Das war eine Folge des Mietermarktes. Nicht wenige kamen dadurch ins Straucheln.

  8. 1.

    Dass die Neuverträge so teuer sind, liegt bei Neubauten hauptsächlich an den ganzen Bauvorschriften und den steigenden Preisen der Baufirmen, weil einfach ein Mangel an Baufirmen herrscht. Unser Neubau in einer Genossenschaft hat eine Kostendeckende Miete ohne Rendite. Auch hier liegt die Miete bereits bei 10 Euro kalt!

    Zusätzlich wird in Neubauten viel mehr "Luxus" verbaut. Fußbodenheizung, Fahrstuhl......

    Durch die hohen Mieten im Neubau wird auch der Mietspiegel insgesamt in die Höhe getrieben. Mich wundert, dass dies keiner bedenkt, wenn nach immer mehr Neubau gerufen wird. Mehr Neubaumieten = höherer Mietspiegel für alle

Das könnte Sie auch interessieren